Susanne Breit-Keßler über schlampige Spieler und schicke Trainer

Feinmechanische Modegiganten
Ein Paar Sportschuhe und eine blaue Krawatte

Foto: Susanne Breit-Keßler

Ready to go

Ich bin die Tochter eines Schiedsrichters. Das steht regelmäßig neben meinem Blog.  Wahrscheinlich will die Redaktion auf diese Weise meine WM-Qualifikation unterstreichen. Eigentlich war mein Vater Feinmechaniker, aber das spielt momentan keine Rolle. Ich schreibe ja nicht über Präzisionsarbeit  in Optik und Mechanik.

Mein Vater pfiff beinhart und messerscharf. Feinmechaniker eben. Spieler wie Ronaldo, die ihre Hosen so weit hochziehen, dass man meint, sie hätten keine an, wurden von ihm mindestens verwarnt. Auch Trikots, die aus der Hose hingen, und Stutzen, die rutschten, erregten sein Missfallen. Spieler, so fand mein Vater, hätten  sich regelkonform zu kleiden. 

Weste, königsblau und undone 

Auch Trainer nahm er unter die Lupe. Vorbild für die Jugend? Oder Kerle, denen man von außen ansieht, dass  innen nicht viel los ist? Roberto Martinez von den Belgiern hätte ihm gefallen und Gareth Southgate - der englische Coach mit der Weste. Dunkelblau oder mit feinem senkrechten Schriftzug „It’s coming home“. Die Mannschaft, aber nicht der Pokal. Bei beiden. 

Der französische Trainer Deschamps gilt nicht als Stilikone wie Southgate. Aber er trägt weltmännisch-feines Königsblau mit schwarzem  Schnürschuh. Mein Vater hätte bemängelt, dass das weiße Hemd einen offenen Kragen hat. Und das womöglich auch beim Endspiel! Zlatko Dalic, der gegnerische Final-Kroate, hat lange Haare. Sie haben ein „Undone-Finish“. Oder sind „out-of-bed“.

Mein Vater hätte gesagt, der Dalic sollte sich mal kämmen. Aber er hat selbst bei mir von „Zimpelfransen“ gesprochen. Zlatko Dalic trägt Hemd, Pullover, Anzughose. Kein Sakko. Oft Krawatte. Das hätte dem Schiri-Papa gefallen. Und Outfit hin oder her - ich weiß, was er wusste: Um zu siegen, braucht es weniger Klamotten. Eher ausgefeilte Technik. Feinmechanik sozusagen. 

 

 

 

 

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Über diesen Blog

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler betreibt aktuell den Blog "Mahlzeit!" auf chrismon.de. Bis 2019 war sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Momentan ist sie Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates. Was nicht alle wissen: Sie ist als Schiedsrichtertochter vor allem glühender Fußballfan und richtet ihren Terminkalender auf jeden Fall nach wichtigen Spielen aus.

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Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

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Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat