Susanne Breit-Keßler über italienische Dessous

Striptease auf dem Fußballfeld
Manchmal ist weniger mehr

Getty Images

MUNICH, GERMANY - JULY 02: (BILD ZEITUNG OUT) . the player's of Italy celebrate after winning after the UEFA Euro 2020 Championship Quarter-final match between Belgium and Italy at Football Arena Munich on July 2, 2021 in Munich, Germany. (Photo by Harry Langer/DeFodi Images via Getty Images)

Manchmal ist weniger mehr.

“Macho macho kannst ned lerna, macho macho muaß ma sei …“ So singt der ehemalige Ministrant und Austropopper Reinhard Fendrich seit 1988. Aus guten Gründen ein echter Alltime-Hit. Der gläubige Christ und ehemalige Kokser soll ihn komponiert haben, nachdem in einer deutschen Frauenzeitung die Rückkehr vom Softie zum Macho gefordert wurde. Da kommt so einiges an interessanten Rahmenbedingungen zusammen. Aber wie auch immer.

Die Österreicher haben im Achtelfinale gegen Italien verloren und die Squadra Azzurra hat dafür Belgien im Viertelfinale besiegt. Im Anschluss daran haben einige italienische Spieler - Andrea Belotti, Giovanni di Lorenzo, Alessandro Bastoni - vor Begeisterung nicht bloß Trikots, sondern die Hosen ausgezogen und den Fans als denkwürdiges Souvenir zugeworfen. Die Kicker marschierten fidel in, sagen wir mal, recht knappen Unterhosen über das Spielfeld.

Designerwäsche unter Satin

Fendrich singt: „Er hat einen Hintern wie Apollo / In seinen Hüften schwingt Elan / Hat einen Charme wie Rene Kollo / Und einen Blick wie Dschingis Khan / Du bleibst dein Leben lang ein Dodel hat ihn der Lehrer oft geneckt / Heut ist er Unterhosen-Modl, ein Macho und ein Lustobjekt …“ Das mit dem Dodel lassen wir mal, das heißt dummer Mensch. Bestenfalls Kindskopf. Über die furiosen Spieler von La Nazionale würde ich das wirklich nicht sagen. Wäre gemein und so bin ich nicht.

Aber das Unterhosen-„Modl“, im Wienerischen betont auf der ersten Silbe, ist echt lustig. 2006 wurden tatsächlich einige Spieler von den Top-Designern Dolce und Gabbana angeheuert, um die Unterwäschekollektion der beiden zu bewerben. Ansonsten lassen die Italiener auch ohne Werbung immer mal wieder die Hosen runter. Torwart-Legende Gianluigi Buffon etwa hat es schon gemacht, als sein Verein Juventus Turin in der Champions League nur ein Unentschieden gegen Barcelona erreichte.

Damals, 2006, bekamen die Spieler für die WM in Deutschland nicht bloß Unterhosen, sondern auch elegante dunkelblaue Satin-Anzüge von Dolce und Gabbana. Dazu Jeans und Blazer. Gli Azzurri wurden übrigens Weltmeister. Wer schneidert eigentlich die Sachen für die deutsche Mannschaft? Macho Macho muaß ma sei? Vielleicht muss man einfach sein letztes Hemd oder die vorletzte Hose geben, um als Sieger vom Platz zu gehen. Die Italiener könnten es nach diesen Vorspielen wieder schaffen …

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler betreibt aktuell den Blog "Mahlzeit!" auf chrismon.de. Bis 2019 war sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Momentan ist sie Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates. Was nicht alle wissen: Sie ist als Schiedsrichtertochter vor allem glühender Fußballfan und richtet ihren Terminkalender auf jeden Fall nach wichtigen Spielen aus.

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Susanne Breit-Keßler
31 Beiträge

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

Text:
Dominique Bielmeier, Dorothea Heintze, Anne Buhrfeind
30 Beiträge

Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.

Text:
Claudius Grigat
25 Beiträge

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat