Susanne Breit-Keßler über die politische Bedeutung von Fußball

Heute kein Regenbogen in München
Susanne Breit-Keßler Heiliger Rasen Regenbogen

Getty Images/Alexandra Beier

Da durfte sie bunt leuchen - heute Abend nicht: Die Allianz-Arena in München im Januar 2021

MUNICH, GERMANY - JANUARY 30: Picture, made with a drone, shows the Allianz Arena soccer stadium illuminated in rainbow colours during the Bundesliga match between FC Bayern Muenchen and TSG Hoffenheim on January 30, 2021 in Munich, Germany. On the occasion of the "Remembrance Day in German Football", FC Bayern wants to send a signal against discrimination and raise awareness for more tolerance in our society. (Photo by Alexandra Beier/Getty Images)

Menschenrechte haben keine Halbzeitpause

Da sind wir wirklich dankbar. Die Europäische Fußball-Union Uefa hat den DFB nicht dafür bestraft, dass Nationaltorhüter Neuer eine Regenbogen-Kapitänsbinde trägt. Nach einer Prüfung hat das Gremium festgestellt, dass  sie "als Zeichen … für Vielfalt und damit für 'good cause' bewertet" wird. Die Chefs der Uefa mussten erst darüber nachdenken, ob Sportler sich öffentlich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass einsetzen dürfen.

Soll ich euch mal was sagen? Fußball ist kein politikfreier Raum. Wenn in Qatar bei der Vorbereitung der WM 2022 Tausende von Bauarbeitern aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka sterben, dann geht das alle an. „Die Welt zu Gast bei Freunden“ war 2006 WM-Motto in Deutschland. Was einer herzlichen, fairen und anständigen Gemeinschaft zuwiderläuft, ist kritikwürdig. 

Weltoffenheit: Bitte später! 

Beim Spiel Ungarn gegen Frankreich in der Budapester Puskas Arena gab es Affenlaute zu hören, wenn Superstar Kylian Mbappé, in Paris geborener Sohn eines Kameruners und einer Algerierin, „vom Leder zog“. Karim Benzema, der Franzose mit algerischen Wurzeln, wurde ebenfalls verbal angepöbelt. Portugals Fußballgott Ronaldo bekam auch üble Worte an den Kopf geworfen. Eine Schande für den Fußball, dessen Fans global denken sollten.

Die Stadt München wollte für das Spiel Deutschland gegen Ungarn die Allianz Arena in Regenbogenfarben leuchten lassen. Die Arena, in der die Ultra-Fans vom FC Bayern schon sensationelle Choreographien in Erinnerung an den früheren jüdischen Club-Präsidenten und jüdische Mitglieder aufgeführt haben. Ein Ort, an dem das „Nie wieder“ hochgehalten  wird. Der Regenbogen sollte einen neuen, zusätzlichen Akzent der Toleranz setzen.

Nein, sagt die Uefa. Den Respekt vor Menschenwürde kann man auch ein andermal beleuchten. Nicht gerade dann, wenn die Ungarn aufmarschieren, vor allem aber Ministerpräsident Orbán zuschaut. Ich wünsche mir von meiner Mannschaft heute Abend nicht nur ein Superspiel. Sondern auch das, was den Fußball im Eigentlichen ausmacht: Freude an der Verschiedenheit, Achtung voreinander. Ein Kniefall wäre sehr in Ordnung.

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Über diesen Blog

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler betreibt aktuell den Blog "Mahlzeit!" auf chrismon.de. Bis 2019 war sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Momentan ist sie Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates. Was nicht alle wissen: Sie ist als Schiedsrichtertochter vor allem glühender Fußballfan und richtet ihren Terminkalender auf jeden Fall nach wichtigen Spielen aus.

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Susanne Breit-Keßler
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Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

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Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Claudius Grigat