Susanne Breit-Keßler über die Nationalitäten bei der WM

Susanne Breit-Keßler über die Nationalitäten bei der WM
Fahnen hissen!
Eine deutsche Flagge, ein wenig zerknittert

Foto: Susanne Breit-Keßler

Was vom Tage übrig bleibt

Meine Kollegin ist wie ich ein hard core Fußballfan. Frauen halt, was soll man sagen. Über die Bundesliga sprechen wir nicht. Nie. Das könnte zu ungeahnten Unstimmigkeiten führen, die wir sonst nicht haben. Sie kommt aus Franken, ich aus Oberbayern.... Schweigen ist in dem Fall sicher Gold. Europa- und Weltmeisterschaften sind etwas anderes. Da wissen wir voneinander, für wen wir sind. 

Wir schreiben Spieltermine in den Kalender. Und besorgen Fanuntensilien. Aber da gibt es einen entscheidenden Unterschied. Während ich alles mit Schwarz-Rot-Gold bestücke, rennt sie durch die Kaufhäuser. Die Fahnen aller Mannschaften müssen her. Was sie nicht bekommt, bastelt sie selbst. Beginnt ein Spiel, hat sie für sich und ihre Gäste die Flaggen der jeweiligen Mannschaften aufgestellt.

Viele viele bunte Fahnen

Nach dem Ausscheiden von La Mannschaft oder wie man die Deutschen jetzt nennen soll, hat sie abgesehen von ihrem Frust keine Probleme. Tapfer stellt sie neben der deutschen bei den Spielen weiterhin ihre Fähnchen auf. Sie ist absolut auf der Höhe der Zeit. Ich hingegen seufze still vor mich hin. Natürlich habe ich meine Fahne noch nicht weggeräumt. Ich bin unerbittlich treu. Aber das ist halt nur eine einzige. 

Eine, die bei der WM nichts mehr verloren und zu suchen hat. Bei meiner Kollegin geht es nach wie vor bunt zu. Sie macht beim Beflaggen mit bis zum Schluss. Ich beneide sie ein bisschen darum. Meine Kollegin heißt Barbara. Auf deutsch: Fremd. Und wild. Man könnte auch sagen: Eine globale Denkerin. Weltoffen. Mit einem weiten Herzen für alle. Und dabei leidenschaftlich für Deutschland. Sie sollte in die Politik gehen.

 

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Über diesen Blog

Fußball ist ihr Leben - sagt Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie bereits bei der EM 2016 - auf, was sie während der WM in Russland bewegt

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon und betreibt aktuell das "Blog "Mahlzeit!" auf chrismon.de. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt". Was nicht alle wissen: Sie ist ein glühender Fußballfan und richtet ihren Terminkalender durchaus nach wichtigen Spielen aus.

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