Susanne Breit-Keßler über das Aus für Deutschland

Susanne Breit-Keßler über das Aus für Deutschland
Game over
Ein Mann zieht an einer Tür

Foto: Susanne Breit-Keßler

Drücken oder ziehen? Egal. Die Tür zur WM ist zu

„Zwickt‘s mi, i man i tram! Des derf ned wohr sein, wo samma daham?“ Das hat der Österreicher Wolfgang Ambros vor über 40 Jahren gesungen. Immer noch aktuell der Song. Denn ich habe auch das Gefühl, dass ich träume und zwar schlecht. Dass das einfach nicht wahr sein darf: La Mannschaft ist ausgeschieden. In der Vorrunde. Sie sind letzte in ihrer Gruppe. Trotzdem braucht mich keiner zwicken. Ich weiß, es ist wahr.

Was ich jetzt fürchte, sind die diversen Bewältigungsmechanismen. Es gibt Wichtigeres, sagen die, die moralisch erhaben sind über Niederungen des Fußballs. „Denk an die Probleme dieser Welt ...“ Ja doch! Tu‘ ich täglich! Mann! Muss diese Mannschaft dazu auch noch verlieren? Oder: „Es ist gut, über den tieferen Sinn von Niederlagen nachzudenken.“ Nein. Ist es nicht. Wer braucht Niederlagen, wenn man ins Achtelfinale kommen könnte?

Des war‘s

Dann die Love and Peace Typen: „Hey! Wir sind sowieso voll für die Kleinen“. Rührend. Japan, Senegal, Schweiz. Das kann man kirchlich auch noch prima von der globalen Nächstenliebe her begründen. Immer gerne. Aber doch nicht bei einer WM, Mensch! Wer eher hilflos sagt: „Äh, öh, gut, wir können bei offenem Fenster schlafen, weil es keinen Auto-Corso gibt“ ist mir dagegen noch fast sympathisch. 

Das wenigstens ist handfeste, sich selbst tröstende Verzweiflung. Mit zitternder Stimme vorgetragen. Aber letztlich ist alles total daneben. In einer für Kenner bedeutsamen Szene der Helmut Dietl-TV-Serie „Monaco Franze - der ewige Stenz“ sagt der Held, ein echter Hallodri, die trefflichen Sätze: „Ein rechter Sch...dreck war‘s, altmodisch bis provinziell war‘s. Des war‘s.“ Viel mehr Analyse braucht es nicht. 

Überkommener, aufgeblasener, pomadiger Altherren-Stehfussball war das. Grottenschlecht. Hätten sich die deutschen Fußballer samt ihrem lässigen Trainer-Team mal besser am christlich-tatkräftigen Liedgut orientiert: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen.“ Da wäre was los gewesen auf dem Platz. War aber nicht. Nichts mehr ist es mit draußen in der Welt spielen. Heimkommen, Jungs.

 

 

 

 

 

 

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Über diesen Blog

Fußball ist ihr Leben - sagt Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie bereits bei der EM 2016 - auf, was sie während der WM in Russland bewegt

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler schrieb viele Jahre die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon und betreibt aktuell das "Blog "Mahlzeit!" auf chrismon.de. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD und war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt". Was nicht alle wissen: Sie ist ein glühender Fußballfan und richtet ihren Terminkalender durchaus nach wichtigen Spielen aus.

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