Susanne Breit-Keßler über Bierhoff, Özil und die anderen

Teamspirit
Metallskulptur in Schweden vor blauem Himmel

Foto: Susanne Breit-Keßler

Ich bin kein ausgesprochener Fan von Mesut Özil. Er ist mir zu empfindlich. Aber ich bin stolz darauf, dass wir türkischstämmige Deutsche wie ihn in der Nationalmannschaft haben. Weltoffen stelle ich mir unser Land vor - gegen diese superkleinkarierten Mini-Pepita-Neonationalisten, die sich eine „reindeutsche“ Mannschaft für die nächste WM erhoffen. Keine Ahnung, was das sein soll. Degenerierte Menschen aus Adelsfamilien? 

So genannte „Arier“, an sich schon brüllender Schwachsinn im Blick auf Menschen, die wie wir alle eine Mischung aus allem sind, was jemals durch Europa marschierte? Was ja gemeinhin gegen Verdummung hilft, wenn auch offensichtlich nicht bei allen. Ich freue mich über Deutsche wie Özil und Gündogan, die zu uns gehören. Ich ärgere mich über ihren Auftritt mit dem türkischen Staatspräsidenten. Das war bestenfalls blauäugig. 

United we stand

Oliver Bierhoff hat jetzt nachgetreten. Man habe überlegt, Özil zuhause zu lassen. Aus sportlichen Gründen. Warum hat das Trainerteam das dann nicht gemacht? Aus sportlichen Gründen. Oder aus seelsorglichen - weil Özil sich die Kritik zu sehr zu Herzen nahm. Wenn man jemand zur WM mitnimmt, dann steht man dazu. Dann straft man ihn nicht für die eigene Entscheidung ab und gibt  den  Rechten noch mehr Anlass zur Agitation.

Bierhoff sollte sich ein Beispiel an den Schweden nehmen. Das Team hat sich hinter Jimmy Durmaz, den türkischstämmigen Spieler gestellt. Er war mit seiner Familie im Netz brutal wegen eines Fehlers im Spiel gegen Deutschland angefeindet und böse bedroht worden. Mit Mord. In einer Pressekonferenz sagte er: „Wir sind vereint. Wir sind Schweden - oder Jungs?“ „F... racism“ skandierte die schwedische Mannschaft als Antwort. 

Ich darf so etwas  nicht sagen. Hej Sverige! Tusen tack.

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Über diesen Blog

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

Susanne Breit-Keßler
Susanne Breit-Keßler betreibt aktuell den Blog "Mahlzeit!" auf chrismon.de. Bis 2019 war sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern. Momentan ist sie Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates. Was nicht alle wissen: Sie ist als Schiedsrichtertochter vor allem glühender Fußballfan und richtet ihren Terminkalender auf jeden Fall nach wichtigen Spielen aus.

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Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.

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