Franz Alt zum Thema Wettrüsten

Franz Alt zum Thema Wettrüsten
Neues atomares Wettrüsten
ATOM

pixelio.de | Gerd Altmann

Atomkraft

Anfang der 80-iger Jahre, zur Zeit des atomaren Wettrüstens im Kalten Krieg, hingen in US-Reisebüros Plakate mit der Aufschrift „Besuchen Sie Europa solange es Europa noch gibt“. Der Frieden hing an einem seidenen Faden, der auch leicht hätte reißen können. Wir hatten nur Glück. 

In dieser gefährlichen Phase eines möglich gewordenen Atomkriegs gelang es Michail Gorbatschow, ein Vertrauensverhältnis zum US-Präsidenten Reagan aufzubauen. Der Kommunist in Moskau und der Konservative in Washington erkannten, dass ein Atomkrieg nur Verlierer übrig ließe.

Der INF-Vertrag

Und sie schlossen den INF-Vertrag („Intermediate Range Nuclear Forces“). Er besagte: Die atomaren Raketen mit einer Reichweite zwischen 500 und 2.500 Kilometer werden verschrottet. Die schlimmste atomare Gefahr für Europa war gebannt.

Ist die Menschheit unfähig aus Gefahren zu lernen?

Doch jetzt hat unter Trump und Putin ein neues atomares Wettrüsten begonnen. Ist die Menschheit unfähig aus Gefahren zu lernen? Wie lange kann das atomare Glücksspiel überhaupt gut gehen?

Die USA beschuldigen Russland des Vertragsbruchs und umgekehrt. Die Gefahr eines Atomkriegs könnte in den nächsten Jahren noch bedrohlicher werden als zuvor. Denn jetzt mischen auch China und Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel mit Atombomben und Atomraketen mit.

Das Entsetzen über die Unvernunft ist allerseits groß. Europa schaut hilflos und zerstritten auf die neuen atomaren Muskelspiele. Das NATO-Mitglied Polen begrüßt die atomare Aufrüstung der USA. Paris und Berlin sind skeptisch. Aber auch in Frankreich, Israel und England wird an neuen Waffensystemen geforscht.

Das neue Wettrüsten hat bereits begonnen. Überall werden sogar automatisierte Kriege vorbereitet, selbstständig agierende Killer-Automaten werden erprobt. Allein Donald Trump will für das neue Wettrüsten in den nächsten zehn Jahren 494 Milliarden Dollar zusätzlich. Der US- Militäretat ist etwa achtmal höher als der russische. Wer bedroht hier eigentlich wen?

Gorbatschows Appell: Wir sind EINE Menschheit!

Ein Atomkrieg, sagt Michail Gorbatschow in unserem gemeinsamen Buch „Nie wieder Krieg – Kommt endlich zur Vernunft“, wäre der „letzte Krieg der Menschheitsgeschichte, weil es danach keine Menschen mehr gäbe, die noch einen Krieg führen könnten.“

Der INF-Vertrag war der bisher mutigste Abrüstungsvertrag der Geschichte. Gorbatschow sieht jetzt sein Lebenswerk zerstört. Als die US-Raketen vernichtet wurden, sagte US-Präsident Bush „Das ist der Tag, an dem wir damit anfangen, den Rüstungswettlauf umzukehren“. Kanzler Kohl sagte: „Frieden schaffen mit immer weniger Waffen“.

Wo ist jetzt die Friedensbewegung?

In der UNO haben 2018 über 120 Länder eine atomwaffenfreie Welt gefordert. Warum, Herr Putin und Herr Trump, interessiert Sie das alles nicht? Was ist das für eine Welt, in der zwei ängstliche Politiker aus Machtgier sich über die ganze Welt hinwegsetzen können? Wo ist jetzt die Friedensbewegung? Nie in den letzten 35 Jahren waren die Friedensmärsche an Ostern so wichtig wie 2019.

  • "Der Kalte Krieg ist zurück" | Kommt es zu einem neuen atomaren Wettrüsten oder zu einer Wiederauflage des Kalten Krieges? Davor warnt der Überwinder der letzten Eiszeit, Michail Gorbatschow, in einem Buch, das er zusammen mit Franz Alt herausgibt.
  • ZEIT-ONLINE: 14.465 Atomsprengköpfe | Bevor der Kalte Krieg endete, gab es 70.300 Atomsprengköpfe, heute sind es 14.465. Ohne den INF-Vertrag droht wieder ein Wettrüsten. Aber es geht nicht nur um die Zahl.

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Über diesen Blog

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Franz Alt
Dr. Franz Alt, Jahrgang 1938, war 20 Jahre lang leitender Redakteur und Moderator des ARD-Magazins "Report". Heute arbeitet er als freier Autor und Kolumnist. In der edition chrismon gibt von ihm das Buch zu seinem Blog: "Die Alternative. Plädoyer für eine sonnige Zukunft."

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Zwei Redaktionen, ein Blog: Dominique Bielmeier arbeitet bei der Sächsischen Zeitung in Dresden. Anne Buhrfeind und Dorothea Heintze bei chrismon in Frankfurt. Nun bloggen sie: Über ihren Redaktions-Austausch, ihr Leben als Ossi im Westen, ihr Leben als Wessi im Osten. Und ihren Alltag, hier wie dort.