Franz Alt zum Thema Corona-Virus

Klimaschutz und Corona: Es hilft nur Solidarität!
Coronavirus - Frau

pixabay.com | geralt

Coronavirus - Frau

Coronavirus - Frau

"Jüngere Menschen gefährdet das Coronavirus weniger als ältere. Um die Alten zu schützen, sollten die Jungen jetzt das zeigen, was sie von den Alten in Bezug aufs Klima fordern: Verzicht." Das schreibt die "Spiegel" Kolumnistin Samira El Ouassil.

Die Kollegin hat Recht, wenn sie einen "altenfreundlichen kategorischen Imperativ" einfordert: "Lebe so, dass die Ältesten in deiner Umgebung durch deine Handlungen nicht fahrlässig in Gefahr gebracht werden".

Dieser Appell ist so vernünftig wie verständlich - nachdem die Mediziner auf der ganzen Welt sich darin einig sind, dass Ältere, vor allem über 80-Jährige, besonders gefährdet sind und Jüngere weit weniger. Mit Herz und Verstand, so Angela Merkel, sollten sich jetzt alle in Solidarität üben. Nur so könne die Ausbreitung des Virus verlangsamt werden. Gefragt ist jetzt vor allem die Solidarität der Jungen gegenüber den Alten.

Solidarität und Nächstenliebe

Das Beispiel Italien zeigt dramatisch, was passiert, wenn  durch schnelle Ausbreitung das Gesundheitssystem überfordert ist. Oberste Pflicht von allen - der "kategorische Imperativ" - ist es jetzt, dabei mitzuhelfen, die Ausbreitung zu verlangsamen. Das ist ein Dienst an der gesamten Gesellschaft. Die gute alte Gewerkschaftstugend "Solidarität" oder auch christliche Nächstenliebe sind jetzt gefragt. Die bisher besonnene Haltung von Politik und Medizin in Deutschland lässt hoffen, dass wir diese Herausforderung bestehen. Und wie ist es bei der Klimaerhitzung?

Die Klima-Demonstrationen der "Fridays-for-Future"-Bewegung gehen überall dort weiter, wo sie jetzt noch möglich sind. Die Klimaerhitzung lässt sich durch die neue Pandemie vielleicht etwas abmildern, aber mit Sicherheit nicht stoppen. Was die Bundesregierung jetzt bei ihrem letzten Energie-Gipfel dazu beschlossen hat, ist das Gegenteil einer wirksamen Klimaschutzpolitik.

Gestritten wird zwischen SPD und Union noch immer über Abstände von Windrädern zum nächsten Haus und über die Beseitigung des Solar-Deckels, also der Begrenzung des weiteren Ausbaus der Sonnenenergie. Der weit raschere Ausbau der erneuerbaren Energien ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass die Bundesregierung ihre eigenen Klimaziel erreicht und damit "Solidarität" gegenüber der jungen Generation zeigt. Der jüngste Klimagipfel der Groko hat bewiesen, dass die Regierung gegenüber der jungen Generation überhaupt nicht solidarisch ist. Wie will sie dann glaubwürdig die Jungen um Solidarität gegenüber den Alten bitten? Kein gutes Vorbild!

Wo bleibt die Solidarität mit der Jugend?

Solidarität kann dann gelingen, wenn sie keine Einbahnstraße ist. Auch viele Ökonomen glauben in diesen Tagen an Umsicht und Einsicht sowie an Altruismus und  Solidarität: durch Verzicht auf Fußballspiele, auf Disko-Besuche, auf Reisen und auf Großveranstaltungen. Nur die Bundesregierung lässt die Jungen in ihrer Sorge ums Klima noch immer völlig allein. Auch hier hilft nur ein "kategorischer Imperativ fürs Klima": Schütze das Klima so, dass auch Kinder und Enkel noch ein angenehmes Leben führen können.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Franz Alt
Dr. Franz Alt, Jahrgang 1938, war 20 Jahre lang leitender Redakteur und Moderator des ARD-Magazins "Report". Heute arbeitet er als freier Autor und Kolumnist. In der edition chrismon gibt von ihm das Buch zu seinem Blog: "Die Alternative. Plädoyer für eine sonnige Zukunft."

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Johann Hinrich Claussen
208 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
21 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das eigene Wohnglück zu finden ist.

Text:
Susanne Breit-Keßler
132 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
Hanna Lucassen
32 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.

Text:
Franz Alt
171 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Susanne Breit-Keßler
31 Beiträge

Fußball ist ihr Leben - sagt die ehemalige Regionalbischöfin und Schiedsrichtertochter Susanne Breit-Keßler. Und da der Ball rund ist und das zugehörige Spiel mindestens die wichtigste Nebensache der Welt, schreibt sie - wie schon bei der EM 2016 und der WM 2018 - wieder auf, was sie während der EM 2021 bewegt.