Franz Alt zum Angriff auf die Demokratie in den USA

Wer in der Demokratie schläft…
USA-Donald Trump

pixabay.com | geralt

USA-Donald Trump

USA-Donald Trump

Trump rief, Trump hetzte, seine Kameraden kamen und schlugen zu. Nur eine kleine Gruppe von Radikalen?

Trump bekam bei der Wahl am 3. November 2020 74 Millionen Stimmen, nochmal acht Millionen mehr als vier Jahre zuvor. Er hatte schon vorher gehetzt und gehasst.

Doch jetzt der Putschversuch, ein Angriff auf die Demokratie. Das ist die Saat, die der Faschist im Weißen Haus gesät hat. Seit dem 6. Januar 2021 kann man Trump einen Faschisten nennen: fremdenfeindlich, frauenverachtend, gewaltbereit und Demokratie verhöhnend. Alle Andersdenkenden sind Feinde, die mit allen Mitteln bekämpft werden müssen.

Historisches Datum: 6. Januar 2021

Dieser 6. Januar wird in die Geschichte eingehen. Vor dem Kapitol in Washington geschah ein „Kapitolverbrechen“ (Süddeutsche Zeitung). Tausende Trump-Anhänger – meist weiße Männer – wiederholten alle Lügen „ihres“ Präsidenten: „gestohlener Wahlsieg“, „der radikale Linke Joe Biden“, „Demokraten sind Verräter“.

Schließlich stürmten viele von ihnen das Kongressgebäude und unterbrachen die Sitzung der Abgeordneten, auf welcher der Wahlsieg von Joe Biden bestätigt werden sollte. Dieser Anschlag auf die Demokratie wurde sofort nach der Novemberwahl vorbereitet.

Der „Rettet Amerika Marsch“ wurde finanziert mit den 200 Millionen Dollar an Spendengeldern, „um Trump mit allen erdenklichen und unerdenklichen Mitteln doch noch zur Fortsetzung seiner Präsidentschaft zu verhelfen“ (TAZ).

Zwei Tage zuvor hatte Trump angekündigt, vor seinen Anhängern zu sprechen. Sie haben dann gerufen „Kämpft für Trump“, „Kämpft für Trump“, „Kämpft für Trump“. Umso unverständlicher, dass die Polizei auf diesen Sturm offenbar nicht genügend vorbereitet war.

Nun muss derselbe Trump mit einem Amtsenthebungsverfahren rechnen. Nur vorsichtig distanzierte er sich von den Gewalttätern und rief ihnen noch nach: „Wir lieben euch. Ihr seid etwas ganz Besonderes“. Seine Demonstration kostete fünf Menschen das Leben. Doch das scheint diesem Egomanen so schnuppe zu sein wie der Tod von über 200.000 Menschen, die bislang in den USA im Zusammenhang mit Corona gestorben sind. Es sind schon Politiker aus geringerem Anlass zurückgetreten.

Und nun? Amerika wohin?

Viele rechte Ideologen reagieren mit Stolz und Begeisterung auf die Ereignisse in Washington. Im Netz kursieren bereits Vorschläge wie man es beim nächsten Sturm nicht nur in Washington, sondern auch in Berlin besser machen sollte. Beide Ereignisse, in Berlin im Herbst 2020 und in Washington am 6. Januar 2021, zeigen wie zerbrechlich die Demokratie ist, wenn viele Bürger nicht mehr an sie glauben. Die Führer in Moskau, Peking, Nordkorea, Istanbul oder Budapest werden sich freuen.

Am selben 6. Januar 2021 unterstützten ein Drittel aller republikanischen Abgeordneten im Repräsentantenhaus Trumps Putschversuch und widersprachen noch immer Bidens Sieg. Des Präsidenten Anschlag auf die Demokratie konnte noch mal abgewehrt werden, doch seine eigene Partei hat er für lange Zeit zerstört.

Die Lehre für alle Demokraten: Wer in der Demokratie schläft, kann in einer Diktatur aufwachen.

Die USA brauchen jetzt einen politischen Marshallplan.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Franz Alt
Dr. Franz Alt, Jahrgang 1938, war 20 Jahre lang leitender Redakteur und Moderator des ARD-Magazins "Report". Heute arbeitet er als freier Autor und Kolumnist. In der edition chrismon gibt von ihm das Buch zu seinem Blog: "Die Alternative. Plädoyer für eine sonnige Zukunft."

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Franz Alt
161 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
Johann Hinrich Claussen
199 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
Susanne Breit-Keßler
126 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
10 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das eigene Wohnglück zu finden ist.

Text:
Hanna Lucassen
26 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.