Franz Alt den Bundestagswahlen 2021

Politik-Wandel statt Klimawandel
Franz Alt bei „Fridays for Future-Demo in Berlin (24.9.21)

privat

Franz Alt bei „Fridays for Future-Demo in Berlin (24.9.21)

Franz Alt bei „Fridays for Future-Demo in Berlin (24.9.21)

Für die meisten älteren Menschen ist das Klima bei ihrer Wahlentscheidung ein Thema unter vielen anderen. Für die Jüngeren aber ist es die Überlebensfrage schlechthin. Beinahe jeder zweite Erstwähler oder jede zweite Erstwählerin hat Angst vor der sich immer deutlicher abzeichnenden Klimakatastrophe.

Eine Milliarde Kinder!

Die UNICEF, die Kinderhilfsorganisation der UNO, hat kürzlich festgestellt, dass durch den Klimawandel eine Milliarde Kinder betroffen sein werden: Sie werden sterben oder von einer schweren Krankheit wie Malaria betroffen sein. Der Bericht „Die Klimakrise ist eine Krise der Kinderrechte: Einführung des Klima-Risiko-Index für Kinder“ ist die erste umfassende Analyse von Klimarisiken aus der Perspektive von Kindern.

Wenn in dieser Situation ein Kanzlerkandidat wie Armin Laschet selbst bei einer Hochwasser-Katastrophe mit 180 Toten und mit 30 Milliarden Schäden sagt: „Man kann doch nicht wegen eines solchen Tages die Politik ändern“, dann ist die Angst der Jungen über diese Haltung älterer Politiker weiß Gott berechtigt. Viele fragen sich, was muss denn noch passieren bis auch alte Politiker anfangen zu begreifen, was der uns alle bedrohende Klimawandel mit den nächsten Generationen anstellen wird. Die Wissenschaft ist da ganz eindeutig: Der Klimawandel ist auch in Deutschland angekommen und Starkregen werden häufiger und heftiger.

Das Problem bei dieser Bundestagswahl: Leider gibt es nur 2.8 Millionen Erstwähler, aber insgesamt knapp 60 Millionen Wählerinnen und Wähler. Wie also sollen bei diesem Ungleichgewicht die Ängste der Jungen berücksichtigt werden? Jungwähler sagen bei Umfragen, dass sie zu etwa 50 Prozent die Grünen wählen, doch sie wissen auch, dass sie ein kleine Minderheit sind und viele verzweifeln daran und bekommen noch mehr Angst.

Es gibt nur eine Möglichkeit: Solidarität der Älteren mit den Jungen in der Wahlkabine. So wie die junge Generation in der Corona-Krise oft solidarisch war mit den Älteren, so sollten jetzt die Älteren am Wahltag solidarisch sein mit den Jungen und den Erstwählern.

  • „Der achte globale Klimastreik hat die Aufmerksamkeit wieder auf das Megathema gelenkt, das die Welt in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen wird wie kaum ein anderes. Wie auch immer die Wahlen am Sonntag ausgehen: Klima-Demos wird es weiterhin geben müssen. Klimareporter / Joachim Wille 24.9.21

Generationengerechtigkeit und Klimagerechtigkeit

Das kann man auch Generationengerechtigkeit und Klimagerechtigkeit nennen. Es wird sich zeigen, ob bei uns Älteren der hohe Wert der Solidarität und Gerechtigkeit nur ein Lippenbekenntnis ist oder ob wir zu echter Solidarität fähig sind. Und ob wir unsere Kinder wirklich lieben. Die Hauptfrage ist, ob wir vor allem in Verantwortung denen gegenüber unsere Stimme abgeben, die noch gar nicht wählen dürfen.

Es wird in den kommenden Jahren nur so gehen: Ohne Politikwandel ist das Klima und die Zukunft der jungen Generation nicht mehr zu retten. Die bisherige Politik der großen Koalition hat das hinreichend und für alle sichtbar bewiesen.

Also: Politikwandel statt Klimawandel! Denn sicher ist: Mit der bisherigen Politik sind die notwendigen Pariser Klimaziele nicht zu erreichen.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Über diesen Blog

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Franz Alt
Dr. Franz Alt, Jahrgang 1938, war 20 Jahre lang leitender Redakteur und Moderator des ARD-Magazins "Report". Heute arbeitet er als freier Autor und Kolumnist. In der edition chrismon gibt von ihm das Buch zu seinem Blog: "Die Alternative. Plädoyer für eine sonnige Zukunft."

Blogs auf chrismon.de

Hier finden Sie eine Übersicht aller Blogs auf chrismon.de
Und hier können Sie alle Blogs direkt abonnieren

Blogs

Text:
Hanna Lucassen
38 Beiträge

Schwester, Schwester! Hanna Lucassen erzählt von Streiks, Spritzen und Sonntagsdiensten.

Text:
Franz Alt
194 Beiträge

„Lust auf Zukunft“ will unser Kolumnist Franz Alt vermitteln. Ob Energie, Politik, Gesellschaft, Familie oder Umwelt - überall ist der Wandel möglich und durch den Wandel eine bessere Welt für uns alle

Text:
21 Beiträge

Als das Hochwasser kam, war Pastor Thomas Rheindorf gerade zur Seelsorge unterwegs. Geschichten aus dem Ahrtal: über Trauer, Tod und Hoffnung.

Text:
Johann Hinrich Claussen
226 Beiträge

Auch das Überflüssige ist lebens­notwendig: Der Autor und Theologe Johann Hinrich Claussen reist durch die Weiten von Kunst und Kultur

Text:
35 Beiträge

Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß aus eigener Erfahrung: Das eigene Wohnglück finden ist gar nicht so einfach. Dabei gibt es tolle, neue Modelle. Aber viele kennen die nicht. Und die Politik hinkt der Entwicklung sowieso hinterher. Über all das schreibt sie hier.

Text:
Susanne Breit-Keßler
150 Beiträge

Essen und Trinken hält Leib und ­Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Susanne Breit-Keßler wünscht Guten Appetit!

Text:
5 Beiträge

Die afghanische Frauenrechtlerin Tahora Husaini hat in Berlin Zuflucht gefunden. Oft ist sie mit ihren Gedanken in ihrer Heimat, bei ihrer Familie, bei den hochragenden Bergen um Kabul. In ihrem Blog nimmt sie uns mit.