Frau Otts endgültige Ablage. Diesmal: Ermahnungen

Weniger belehren, das spart Papiert, findet Ursula Ott - und besser für die Laune ist es auch!

Bitte prüfen Sie der Umwelt zuliebe, ob der Ausdruck dieser Mail er­forderlich ist. Bitte überlegen Sie, ob Sie dieses Handtuch ein zweites Mal benutzen möchten. Überlegen Sie vor jedem Einkauf, wie viele Lebensmittel Sie noch im Kühlschrank haben. Für jedes Glas Bier werden 75 Liter Wasser verbraucht. Hilfe!

Guten Tag, Sie sind eine Belastung für die Umwelt!

Vielleicht wäre es einfacher, die Absender dieser Botschaften – das sind der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, die Verbraucherminis­terin Ilse Aigner, die Wasserstiftung und ein großer Teil meiner E-Mail-Kontakte – würden sich zusammenschließen und am Kölner Hauptbahnhof ein großes Werbeplakat finanzieren: Guten Tag, Frau Ott, Sie sind eine große Belastung für die Umwelt. Sie haben heute schon Papier bedruckt, Sie haben im Hotel ein weißes Handtuch mit Lippenstiftflecken auf den Boden geworfen und eine vergammelte Mandarine entsorgt. Damit haben Sie ungefähr 3,5 Hektar Regenwald und einen großen Teil des Amazonas­beckens auf dem Gewissen und hinterlassen einen CO2-Fußabdruck Größe 54. Ehrlich, mir wäre das lieber, dann könnte ich wahlweise ein Kölsch trinken, mich in den Rhein stürzen oder mich im Kölner Dom bekreuzigen und eine Kerze für den Amazonas-Urwald anzünden.

Aber nein, so einfach will es der Deutsche dem Deutschen nicht machen. Immer schön ermahnen, auch wenn manche E-Mail dadurch so lang wird, dass sie mindestens zwei Seiten braucht, wenn man sie ausdruckt. Ob sich da einer dran hält? Irgendwie erinnern diese Er­ziehungsversuche an die Schulzeit, als spezielle Drogenpolizisten mit einem Giftkoffer ins Klassenzimmer kamen und schlimme Plakate übers Rauchen aufhängten. Wer küsst schon gerne Nikotin?, stand auf einem. Kaum war der arme Polizist weg, wurde geraucht wie doof. Und geküsst. Leider wussten wir das mit dem Amazonas noch nicht. Sonst hätten wir bestimmt auch noch Bier getrunken und Handtücher auf den Boden geworfen. Bitte, liebe ­Mitmenschen, prüfen Sie bei Ihrer nächsten Ermahnung, ob Sie wirklich meine Erziehungsberechtigten sind.

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Lesermeinungen

Frau Ott schreibt: Für jedes Glas Bier werden 75 Liter Wasser verbraucht.

Das ist nicht ganz korrekt. Das Wasser wird nicht verbraucht,
sondern gebraucht, also nur genutzt.

Denn, die Wassermenge auf dieser Welt ist konstant, das heißt immer gleich.
Nichts geht verloren.

Vielleicht meinen Sie das ja auch, dann sollte es aber auch so gesagt werden.

Ebenso wird ja mit dem Wort Energieverbrauch umgegangen.
Auch das ist falsch. Energie wird umgewandelt, von einer in die andere Art.
Wir verbrauchen zwar die Kohle oder das Öl, aber die Energie darin wandeln wir dabei um.

Sagt die Physik und ich denke sie hat Recht.

7. Mai 2012

Liebe Frau Ott,
nun muss ich doch persönlich werden:
»ICH FINDE SIE KLASSE!« – und zwar 'durch die Bank'.
Diese ältere Kolumne wähle ich für mein Kompliment, weil sie sich gut für einen Aspekt eignet, den ich besonders an Ihren Artikeln schätze: bloß nicht immer 'politisch korrekt' sein. Aber auch Schreibstil und Themenwahl: Ich freue mich jedes mal auf 'Frau Ott'.
Alles Gute für Sie und Chrismon!
Jochen Vollbach

Sehr geehrter Herr Iwan (http://de.wikipedia.org/wiki/Ivan_der_Schreckliche). Ich bedauere, dass meine Antwort (Iwan hat sich gewaschen) auf Ihre Fragen (Gott und die grüne Verzichtsmoral) bei Ihnen offensichtlich zu einer Verärgerung führte (Die seelischen Grundlagen). Da das nicht meine Absicht war (ich wollte nur launig schreiben) und ich auch nicht über mehr oder bessere Wahrheiten verfüge als Sie, beende ich hiermit meinen Disput mit Ihnen. Auch weil ich denke, das hier kein Forum ist (die Einrichtung eines Forums wäre meine Idee an die Redaktion) und diese Zeitschrift kein Ort für Ego-Spiele sein sollte. --- Sehr geehrter Herr Iwan, ich bedachte Ihre Gedanken und bedanke mich für sie. Glück Ihnen und Segen.

Liebe Kommentarschreiber, bitte beschränken Sie sich in Ihren Kommentaren auf den Inhalt der Artikel und bleiben Sie sachlich im Ton. Wir können Ihre Kommentare sonst leider nicht mehr veröffentlichen. Ihre chrismon.de Redaktion

Stephan Levko schrieb am 26. Mai 2012 Um 13:58: "Mein 1.Re .... kam nicht durch die Toleranzkontrolle ...wofür ich Verständnis habe." Diese Sorte von Haben, nämlich Verständnis haben, ist also eine Folge Ihres Seins als Anhänger der Seelenstruktur Seinsliebhaber. Da empfehle ich doch eher, Zensur immer noch Zensur zu nennen und sich zu überlegen, wie im Musterland der Meinungsfreiheit das mit Leserzuschriften so läuft und warum das so ist. Erklärt sich das tatsächlich aus angeblich unterschiedlichen Charakteren der beteiligten Redakteurinnen und Leserkommentarschreiber? Könnte es vielleicht nicht sogar so sein, dass Sie, wenn Sie einen Job bei der Redaktion hätten, genau so Leserkommentare nicht veröffentlichen würden? Das wäre ein Indiz dafür, dass die Erklärung einer Gesellschaft mit angeblichen seelischen Grundlagen möglicherweise ein Irrweg ist. _____________________________________ Zitat: "Wenn Sie also nicht sind was Sie sein wollen, sind Sie ein Selbst-Saboteur" Aha, dann muss ich also nur beschließen, Selbst-Saboteur sein zu wollen, dann bin ich, was ich sein wollte und es liegt somit kein Grund mehr vor, in mir einen Selbst-Saboteur zu sehen. Könnte diese Paradoxie ein Hinweis darauf sein, dass das ganze Konzept mit der Hochschätzung einer Kategorie Sein und der Verdammung der Kategorie Haben zwar bei frommen Menschen und solchen, die bloß zufällig so heißen, hoch im Kurs steht, aber weder die bestehende Gesellschaft auch nur im Ansatz richtig erklärt und insbesondere keine wie auch immer geartete Grundlage für eine neue Gesellschaft bietet?

Mein 1.Re auf den Text Iwan des Schrecklichen „Gott und die grüne Verzichtsmoral“ zu meiner Zuschrift „Haben oder Sein“ kam nicht durch die Toleranzkontrolle („Alfred Hitchcock“ duscht) und blieb unveröffentlicht, wofür ich Verständnis habe.
Sehr geehrter Herr Bolide der sowjetischen Kostümfilme, deshalb versuche ich es hier mit weniger Anspielungen aus der Biografie Ihrer Nickname-Figur. ----- Sehr geehrter Herr schrecklicher Iwan, alle die von Ihnen als Seinszustände genannten Fakten (Schweiß, Dreck, Haut, Job) gehören bedauerlicherweise nicht zur Kategorie Sein. Die gehören alle zur Kategorie Haben (Sie haben Schweiß auf der Haut, einen Job, sind jedoch weder Ihr Schweiß, noch Ihre Haut, noch Ihr Dreck und Job – Sie HABEN das alles nur). Und Haben ist der Bereich der Konsumtion. Und Konsumtion ist nicht nur ressourcenzugangsabhängig, sondern auch abhängig vom Sein als Mensch (woraus das Wie des Verbrauchs wesentlich bestimmt wird). Also bin ich ein Mensch, der sich selbst liebt? Wer sich selbst liebt, ist zur Liebe zu anderen befähigt und empfindet Glück, sie so zu leben. Wenn ich bewusst bin, werde ich beobachten, dass wir alle eine voneinander abhängige Sozialgemeinschaft sind. Denke ich das Gegenteil, bin ich Egoist/in (Selbstliebe fehlt hier völlig). Ich kann auch Ignorant/in sein oder jemand, der/die bewusst schädigt (Soziopathie). Das ist alles Sein. Und erzeugt je v e r s c h i e d e n e Wirkungen für uns alle, obwohl alle unter der gleichen Dusche duschen. Mit je anderen Folgen. Wir wählen unser Sein immer selbst (ich bestimme das Ihre NICHT und Gott auch NICHT = Eine Hölle hat es nie gegeben, sie gehört zum Komplex der 1. Verschwörungstheorie der Welt). Ich machte keinerlei Vorgaben, welches Sein Sie zu wählen hätten, habe jedoch schon meine Meinung was sein sollte. Und hierin kann ich irren. Wir wählen alle IMMER ein (wechselndes) Sein (Die Seinswahl ist auch immer ein kreativer Akt, nie ein normativer = Gottes Liebe bedeutet Freiheit). Auch wenn wir uns weigern zu wählen. Dann geschieht, was andere wählten. Wenn Sie also nicht sind was Sie sein wollen, sind Sie ein Selbst-Saboteur ---- Buch-Empfehlung: „Haben oder Sein“ und „Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm. So – ich hoffe dieser Beitrag kommt jetzt durch.

Stephan Levko schrieb am 15. Mai 2012 um 16:19: "Gott fragt dich nicht, was und wieviel hast du angeblich berechtigt oder unberechtigt konsumiert" Das ist aber sehr lieb vom lieben Gott, dass er anlässlich des Kreuzverhörs beim Jüngsten Gericht nicht danach fragt, ob ich die Dusche beim Einseifen habe laufen lassen. Ich ahnte schon immer, dass Gott im Grunde seines Herzens taktvoll ist. Zitat: "sondern nur, warst du die/der, die/der du sein wolltest in allem was du tatest?" Oh, diese hübsche Fangfrage Gottes lässt sich sehr leicht wahrheitsgemäß beantworten. "Nein, lieber Weltenrichter, ich war unter der Dusche nicht derjenige, der ich sein wollte. Ich war verschwitzt, möglicherweise sogar eingedreckt, aber nicht aus Freude am Schweiß und Dreck, sondern wegen des Jobs, den ich zu verrichten habe." Sind jetzt, verehrter Herr Levko, die von Ihnen zitierten Geistes- und Moralboliden Goethe, Jung und Gandhi mit mir zufrieden und damit Gott auch und ich komme in den Himmel? Oder gibt es für diese Antwort Hölle mit nur unzureichender Duschmöglichkeit? Bitte klären Sie mich auf, damit ich endlich weiß, ob ich das wahre Sein als mein Eigen habe!

Sehr geehrte Frau Ursula Ott, ich hoffe ich verstand Ihren semikabaraettistischen Artikel richtig (siehe auch meine Zuschrift „Erziehungsunberechtigte“): Sie belehren uns, dass Sie nicht belehrt werden wollen. --- Das regte mich zum Nachdenken an und die wichtigste Frage dabei scheint mir jetzt nicht zu sein, Belehrungen generell zu verbieten oder nicht (Umbenennung in Briefing reicht, denn die Weitergabe von angereicherten Informationen ist neben der Liebe und Solidarität unser anthropologisches Erfolgmodell und sollte nicht wegen der persönlichen Probleme einer einzigen Multiplikatorin 2012 in die Tonne getreten werden), sondern, weshalb wird manche Information als verärgernde Belehrung empfunden? Ist das eine Frage des Inhalts, der Quantität-/Qualität, des „Tons“, der seriellen Frequenz, der sozialen Situation? Alles wird stimmen und gleichzeitig falsch sein. Der Knackpunkt ist sicher die Beziehungsqualität beim Briefing selbst (J.W.v.Goethe: „Am liebsten lernen wir von denen, die wir lieben“). Doch die kann ein Massenmedium nicht steuern. Nicht mal Sie in Ihren Artikeln (die ich alle noch nachtäglich lesen werde, denn ich bin ein Chrismon-Leser-Novize). Ich nehme solche Situationen, wie Sie sie karikieren, mit diesen Gedanken: – Auch wenn es „belehrt“: ich wäre dumm, nicht nach den Wertinformationen darin zu fischen („Jeder Mensch hat ein Geschenk für dich“) – wenn mich etwas „nervt“, wurde ein wunder Punkt berührt und das heißt, ich verdränge was, ich habe Schuldgefühle oder mein Selbstwertgefühl ist fuzzy: ich ernte also etwas Wichtiges zur Selbsterkenntnis – Alles was ich nicht annehme (ist nicht = zustimmen), mache ich stark (Neale Donald Walsch) und ich wandle nur, was ich annehme (C.G.Jung). -- Ich ende hier scharf bremsend, sonst liest es niemand -> sieht zu lang aus. Deshalb preise ich auch die Achtsamkeit als Genuss verschaffende Lebensqualität nicht weiter. Nur noch schnell nervend belehrend: Gott fragt dich nicht, was und wieviel hast du angeblich berechtigt oder unberechtigt konsumiert (es reicht für alle, nur nicht für jedens Gier _M.Gandhi), sondern nur, warst du die/der, die/der du sein wolltest in allem was du tatest? Es kommt nicht darauf an, was du tust, nur darauf, wer du bist, wenn du etwas tust.

Sehr geehrte Frau Ursula Ott, Ihren Rat befolgend, überprüfte ich meinen juristischen Status gemäß Ihrer Frage, ob ich zu Ihren Erziehungsberechtigten gehöre. Das Ergebnis nenne ich hier nur deshalb nicht, weil es zu viel Papier (1 Seite A4 = 10 Liter Wasser) vernichten würde, wenn Sie es wieder ausdrucken.
Jetzt darf ich Ihnen sicher die gleiche Frage stellen: Sind Sie die Erziehungsberechtigte (zu was auch immer) der vermutlich millionenfachen Leserschaft des/der CHRISMON? Bitte antworten Sie mir aus Klima- Ökologischen- und Umweltgründen nur telepathisch. – Danke – Ihre Antwort ist soeben eingetroffen.

U. Kaupke schrieb am 4. Mai 2012 um 8:51: "Liebe Frau Ott, Sie haben nichts verstanden" Wie beruhigend ist es deswegen zu sehen, dass Sie, Herr oder Frau Kaupke, sehr wohl verstanden haben. Was haben Sie verstanden? Nun, wie Moral funktioniert. Dazu gehört zunächst Einsicht in die verhandelte Sache. Geht es um Wasserverbrauch, Lebensmittelhandel und Papiereinsatz? Nein, es geht immer um etwas Höheres. Es geht um mindestens die Erde. Ist die ein Planet mit Staaten darauf, die zumeist zusammen mit ihren jeweiligen Untertanen sich der Marktwirtschaft verpflichtet wissen? Gott bewahre, die Erde ist ein Puzzle! Und die ungefiederten Zweibeiner auf der Erde sind kleine Puzzleteile. So ist das! Und für ein Puzzleteil gehört sich genau eine Sache: Es hat sich einzufügen! Und wenn ein solchermaßen wild zur Einordnung entschlossenes Puzzleteilchen von einem anderen Puzzleteilchen auch nur den Eindruck bekommt, das würde irgendwie nicht mit allen Ecken und Rundungen in das große Puzzle passen, dann gibt es kein Halten mehr. Das unbotmäßige Puzzleteilchen muss zur Ordnung gerufen werden! Jawollll! ____________________________________ Also, verehrte Frau Ott: Schluss mit den in manchen Köpfen noch herumspukenden Vorstellungen, es sei jedermanns eigene Sache, wie er oder sie es unter der Dusche treibt! Einseife und Selbsteinseife haben wasserlos zu erfolgen! Und dass ich Sie nicht etwa beim Warmduschen erwische! Und überhaupt, wie kommen Sie eigentlich dazu, mit Trinkwasser zu duschen? Ab morgen will ich Sie statt dessen in der Regenwassertonne eintauchen sehen! Und Herr oder Frau Kaupke wird Ihnen dann sicher erklären können, warum dann auch nur ein Mensch weniger auf der Erde unter den miserablen Bedingungen leidet oder an ihnen krepiert, die ihm das weltweite Mitmachen beim Puzzleteilwesen bisher beschert hat.

Ich gehöre weder zu den Verschwendern, noch habe ich's nötig, dauernd ermahnt zu werden, fühle mich auch nicht angesprochen, aber es ist schon ätzend, dauernd wie ein kleiner Welpe behandelt zu werden, zumal sich auch heute schon grundsätzlich die Meinung durchsetzten konnte, dass so mancher kleine Liebling, lange nicht verzeihen kann, warum dann Menschen so behandeln ? Dahinter steckt eine äußerst negative Auffassung vom Andern, und das finde ich viel schlimmer als das Wasser, das vielleicht das eine oder andere Mal zu viel abfliesst! Es würde zu weit führen, alles aufzuzählen, was mir dazu einfällt, das schlimmste daran ist ja das Trendige, das sich wie ein Lauffeuer verbreitet, und im Nu einen auf Schritt und Tritt beinahe verfolgt. Eigentlich wissen wir doch alle längst bescheid und sind vorwiegend gut informiert..., Ich wünschte mir darin einen menschlicheren Umgang, d.h. keine hysterische Ermahnungsmanie, keinen Sauberkeitsdrill, manches wird dabei sogar beleidigend. Aber wunderbar, dass diejenigen, die es heute als so wichtig erachten, andere zu ermahnen, es endlich selber für sich auch realisiert haben. Das überflüssige Papier beispielsweise benutze ich gerne für Notizen, und ich habe es gerne, nicht dauernd am Computer zu sitzen. Das Gewissen derjenigen, die grundsätzlich bewusster mit der Umwelt umgehen, wird sicherlich öfter durch solche Ermahnungen belästigt, als das derer, die es vielleicht nötig hätten, es zu beherzigen ! Wie auch immer, das schlimmste ist die Lauffeuermanie, mit welcher sich solche Nachrichten verbreiten, wobei dies hier im Artikel erwähnte noch eher harmlos ist, obwohl auch darin die distanzlose und provinzielle Art des Umgangs miteinander in Deutschland sehr deutlich wird. Bildung führt allgemein zu mehr Achtung im Umgang miteinander, zu besseren Manieren, zu einem besseren Umgang mit der Umwelt an sich, dieser Mangel wird hier sehr deutlich. Auf der anderen Seite wird damit die Vorreiterrolle und der gute Wille der Firmen demonstriert. Vielleicht ein bisschen zu viel des Guten? Und was auch gut ist, das ist umfassende Information, nicht alles glauben, nicht sofort auf die Palme steigen, und nicht glauben, dass das Umweltproblem erst seit heute besteht, was heißt, dass viele Haushalte schon lange sparsam und umweltbewusst leben, und dann kommt jemand, der glaubt es besser zu wissen ! Der Stoff für einen Sketsch.

Liebe Frau Ott, Sie haben nichts verstanden und machen sich arrogant über (leider notwendige) Hinweise (keine Ermahnungen) lustig. Denn gerade an Menschen wie sie müssen solche Hinweise gerichtet werden.
Sicher ist der vermittelnde Ton wichtig. Aber warum braucht der Hotelgast täglich ein frisches Handtuch, wenn er 3 Tage bleibt? Wechseln Sie zu Hause auch jeden Tag ihr Handtuch? Das bezweifle ich.
Ich bin den Institutionen dankbar, die unter eine Mail den Gedanken setzen: muß es in Papierform existieren, oder hat sich der Inhalt der Mail morgen schon erledigt? Ich kann es doch online lesen! In meiner Kommune wurde darum gekämpft, die Papierflut der Beschlussvorlagen nicht gedruckt zu verteilen. Es geht um hunderte von Blättern zu den Sitzungen für 19 Gemeindevertreter! Der digitale Betrieb sollte eigentlich die Papierflut in unserem Alltag reduzieren. Aber der Trend lief umgekehrt, alles wurde (und wird häufig noch) "sicherheitshalber" ausgedruckt.
Dass wirklich verdorbene Lebensmittel verworfen werden müssen (schade, dass es dazu kommt), ist klar. Aber es geht um unverdorbene Lebensmittel, die schon im Großhandel, später nochmals im Supermarkt nur wegen eines Datums vernichtet werden. Das ist ein Politikum. Der einzelne Haushalt setzt dem dann nochmals einen Anteil drauf. Ich empfehle Ihnen dringend, sich den Dokumentarfilm "Taste the waste" über die wahnsinnige Lebensmittelvernichtungsflut anzusehen. Dann sehen Sie klarer. Der Film erhielt 8 Preise, darunter den UmweltMedienpreis/ Deutsche Umwelthilfe. Er wurde auf 30 Filmfestivals weltweit aufgeführt.
Oder unser Trinkwasser. Drehen Sie die Dusche ab, wenn sie sich einseifen? Wäre sinnvoll. Anderer Gedanke: beregnen sie den Garten mit Trinkwasser oder leiten sie das Regenwasser vom Dach in Regenwassertonnen oder Zisternen? Es gibt Regionen, die schon jetzt kein Trinkwasser mehr haben. Die Menschen verdursten dort. Unsere Region ist extrem trocken. Wie lange reicht das Grundwasser noch? Spätestens, wenn nach einem Monat mit täglich über 30°C Tagestemperatur und keinen Niederschlägen das Wasser rationiert werden muß, rufen Sie vermutlich nur verärgert den Wasserbetrieb an. Schon mal nachgedacht, woher es bei Trockenheit kommen soll?
Viele haben schon begriffen, dass das irrational ist, und handeln vernünftiger. Nicht alle Wege, die beschritten werden sollten, sind bequem. Jeder möge seinen Lebensstil prüfen und ihn den sich verschlechternden Bedingungen anpassen. Ich hoffe, Frau Ott gehört auch bald zu den nachdenkenden Menschen.
Denn ich habe drei Kinder, die auf dieser Erde noch Jahrzehnte leben wollen. Deshalb handle ich. Jeder ist ein kleines Puzzleteil dieser Erde, auch Sie.
Mit freundlichen Grüßen U. Kaupke

D.-) Schenk schrieb am 2. Mai 2012 um 12:08: "Die benannten und zur Glosse verarbeiteten Aufrufe sind Hinweise, kein "Muss", sondern ein "Kann". Ein Denkanstoß." ____________________ Die Aufrufe sind kein Denkanstoß, sondern moralische Appelle ans gemeine Volk, sich gefälligst am Riemen zu reißen. Wie immer bei solchen Aufrufen im Namen der höchsten Werte. Die Aktionäre der Hotelkette wollen nicht nur an den Löhnen für die Zimmermädchen sparen, sondern auch die Unkosten für die Wäsche senken. Was kann es da Schöneres geben als auf ein insbesondere von den Kirchen gepflegtes Bewusstsein aufzubauen, dass "der Mensch" ein Umweltferkel ist und der Wunsch nach einem neuen, sauberen Handtuch ein Grund für schlechtes Gewissen? ________________ Zitat: "Die unbeschränkte Verfügbarkeit von Waren..." Wenn hier ein Denkanstoß vorliegen würde, dann wäre wohl der Gedanke fällig, dass Waren nur denen zur Verfügung stehen, die genügend Geld haben, sie sich zu kaufen, insbesondere um damit die schönsten Geschäfte zu machen. Aber nein, dieser Gedanke soll gerade nicht sein. Es soll ausgerechnet dem lausigsten Würstchen in der sozialen Marktwirtschaft, dem Verbraucher, ein schlechtes Gewissen gemacht werden, wenn er sich ein Bier holt und dabei, soweit er sich die Benzinpreise überhaupt noch leisten kann, das Auto nimmt. ________________________ Die ganze Glosse lässt übrigens an keiner Stelle eine Kritik an dieser falschen Sicht der Dinge erkennen. Sie macht sich nur lustig über die aufdringliche Form, in der die Moral daher kommt, nicht über ihren Inhalt.

In einem christlichen Medienorgan befremdet mich ein solcher Beitrag. Warum sind die hier kritisierten öffentlichen Aufrufe in dieser Form notwendig? Sie mahnen eine Bewahrung der Schöpfung an, die absolut wünschenswert ist. Notwendig sind sie auch, weil der gesellschaftliche Konsens fehlt, der Umweltschutz - denn nichts anderes ist die Bewahrung der Schöpfung - schon im Elternhaus einfordert. Strom kommt aus der Steckdose, Wasser aus dem Hahn, Geld aus dem Automaten… Der Nachwuchs lernt seit Jahren nichts anderes. "Flatrates" werden zum Synonym für die Möglichkeit zur Maßlosigkeit. Die unbeschränkte Verfügbarkeit von Waren - Obst aus Südafrika, T-Shirts aus Asien - trägt auch nicht eben zum überlegten Umgang im täglichen Allerlei bei. Die benannten und zur Glosse verarbeiteten Aufrufe sind Hinweise, kein "Muss", sondern ein "Kann". Ein Denkanstoß.