Frau Otts endgültige Ablage. Diesmal: Das Team

Unter allen albernen Weihnachtskarten sind das die albernsten. „Ihr ­Praxisteam Dr. Schneider“, der Doktor mit seinen Mädels, alle im selben Polohemd mit roter Nikolausmütze auf dem Kopf. Ausgerechnet bei Dr. Schneider hat man das Jahr über, während man bange im Behandlungsstuhl hing, gelauscht, wie er cholerisch seine Helferinnen zusammen­faltete. Und das soll ein Team sein?

Egal, spätestens seit der legendäre Sexdoktor Sommer aus „Bravo“ zum „Dr.-Sommer-Team“ mutierte, sind auch die autoritärsten Halbgötter in Weiß angeblich „ein Team“ wie einst Jürgen Klinsmann mit seiner Elf. Und damit so verlogen wie das Chinarestaurant, bekannt für strenge ­Familienhierarchie und Selbstausbeutung, das seinen Gästen auf der Speisekarte „Guten Appetit! Ihr China-Restaurant-Team“ wünscht. Ja, ja, und es ist bestimmt auch kein Hundefleisch im Nasi Goreng.
Unter Coaches – und da kommt die grassierende Teambildung ja her – kursiert der Spruch „There is no I in TEAM.“ Will heißen: Ein echtes Team betont das gleichberechtigte Miteinander. Drum wird eine Familie nie wirklich ein Team sein – auch wenn das in modernen Erziehungskursen verlangt wird. Klar kann man Teambuilding betreiben, kann dank heftigen Merchandisings der Firma „Bob der Baumeister“ im Team brüllen: „Werden wir das schaffen? Ja, das schaffen wir!“ Aber eine Familie bleibt am Ende immer ein chaotischer Haufen mit ganz vielen Ichs, und das ist auch gut so. Waren Maria, Josef und das Jesuskind denn etwa ein Team? Team Bethlehem? Eben.

Ganz unübersichtlich wird es beim „inneren Team“, das nicht etwa eine Kleingruppe aus innerem Schweinehund und innerem Kind ist. Sondern der Versuch, aus den vielen Seelen in unserer Brust „innere Synergie­effekte“ herzustellen. Das, Entschuldigung, klingt so gemütlich wie die Ankündigung des Hotels Kristberg in Österreich, uns mit seinem „Verwöhnteam“ zu beglücken. Fehlt nur noch, dass uns Heiligabend das Team Gottesdienst zur stillen Nacht lädt. Synergieeffekt: Friede auf Erden.

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