Waffenexporte: Deutschland ist Europameister im Verkauf tödlicher Technik.

Wer könnte hierzulande seine Hände in Unschuld waschen?

Unsere Welt steht im Bann militärischer Gewalt. Wir leben noch immer im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen. Aus den ersten Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 zogen die Staaten nicht die nötige Folgerung: den generellen Bann aller Atomwaffen.

Der Prager Aufruf des US-Präsidenten Barack Obama zu einer nuklearwaffenfreien Welt ist ein neuer Vorstoß in die richtige Richtung - auch angesichts des neuen nordkoreanischen Atomwaffentests. Hoffentlich verpufft er nicht wirkungslos, wie so viele vor ihm. Ein Durchbruch in dieser Frage hätte weitreichende Folgen, nicht zuletzt für den Frieden in Nahost. Auch die mörderische Kraft anderer Waffensysteme steht uns vor Augen. Sie "konventionell" zu nennen, verharmlost die Lage. Denn sie alle, von kleinkalibrigen Handwaffen bis zu selbststeuernden Raketen, machen von modernster Technologie Gebrauch. Die Präzision ihrer tödlichen Gewalt macht Beobachter atemlos vor Erschrecken.

Hat der, der "nur" exportiert, etwa kein Blut an den Händen?

Deutschland gehört zu den Exportmeistern in diesem Bereich: in Europa an der Spitze, weltweit auf Platz drei. Wobei der Anteil an kleinen und leichten Waffen sowie an der Munition für sie steigt. Kein Grund zum Rühmen. Wie viel Tod bringen diese Exporte aus Deutschland? Und hat der, der "nur" exportiert, etwa kein Blut an den Händen?

Henning Mankell hat ein authentisches Bild vom Schicksal der Kinder gezeichnet, die in den Sog militärischer Gewalt geraten. Die einen weigern sich, mit Blut an den Händen zu leben, und fliehen. Andere geraten in die Fänge von Rebellen, Banditen oder Regierungsarmeen, mit denen zusammen sie Angst, Terror und Tod verbreiten. Der zehnjährige Nelio in Mankells Buch "Der Chronist der Winde" steht für eine Welt, in der es 250 000 Kindersoldaten gibt. Tief prägen sich die Bilder von Nelios Geschick ein: die Ermordung seiner wenige Wochen alten Schwester, der Schrei seiner Mutter, Nelios blitzartige Entscheidung, einen der Banditen zu erschießen, um die Freiheit zu erlangen.

Es handelt sich hier nicht nur um großartige Literatur. Das Leben von Kindern, die zum Kämpfen und zum Töten gezwungen werden, ist bittere Realität. In jungen Jahren haben diese Kinder bereits Blut an den Händen. Blut an den Händen haben auch die, die für Nachschub sorgen und stetig steigende Waffenausfuhren genehmigen. Besonders beklemmend sind die Sammelausfuhrgenehmigungen, bei denen darauf verzichtet wird, die Abnehmer der Waffen zu benennen.

Im Februar dieses Jahres hat die Kindernothilfe dem Bundespräsidenten 100 000 "rote Hände" übergeben: den roten Farbabdruck ihrer Hände auf weißem Papier. Damit fordern sie ein Ende für jeglichen Einsatz von Kindersoldaten. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen im Mai habe ich selbst solche "roten Hände" entgegengenommen. Wer seinen eigenen Handabdruck hinzufügt, räumt ein: Auch ich habe rote Hände, solange Kinder und Jugendliche in den Krieg geschickt werden. Vielleicht halten sie Waffen in den Händen, die aus Deutschland stammen.

Wir können unsere Hände nicht in Unschuld waschen - das demonstrieren all diejenigen, die sich an der weltweiten Aktion von Kindernothilfe, Terre des Hommes und vielen anderen Organisationen beteiligt haben. Dem Schicksal Nelios und zahlreicher Altersgenossen wehrt zwar seit 2002 eine Konvention der Vereinten Nationen, die das Rekrutieren von Kindersoldaten ächtet. Doch solange der Nachschub an Waffen nicht versiegt, werden rote Hände an der Tagesordnung bleiben.

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