Partner des Friedens

"In diesen Zeiten nach Israel?" So war eine Anzeige in deutschen Kirchenzeitungen überschrieben. Darin warb der Direktor des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros, Yeram Giladi, um Touristen. Es sei unwahrscheinlich, dass Urlauber und Pilger die Bilder der Gewalt, die die Medien zeigen, tatsächlich erleben müssten, beruhigte der Mann. Allerdings ­ und hier stockt man beim Lesen ­ sollten Gäste "Gebiete meiden, in denen es häufig zu Auseinandersetzungen kommt, also Gazastreifen und Westjordanland..."

Palästinensergebiete also. Nicht nur der dramatische Rückgang des Fremdenverkehrs, sondern auch die Aussperrung palästinensischer Arbeitskräfte aus den besetzten Gebieten trägt erheblich zur ökonomischen Krise in Israel bei. So ist der Tourismus in den Palästinensergebieten seit 1999 um 88 Prozent eingebrochen, die Landwirtschaft um 74 Prozent. Die Arbeitslosenquote bewegt sich auf 60 Prozent zu; in der ehemaligen Touristenhochburg Bethlehem liegt sie sogar bei 75 Prozent. Dass die arbeitslosen Eltern auch das Schulgeld für ihre Kinder nicht mehr zahlen können, trifft doppelt: Gerade die kirchlichen Schulen leisten einen eigenständigen Beitrag zur Friedenserziehung und zum interreligiösen Dialog. Mehr denn je sind sie nun abhängig von der Unterstützung der "Missionspartner" des 19. Jahrhunderts, unter ihnen der preußische Jerusalemsverein, der in diesen Tagen seine Gründung vor 150 Jahren feierte.

Dass Israel Besuche in den Palästinensergebieten de facto boykottiert und dass auch unser Auswärtiges Amt sie "nicht empfiehlt", warf einen schwarzen Schatten auf das Fest. Gott sei Dank lassen sich Christen in Deutschland nicht abhalten, ihre kirchlichen Partner-gemeinden zu besuchen. Gerade diese kleine Gruppe der christlichen Palästinenser setzt sich in besonderer Weise für eine demokratische Gesellschaft ein, die beiden Völkern ein Leben in Recht und Freiheit ermöglicht. Je schneller sich die Spirale der Gewalt dreht, weil jüdische Siedler die besetzten Gebiete als Teil des jüdischen Staates reklamieren und islamische Terroristen das Lebensrecht dieses Staates in Frage stellen, je mehr die Fundamentalisten auf beiden Seiten die religiöse Dimension in diesem Konflikt politisch für sich ausschlachten, desto wichtiger werden die Gruppen, die sich im Geist der Aufklärung für Pluralismus und Menschenrechte einsetzen.

Einige Kirchen in Deutschland haben nach dem Holocaust in ihren Grundordnungen festgeschrieben: Israel bleibt das erwählte Volk Gottes. Das darf nicht dazu führen, dass Unterdrückung oder Diskriminierung in Israel verschwiegen oder gar historisch oder religiös legitimiert wird. Der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates forderte 2001 ein Ende der israelischen Besatzung und beklagte "die routinemäßige Demütigung, die Segregation und Ausgrenzung der Palästinenser, durch die ihre Freizügigkeit und der Zugang zu den heiligen Stätten eingeschränkt wird, den unverhältnismäßigen Einsatz von Militärgewalt durch Israel, die Behinderung ärztlicher Versorgung und die Zerstörung von Eigentum".

Seitdem sind Tausende neue Opfer zu beklagen, unter ihnen viele junge Menschen. Die heiligen Stätten kann man nicht besuchen, ohne für Recht und Frieden einzutreten ­ in Jerusalem, in Ramallah und auch hier. Cornelia Coenen-Marx

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