Familie ist überall dort, wo Menschen für ihre Kinder oder ihre Eltern Sorge tragen. Aber was brauchen sie dafür?

"Die Familie ist out! " - "Familie ist nicht mehr modern." - "Mir geht meine Familie auf den Wecker! " Wer dachte, dass solche Äußerungen heute - zum Beispiel bei Jugendlichen - die Regel seien, der muss sich durch den "Familienreport 2009" des Bundesfamilienministeriums eines Besseren belehren lassen. Da kann man nachlesen, dass insgesamt 90 Prozent der Deutschen mit ihrem Familienleben zufrieden sind und 80 Prozent einen engen Zusammenhalt in der Familie haben und schätzen.

Aber was heißt das: Familie?

Aber was heißt das: Familie? Es gibt ja in Deutschland heutzutage nicht nur die klassische Kleinfamilie mit Vater, Mutter und ein oder zwei Kindern, sondern auch die Alleinerziehenden mit Kindern, die unterschiedlichsten Patchworkfamilien, die Großfamilie mit drei Generationen, aber auch Familien ohne Kinder, Familien, in denen sich 60-Jährige um ihre 80-jährigen Eltern kümmern. Nach meinem Verständnis ist Familie überall dort, wo Menschen für ihre Kinder oder ihre Eltern Sorge tragen.

Es ist nur ein Gerücht, dass die Menschen von heute kein Interesse mehr an der Ehe hätten: Rund 80 Prozent aller Bundesbürger haben bis zum Alter von 50 Jahren einmal geheiratet. Zwar wird das Heiratsalter immer wieder hinausgeschoben, aber spätestens wenn ein Kind unterwegs ist, lassen sich die meisten Paare trauen.

Wenn nun die Familie eine so wichtige Größe in unserer Gesellschaft ist und wenn es uns am Herzen liegt, Kinder bestmöglich zu fördern, dann müssen wir all das unterstützen, was die Familienstrukturen stärkt. Wir haben in der Frühjahrstagung der lutherischen deutschen Bischofskonferenz dieses Ziel erneut fest ins Auge gefasst: Kirche und Staat müssen gerade in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise alles tun, was die Eltern stärkt. Dazu gehört beispielsweise, dass Mütter in die Lage versetzt werden, auch mit Kindern ihre Berufstätigkeit fortzusetzen. Männer und Frauen, die für einige Zeit um der Kinder willen zu Hause bleiben, dürfen keine Ausnahme sein, sondern müssen für Arbeitgeber selbstverständlich werden. Das wird umso schneller gelingen, je mehr Männer wenigstens monateweise Elternzeit nehmen. Dass die Zahl der Väter in Elternzeit seit Geltung des neuen Bundeselterngeld-und Elternzeitgesetzes von 3,5 auf 16 Prozent angestiegen ist, darf als ein gutes Zeichengelten. IchmöchteMännerermutigen, noch stärker diese Möglichkeit zu nutzen. Um diesen Weg populärer zu machen, benötigen auch Arbeitgeber noch mehr Anreize.

Bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher

Darüber hinaus halten wir Bischöfe es für nötig, dass die außerfamiliäre Kinderbetreuung besser wird. Das gilt im Blick auf die Vielfalt wie auch die Qualität der Angebote. Dazu gehören eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher - ein besserer Lohn macht den Beruf auch für mehr Männer attraktiver. Es geht auch nicht, dass eine Erzieherin 15 oder mehr Kinder bändigen muss.

Wir lutherischen Bischöfinnen und Bischöfe müssen uns noch stärker bewusst machen, dass Familie nicht ausschließlich mit einem bürgerlichen Familienideal identifiziert werden darf. Was sich in den Familienformen im Lauf der Zeit ausgestaltet hat, gilt es ernst zu nehmen. Das bedeutet nicht, dass wir die Leitbilder von Ehe und Familie aufgeben wollen. Aber wir wollen alles tun, damit in unserer Gesellschaft und in unseren Kirchen Kinder und Eltern ernst genommen werden.

Frauen und Männer sollen spüren, dass wir als Kirche es ernst meinen, wenn wir sagen: "Toll, wenn ihr Kinder bekommt! Die Probleme, die damit einhergehen, lösen wir dann."

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