Tansania: Auf dem Land fehlen die Ärzte

Sprechstunde im Hinterland
Sie fahren durch Savannen und Regenwälder und paddeln über Gewässer. Denn auch in Tansania fehlen Ärzte auf dem Land. Der Fotograf Claudio Verbano hat sie auf einer Tour begleitet.

Doktor Marycelina Msuya hatte die Idee, mit Kollegen regelmäßig ins Hinterland von Tansania zu reisen. Msuya arbeitet für den öffent­lichen Gesundheitsdienst und unterrichtet am Kilimandscharo Christian Medical ­Centre, einem der ältesten Krankenhäuser Ostafrikas.

 Marycelina Msuya (am Tischende) hatte die Idee, mit Kollegen ins Hinterland zu reisen, und sie hat die Freiwilligen dafür gewonnen. HIer besprechen sich alle, bevor die Tour losgeht.Claudio Verbano

chrismon: Sie fahren mit einem Team von Ärzten und Schwestern ehrenamtlich und in Ihrer Freizeit in dünn besiedelte Gegenden, um die Landbevölkerung zu versorgen. Wie kamen Sie darauf?

Marycelina Msuya: Im Gespräch mit Studenten. Viele sind vom Land, und sie be­richten, wie schlecht es dort um die medizinische Versorgung steht. Die Leute können sich oft weder Arzt noch Me­dizin leisten.

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist als chrismon-Redakteur verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Claudio Verbano

Claudio Verbano ist dem Team von Marycelina Msuya auf einer Reise durch Tansania begegnet. Er staunte, als er erlebte, was für Anstrengungen sie klaglos auf sich nahmen
Privat

Warum unternimmt Ihr Fachpersonal unentgeltlich solche beschwerlichen Touren?

Die Ärzte aus dem Team ­stammen selbst von dort, ich übrigens auch. Und unsere Verwandtschaft muss mit der schlechten medizinischen ­Versorgung klarkommen. Wir kennen uns aus, wissen, wo Hilfe benötigt wird, und haben alle nötigen Kontakte, um die Leute zu informieren.

Tun Sie das auch wegen Ihres Glaubens?

Mein Krankenhaus ist ein christlich geführtes Haus, es gehört der Kirche. Wir sind 
der Nächstenliebe verpflichtet, wie unsere muslimischen Kollegen auch.

Sie beten vor jeder Fahrt?

Ja, für die Reise, für die Dienste, die wir leisten, und dass wir heil zurückkommen.

Christen und Muslime beten gemeinsam?

Eine Schwester ist Muslimin. Aber für sie macht das keinen so großen Unterschied.

Wer kommt für Medikamente und Ausrüstung auf?

Wir selbst. Das Team fährt mit Privatautos und kommt auch für alles andere auf, einschließlich der Medizin. Wir sind zur Regierung gegangen, sie war vom Projekt sehr beeindruckt. Dennoch haben wir bislang ­keinen Geldgeber gefunden. Aber wir suchen weiter.

Wie lange sind Sie jedes Mal unterwegs?

Drei Tage meistens. Manchmal schaffen wir 150 bis 300 Kilometer am Tag, manchmal nur 30, je nachdem wie gut die ­Gegend erschlossen ist.

Und bekommen Sie dafür ­wenigstens frei?

Ja. Und die Universität nutzt unsere Berichte für Studien über die Gesundheitsversorgung auf dem Land.

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