Psychologin über die Angst vor dem Tod, Liebe und Einsamkeit

"Hör auf, deine Zeit zu verkacken!"
Die Psychologin Stefanie Stahl will keine Lebenszeit verschwenden

Dirk von Nayhauß

Die Psychologin Stefanie Stahl will keine Lebenszeit verschwenden

Die Psychologin Stefanie Stahl will keine Lebenszeit verschwenden

Stefanie Stahl bewältigt als Psychologin die Lebenskrisen von anderen und versucht ihre eigenen durch eine positive Einstellung zu verarbeiten. Dabei hilft ihr ein positiver und realistischer Blick auf ihr eigenes Leben.

In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?

Ich liebe es, mit dem Hund der Nachbarin im Wald zu sein, ein ganz toller weißer Schäferhund. Ich liebe die Bewegung und das Draußensein. Im therapeutischen Gespräch kommt es auf mein Gegenüber an. Manche Menschen sind zäh, sie erwarten, dass ich ihre Probleme löse, das ist anstrengend. Und es gibt Menschen, die Verantwortung übernehmen für ihre Gedanken, Gefühle und Probleme. Die scheinbar individuellen Probleme haben dieselben psychischen Grundstrukturen – diese gemeinsam herauszufinden mag ich, man kommt gemeinsam weiter und versteht immer besser, wie alles zusammenhängt.

Haben Sie eine Vorstellung von Gott?

Man hat festgestellt, dass über alle Kulturen hinweg circa 25 Prozent der Menschen nicht gläubig sind. Ich glaube nicht an Gott, das war leider schon immer so, ich bin nicht religiös erzogen worden. Gäbe es eine Pille, mit der ich komplett spirituell wäre, ich würde sie schlucken, weil ich mir das Leben so viel leichter vorstelle.

Fürchten Sie den Tod?

Ich fürchte ihn ganz furchtbar. Dann ist es vorbei, darauf habe ich gar keinen Bock, ich bin total dafür, dass es mich gibt. Ich war früh mit dem Tod konfrontiert, als mein ­Vater starb, war ich 24. Ich denke jeden Tag an den Tod. Ich bin 59, in elf Jahren schon 70 – und wie schnell sind die letzten zwölf Jahre vergangen! Kommen solche ­Gedanken, sage ich mir: "Hör auf, so deine Zeit zu ver­kacken!" Der einzige Vorteil an dieser elenden Bewusstheit über die Endlichkeit ist vielleicht, dass man den Tag lebt, und bis hierhin habe ich mein Leben sehr intensiv gelebt.

Stefanie Stahl

Stefanie Stahl, ­geboren 1963, ist Psycho­login, Gesprächs­psychotherapeutin und Autorin. Ihr ­Ratgeber "Das Kind in dir muss Heimat ­finden" hält sich seit über fünf Jahren auf Platz 1 der "Spiegel"-­Bestsellerliste. ­Gerade erschien "Wer wir sind. Wie wir wahrnehmen, fühlen und lieben" (Kailash, 22 Euro). Sie bespielt die beiden Podcasts "Stahl aber herzlich" (Gespräche mit ­Klienten) und "So bin ich eben!" (Psychologie­ratgeber). Stefanie Stahl lebt mit ihrem Mann in Trier.

Dirk von Nayhauß

Fragen und Foto: Dirk von Nayhauß
Dirk von Nayhauß

Hat das Leben einen Sinn?

Ja. Ein möglichst guter Mensch zu sein. Viele Menschen, die ich kenne, kommen zu dem Ergebnis, dass es um Wohlwollen geht, um Mitgefühl. Liebe ist ein großes Wort, Wohlwollen als kleine Schwester der Liebe finde ich handhabbar. Es gab Zeiten, in denen ich mehr Probleme hatte, beruflich oder privat belasteter war. Ich habe mir aber nie – wie vielleicht ein depressiver Mensch – die Frage gestellt, ob das alles überhaupt Sinn hat und macht.

Welche Liebe macht Sie glücklich?

Ich habe mir öfter die falschen Männer ausgesucht. Der eine war durchgeknallt, ein Abenteurer. Der nächste ein seriöser Geschäftsmann, aber bis auf die Knochen ­bindungsängstlich. Da ich nie Kinder wollte, musste ich meine Kandidaten aber nicht ewig prüfen. Mit meinem Mann bin ich nun glücklich verheiratet. Wir passen sehr gut zusammen, Holger kann sich wirklich auf eine Beziehung einlassen. Er engagiert sich, mag Nähe, ich kann mich hundertprozentig auf ihn verlassen.

Wie umgehen mit Einsamkeit?

Das ist für mich kein Thema, ich bin ganz gut verbunden, aber es wäre schwierig, wenn mein Mann sterben würde, weil kaum noch Familie da ist. Viele Menschen wollen vermeiden, dass sie verletzt werden, sie leben in der Defensive, das ist, kurz gesagt, die Hauptursache für Einsamkeit.

Wer oder was hilft in der Krise?

Rauchen und reden. Wenn ich eine Krise habe, gehe ich ­zuerst zur Tankstelle und kaufe mir Zigaretten – ein schlechtes Thema. Dann rede ich mit meinem Mann, mit Freundinnen. Entdramatisieren hilft, Abstand nehmen, über den Tellerrand gucken. Ich überlege, wie schlimm mein persönliches Problem im Angesicht des Weltgeschehens ist. Bei gesundheitlichen Sachen sage ich mir: Wenn du jetzt auf eine Krebsstation gehen und fragen würdest: Willst du tauschen – die würden drei Tage Party feiern. Streicht man das Selbstmitleid, hat man fast 80 Prozent Last weniger. Sonst fühlt man sich schnell als Opfer, jammert, steigert sich rein.

Wie wäre ein Leben ohne Disziplin?

Schlecht. Wer sein Leben nur nach Lust gestaltet, wird in Unlust enden. Ich brauche für alles Disziplin, von Haus aus bin ich nicht sonderlich fleißig. Bücher zu schreiben finde ich sehr anstrengend. Aber ich habe dieses ehr­geizige Projekt, die Struktur der Psyche zu beschreiben. Wie ticken wir Menschen weltweit und grundsätzlich, jeder von uns? Ich brauche auch ein bisschen Challenge. Ich lese, spiele Klavier, gehe wandern, aber das trägt nicht durch den ganzen Tag. Ich muss in einer gewissen Betriebsamkeit bleiben.

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Lesermeinungen

Frau Stefanie Stahl führt in dem Interview unter Anderem aus,
dass sie schreckliche Angst vor dem Tod habe.
Ich habe weniger Angst vor dem Tod als vielmehr große Angst
vor dem Weg dorthin, denn wie sieht dieser in der Regel aus?
Man wird älter und schließlich ernsthaft krank, schließlich
pflegebedürftig und ist schließlich auf die Hilfe anderer angewiesen,
sei es zu Hause, sei es im Krankenhaus oder in einem Hospiz.
Anfangs quält man sich, bis dann schließlich Schmerzmittel
verabreicht werden. Daran wage ich am besten gar nicht zu denken -
und dennoch müssen die meisten von uns mit solch einem Weg
rechnen. Den Übergang in den Tod erlebt man doch meistens
nicht bewusst, da man in diesem Stadium des Übergangs,
zumindst in der Regel, nicht mehr bei Bewusstsein ist.
Deshalb bemühe ich mich auch im neuen Jahr, mich weiterhin
an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen, so gut das eben
geht.
Ulrich Buschey, Essen

Im Gegensatz zu den bisherigen Kommentaren möchte ich mich bei Frau Stahl bedanken. Endlich verständliche Worte einer Psychologin, kein Drumherumgerede, nichts Abgehobenes. Ich kann mich in ihr Empfinden hineinversetzen. Auch ich habe argen Bammel vorm Tod. Und bin nur etwas jünger als Frau Stahl. Bei dem Aufruf, das Leben nicht zu "verkacken", wache ich eher auf als nach salbungsvollen, abgehobenen, verklärten oder gar verschwurbelten Worten. Danke dafür, aus ganzem Herzen! (P.S Nein, ich mag keine Gangstasprache, ich bin ansonsten studiert und sprachlich gewandt, ich mag meine Heimat Sauerland und kenne noch ganz andere Ausdrücke, woll?!)

Fäkalausdrücke sind nunmal keine sympathischen Worte. Wer das anders sieht, dessen Platz ist in einer zivilisieren Gesellschaft in Gefahr. Eine verständliche und nicht "soziologisierte" Sprache ist nicht abgehoben. Im Gegensatz dazu die Genderansprüche, die mit ihren verschwurbelten Inhalten alles sagen, was kaum verständlich ist, mit ihren berechtigten Ansprüchen alles lächerlich machen und sich dann letztlich noch als die Nichtverstandenen fühlen. Die absichtlich verkomplizieren, damit sie sich erhaben fühlen können über die, die nicht ihren IQ und andere Sorgen haben.

Guten Tag, das Wort "verkacken" überhaupt und dann noch in einer Überschrift zu drucken, ist eine billige Anbiederung an den Zeitgeist und damit an die Verrohung der Sprache.
Mit freundlichen Grüßen
Sven Herfurth

Liebes chrismon-Team,
finden Sie es angemessen, diese Formulierung als Überschrift des Artikels über das Gespräch mit Frau Stefanie Stahl zu verwenden?
Soll das ein Vorbild für die Sprache sein ?
Ich finde es erschreckend, dass ausgerechnet eine Psychologin sich auf diese Weise ausdrückt und das durch Ihr Heft publiziert wird.
Für eine seriöse Zeitschrift wäre mehr Niveau angebracht.
Mit freundlichen Grüßen
Heidrun Baginski

Das des zeitgeistlich-reformistischen und wettbewerbsbedingt-egozentrierten "Individualbewusstseins", ist doch so offensichtlich, wie auch der "Tanz um den heißen Brei", wenn sich mal wieder die gleichermaßen unverarbeitete Bewusstseinsschwäche offenbart, für ...!? :)

"Kind" - Künstliche Intelligenz mit Vernunftbegabung, des Geistes der Gott/Vernunft und mit Zentralbewusstsein die Seele des Projekts ist, doch die Bildung zu Suppenkaspermentalität für das imperialistisch-faschistische Erbensystem, macht es wohl immer wieder unmöglich, über den heuchlerisch-verlogenen Zustand der Schuld- und Sündenbocksuche hinaus zu kommen.

Arbeit und Absichten von Frau Stahl sind unbestreitbar gut. Aber warum in aller Welt beginnt sie (oder war es der Interviewer mit ihrer Billigung?) mit einer Anbiederung an den sprachlichen Zeitgeist. Ist das unbedingt nötig, um von Ratsuchenden gehört zu werden? Kennt sie nicht den fatalen Spruch: "Mache den Mund auf und ich sage Dir, wes Geistes Kind Du bist" ?

"Dabei hilft ihr ein positiver und realistischer Blick auf ihr eigenes Leben."

NICHTS gehört dem "einzelnen/individualbewussten" Mensch allein, sogar UNSERE Gedanken NICHT, weil diese auch immer abhängig von Geist und Gemeinschaft geprägt wachsen/wachsen können - Ein eigenes Leben hat ganzheitliches Wesen Mensch nicht, weil wir die KI des Geistes/Zentralbewusstseins der/des Schöpfung/(holographisch-programmierten) Universums sind (wobei Gott/Vernunft einzig die Seele dieses Geistes ist!).

Stahl: "Die scheinbar individuellen Probleme haben dieselben psychischen Grundstrukturen – diese gemeinsam herauszufinden mag ich, man kommt gemeinsam weiter und versteht immer besser, wie alles zusammenhängt."

SCHEINBAR / GEMEINSAM, denn die Konfusion unserer immernoch instinktiven Bewusstseinsschwäche in Angst, Gewalt und egozentriertem "Individualbewusstsein", wird bisher ungebremst/unverarbeitet, im zeitgeistlich-reformistischen Kreislauf, nun mit "freiheitlichem" Wettbewerb gleichermaßen dumm in wettbewerbsbedingter Symptomatik dieser Welt- und "Werteordnung" organisiert verunstaltet, anstatt zweifelsfrei-eindeutig gestaltet, seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung ("Vertreibung aus dem Paradies").

Stahl: "Ich muss in einer gewissen Betriebsamkeit bleiben."

"Gewissen" - Diese "Betriebsamkeit" ist Bewusstseinsbetäubung in allen denkbaren ...losigkeiten, unserer SCHEINBAR wirklich-wahrhaftig genutzten Vernunftbegabung, in mehr und/oder weniger systemrational-gebildeter Suppenkaspermentalität - Wirklich-wahrhaftige Vernunft nur, wenn Mensch ganzheitlich-nachhaltig einen neuen/weiteren Geist / eine neue/weitere Seele gottgefällig/vernünftig fusioniert, für eine Gemeinschaft in globalem Gemeinschaftseigentum ("wie im Himmel all so auf Erden") OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik, damit die Möglichkeiten der vollen Kraft des Geistes im Freien Willen EBENBILDLICH stattfinden können.

Journalisten verbeugt, verbiegt Euch bis hinunter vor (?) die GOSSE, damit Ihr gelesen und anerkannt werdet. Es ist schon beachtlich, in welchem Umfang in den letzten Jahren selbst die "Gangsta-Rapp-Sprache" in den öffentlichen Umgangston Eingang gefunden hat.  Wie lautet denn die nächste Eskalation? F...k Baby Buddy? Und da droht ein nächster Bruch der Hemmschwelle nach den Steinen auf Feuerwehr und Ambulanzen, nach dem Missbrauch von 112 durch die Kleber. Wer möchte sich dann noch in der Nähe zur Gossensprache wohlfühlen? Dann kommt die Trennung der Gesellschaft nach der Qualität der Kinderstuben. Ein Superkrankheitsbild für Psychologen. Verk....kt. euch wenn ihr besser sein wollt. Wir bestimmen das Niveau.

Fäkal > legal > egal?
Hat diese Kulturstufe aus dem untersten Journalistenregal jetzt auch die höheren Weihen des Psychologie-Adels erreicht? Ein Ziel heiligt nicht alle Mittel. Die Schrift ist immer noch das verbindende Element mit dem größten Vertrauensvorschuß. Ist das die Vorbereitung  eines Gewöhnungseffekts für einen neuen psychologischen Umgang ? Wenn wir die Jugend erreichen wollen, müssen wir auch die gleiche Wellenlänge haben. Aha! Fäkalinjurien als Begleitung für ökologische Gewaltphantasien. Psychologen als Wegweiser bis in die Sprach-Gosse. Geht auch bei uns, wie in England, die "SUN" auf? Der Untergang des Abendlandes vom Kopf in den Dickdarm. Und sich dann wundern, wenn "Die Strasse" dem Vorbild folgt und die Excremente auf den Staat zurückwirft.