Grünen-Politikerin Franziska Schubert über Kirche und Politik

"Die Kirche ist Vorreiterin"
Tempolimit? Auch Sache der Kirchen, findet Grünen-Politikerin Franziska Schubert

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Tempolimit? Auch Sache der Kirchen, findet Grünen-Politikerin Franziska Schubert

Tempolimit? Auch Sache der Kirchen, findet Grünen-Politikerin Franziska Schubert

Nur noch Seelsorge? Nein, die Kirchen sollen sich weiter politisch einmischen, schreibt Grünen-Politikerin Franziska Schubert.

Die evangelische und die katholische Kirche repräsentieren jeweils nur noch etwa ein Viertel der Bevölkerung. Die Kirchen seien deshalb nicht mehr in dem Maße wie früher legitimiert, sich in die sozialen und politischen Diskussionen einzubringen, behaupten Kirchenkritiker und legen den Kirchen nahe, sich auf die Seelsorge zu konzentrieren.

Doch für das Überleben der Kirchen ist es essenziell, deutlich über die Seelsorge hinauszugehen und zu gesellschaftlichen Fragen Stellung zu beziehen. Und gerade in der zunehmend pluralistischen Welt können die Kirchen wichtige Orientierung bieten – und dieses Angebot erscheint mir eins, das auf Nachfrage trifft.

Wir alle kennen die Mahnungen, dass Freiheit nicht beschränkt werden darf, die Menschen nicht bevormundet werden sollen und politische Entscheidungen nicht aus einer "moralisierenden" Haltung heraus getroffen werden oder gar "ideologisch" motiviert sein sollen. Auch wenn man dem in seiner Allgemeinheit zustimmen mag, ändert das nichts daran, dass es die Aufgabe demokratisch legitimierter Politik ist, Regeln zu setzen. Dafür ist Wissen unverzichtbar. Doch letztlich basieren Entscheidungen immer auf Werten, und diese können unterschiedlich sein. Letzteres ist der Grund dafür, dass es nicht die "eine" Wahrheit in unserer Gesellschaft gibt, und auch über objektive Fakten lässt sich trefflich streiten.

Jüngst entzündete sich die Debatte über die Kirchen und inwieweit sie sich politisch äußern sollten an der Frage eines Tempolimits. Im November hatte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Pkw-Fahrten im kirchlichen Kontext ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen beschlossen.

Franziska Schubert

Franziska Schubert ist Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag in Sachsen. Zugleich ist sie die religionspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Schubert wurde 1982 geboren, wuchs auf in der Oberlausitz und hat Politik, Wirtschafts- und Sozialgeografie an der Universität Osnabrück studiert.
Kevin Schwarzbach Franziska Schubert

Das Tempolimit ist eine jener sinnvollen Regeln, die die Politik bislang nicht hinbekommen hat. In der Ampelkoalition war dies bis heute nicht möglich, weil es bei den Beteiligten eine unterschiedliche Werteorientierung gibt. Gegen das Anliegen, das Klima zu schützen, den Energieverbrauch zu reduzieren und die Zahl der im Straßenverkehr getöteten oder verletzten Menschen zu verringern, steht die Betonung der "Eigenverantwortung" und die Angst vor "Bevormundung". So bleibt es dem Verantwortungsbewusstsein der Autofahrenden überlassen, ob sie ihr Tempo reduzieren oder nicht.

Für Christinnen und Christen erwächst aus der Freiheit des Menschen Verantwortung. Deshalb sollte es eigentlich nicht verwundern, wenn in den Kirchen auch über Verantwortung in Bereichen nachgedacht wird, in denen die Politik es versäumt, Lösungen zu erreichen. Doch genau daran entzündet sich die Kritik, die Kirche solle sich auf seelsorgerische Aufgaben beschränken. Aber wie soll Seelsorge möglich sein, ohne dabei die drängenden Herausforderungen unserer Zeit im Blick zu haben? Wie könnte es mit christlicher Gesinnung zu vereinbaren sein, sich nicht für die Bewahrung der Schöpfung, den Schutz der Lebensrechte der jungen und kommenden Generationen und die Vermeidung von Tod und Leid einzusetzen?

Christen sollten selbstbewusst zur Debatte beitragen

Das Tempolimit kann sicherlich nur einen Bruchteil unserer CO2-Emissionen einsparen und nur einer von vielen Beiträgen zur Bekämpfung der Klimakatastrophe und zur Lösung der Energiekrise sein, aber all das spricht nicht dagegen, diesen Beitrag auch tatsächlich zu leisten. Oberkirchenrat Christian Fuhrmann hat es als Vertreter der Evangelischen Kirche im Jahr 2019 vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags treffend formuliert: "Die Zeit drängt, wir können es uns schon lange nicht mehr leisten, nicht auch kleine Schritte zu gehen." Das Tempolimit würde zudem helfen, Todesopfer und Unfallverletzungen zu reduzieren, auch wenn wir hier "nur" über zwei- bis dreistellige Zahlen reden – es geht schließlich um Menschenleben beziehungsweise um menschliches Leid.

Der Synode der EKD wurde unterstellt, ihr Beschluss zum Tempolimit sei parteipolitisch motiviert und "grün" etikettiert. Solche Polemik sollte evangelische Christinnen und Christen nicht verunsichern, sondern eher ermutigen, selbstbewusst zur Debatte beizutragen. Sie sind in guter internationaler und ökumenischer Gesellschaft. Beispielsweise sei an Papst Franziskus’ Umwelt-Enzyklika Laudato si' erinnert. Dass dergleichen für die Kirchen "zu politisch" oder gar "zu grün" sei, kann nur meinen, wer denkt, dass Christsein möglich sei ohne die Bereitschaft, Verantwortung für die Herausforderungen unserer Zeit zu übernehmen.

Fingerzeig für uns alle

Dass aber die Klimakrise die größte Herausforderung unserer Zeit ist, ist weit mehr als eine parteipolitische Behauptung. Schon heute erleben wir Hitzesommer und Flutkatastrophen, schon heute ist die Bereitschaft zur tätigen Nächstenliebe gefordert. Den berechtigten Ängsten insbesondere junger Menschen angesichts der Bedrohungen des Klimawandels kann sich auch nicht verschließen, wer die Seelsorge in den Mittelpunkt kirchlicher Aufgaben stellen will.

Wenn die EKD für sich eigenverantwortlich konkrete Maßnahmen wie das Tempolimit für Dienstfahrten im kirchlichen Kontext beschließt, läuft sie der Politik nicht hinterher, sondern ist Vorreiterin. Dazu kann man ihr nur gratulieren. Die Kritikerinnen und Kritiker, die hier eine Differenz der Kirche zur Mehrheitsmeinung konstruieren wollen, liegen doppelt daneben: Es ist zum einen gar nicht die Aufgabe der Kirche, Mehrheitsmeinungen der Gesellschaft abzubilden. Zum anderen sehen wir aber aktuell, dass ausgerechnet die Befürwortung des Tempolimits allmählich zur Mehrheitsmeinung in unserer Gesellschaft wird. Das mögen manche als "moralischen Zeigefinger" verunglimpfen, das kann aber auch einfach ein Fingerzeig für uns alle sein. Nicht zuletzt auch für die Politik.

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Lesermeinungen

Hat ein politischer Wettbewerb bzw. eine Koalition zwischen EKD und Parteien begonnen? Die Synode und EKD haben sich mit den "Standing Ovations" für die Aktivisten und das Wohlwollen einer Revolution der gesellschaftlichen Zusammenhänge in Konkurrenz zu Parteien, Ideologien und Parlamenten positioniert. Werden dann die Kirchentage zu Parteitagen oder sind sie das teilweise schon? Wie Du mir so ich Dir.

Ein Zwiespalt kommt selten allein. Und so kann man auch wörtlich brilliant die eigene Politik mit Religion begründen. Dann ist aber auch zu akzeptieren, wenn versucht wird, politische Religion zu betreiben. Wo führt das hin, wenn Religion und Politik verschwimmen, wenn zwischen Pfarrer und Politiker, zwischen Pabst und Populist, zwischen Ideologie und Religion nicht mehr oder kaum noch von Außenstehenden unterschieden werden kann?.Dann alle auf zur "Tee Party". Wenn irdische und religiöse Paradieserwartungen verschwimmen? Was kommt dann? Dann kommen auch bei uns, wie in Nord-, Mittel- u. Südamerika und schon früher in Afrika die Erlösungskirchen, Sekten, Baptisten, Endzeitkirchen religiösen Staatsverleugner. Es ist ein Dilemma. Die Hölle hat nicht mehr ihre Angstfunktion und das Paradies nicht mehr die alte Überzeugungskraft, die sich vor dem ewigen Feuer fürchtet und mit guten Taten um Erlösung fleht. Dann beginnt für "Das Publikum" die neue Suche nach einer Antwort auf die ewige Frage. Alle selbsternannten Heiligen, alle Schreier und Verführer auf das Podest.

Sehr geehrtes Redaktionsteam,

Der Sachverhalt und die Argumentation von Franziska Schubert spricht mir aus dem Herzen. Als Chemieingenieur merkte ich, wie in der DDR viele Menschen resignierten, sei es in Wirtschafts- oder Umweltbelangen. Die Haltung „Privat geht vor Katastrophe“ und „Nach mir die Sintflut“ führte das Land an den Abgrund. Nur wenige, vor allem junge Menschen, engagierten sich unter persönlichen Gefahren durch staatliche Verfolgungsinstanzen in Friedens- und Umweltgruppen. Das war auch für nichtkirchliche Menschen nur unter dem Dach der Kirchen möglich, so auch von der SED-Lenkung unabhängige Selbsthilfearbeit für chronisch kranke und behinderte Menschen, die das „sozialistische“ Gesundheits- und Sozialsystem nur widerwillig duldete. In einem demokratischen Rechtsstaat hat sich dann vieles ab 1990 im Osten auch außerhalb der Kirchen etabliert können.

Das uneigennützige soziale und umweltpolitische Engagement von Bekannten motivierte mich 1970, selbst ehrenamtlich in der Kirchgemeinde tätig zu werden und mich nebenberuflich theologisch und methodisch weiterzubilden. Als ich nach dem Fernunterricht gefragt wurde, ob ich bereit wäre, auch hauptberuflich in einer Gemeinde bzw. im Blindendienst tätig zu werden, habe ich dem nach einer Probezeit zugestimmt obgleich dort trotz Mehrarbeit viel weniger verdient wurde. 1986 haben wir aus eigener Betroffenheit eine Selbsthilfegruppe für Familien mit diabetischen Kinder gegründet und waren damit Vorreiter in der DDR. Denn was nützt materieller Wohlstand wenn die Lebensqualität sinkt bzw. immer mehr gefährdet wird. Wir wollten hier die Verhältnisse verbessern und nicht in die BRD auswandern.

Ende 1989 bin ich Mitglied des „Demokratischen Aufbruchs“ geworden, weigerte mich aber als Stadtrat im Juli 1990 nach Auflösung des DA der CDU beizutreten. So wurde ich aufgefordert, mir eine andere Fraktion zu suchen. Hätte man mir ein Jahr vorher gesagt, ich werde mal bei den „Grünen“ landen, hätte ich es als Spinnerei abgetan. Doch inzwischen ist mir diese Partei trotz allem „Menscheln“ mir die glaubwürdigste, die meinem Glauben in der Nachfolge Jesu den Auftrag nach „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ entspricht. Deshalb bin ich (78 J.) weiterhin ehrenamtlich seelsorgerisch und politisch in der Behinderten- und Selbsthilfearbeit tätig.

Jürgen Dudeck, Dresden

Die Kirche ist, wie eh und je, ein systemrationaler Teil der gepflegten Bewusstseinsschwäche in wettbewerbsbedingter Konfusion, seit der "Vertreibung aus dem Paradies" (Mensch erster und bisher einzige geistige Evolutionssprung).

Wenn sie nicht mehr nach "Gottes Wege sind unergründlich" Dienst tun würde, sondern in der Wahrheit der Philosophie der Bibel, dann wäre sie Vorreiter für wirkliche Wahrhaftigkeit, für eine Gemeinschaft in globalem Gemeinschaftseigentum OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik ("wie im Himmel all so auf Erden"), dann würde aus Vernunftbegabung die ebenbildliche/gottgefällige Vernunft des Geistes / des Zentralbewusstseins.

Statt eines hysterischen Aktivismus täte es gerade der Kirche besser, sie böte einen Ort für den Streit über Fakten.

Weder die angeführten Flutkatastrophen noch Hitzesommer können als Beweise für einen anthropogenen Klimawandel gebraucht werden.
Bereits Jahrhunderte vor der Industrialisierung sind jedwede Extremwetterereignisse bekannt, die alle heutigen in den Schatten stellen, wie etwa die große Dürre von 1540.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/hitze-und-duerre-1540-katastro...

Es stellt sich die Frage in wie weit die "berechtigten Ängste" gezielt geschürt werden, angesichts Dauerpräsenz von Schreckensszenarien der baldigen Klimaapokalypse in den Medien und neu entstandener "Berufsmöglichkeiten" wie dem bezahlten Klimaaktivisten:

https://www.stern.de/gesellschaft/letzte-generation--so-viel-verdienen-a...

Das ist müssig. Es stimmt, Extreme gab es schon früher. Die Gründe für die Warmzeit von ca. 800-1250 und die für die kleine Eiszeit von ca. 1350 -1800 wurden bisher auch nicht gefunden. Auch gibt es Einflüsse (Polwanderung, Sonnenwinde, nicht anthropogenne athmosphärische Wirkungen, unbekannte Faktoren) deren Folgen wir nicht kennen. Aber die physikalischen und chemischen Wirkungen von Gasen sind bekannt. Deren enorme Freisetzung seit mindestens 600 Jahren auch. Dazu gehört auch die Störung von biologischen und Temperatur-Wechselwirkungen. Aber all das könnte unerheblich werden, wenn sich die Menschheit mit dem christlichen Segen (mehret Euch, verhütet nicht) selbst "auffrißt". In 75 Jahren ist zuverlässig eine Wohnverdichtung um ca. 40% zu erwarten. Wie soll das bei gleichzeitig erheblich reduzierten Besiedlungsflächen und einer weiteren Vernichtung von Rohstoffen gehen? Selbst wenn wider Erwarten die Welt in 100 Jahren wieder "rund und schön" sein sollte, die Rechnung geht nicht auf. Von globaler Einsicht können nur Phantasten träumen. Mit solchen irrationalen "Verheißungen" wurden schon immer Kinder, Leichtgläubige, Esotheriker und Engelsgesichter verführt. Aber nichts ist schöner als die Hoffnung, um einen Apfelbaum zu pflanzen.

Ob Frau Schubert die "politische Einmischung" der Evangelischen Kirche in Deutschland auch so begrüßt hätte, wenn sie nicht aus Werbung für die Agenda der Grünen Partei bestünde?
Einer politischen Partei, welche im Heimatland Sachsen von Frau Schubert deutlich weniger als 10% der Wähler repräsentiert. -Wie sieht es dabei mit der Frage nach Legitimation aus?

Zeigt ein Blick in die Geschichte nicht mehr als deutlich, dass die Kirche immer, wenn sie sich zu sehr in die vermeintlichen "Herausforderungen unserer Zeit" einmischt, schweren Schiffbruch erlitten hat?

Ist es nicht vielmehr die vornehmste Aufgabe der Kirche den Menschen den Weg zur Erlösung durch Jesus Christus zu zeigen?

"Und Er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur."
Markus 16,15

Und genau da ist der Knackpunkt. Von der Mission hört man nicht mehr viel. Versprengte Einzelkämpfer sind das Alibi. Statt dessen leidet man unter der Konkurrenz der unsäglichen Verheissungskirchen und Babtisten. Mission vorbei. Mann muss sich neue Felder suchen. Als Alternative bietet sich da eine lebensnahe politische Paradieserwartung an. Praktisch, wenn sich dann auch Pfarrerkinder sowohlalsauch politisch und quasireligiös bedienen können.

Ein exemplarisches Beispiel für Parteipolitik in der ev. Kirche. Frau Schubert ist Fraktionsvorsitzende der Grünen in Sachsen und religionspolitische Sprecherin. Sollte demnächst eine führende mitsprechende Position in der Kirche zu vergeben sein, hat sie sicher gute Chancen. Dann fehlt nur noch, dass die anderen Parteien fordern, in den Kirchen nach dem Proporz zu wählen.

Und warum repräsentiert die ev. Kirche nur noch so Wenige? Auch weil sie die Gläubigen parteipolitisch segmentiert hat. Weil vielfach der Glaube durch Parteipolitik und Weltverbesserung ersetzt oder doch zumindest beeinflusst wurde. Welchen Parteien gehören denn die Synodalen und die Mitglieder der EKD an? Die Kirchen waren noch nie für Parteipolitik legitimiert. Sie haben sich nur das Recht genommen, weil dadurch Geld und Macht möglich war und das Recht manipulierbar wurde. In die sozialen und politischen Diskussionen einbringen macht sie zu Hilfstruppen für Politik. Das ist ein verschämtes Eingeständnis dafür, dass die Kanzeln nicht mehr genug hergeben. Was hat in der Synode mit Standing Ovations am meisten bewegt? Warum hat die katholische Kirche so stark auf ihren politischen Einfluss (zuminest bei uns) verzichtet? Weil Glatteis droht und unglaubwürdig macht. Dann doch lieber mit der Form, mit Versprechungen, Gesang, Lithurgie und heiligen Anspüchen versuchen, die Gläubigen zu begeistern. Für das Überleben der Kirchen ist es essenziell, nicht zwischen die Mahlsteine der Politik und den menschlichen Eigenschaften zu geraten. Das Problem hatten wir doch schon mal. Nichts daraus gelernt? Bezieht in der zunehmend pluralistischen Welt eine Religion zu sehr Stellung in gesellschaftlichen Fragen, besteht damit auch die Gefahr der Relativierung der eigenen Werte. Kyrill als Beispiel. Die Verbindung von Religion und Politik im Islam auch. Aber das kann uns doch nicht geschehen! War aber schon. Die Nachfrage macht der Markt und auf dem ist jede Religion unterlegen. Um nicht von Ideologien und Parteien, von Politik und den globalen Werte-Kräften zermahlen zu werden, sollte es den Mitgliedern der EKD verboten sein, einer Partei anzugehören. Denn jede Ideologie ist dankbar dafür, aus höherer Ordnung einen Wertebeistand zu erhalten. Als Büttel der Macht hat das Christentum lange genug gedient.