Klima-Protest: Anna-Nicole Heinrich und "Ende Gelände" im Dialog

"Die krasseste Gewalt geht vom Klimawandel aus"
Begegnung zwischen Anna-Nicole Heinrich und Charly Dietz

Patrick Desbrosses

Anna-Nicole ­Heinrich (links) und Charly Dietz in einem Studio in Berlin

Gewalt gegen Menschen ist die Grenze, die nicht überschritten werden darf – da sind sich "Ende Gelände"-Aktivistin Charly Dietz und EKD-Präses Anna-Nicole Heinrich einig. Dietz findet zivilen Ungehorsam okay, um die Erderwärmung zu stoppen. Anna-Nicole Heinrich setzt auf Begegnungen.

Anna-Nicole Heinrich und Charly Dietz stellten sich untereinander und den Redakteuren gegenüber mit Vornamen vor. Sie zu siezen oder das "Sie" in die redaktionelle Fassung einzuarbeiten, hätte die Redaktion als unhöflich empfunden.

chrismon: Anna, wann hast du zuletzt für Klimaschutz demonstriert?

Anna-Nicole Heinrich: Im September in Karlsruhe bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen, kurz ÖRK. 4000 Vertreter*innen aus 352 Kirchen aus ­aller Welt debattierten dort unter anderem über globale ­Klimagerechtigkeit. Vielen jungen Menschen war das nicht zielgerichtet genug, sie haben deshalb spontan eine Demo organisiert. Wir sind mit 300 Leuten in die Stadt gezogen. Junge Menschen von allen Kontinenten haben ihre Storys erzählt, wie sie vom Klimawandel betroffen sind. Die Botschaft war: Wir müssen zusammen mehr für den Klimaschutz machen, wir alle! Ich fand das beeindruckend, aber auch erschütternd. Natürlich wissen wir um die Ungleichgewichte, doch sie face to face von Betroffenen zu hören, hat noch mal etwas in mir ausgelöst.

Charly Dietz: In diesem Jahr haben wir von "Ende Gelände" unseren Fokus unter anderem auf Antikolonialismus gelegt. Das Flüssiggas, das über die neuen Terminals nach Norddeutschland kommen soll, stammt primär aus Ländern des globalen Südens, die schon stark vom Klimawandel betroffen sind, zum Beispiel Katar oder Nigeria. Gasextraktion und der Bau von Gasförderungsanlagen sind mit Umweltzerstörung verbunden. Die Menschen vor Ort leiden darunter. Aktivist*innen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen, müssen in vielen Ländern um ihr Leben fürchten, Menschenrechte werden verletzt. Uns ist wichtig zu sagen: Wir kämpfen nicht als deutsche Gruppe, sondern es muss ein internationaler Kampf sein.

Reicht es noch, einfach nur zu demonstrieren?

Charly: Wir brauchen verschiedene Formen von Aktivismus. Aufklären, demonstrieren: Das ist alles gut und wichtig. Aber angesichts der Klimakatastrophe und der Ausbeutungsverhältnisse reicht es nicht. Mehr Menschen als bei Fridays for Future werden wohl nicht mehr auf die Straße gehen. Ende Gelände setzt deshalb auf zivilen Ungehorsam. Wir wollen fossile Infrastruktur außer Kraft setzen – auch langfristig. Im Rheinischen Revier und der Lausitz haben wir den Kohleabbau blockiert, was zum Ausstieg aus der Braunkohle beigetragen hat. Das machen wir auch mit der Gasversorgung. Wenn die Bundesregierung 200 Milliarden Euro in die Gasinfrastruktur steckt, wollen wir ein Investitionsrisiko sein.

Wie sieht der Protest von Ende Gelände konkret aus?

Charly: Mitte August haben wir ein Protestcamp in Hamburg mitorganisiert. Im Umfeld gab es mehrere Aktionen, die auf die Gasversorgung abzielten. Auch mit zivilem Ungehorsam, der über die Präsenz unserer Körper hinausgeht. In Wilhelmshaven haben Aktivisti auf einer Baustelle für einen LNG-Terminal Baustellenfahrzeuge außer Kraft gesetzt und Rohre, die man für die Gasleitung braucht, mit Bitumen beschmiert und so unschädlich gemacht.

Also Sachbeschädigung. Ist das gerechtfertigt?

Charly: Die Frage nach der Rechtfertigung führt zur Gewaltfrage. Uns wird oft gewaltvolles Handeln vorgeworfen. Wer aber eigentlich die Gewalt ausübt, sind nicht wir, sondern die Bundesregierung. Sie trifft Entscheidungen, die dazu führen, dass anderswo Menschen sterben, weil es Wetterextreme wie Dürren und Sturzfluten gibt.

Charly Dietz

Charly Dietz, ­Jahrgang 1994, ist ­Sprecherin von "­Ende Gelände". Das Bündnis setzt sich für globale Klima­gerechtigkeit ein und ist durch Aktionen gegen den Braun­kohleabbau bekannt geworden. Charly Dietz ist eine von mehreren ­"sprechenden ­Personen", die bei Ende Gelände ­jährlich wechseln. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Patrick Desbrosses

Anna-Nicole Heinrich

Anna-Nicole ­Heinrich, geboren 1996, ist seit Mai 2021 Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie ­studierte in Regensburg Philosophie und jetzt Digital Humanities ­sowie Menschenbild und Werte. Sie ist außerdem Mit­herausgeberin von chrismon, Mitglied der ­Landessynode der Evangelisch- Lutherischen Kirche in Bayern und ­Vorstandsmitglied der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V.
Patrick Desbrosses

Anna: Ich würde sagen, die krasseste Gewalt geht vom ­Klimawandel aus.

Charly: Genau, aber der wird von den Menschen gemacht.

Anna: Ja, aber nicht nur durch die Entscheidungen der Bundesregierung, sondern eben von uns Menschen. Deshalb frage ich mich oft: Wie weit müssen wir gehen, wie weit würde ich gehen, um auf allen Ebenen endlich zu erreichen, dass das Thema ernst genommen wird? Ich habe eure Aktionen in Hamburg sehr intensiv über Twitter verfolgt – und viel drüber nachgedacht: Really, ich würde bei vielem mitgehen. Dabei hängt die Entscheidung, aus dem Normverhalten auszubrechen, für mich nicht daran, ob das vielleicht strafrechtliche Konsequenzen hat, sondern ob es für das Ziel sinnvoll ist. Radikal für Ziele einzutreten – das kann ich nachvollziehen, wenn dabei immer klar ist: Bei Gewalt gegen Menschen ist die Grenze, die man niemals überschreiten darf.

"Wir müssen den Kapitalismus überwinden" - Charly Dietz

Charly: Für uns auch! Wir haben einen Aktionskonsens, an den sich alle Aktivisti halten. Die wichtigste Regel ist: Wir gefährden nicht die Gesundheit anderer Menschen.

Anna: Radikaler Protest ist legitim. Ohne den hätten wir vermutlich einen noch schnelleren Klimawandel, der viele Menschenleben einfordert. Dagegen ist euer ziviler Ungehorsam ja eigentlich nichts!

Den Leuten wird egal sein, ob sie mit gefracktem Gas heizen, das über die neuen LNG-Terminals zu uns kommt.

Charly: Da wird viel Angst geschürt. Natürlich müssen wir Energie sparen. Aber Fracking ist in Deutschland verboten, stattdessen importieren wir gefracktes Gas und lagern die Probleme aus. Ein Dreivierteljahr haben wir verschwendet und in LNG-Terminals statt in Isolierung, in Dämmung und Wärmepumpen investiert. Da macht die Bundesregierung grundlegend etwas falsch.

Aber wie sollen die Menschen im Winter heizen?

Charly: Wir müssen uns demokratisch überlegen, wer wie viel vom verfügbaren Gas verbrauchen soll. Es kann nicht sein, dass Menschen – vor allem arme oder prekär lebende – fürchten, im Winter frieren zu müssen oder wohnungslos zu werden, während reiche Menschen und die Industrie viel Gas verbrauchen, weil sie es sich leisten können. Wir befinden uns nicht in einer Energie-, sondern einer kapitalistischen Verteilungskrise. Schädliche Industrien, wie die Plastik-, Kunstdünger- und Waffenindustrie, die extrem viel Gas verbrauchen, müssen runtergefahren werden. Gewinne von Klimakiller-Unternehmen müssen umverteilt werden, genauso wie das Vermögen von Reichen, um damit die Energie- und Wärmewende zu finanzieren.

"Eine bessere Welt ist möglich. Das ist etwas sehr Christliches" - Anna-Nicole Heinrich

Anna: Du sagst: "Wir müssen uns demokratisch über­legen" – tragt ihr diese Anliegen auch in die Politik?

Charly: Ende Gelände macht bewusst keine Realpolitik, weil die Realpolitik es nicht packt. Die Grünen sind in der Regierung, machen aber ähnlich weiter wie die Regierungen zuvor. Wir bleiben außerhalb, damit wir kritisieren und Möglichkeiten jenseits der Realpolitik schaffen können, so dass Menschen sich bei uns einbringen.

Anna: Ich unterstelle, dass wir doch alle die gleichen Ziele mit dem Klimaschutz verfolgen: Wir wollen nicht auf Kos­ten anderer und der Natur leben, wollen eine gerechte und lebenswerte Welt. Kirchen, Nichtregierungsorganisationen, auch die Politik setzen sich für konkrete Ziele ein. Und ja, ich sehe auch, dass die nicht eingehalten werden und oft zu unambitioniert sind, aber muss man das nicht trotzdem zusammendenken und so etwas wie überraschende radikale Netzwerke bilden?

Charly: Haben alle die gleichen Ziele? Uns geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern um Klimagerechtigkeit – für Menschen auf der ganzen Welt. Und dafür braucht es einen Systemwandel. Wir müssen den Kapitalismus überwinden, weil er ein ausbeuterisches System ist, von dem der globale Norden profitiert und unter dem der globale Süden leidet. Wir müssen darüber nachdenken, wie eine Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum funktionieren kann. Und uns demokratisch überlegen, was wir mit unserer Wirtschaft produzieren wollen. Diese Entscheidungen müssen ohne Profitlogik getroffen werden. Da wird es mit den gemeinsamen Zielen schon schwierig. Bei Ende Gelände wollen wir auch eine Utopie kreieren. Es gibt bei uns keine festen Hierarchien, jede Person kann sich einbringen. Im Protestdorf in Lützerath leben ­Menschen selbstorganisiert zusammen, unabhängig von Geld.

Anna: Eine bessere Welt ist möglich. Das ist etwas sehr Christliches und wir haben Bilder und Geschichten, die uns diese Utopie zeichnen. Als Christ*innen wollen wir möglichst nah rankommen an eine gerechte Welt, in der Frieden herrscht, in der alle im Einklang leben. Deshalb haben auch die Kirchen sehr früh den Aspekt der Klimagerechtigkeit in den Mittelpunkt gerückt. Ich kenne viele Leute, die sich in radikaleren Bewegungen wie Extinc­tion Rebellion engagieren, auch Pfarrer*innen. Die sagen, wir hatten schon immer krass radikale Ziele, zum Beispiel Feindesliebe. Und jetzt müssen wir uns radikal für etwas einsetzen, was uns unser christlicher Auftrag mitgibt.

Charly: Wie bringt ihr die globale Perspektive rein? Deutsche Bürger*innen gehören zu den Privilegiertesten der Welt. Unser Wohlstand basiert darauf, dass in anderen Ländern Leute ausgebeutet werden.

"In der Geschichte sind radikale Umbrüche oft durch zivilen Ungehorsam entstanden" - Charly Dietz

Anna: Wir Menschen sind Teil von Gottes Schöpfung. Umwelt ist nicht nur unsere Umgebung, sondern hat ­einen eigenen Wert. Menschen und Umwelt sind Teil dieser Schöpfungsgemeinschaft. Wir sind Teil einer Verantwortungsgemeinschaft. Für mich steckt da eine globale Perspektive drin. Meine Nächste kann nicht nur die Nachbarin sein. Konkret wird das für mich in persönlichen ­Begegnungen. Fast jede Kirchengemeinde hat Partner­gemeinden auf der Welt. Bei den Begegnungen nimmt man sich gegenseitig wahr und bekommt natürlich auch mit, was dort klimatechnisch los ist, welche Nöte herrschen. Das hat Auswirkungen auf unser Handeln und gibt uns die Möglichkeit, aus einer größeren Nähe zu kommunizieren.

Globale Klimagerechtigkeit heißt, dass wir mehr Verzicht üben müssen. Ist das schwer vermittelbar?

Anna: Ja, wir brauchen Verzicht und ein Genug. Wir wissen das und zögern es doch hinaus. Verzicht und Begrenzung scheinen uns so bedrohlich, dass viele lieber so lange weitermachen, bis es nicht mehr geht. Hier sind wir als Kirche besonders herausgefordert: Davon zu sprechen, was uns trägt und Hoffnung gibt. Nicht Geld und Konsum geben Sinn, machen frei. Ich finde im christlichen Glauben eine ganz heilsame Freiheit zur Begrenzung. Sharing is caring, wir können Konsum und Produktion abbauen, indem wir teilen – im kleinen und großen Maßstab.

Schreckt man durch radikale Aktionen Menschen ab?

Charly: Wir haben eher das Gefühl, dass wir damit Leute abholen, weil sie merken: Ich kann mehr machen, als zu einer Demo zu gehen. In der Geschichte sind radikale Umbrüche oft durch zivilen Ungehorsam entstanden.

Woran denkst du?

Charly: Zum Beispiel an die Suffragetten, die in England Anfang des 20. Jahrhunderts das Frauenwahlrecht erstritten haben. Die haben Schlösser in Brand gesetzt oder die Scheiben von Geschäften eingeworfen. Menschen können natürlich auch ohne zivilen Ungehorsam plus – also ohne langfristig über die Präsenz unserer Körper hinaus fossile Infrastruktur unschädlich zu machen – bei uns mitmachen. Sie können sich im Hintergrund einbringen. Das Wichtigste ist: Wir gefährden keine Menschen.

Anna: Kennt ihr Leute, die über diese Grenze hinausgehen?

Charly: Nein. Jede Person ist eingeladen, den Aktionskonsens mitzuschreiben. Das ist supertransparent. Da steht drin: Wir handeln besonnen und deeskalierend. Es gibt immer das Beispiel, dass Leute sich auf die Straße kleben, aber das ist gar nicht die Aktionsart von Ende Gelände. Ich persönlich finde das legitim als Aktionsform. Aber Ende-Gelände-Aktionen wollen durchdachter darauf hinweisen, wo das Problem liegt.

"Wirksamer ist es, wenn sich die Kirche klar hinter und neben andere stellt" – Anna-Nicole Heinrich

Im Protest gegen den Ausbau der A49 seilten sich Leute von einer Autobahnbrücke ab. Dadurch kam es zu einem Unfall, es gab einen Schwerverletzten. Das zeigt: Auch unbeabsichtigt kann man Menschen gefährden . . .

Charly: Dann brauche ich nicht mehr auf die Straße gehen.

Manche warnen vor einer "grünen RAF".

Charly: Das ist ein absurder Vergleich. Die Gefahr besteht bei Ende Gelände nicht. Wir wollen Utopie und Zugehörigkeit schaffen. Das hält die Leute bei uns. Unsere Radikalität soll nicht anstrengend, sondern bestärkend sein. Wir sagen: Hey, das ist eine solidarische Lebensform, wir handeln gemeinsam, du bist hier aufgefangen. Unabhängig von Ende Gelände führt die Klimakrise dazu, dass Menschen immer verzweifelter werden. Dass Einzelne in ihrer Verzweiflung immer krassere Aktionen machen, kann niemand ausschließen. Aber auch hier stellt sich die Frage: Geht die Gewalt von Aktivisti oder von den Menschen aus, die zur Klimakatastrophe beitragen?

Anna: Dass bei euch auch so ein starker Community-­Gedanke dahintersteht, habe ich so nie wahrgenommen. Das ist spannend. Was hält die Motivation hoch? Das ­Gefühl, etwas lahmgelegt oder kaputtgemacht zu haben? Oder das Gefühl, sich in einem Kollektiv zu bewegen?

Charly: Das Gefühl, im Kollektiv eine Wirkmacht zu haben, trägt viele kurzfristig. Du bist krass unter Adrenalin. Aber du bist auch frustriert über Polizeigewalt oder mangelnde Aufmerksamkeit.

Anna, was hält dich aufrecht?

Anna: Ich bin auf der Suche nach Halt in aller Unsicherheit, nach Beheimatung in aller Ruhelosigkeit und Hoffnung in aller Aussichtslosigkeit. Und ich finde diese Stärkung immer wieder an unterschiedlichen Orten, in der Kirche, im Gespräch mit anderen Christ*innen, im Austausch mit Aktivist*innen. Es gibt so viele Menschen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen – das macht mir Hoffnung. Und: Der Glaube hilft. Dass da in letzter Instanz etwas ist, auf das wir hinarbeiten, eine gerechtere Welt, auf die wir uns freuen dürfen. Das ist nicht etwas, das ich ganz allein herbeiführen kann oder muss, ich habe aber die Freiheit und die Verantwortung, mit darauf hinzuarbeiten. Dann ist das eine Utopie, von der ich mich ziehen lasse, die auch als Gemeinschaft Kraft gibt. Die es mir immer mal wieder ermöglicht, dieses Alles-ist-scheiße-Gefühl einfach mal wegwerfen und Hoffnung mitnehmen zu können.

Sebastian Drescher

Sebastian Drescher ist Redakteur beim JS-Magazin, der evangelischen Zeitschrift für junge Soldaten, und chrismon.
PrivatSebastian Drescher

Nils Husmann

Nils Husmann ist Redakteur und interessiert sich besonders für die Themen Umwelt, Klimakrise und Energiewende. Er studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er zu chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017

Charly: Ihr macht viel gemeinschaftliche Arbeit, das ist superwichtig. Aber warum benennt ihr es nicht mal klar: Investitionen in fossile Infrastruktur gehen 2022 einfach nicht, das ist ein Klimaverbrechen. Die Kirche ist eine mächtige Stimme. Uns stecken die Leute oft sofort in die linksradikale Ecke und hören uns gar nicht zu.

Anna: Wir nutzen unseren Einfluss, doch es ist ja längst nicht so: Die Kirche sagt etwas und alle rennen hinterher. Wirksamer ist es, wenn sich die Kirche klar hinter und neben andere stellen kann und wir so gemeinsam sagen können, wofür wir eintreten.

Charly: Also aufzufrufen, bei Ende Gelände mitzumachen?

. . . was sicher nicht alle in der Kirche begeistert . . .

Anna: Unser erster Gedanke kann ja nicht sein, was bei wem wie ankommt, sondern wofür wir uns im Sinne des Evangeliums einsetzen müssen. Ich wüsste nicht, was dagegenspricht, dass Christ*innen an Aktionen teilnehmen, dass Kirchengemeinden bei einem Camp sagen: Hey, wir haben eine megagute Infrastruktur, wir haben Zelte, wir machen bei euch mit, wir unterstützen euch, bieten Auftank­orte an. Ich wüsste nicht, was dagegenspricht, etwas von unserem etablierten Raum mit anderen zu teilen und so Brücken zu bauen und ihre Anliegen auch weiter in die politische Debatte und demokratische Prozesse einzutragen.

Im Dannenröder Forst hat sich ein Pfarrer eingebracht und wurde kritisiert – Kirche solle sich nicht einmischen.

Anna: Davor dürfen wir uns nicht scheuen. Wir können unverzagt Mut haben und uns zu unserer Verantwortung bekennen!

Infobox

Die Erderhitzung

1941 stellte der Klimatologe Hermann Flohn die These auf, dass der Mensch das Klima erhitzt, indem er Kohle, Öl und Gas verbrennt.

Das Kyoto-Protokoll

1997 beschloss die Staatengemeinschaft erstmals, den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen.

Pariser Abkommen

Auf der Pariser ­Klimakonferenz ­einigten sich ­die ­Delegierten 2015 darauf, die Erd­erwärmung auf ­deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen – möglichst auf 1,5 Grad. Es bleiben nur noch wenige
Jahre, um das Ziel zu erreichen.

Fridays for Future

2018 startete Greta Thunberg in Stockholm ihren "Schulstreik fürs Klima" – der Beginn der Klimaschutz­bewegung "Fridays for Future" (FFF).

Ende Gelände

Neben FFF setzen sich weitere Gruppen für Klimaschutz und -gerechtigkeit ein. Die "Letzte Generation" blockiert Straßen. "Ende Gelände"
will mit zivilem Ungehorsam echten Klimaschutz erreichen. Verfassungsschutzbehörden verorteten Teile von Ende Gelände in Berlin im links­extremistischen ­Spektrum.

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Lesermeinungen

Sehr geehrte Redaktion,
ich habe Ihren Beitrag mehrmals gelesen und finde schon Ihre Überschrift eine Zumutung.
Wer andere im Straßenverkehr physisch behindert, der übt doch schließlich Gewalt gegen Menschen aus, die dadurch im Straßenverkehr behindert werden und gleichzeitig wird so vielleicht sogar der rechtzeitige Einsatz von Rettungsfahrzeugen verhindert. Damit wird die Gesundheit von Menschen gefährdet.
Wer dazu noch Infrastruktur zerstört – sie nennen es im Text beschönigend „außer Kraft setzen“ -, der richtet ebenfalls zumindest indirekt Gewalt gegen Menschen, weil sie in ihrer Produktionstätigkeit beeinträchtigt werden.
Klimawandel gab es ja bereits schon während der Eiszeit und der hatte wohl nichts mit dem Menschen zu tun.
Wenn übrigen hunderte Regierungsvertreter einzeln mit Flugzeugen zu einem Klimagipfel reisen und das Ergebnis dann so dürftig ist, wird wohl eher mehr etwas gegen als für die Klimawandel getan.
Was sollen die schwärmerischen und illusorischen Ideen von der Klimagerechtigkeit, die es nicht geben wird, weil gerade die Schwellen- und Entwicklungsländer erst auch den Standard der Industriestaaten erreichen wollen.
Wenn die Aktionsteilnehmer tatsächlich Verzicht wollen, dann sollten sie bei sich beginnen. Das haben aber auch die Freitagsdemonstranten bei „Fridays for Future“ nicht gemacht. Sie haben ihre Handys behalten, nach der Demonstration ihren Müll von Pizzas hinterlassen und sich von Mama und Papa zur Demo fahren lassen und an schulfreien Tagen wollten sie auch nicht demonstrieren,
Das ist alles scheinheilig und unglaubwürdig.
Übrigens bitte ich Sie, lassen Sie beim Schreiben das Gendern! Mit ihren Sternchen erschweren Sie doch gerad Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen haben, das Erfassen ihrer Text.
Das meint Ihr langjähriger Leser
Claus Hörrmann
01844 Neustadt in Sachsen OT Polenz

Im Gespräch mit der Vorsitzenden der Synode der EKD, Anna-Nicole Heinrich, hat sich die Aktivistin Charly Dietz von "Ende Gelände" für zivilen Ungehorsam ausgesprochen, wenn des darum geht, die Erderwärmung zu stoppen. Strafbare Sitzblockaden ihrer Gruppe auf Straßen aber sind teilweise gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr und in unserem Rechtsstaat deshalb nicht zu tolerieren. Demgegenüber betont Frau Heinrich, dass die "krasseste Gewalt" vom Klimawandel ausgehe, Gewalt gegen Menschen aber die Grenze sei, die man niemals überschreiten dürfe. Das ist insofern eine erfreuliche Klarstellung von ihr, als sie noch bei der jüngsten EKD-Synode in Magdeburg, zu der eine Vertreterin der "Letzte Generation" eingeladen war, dieser Gruppierung bescheinigte, sie würde mit ihren strafbaren Aktionen ihr eigenes Wohl zurückstellen und dürfe darum nicht in eine kriminelle Ecke gestellt werden. Das konnte auch als Freibrief für strafbare Handlungen verstanden werden. Umso erfreulicher die jetzige Aussage!
Mit besten Grüßen
Manfred H. Obländer
Königswinter

Ich bin sprachlos. Da macht eine Vertreterin der Synode ein Interview mit einer Vertreterin "vom "Ende Gelände" und lässt sich da über denTisch ziehen, dass es nur so eine Art ist:
- Schädliche Industrien müssen heruntergefahren werden (Plastik-, Kunstdünger)
- "Ende Gelände" macht bewusst keine Realpolitik
usw. usw.
Kein Wort zur dann drohenden Massenarbeitslosigkeit und weiterer Riesenprobleme!!!!
Wer hat diese Frau ins Kirchenparlament gewählt??
Das eine Klimaaktivistin so schwachsinnig argumentiert - geschenkt, aber das eine Kirchenvertreterin im Stile einer jugendlichen Revoluterin auftritt, nicht zu begreifen (aber starke Fotos, für welches Jugendmagazin aufgenommen?).
Was ist nur los mit meiner Evang. Kirche?
Könnte verzweifeln!
MfG
Hans-Jürgen Riediger

Liebe chrismon-Redaktion, ich gebe zu: Meistens lege ich das Magazin bald wieder weg. Bei der Dezember-Nummer war das anders: Da kommen zwei junge Frauen zu Wort, die die biblische Botschaft und den Klimawandel wirklich ernst nehmen. Das macht Hoffnung für unsere Kirche und für den Zustand der Welt. Wäre ich nicht 74 und behindert, würde ich bei solchen Aktionen gern mitmachen. Und vielleicht kommt ja der eine oder andere Leser, der gerne exklusive 5-Sterne Flugreisen macht, ans nachdenken.
Machen Sie weiter so!
Wolfgang Wewer

Es ist gut, dass die Aktionen von radikalen und prominenten Klimaaktivisten zum Thema gemacht werden. Über die von den Gesprächsteilnehmerinnen vertretenen Positionen bin ich allerdings ziemlich entsetzt. Ja, es ist deprimierend, dass es mit dem Klimaschutz weltweit nicht wirklich voran geht. Die Aktivistin Charly Dietz aber vertritt m.E. geradezu gefährliche Positionen, weil aus ihnen eine Geringschätzung von Demokratie und Rechtstaatlichkeit spricht. Von unserem Staat z.B. zu behaupten, er wende „strukturelle Gewalt“ an, ist nicht nur irreführend sondern das grenzt an Demagogie. Zuletzt hatten die RAF-Terroristen mit dieser Formel (ursprünglich von Herbert Marcuse) hantiert. Da hätte ich mir von unserer Präses Anna-Nicole Heinrich eine klarere (Gegen)Position gewünscht. Stattdessen: „die krasseste Gewalt geht vom Klimawandel aus“. So wird die Begriffsverwirrung noch gesteigert und der unklaren Relativierung sind keine Grenzen gesetzt. Da genügt es nicht, sich einig zu sein bei „keine Gewalt gegen Menschen“.
Ursula Tischer-Bücking,
Wiesbaden

Sehr geehrte Herausgeberinnen.
Die Titelgeschichte der letzen chrismon Ausgabe: „Wie weit darf Protest gehen? “ in der Sie weitgehend unwidersprochen, Charly Dietz (C.D.) als Sprecherin einer Protestorganisation ihre Theorien ausbreiten lassen, hat uns (meine Frau und mich) ziemlich erschreckt. Ohne detailliert auf den ganzen Inhalt eingehen zu wollen, sind doch einzelne Aussagen aufzugreifen. So spricht sie (C.D.) von Toten durch katastrophale Klimaereignisse, an denen die Bundesregierung schuld sei. Soweit ich die Geschichte der Menschheit kenne, ist diese immer von Naturkatastrophen wie Dürren und Sintfluten begleitet gewesen (siehe auch Bibel). Da die Bundesregierung, wohl ohne Zweifel, an der Sintflut und anderen biblischen und nicht biblischen Plagen und den sicher dadurch verursachten Toten nicht schuld sein kann, muss nach C. D.‘s Logik jemand anderer schuld sein. Wer? (dann wird man wohl überwiegend dies Gott vorwerfen müssen?)
Im Übrigen ist meiner Kenntnis nach zwar kein Zweifel an der Klimaerwärmung, aber ob ein konkretes Ereignis kausal damit im Zusammenhang steht, ist unmöglich wissenschaftlich korrekt zu belegen.
Dann wird von „schädlichen“ Industrien geredet: Plastik-, Düngemittel- und Waffenindustrie. Das diese pauschale Dämonisierung ganzer Industriezweige auch nicht im Ansatz logisch durchdacht sein kann, ist offensichtlich. So könnte man bei der Industrie, die künstliche Düngemittel herstellt, vermutlich auch ausrechnen, wie viel Hungertote sie verhindert hat.
Dann weiß C.D. genau, wer schuld ist an der Klimaerwärmung, nämlich, neben der Bundesregierung, pauschal die bösen Kapitalisten und die Klimaverbrecher. Die pauschale Verunglimpfung ist ja ein bewährtes Mittel totalitärer Systeme. Ich habe hierbei historisch z.B. die Termini „Novemberverbrecher“, „Klassenfeind“, „Weltjudentum“, „dekadenter Westen“ und ähnliches im Ohr. Zu dieser Pauschalverunglimpfung von Andersdenkenden passt wohl, dass C. D. Gewalt nicht ablehnt (!).
Was man an die Stelle von Marktwirtschaft oder Kapitalismus setzen soll, um endlich eine bessere Welt im Sinne von C.D. zu erreichen, führt sie nicht konkret aus. Aus ihren Aussagen kann man aber wohl entnehmen, dass ihr eine Planwirtschaft vorschwebt, in der u.a. „demokratisch“ entschieden wird, wer wieviel und womit heizen darf und welche Industrien nützlich sind und welche nicht.
Wie ein solcher demokratischer Prozess in einer zig Millionen zählenden Bevölkerung ablaufen soll, wird nicht ausgeführt, doch kann man wohl annehmen, dass so etwas auf dem Kongress einer Einheitspartei o.ä., nach Vorbereitung durch ein Politbüro o.ä. entschieden werden wird.
Das Gedankengebäude von C.D. und ihren Mitstreitern würde ich nun als „Spinnerei“ abtun, so etwas wird ja reichlich von Gruppen und Grüppchen, welcher Couleur auch immer, verbreitet. Was uns erschreckt hat, ist aber der Umstand, dass Sie in chrismon diesen Gedanken eine Plattform in Form einer Titelgeschichte geben und dass die Vorsitzende des evangelischen Kirchenparlaments, wenn überhaupt, nur laue Einwände hat und damit den m.E. recht kruden Ideen eine gewisse kirchliche (evangelische) Weihe gibt. Von der Vorsitzenden des Kirchenparlamentes sollte man annehmen, dass sie versucht, für die Gesamtheit des Parlaments, idealerweise für die Mehrheit der Kirchenmitglieder zu sprechen. Da habe ich allerdings sehr große Zweifel, dass das der Fall ist. Für uns spricht sie jedenfalls nicht. Wir sind traurig, dass Sie sich dazu hergeben (vermutlich mit Kirchensteuergeldern) derartige totalitäre Propaganda zu verbreiten.
Mit freundlichen Grüßen
Uwe Jeremie
Hermannsburg

Das wissen wir doch alle schon lange, dass der böse Kapitalismus schamlos die Schwächen der Menschen und des Systems nutzt, um sich zu bereichern. Wie unbelehrbar muss man sein um wegzuwischen, dass das Leben aus dem Widerspruch von Gut und Böse besteht. Die Idealform, in der auf Dauer  nur noch GUT übrig bleibt,  ist nicht denkbar. Der Turbokapitalismus hat seine Wurzeln dort, wo jemand was hat was alle wollen und wovon es zu wenig da ist. Aber auch da, wo jemand zu einem Preis (z. B. Kreuzfahrt 14 Tage zu € 1000) etwas kauft, zu dessen Herstellung er selbst nie zur Arbeit  bereit wäre. Sonntagnacht bei Schneeregen für den Grossmarkt am Montag Lauch ernten. Für Herrn Schmitt wären das dann sicher auch  8 Stunden Kanalreinigung. Bös ist, wenn jemand Geld hat um Arbeit möglichst gering zu bezahlen, zu der er selbst nich bereit ist.  Jede andere Form von Gesellschaft, Ökonomie, Politik und globalem Zusammenleben führte bisher zum Chaos. Zu glauben, das ähnlich wie nach einer Explosion in einem Steinbruch, aus der Zerstörung des Systems eine neue schönere Welt geschaffen werden kann, ist Humbug. Jede Sekte, die das geglaubt hat, ist implodiert.

Der Text ein Brot für die Welt? Oder doch eher ein Bewerbungsgespräch für einen verquasten Terroristenableger? Und das mit dem Segen der EKD! Wer will denn da noch Mitglied in einer Sympathiesantenvereinigung von Ideologiechaoten sein? Kann man nicht mal akzeptieren, dass an der betrüblichen Situation nun einmal nicht mehr viel zu ändern ist? Es gibt keine Entwicklung ohne Nachteile. Jeder Mensch, jede Gesellschaft wird älter. Damit sind zwangsweise auch Nachteile verbunden. Wer das bestreitet, lebt nicht auf dieser Welt. Auf Erden ist für das Paradies kein Platz.

In dem Gespräch sagt Charly Dietz von Ende Gelände: „Uns geht es nicht um Klimaschutz, sondern um Klimagerechtigkeit - für Menschen auf der ganzen Welt. Und dafür braucht es einen Systemwechsel. Wir müssen den Kapitalismus überwinden, (…).“ Der Systemwechsel bedeutet einen Wechsel hin zu einer staatlich organisierten Wirtschaft, also einer Zentralverwaltungswirtschaft, wie sie in der alten Sowjetunion, dem China Maos Bestand und heute noch in Nordkorea existent ist. In allen diesen Ländern hat sich der Staat als unfähig erwiesen seine Bürger zu versorgen. Es sind sogar viele Menschen verhungert. Die Menschen wurden dort ausgebeutet. Ist es das, was Ende Gelände anstrebt? Unfreiheit? Hunger? Ist ein solches System mit der christlichen Nächstenliebe vereinbar? Ich glaube nicht und wundere mich daher, dass diesen Äußerungen nicht von der EKD-Rats-Präsidentin widersprochen wurde.

Es ist leider so, dass nur der Kapitalismus die Ideen und Mittel hervorbringt, um unsere Welt täglich etwas besser zu machen. Mittel, mit denen Bedürftigen geholfen und Wege gefunden werden, um einen umweltgerechten Umgang mit dieser Erde zu ermöglichen. In der Bibel heißt es: „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und macht sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel von unter dem Himmel und über das Vieh und alles Getier, das auf Erden kriecht.“ (1. Mose 1, 28). Dies ist einerseits die Aufforderung die Erde nach dem Willen des Menschen zu gestalten, folgernd aus der Aufforderung sich die Erde untertan zu machen, andererseits sie aber auch zu schützen, folgern aus der Formulierung zu herrschen über die Fische im Meer, die Vögel unterm Himmel und und Vieh sowie dem Getier auf der Erde.

Herrschen ist immer ein Abwägungsprozess. Es hilft niemandem, wenn nur ein Ziel absolut gesetzt wird, wie z. B. der Klimaschutz bzw. Klimagerechtigkeit, dabei aber andere Ziele, wie z. B. die Ernährung oder der Gesundheitsschutz vernachlässigt wird. Ein Beispiel mag das deutlich machen. „Unser täglich Brot“, das uns heute gegeben werde, um das wir im Vater unser bitten, wird in Backöfen gefertigt, die entweder direkt mit Gas betrieben werden oder mit Strom, welcher durch Verbrennung von Gas, Strom oder Öl erzeugt wird. Gas, Strom und Öl erzeugen bei der Verbrennung Kohlendioxid, das als klimaschädlichen gilt. Gleiches gilt für Medikamente und ihre Verpackungen, die unter Beteiligung von Gas, Kohle und Öl produziert werden. Sollen wir wegen der klimaschädlichen Wirkung des Kohlendioxids jetzt auf „Unser täglich Brot“ oder Medikamente verzichten. Ich denke Nein, sondern wir müssen technische Lösungen finden, wie wir unsere nötigen Produkte weniger klimaschädlich produzieren.

Welche Ziele sind wohl für die Menschen in der Ukraine wichtiger, sich selbst zu schützen und das Überleben in Zeiten eines Krieges zu sichern oder der Klimaschutz? Auch hier zeigt sich, dass in der Politik und dem täglichen Leben immer abgewogen werden muss.

Eine solche Antwortet hätte ich mir von der EKD-Rats-Präsidentin erwartet und nicht eine Bestärkung der radikalen Ansichten ihrer Gesprächspartnerin. Die EKD-Rats-Präsidentin hat nicht in meinem Namen gesprochen, wenn sie z. B. folgendes sagt: „Ich würde sagen, die krasseste Gewalt geht vom Klimawandel aus.“ und damit den Gewaltbegriff relativiert. Schließlich hat die Gesprächspartnerin, Charly Dietz, vorher gesagt, dass ihre Organisation auf einer Baustelle in Wilhelmshaven Baustellenfahrzeuge außer Kraft gesetzt und Rohre für die LNG-Gasleitung beschmiert und so unschädlich gemacht habe. Das ist Gewalt, die sich auch gegen „Unser täglich Brot“ und unsere Medikamente richtet. Solch eine Gewalt nicht zurückgewiesen zu haben, macht die EKD-Rats-Präsidentin für ihr Amt ungeeignet. Sie sollte zurücktreten.
Christoph Meißner
Flensburg

Sehr geehrte Damen und Herren,
das Demonstrationsrecht ist aus gutem Grund geschützt. Ziviler Ungehorsam hat Grenzen, wenn er nämlich die Freiheit anderer beeinträchtigt, oder andere gefährdet. Das alles aber, um den Klimawandel aufzuhalten? Die doch zumeist Grün Wählenden sollten sich zu allererst an Robert Habeck wenden, denn der läßt Strom über Kohlekraftwerke produzieren, obwohl ihm eine CO2-freie Stromproduktion zur Verfügung stände. Dieses rein ideologische Verhalten ist bestenfalls absurd, wenn andere Grüne von Kipppunkten reden.
Mit freundlichen Grüßen
Paul Klostermann
Herford

Wer immer noch kapiert hat, dass der Klimawandel nicht in den Sternen steht, sondern längst auf der Erde angekommen ist, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen! Aber ist 'klebenbleiben' wirklich effektiv (außer für den Kleber - Fabrikanten)? Gibt es nicht sinnvollere Aktionen? Wie wäre es mit Schadholz- und Bruchholz aus unseren Wäldern?
Einen Teil davon für sinnträchtige Kunstwerke verwenden. Mit einem Teil 'Signalfeuer' entzünden an Stränden, auf Bergen. Ja, ich weiß: Luftverschmutzung, daher eben nur Teile verwenden. Weitere Teile an (Brennholz-)Bedürftige verteilen. Ja, ich weiß: Siehe vorher. Aber manchmal sind Menschen wichtiger, denn frierende oder erfrorene Menschen sind auch nicht gut in der Bilanz des sozialen Klimas!
Wie könnte Brennholzverteilung möglichst klimaverträglich gehen?
- durch Selbstabholer auf Stadt-,Markt-,Kirchplätzen
- durch Vereine( evangelisch, katholisch bunt...)
- Muskelmänner, Transportwagenbesitzer usw.
Nur eine Idee. Es gibt vermutlich noch viele Ideen in vielen findigen Köpfen!
Ich bin alt, aber ich schreibe Kinderbücher. Meine Klientel ist also 'Zukunft'.
Ich bin alt, aber nicht hoffnungslos. Denn ich glaube daran, dass eine höhere und ewige Gewalt letztlich Gutes für uns vor hat.
Und ich nenne sie einfach 'Gott'.
Erika Fruhmann, Parsberg

Seit Jahren lese ich als evangelischer Christ mit Interesse Ihr monatliches Magazin. Mit vielen Artikeln bin ich einverstanden oder kann mich identifizieren, mit etlichen anderen nicht. In der jüngsten Ausgabe habe ich mich aber nicht nur geärgert, sondern war geradezu empört darüber, dass Sie sogenannten Klima-Aktivisten ein dreiseitiges Interview eingeräumt haben, die offen zur Gewalt aufrufen. Sie lehnen zwar Gewalt gegen Menschen ab, wie auch die Überschrift des Beitrages zeigt, doch bekennen sie sich unverhohlen zur Gewalt gegen Dinge. Sie sind stolz darauf, "auf einer Baustelle für einen LNG-Terminal Baustellenfahrzeuge außer Kraft gesetzt und Rohre, die man für die Gasleitung braucht, mit Bitumen beschmiert und so unschädlich gemacht" zu haben. Das ist nicht nur Sachbeschädigung, sondern hier handelt es sich eindeutig um strafwürdige Aktionen mit hoher krimineller Energie. Die größte Unverschämtheit folgt in der "Begründung": "Wer aber eigentlich Gewalt ausübt, sind nicht wir, sondern die Bundesregierung." Menschenverachtender kann man kaum argumentieren!

Es wundert mich, dass Sie diese Aussagen einfach unkommentiert gelassen haben. Man spürt beinahe, wie die EKD mit solchen Ansichten und Aktionen sympathisiert. Hat man in der Evangelischen Kirche eigentlich mal darüber nachgedacht, dass ihr genau wegen solcher und ähnlicher Politisierung viele Gläubige den Rücken kehren und austreten? Man hat den Eindruck, Klimaschutz und andere politische Themen sind ihr wichtiger als die Verkündung des Wortes Gottes. Gerade ältere Menschen können und wollen dies nicht nachvollziehen, und sie ärgern sich dann zusätzlich über die "Gender-Schreibweise" ("Aktivist*innen"), die der Leserschaft aufokroyiert werden soll, obwohl die große Mehrheit der Deutschen diesen Unfug ablehnt. Aber rot-grün-linke Journalisten (ca. 90 Prozent dieser Berufsgattung und dennoch eine verschwindend kleine Minderheit der Bevölkerung, die aber Meinungsmache betreibt) scheren sich nicht um Mehrheiten. Dies führt leider immer mehr zu einer Spaltung der Gesellschaft, an welcher, wie ich beobachte, die Kirchen leider mitwirken.
Wolfgang Reith
Neuss/Deutschland und Kapstadt/Südafrika

Tacheles geschrieben. Ihr, die EKD, wollt es nicht, ihr müsstet es (was?) tun, wenn Euch die Erde und das von ihr abhängige Leben wichtiger ist, als die Werte, die den Missbrauch des Lebens erst ermöglichen. Kompliziert? Denn erst unsere Werte sind für unsere Zahl und damit deren Folgen verantwortlich. Wohlstand und Zivilisation nur noch in dem Umfang ermöglichen, wie es möglich ist, den Verbrauch aus dem Abfall zurückzugewinnen? Das wäre doch die ehrliche Konsequenz einer strickten Nachhaltigkeit.Wer will der Erste und Beste sein? Aber zuerst per Los die Bevölkerung um 50% reduzieren, nach 20 Jahren noch mal, und den Rest dann zur Vorbereitung des Überlebens umprogrammieren. Aber soweit zu denken ist weder in Teilen der EKD noch Fr. Dietz gegeben. Wir sind alle ohnmächtig in einer uns von der Schöpfung aufoktroierten Falle. Bitter einzusehen, wenn das eigene Haus wacklig wird.
Und dennoch morgen einen Apfelbaum pflanzen um die Einsicht zur Hoffnung werden zu lassen.

Diese jungen Leute wollen unsere Zukunft neu gestalten. So weit so gut. Wenn wir uns aber dazu auf den Weg machen, müssen wir erst einmal feststellen, wo wir heute stehen. Leider sind die Fakten nicht sehr ermutigend, aber sie sind nun mal real.
Sie wollen schon heute die fossile Infrastruktur außer Kraft setzen, weil der Klimawandel (zukünftige) Menschenleben einfordert. Dabei aber besteht die Gefahr, dass die Lösung für viel Menschen schlimmer sein wird als das Problem, das bekämpft werden soll.
Die Fakten unserer heutigen überlebenswichtigen Energieerzeugung kann man täglich und stündlich auf der Plattform Agora-Energie nachlesen, ein Institut, das die Energiewende begleitet. Dann wird man unschwer feststellen, dass in den letzten trüben Novemberwochen der Anteil der konventionellen Energieerzeugung in Summe bei etwa 85 % lag, weil weder Wind noch Sonne verfügbar waren. Stellen Sie sich vor, wir hätten in diesen Wintertagen nicht diese verhassten Kraftwerke gehabt. Stellen Sie sich die Verwerfungen in unserer Gesellschaft vor, die Not und das Elend und fragen Sie sich, wieviel Menschenleben diese Situation schon heute gefordert hätte. Das was sie sofort abschaffen wollen, ist die Lebensversicherung dafür, dass wir heute überhaupt noch leben können. Es schon jetzt spontan abzuschaffen oder zu blockieren, wäre ein Anschlag auf unser aller Leben und damit nicht mehr gewaltfrei. Also wären diese Aktionen schon Gewalt auch gegen Menschen, weil die verbleibenden 15% nicht für alle ausreichen würden.
Wie geht es dem Kinde, das mit dem Bad ausgeschüttet wurde? Nicht so gut, dass es noch eine Zukunft hätte.
Dipl. Ing. Günter Fontius

„Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“, hat Max Weber gesagt. Von solcher Art „Realpolitik“ halten junge Menschen naturgemäß wenig. Im Gespräch von Anna-Nicole Heinrich und Charly Dietz wird das sehr deutlich. Da liegt einem „das Gefühl, im Kollektiv eine Wirkmacht zu haben“ und „krass unter Adrenalin zu stehen“, wie Frau Dietz es ausdrückt, näher. Nachhaltig ist das nicht, das ist jedenfalls meine Erfahrung aus dem „radikalen“ Engagement in der Friedensbewegung vor 40 Jahren. Mit geradezu militärischer Präzision und soldatischem Heldendünkel bereiteten wir damals die Blockade des Verteidigungsministeriums auf der Bonner Hardthöhe vor und merkten gar nicht, was wir taten. Manche der „Aktivisten“ von damals zogen es vor, weiterhin „krass unter Adrenalin zu stehen“ und ihre „Wirkmacht“ zu spüren, indem sie in den Sympathisantenkreis der RAF abwanderten mit dem Hinweis, die eigentliche Gewalt gehe vom „kapitalistischen System“ aus. „Wer aber eigentlich die Gewalt ausübt, sind nicht wir“, sagt Frau Dietz, und legitimiert damit Gewalt gegen Sachen im Kampf für das Klima. Erschreckend, wie sich die Gedanken gleichen. Es ist ein schmaler Grat, auf dem „Aktivisten“ unterwegs sind.
Peter Remy, ev. Pfarrer, Alsfeld

Protest muss ärgerlicher Ungehorsam sein
Protest ist niemals gehorsam, sonst wäre er ja kein Protest. Das wissen gerade Protestanten, deren Bekenntnis aus dem "zivilen Ungehorsam" eines gewissen Augustinermönchs gegen den herrschenden römischen Klerus entstanden ist. Auch dieser letztlich erfolgreiche Protest gegen Missstände des 16. Jahrhunderts wurde von Konservativen zunächst heftig kriminalisiert und sollte schließlich sogar im Dreißigjährigen Krieg mit größter "Gewalt gegen Menschen" ausgerottet werden, um ein denkfaules "Weiterso" der Etablierten abzusichern. Dass dieses blöde Ziel damals selbst mit brutalsten Mitteln nicht durchgesetzt werden konnte, sollte den heutigen Protestgegnern eine Warnung sein: Auch sie sind etabliert und halten im Zeitalter von fake news den Gegenstand des Protests für nicht so wichtig: rechtzeitigen und wirksamen Klimaschutz wird man genauso wenig aussitzen können wie die Reformation.
Protest und Widerspruch sind heute in der Demokratie erlaubt, es droht hier kein blindwütiges Abschlachten mehr, wie vor 400 Jahren; man braucht nicht mehr den Mut Martin Luthers gegen kaiserliche und päpstliche Obrigkeit. Aber man muss der absurden Gleichsetzung mit der deliktischen RAF der 1970-er Jahre mutig entgegentreten, denn die heutigen Protestierer von "FFF", "Last Generation" oder "Ende Gelände" sind alles andere als mordende Verbrecher. Nicht die verzweifelten Bürgerschrecken müssen eingesperrt werden, sondern die rücksichtslosen Klimakiller und korrupten Krisengewinnler. Die Beschimpfung der Klimaschützer ist charakteristisch für konservative Mitglieder gerade der beiden Parteien mit dem "C", die sich wie vor 400 Jahren auch auf den Allerhöchsten berufen: Sie wollen den bequemen status quo konservieren, um ihr Kapital weiter in fossile Verbrennung investieren zu können. Den Kapitalismus an sich wird man indessen nicht "überwinden" können, Frau Dietz, aber man muss diesen kurzsichtigen Turbo-Kapitalismus sozialer und gerechter machen. (Vom individualistischen Marktliberalismus von heute zurück zur "Sozialen Marktwirtschaft".) Versuchen Sie es mal mit dem Komparativ, nicht mit dem Superlativ: Nicht ohne Wachstum oder Gewinn, sondern mit weniger! (Dann ist das Geschrei der share holder nicht ganz so laut.)
Dr. Dietrich W. Schmidt
Stuttgart

Guten Tag,
Das Interview mit Frau Dietz und Frau Heinrich fordert Widerspruch!
Schon die Überschrift ist falsch. Korrekt könnte man gerade noch ‚Keine physische Gewalt gegen Menschen‘ akzeptieren. Aber selbst darum geht es besonders Frau Heinrich doch gar nicht. Ihrer Gruppierung und einigen anderen auf der gleichen Welle segelnden Akteuren bis hin zu Teilen der Sympatisanten der Grünen geht es- wie sie selbst ausführt- um den Kampf gegen den Kapitalismus und demokratische Institutionen (Polizeigewalt). Dazu waren früher der Frieden, dann die Kernwaffen und die Atomkraft und nun der Klimawandel die nützlichen Narrative mit denen man das eigene rechtsbrecherische Verhalten begründen konnte/ kann. Der Ordnung halber muss ich Frau Thunberg von dieser Einordnung explizit ausnehmen. Sie war sicher anfangs durch eigene Besorgnis getrieben, bei den dann folgenden FFF Organisationen bin ich mir schon nicht mehr so sicher.
Damit wir uns richtig verstehen, der Klimawandel ist real. Er findet statt, seit die Menschheit in immer größerer Zahl die Erde bevölkert. Seltsamerweise wird dieser evidente Zusammenhang von den genannten Gruppierungen überhaupt nicht thematisiert!? Mit zunehmender Steigung der exponentiell wachsenden Erdbevölkerung werden auch die Auswirkungen des Klimawandels immer drastischer sicht- und spürbar. Diese Entwicklung würde auch nicht aufgehalten, wenn 80 Millionen Deutsche und all ihre Emissionen über Nacht verschwänden. Unsere Lücke würde in kürzester Zeit auf dem afrikanischen Kontinent gefüllt.
Das alles ist natürlich kein Grund zur Passivität. Ganz im Gegenteil muss die GESAMTE Menschheit mit allen Mitteln gegensteuern, vor allem aber sich auf die nicht mehr vermeidbaren Folgen vorbereiten! Das erfordert m.E. innovatives Denken und Handeln. Es erfordert die Mobilisierung jedweder Intelligenz und adäquater Technologie. Überall auf der Welt!
Protestieren muss man mit Vehemenz gegen die verbohrten Ideologen und unsäglichen Traumtänzer in Politik und Gesellschaft, welche sich im alleinigen Besitz der richtigen Mittel und Methoden gegen den Klimawandel wähnen. Und damit wird es politisch. Für mich stellt sich deshalb die Frage, was die Wahl des Titels und das Plenum für die Verhaltensweise der Gruppierungen um Frau Heinrich etwas in einer christlichen Publikation zu suchen haben?
Warum ist die Überschrift falsch?
Würden all die von Frau Heinrich vorgeschlagenen Dinge umgesetzt- vor allem in der geforderten Geschwindigkeit- wäre dieses Land in kürzester Zeit verarmt und die Beute radikaler Akteure. Das ist tatsächlich eine noch viel subtilere und gewaltigere Gewalt gegen die Menschen, insbesondere die schwachen Glieder der Gesellschaft! Darum verstehe ich die zahmen Moderatoren nicht. Wäre es nicht gerade in einem christlichen Magazin angebracht, diese Auswirkungen derart abstruser und leicht durchschaubarer Gedanken auf die Gesellschaft zu hinterfragen? Was ist an dem Gedankengut von Frau Heinrich christlich? Wo sind ihre konstruktiven Vorschläge?
Frau Dietz zeigt m.E. auch das in der EKD leider sehr verbreitete den vorgenannten Narrativen anbiedernde Verhalten, statt auch hier das zutiefst unchristliche Narrativ der Weltverbesserer aufzudecken. Dieses Narrativ mit der Naivität oder guten Absichten der Akteure zu entschuldigen ist in meinen Augen fahrlässig. Auch diese Minderheit versucht durch geschicktes Verbrähmen der wirklichen Ziele ausschließlich ihre politischen Ansichten auf undemokratischen Wegen der Mehrheit aufzuzwingen. Wie wäre die Reaktion der EKD, würde ich mein Missfallen an den Aktionen der EKD ebenso wie Frau Heinrich und Kollegen mit Rechtsbruch und Sachbeschädigung ausdrücken? Die EKD sollte sich daran erinnern, dass sie bereits einmal die falsche Unterstützung gewährt hat. Wer die Zukunft gestalten will, sollte seine Vergangenheit genau kennen! Das gilt insbesondere für unsere jüngeren Mitbürger mit diesbezüglich offensichtlich großen Bildungslücken (oder bewusster Ignoranz?).
Vor diesem Hintergrund einige Anregungen für Frau Heinrich und Co:
Stellen Sie Intelligenz, Ehrgeiz und Energie in den Dienst unserer Gesellschaft. Studieren Sie MINT Fächer, akzeptieren Sie die Gesetze der Physik und begreifen Sie, dass die Natur nicht nach der Pfeife menschlicher Wünsche oder Ideologien tanzt. Sie wird immer siegen! Stärken Sie die demokratischen Regeln und Institutionen dieses Staates und helfen Sie mit die Internationale Gesellschaft zu gemeinsamem Handeln zu bewegen. Setzen Sie sich mit wissenschaftlich fundierter Geschichtsschreibung (Kolonien) auseinander. Bedenken Sie die immanenten Schwächen des Menschen, er ist immer interessengeleitet! Hören und akzeptieren Sie die Worte der anderen, sie könnten wichtig sein! Nicht Sie sind wichtig, nur was Sie hinterlassen zählt.
Mit besten Wünschen zur Adventszeit und Mut zur Selbstreflexion
Gerd R. Biller, Mettmann

Sehr geehrte Damen und Herren,
als katholischer Christ lese ich Chrismon sehr gerne. Mir gefallen die Reportagen und Interviews, die Fragen aufwerfen, die alle Christinnen und Christen sich stellen (müssen).
Leider musste ich mich über das aktuelle Heft ärgern. Dass Sie das Thema "Protest" zum Titelthema machen, ist eine gute Idee. Aber warum darf eine Aktivistin, die die Nötigung anderer befürwortet, prominent zu Wort kommen - ohne dass jemand anders widerspricht?
Für alle Menschen, ob nun Christen oder nicht, sollte es doch zur zivilisatorischen und demokratischen Grunderkenntnis gehören, dass Ideen und Ziele nicht zulasten anderer mit illegalen Mitteln erstritten werden dürfen. Es ist bedauerlich, dass die Maßstäbe an manchen Stellen verrutschen: auch die Lage des Klimas darf nicht zu illegalen Aktionen, die überdies immer wieder Menschen gefährden, führen.
Wenn nun Frau Heinrich anregt, Kirchengemeinden sollten den Protest unterstützen, fehlt mir dafür jedes Verständnis. Die Kirche darf sich doch nicht vor den Karren von Aktivisten und ihrem Scheuklappendenken spannen lassen. Sie muss kritisch eine eigene Haltung vertreten, orientiert am Evangelium und damit unter Beachtung aller möglichen Interessen.
Es wäre schön, wenn in der nächsten Ausgabe jemand zu Wort käme, der seinen Lebensunterhalt in der Braunkohleindustrie verdient, oder jemand, der als Polizist die Gewaltbereitschaft so mancher Aktivisten ertragen muss.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Philipp Austermann
Brühl

Es ist erwiesen, dass die Proteste der Klimaaktivisten gegen Recht und Ordnung verstoßen und den Staat z.B. durch massiven Polizeieinsatz enorm viel Steuergeld kosten. Unverständlich für mich, dass Chrismon den Aktivisten einen so großen Artikel einräumt und sich damit zum Helfershelfer degradiert. Der tendenziöse Artikel hat rein gar nichts mit der friedfertigen Adventszeit zu tun.

Gerd Schulte, Kelkheim/Ts.

H. Dietz will also keine Realpolitik betreiben. Sich keine "schmutzigen" Hände in der Politik machen. Dafür lieber schöne Worte und für Idealwünsche mit "dreckigen" Methoden kleben bleiben. Die Ideale höher stellen als die menschlichen Eigenschaften. Was da mit kirchlichem Beifall an obskuren Ideen präsentiert wurde, ist an Weltfremdheit nicht zu überbieten. Das ist kein Brot für die Welt! Putin mordet mit der Zerstörung der Infrastruktur. H. DIETZ und seine Helfer haben mit der Zerstörung von EnergieTrägern das gleiche Ziel, Der Eine will Macht, der andere das Paradies um die Welt zu reparieren. Zu glauben, dass man die Zukunft zurückdrehen kann, ist unrealistisch. Schönreden endet meist in verschlimmbessern. Niemand von den Gesprächspartnern wird bereit sein, für die Summe der Vorschläge auch nur einen Funken Verantwortung zu übernehmenn. Phantasten an die Macht und das Chaos ist uns sicher. Wir als Vorbild der Welt sollten sehr vorsichtig sein. So wird das Brot für die Welt vernichtet. Nehmt die Realitäten an. Die Ärmsten sind auch keine besseren Menschen als die Reichen. Wer kann der nimmt. Wer glaubt, diese Erfahrung ausser Kraft setzen zu können, der ist gefährlich.

Der Konjunktiv ist die höchste zynische Form der Verneinung.

Zitat Charly Dietz: "Wir müssen (wir könnten, warum nicht, wenn...) den Kapitalismus überwinden".

Klingt zu gut. Leider eine Forderung ohne einen verwertbaren Horizont. Ein Weg ohne Weiser.  Hatten wir doch schon mal, wie die 68ger ohne Roadmap. Als Ergebnis bzw Ziel ein purer Egoismus mit nur noch Rechten und möglichst ohne Pflichten. Mit  dem schönen Decknamen der freiheitlichen ungezügelten  Selbstverwirklichung. Vorschläge zur Erfüllung der Forderung von Herrn Dietz: Eliminierug aller andersartigen Grund-, Gold- und Geldbesitzer. Nach Ausschreibung eine  Auftragsvergabe für die Geburt von Adam und Eva ohne Fehler. Wenn das wider Erwarten mangels Geburtshelfer nicht möglich sein sollte, Einführung einer bolschewistischen Schattenwirtschaft ohne Kenntnis der Drahtzieher. Weil das ohne Stacheldraht schwierig ist, eine neue darwinistische Sozialauslese, die nur überleben darf, wer einen Bodymassindex von nicht über 20 hat. Ein höheres Gewicht wird als Beweis für einen kapitalistischen Konsum gewertet. Ein geringes Gewicht verringert die Fluchtwünsche. Die letzte Alternative wäre alles Geld und Arbeit abschaffen, weil deren Missbrauch ja erst den Kapitalismus möglich macht. Und wovon leben? Von der Hoffnung,  dass Herr Dietz als Huhn eine logische Antwort bekommt: Fragt die Henne das Ei, "Bist Du oder bin ich drin?"

Bisher ging die krasseste Gewalt immer von der Natur (Vulkane, Erdbeben, Meteoriten) aus. Das "zivilisierte" Anthropozän hat dem die Vernichtung der Rohstoffe hinzugefügt. Die totalitäre Tendenz der "Kleber" und der veganen "BIO-Sozialisten" kann sich auch verselbständigen. Ist die zweifellos bestehende akute Klimabedrohung tatsächlich geringer als ein möglicher AKW-GAU? Real gegen möglich? Wenn die + 3 Grad (neueste Annahme) in ca. 100 Jahren realistisch sind, sollte man neu rechnen.

"Die krasseste Gewalt geht vom Klimawandel aus". Aha !
Nun, in den Siebzigerjahren versuchten die Sympathisanten der RAF-Terroristen deren Gewalttaten mit der von Johan Galtung postulierten "strukturellen Gewalt " zu rechtfertigen. Auch damals
begann es mit "Gewalt gegen Sachen", vom Sit-In bis hin zur Kaufhausbrandstiftung. Die Morde folgten dann später ...
Wollen doch mal sehen, wie weit die Kirche bereit ist, diesem "Vorbild" zu folgen. Auf gutem Wege scheint sie ja schon zu sein...

Der Begriff "Gewalt gegen Sachen" war schon zu RAF-Zeiten und ist auch heute wieder blanker Unsinn. Trivial ist der Unterschied zwischen Körperverletzung (mit und ohne Todesfolge) und Sachbeschädigung. Die angebliche Gewalt gegen Sachen war und ist aber immer eine Gewalt, die sich gegen eine Person oder Institution richtet, nämlich den Besitzer oder Eigentümer der Sache. Jede Gewalt gegen Sachen ist also eine Gewalt gegen Personen oder Institutionen, ohne Körperverletzung sein zu müssen. Wer einen herrenlosen Stein zertrümmert, hat keine Gewalt gegen irgendwas oder irgendwen ausgeübt, sondern herumgetobt.

Der größte Gewalttäter moderner Zeiten, der Staat nämlich, der "nur" seinen Gerichtsvollzieher schickt, der den Wohnzimmerschrank abtransportiert, begeht eine Gewalttat. Die ist selbstverständlich überhaupt nicht strafbewehrt. Sie richtet sich auch nicht gegen die Sache Wohnzimmerschrank, sondern gegen die Person Wohnzimmerschrankbesitzer.

Wer ein Polizeiauto in Brand steckt, begeht eine Gewalttat. Die ist selbstverständlich heftig strafbewehrt. Sie richtet sich auch nicht gegen die Sache Polizeiauto, sondern gegen die Institution Polizei oder Staat.

Wer sich also an den Debatten über Gewalt gegen Sachen / Gewalt gegen Personen beteiligt, macht einen schweren Fehler. Das gilt unabhängig davon, ob er als braver Bürger vor der Gewalt von Privatpersonen gegen Sachen warnt, weil die doch in Gewalt gegen (Staats)Personen münden könnte oder als kritischer Geist schon gemerkt hat, dass der Staat nur deswegen funktioniert, weil er auf überlegener Gewalt beruht und Gegengewalt in Erwägung zieht, was bekanntlich streng verboten ist.

Friedrich Feger

Zitat: "Dietz findet zivilen Ungehorsam okay, um die Erderwärmung zu stoppen."
Da wird nichts verstanden. Eine Entwicklung von mindesten 300 Jahren (Beginn der Industriealisierung) stoppen? Ein Flug über Europa und die Merianstiche zeigen, wie kahl es schon vorher war. Denn früher (ca. 1300-1800) war es viel kälter und für die Erze brauchte man Unmengen Holzkohle. Alle müssen mitmachen! Haben Sie dafür die Macht? Wenn nicht, ist der Anspruch eine Illusion für die Kita.

Finde die Hybris dieser Berufsjugendlichen auch beängstigend, wie die gesamte Veranstaltung in Magdeburg. Hätte von denThemen und den Beschlussfassungen auch der Parteitag der grünen Jugend sein können. Find mich da als evangelischer Christ nicht mehr wieder.

Es ist unverantwortlich diesen idealisierten Jugendlichen und Weltfremden einzureden, dass es möglich sein könnte, Räder zurück zu drehen. Die Räder rollen. Keiner wird der Erste sein wollen, der auf Dauer seinen Wohlstand opfert, um damit nur in seinen Gedanken die Welt zu retten. Die WM in Katar kostet 200 Milliarden. Das sind Maßstäbe um die es geht und nicht um einen Verzicht auf Bratwurst während eines Kirchentages. Gross im Globuliformart zu denken und dann vegane Hafermilch trinken, interessiert niemand. Im Gegenteil, es macht lächerlich. Bei uns leben 232 Bürger auf einem Quadratkilometer. In Bangladesch 166 Mio. und 1100 dichtgedrängt. In Indien 1.4 Milliarden und ca. 450 dichtgedrängt. Darum geht es. Wenn ihr schon glaubt was ändern zu können, dann missioniert mal alle Gleichaltrigen, dass eiskalt ohne Vorwärmung duschen und Leitungswasser statt Kaffee sehr gesund ist, um in rauen Zeiten noch freudvoll zu überleben.

So ist es. Die Kirchentage sind ja schon seit Jahren in Teilen linksliberale Parteitage. Selten von Kanzeln und in den Medien zu hören, dass auch für Christen ein harmonisches und verantwortliches Gleichgewicht zwischen den Rechten und Pflichten für sich selbst, die Familie, die Gesellschaft und den Staat gilt. Für diese Forderungen der Realisten ist da wenig Platz. Vegan, AKWs, Trans und LBGTIQ, die Toleranz der Intoleranz, Indigene, etc.. Ja, alles ist wichtig. Und wo bleibt der Glaube? Wo und wie wird die Mehrheit der Gläubigen repräsentiert? Oder gibt "Die Kanzel" nicht mehr her als eine religiöse Politik? Dieser synodale Weg, bei allen Bewegungen anzubandeln, ist schon lange armselig.

Die krasseste Gewalt geht vom Glaube an den nun "freiheitlichen" Wettbewerb aus - "gesundes" Konkurrenzdenken für die spalterische Konfusion in wettbewerbsbedingt-menschenUNwürdiger Symptomatik, wo längst geistig-heilendes Selbst- und Massenbewusstsein fusionierend wirken sollte.