Synode 2022: Was die Kirche für den Klimaschutz tut

"Alle müssen mitmachen, und wir gehören dazu"
Dorfkirche Zernin mit Solaranlage

Paul Langrock/Zenit/laif

Photovoltaikanlage auf der Dorfkirche Zernin, Mecklenburg-Vorpommern

Fotovoltaikdachanlage auf einem Kirchendach, erzeugt bis 18 Kilowatt elektrische Spitzenleistung. Die evangelische Kirche, [erbaut 1248, bezahlt mit der garantierten Einspeiseverguetung seit 2002 die Kosten fuer diverse notwendige Sanierungsmassnahmen], gefoerdert durch Deutsche Bundesstiftung Umwelt. DBU, Religion, Solarkirche, Module von Schueco, Kraftwerk, Solarkraftwerk, dezentral, Solarzelle, Solarmodul, polykristallin, Photovoltaikanlage, Fotovoltaikanlage, Photovoltaikdachanlage, Photovoltaik, Fotovoltaik, Sonnenenergie, Solarenergie, Energie, regenerative, umweltfreundliche, erneuerbare, alternative, Strom, Elektrizitaet, Solarstrom, Sonnenstrom, EEG, Erneuerbare Energien Gesetz, Dachanlage, Klimawandel, Energiewende. Engl.: Electricity, sun, solar energy, collector installed as roof system on top of protestant church, compensation for electricity fed into the grid pays necessary restauration, installation, plant, power, renewable, solar module, panel, photovoltaics, environment, Europa, Deutschland, Zernin [bei Guestrow], Mecklenburg Vorpommern, 12.09.2016

Was kann die Kirche für den Klimaschutz tun? Eine ganze Menge, erklärt Jörn Budde - vor allem beim Thema Heizung.

Gegen den globalen Trend der menschengemachten Erderwärmung ist eine Landeskirche ganz klein. Was können Sie bewirken?

Jörn Budde: Das Argument höre ich auch immer, wenn es um die Rolle Deutschlands geht. Nach dem Motto: Was können wir im Vergleich zu den USA, zu China, zu Indien schon tun? Aber alle müssen mitmachen, sonst wird es nichts. Und die Kirchen gehören auch dazu.

Und was können Sie tun?

Das Potenzial ist in allen Landeskirchen und Diözesen ähnlich. 80 Prozent der Treibhausgasemissionen gehen auf die Gebäude der Kirche zurück, meist, weil wir sie beheizen. Zehn Prozent kommen aus dem Bereich Mobilität. Und noch mal zehn Prozent aus dem Bereich Beschaffung – also alles das, was wir kaufen, Druckerpapier - oder Druckerpatronen zum Beispiel. Wenn man was tun will fürs Klima, sollte man zuerst an der größten Stellschraube ansetzen, das sind die Gebäude.

Jörn Budde

Dr. Jörn Budde ist Leiter des Umweltbüros der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).
EKBO

Nils Husmann

Nils Husmann ist Redakteur und interessiert sich besonders für die Themen Umwelt, Klimakrise und Energiewende. Er studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er zu chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017

Was machen Sie mit den Gebäuden?

Wir versuchen, von fossilen Heizungen auf erneuerbare Energien umzustellen und Wärmepumpen zu nutzen, die mit Strom und nicht mit Öl und Gas laufen. Damit die Emissionen auch wirklich runtergehen, ist das immer mit einem Wechsel zum Ökostrom verbunden. Den haben wir aber ohnehin fast vollständig vollzogen.

Als Kirche nutzen Sie bestimmt ältere Gebäude. Klappt das dort mit den Wärmepumpen überhaupt?

Wir differenzieren zwischen Kirchen und Kapellen und Gebäuden mit Ein- und Mehrfamilienhauscharakter. Die Kirchen und Kapellen sind natürlich sehr besonders. Dort haben wir teils riesige Räume, sehr hohe Decken und Einfachverglasung. Kein Scherz: Ich habe interessehalber überprüft, was besser dämmt - ein Fenster mit Bleiverglasung, wie wir es in Kirchen oft haben? Oder ein Pappkarton?

Und?

Der Pappkarton.

Oje.

Aber das sind eben auch Gebäude, die nicht zum Heizen geeignet sind. Der Energieverbrauch ist viel zu hoch, erst recht in Relation zur Nutzung. Es halten sich ja nicht immer viele Menschen in Kirchen auf, sondern nur manchmal für einen gewissen Zeitraum. Man muss Kirchen nicht heizen. Auch nicht für den Denkmalschutz. Um Orgeln zu erhalten, muss man die Luftfeuchtigkeit beachten, nicht die Temperatur. Also empfehlen wir, nicht mehr den Kirchenraum als Ganzes zu heizen, sondern gezielt zu arbeiten – mit Sitzplatzheizungen, Infrarotplatten, die mit Strom heizen, und von mir aus auch, indem wir Wärmflaschen verteilen. Es ist extrem, was Kirchengemeinden an Energie sparen können, wenn sie ihre Kirche nicht beheizen.

"Man muss Kirchen nicht heizen"

Und die anderen Gebäude, die wie Ein- und Mehrfamilienhäuser sind?

Auch die stehen oft unter Denkmal- oder Ensembleschutz.

Was ist das, Ensembleschutz?

Wir müssen die Ansicht nach außen so wahren, dass das Bild von Kirche, Pfarr- und Gemeindehaus einen einheitlichen Charakter bewahrt. Eine neue Außendämmung ist dann schwierig. Das Dach zu dämmen ist aber vielerorts problemlos möglich. Es geht immer um den Einzelfall. Manche Gebäude haben einen Hohlraum zwischen den Wänden. Den kann man mit Dämmmaterial befüllen.

Wärmepumpen seien nur für moderne und besonders gut gedämmte Gebäude gedacht, heißt es ja oft.

Das stimmt so pauschal nicht. Wärmepumpen können alte Heizungen ersetzen, wenn man das Wärmeverteilnetz erneuert, was oft ohnehin dran ist. Das heißt konkret, dass man alte Rippenradiatoren gegen moderne Niedertemperaturheizkörper austauscht. Dann bin ich auch nicht auf so hohe Wassertemperaturen in den Leitungen angewiesen wie früher. Das schafft dann eine Wärmepumpe sehr effizient. Die Pumpen werden auch besser, es gibt schon Geräte, die Gebäude mit alten Wärmeverteilnetzen beheizen können. Sie verbrauchen nur mehr Strom.

Kirchendächer für Solaranlagen?

Dann werden Sie doch Stromerzeuger! Viele Gebäude bieten viel an Dachflächen für Photovoltaik …

Brandenburg ist Erneuerbare-Energien-Land. Wir haben auch schon große Freiflächenanlagen mit Photovoltaik auf Kirchenland. Wir brauchen aber jede ohnehin versiegelte Fläche, die wir haben, um Energie zu erzeugen - also auch die Kirchendächer. Mitunter geht der Riss in dieser Frage quer durch die Gemeinden, ob sie das wollen oder nicht. Wir sind wegen der Denkmalbelange auch mit den Landesdenkmalämtern im Gespräch.

Worum geht es?

Es geht vor allem langsam, leider. Nun haben sich aber die Bauamtsleitenden aller EKD-Gliedkirchen für Photovoltaikanlagen auf Kirchen ausgesprochen. Und die Bundesregierung hat erklärt, dass es von überragendem Interesse ist, Strom aus erneuerbaren Energieträgern zu erzeugen. Wir treten mit unseren Landesdenkmalämtern für die Kirchengemeinden in eine Art konzertierte Aktion ein.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Wir haben die Kirchengemeinden aufgerufen, einen Steckbrief zu erstellen, mit Foto der Kirche. Und wir haben Informationen gesammelt, was sie mit diesen Dächern vorhaben. Das hat den Gemeinden Arbeit gemacht, aber nun sind wir erst mal dran und bündeln diese Anfragen. Wir sammeln die Steckbriefe und gehen sie Schritt für Schritt mit den Landesdenkmalämtern durch. Am Ende haben wir eine Art Ampel, die auf Rot, Gelb oder Grün steht. Hoffentlich oft auf Grün, damit wir viel Sonnenstrom von Kirchendächern ernten können.

Waldgemeinschaften wollen Trockenheit angehen

Wie viele Gemeinden haben sich beteiligt?

26. Das war eine starke Rückmeldung, gemessen daran, dass unsere Mail auch nur eine von Tausenden Mails war, die pro Woche in Kirchengemeindebüros auflaufen.

Ländliche Kirchengemeinden haben viel Arbeit damit, ihr Land zu verpachten - und das möglichst ökologisch. Welche Erfahrungen machen Sie?

Es ist ein schwieriges, zum Teil auch emotional besetztes Thema. Mein Eindruck ist: Der Kontakt der Gemeinden mit Landwirtinnen und Landwirten ist eigentlich gut, auch wenn eine Gemeinde mehr ökologische Kriterien umsetzen will. Es sind eher die Verbände, die Gegensätze aufbauen. Wir haben Kriterien in Musterlandpachtverträge geschrieben, die wir den Gemeinden zur Verfügung stellen. Die Kirchenkreise bei uns dürfen eigene Musterlandpachtverträge machen. Gerade erst ist einer in der Kreissynode des Kirchenkreises Wittstock-Ruppin beschlossen worden. Den werden wir den anderen Kirchenkreisen nahelegen. Ich finde, er ist sehr gelungen.

Und dann gibt es noch den Wald …

Wir müssen in Brandenburg den Waldumbau vorantreiben, denn wir haben hier besonders viele Monokulturen mit Kiefern. Die Trockenheit ist ein riesiges Problem. Unsere kirchlichen Waldgemeinschaften denken viel darüber nach. Wir brauchen einen resilienten Wald, und meiner Meinung nach werden das Mischwälder mit allen möglichen Arten sein, keine Monokulturen.

Was tun Sie in den Bereichen Mobilität und Beschaffung, die 20 Prozent der Emissionen in Ihrer Landeskirche verursachen?

Berlin gehört ebenso zu unserer Kirche wie die Uckermark. Das macht es schwierig. In Berlin kann man viel mit Bus und Bahn regeln. Auf dem Land haben wir manchmal eine geringere Dichte an Menschen pro Quadratkilometer als in Skandinavien. Wir haben deshalb eine Studie mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) gemacht, um den Nutzen des Fahrrads zu ermitteln. Das Ergebnis hat mich überrascht.

Warum?

Weil es nicht so eindeutig ist, wie man erwartet - zum Beispiel, dass in Berlin alles mit dem Rad geht. Im Gegenteil, dort gibt es Straßen, die niemand mit dem Rad befahren will, viel zu gefährlich! Und auf dem Land gibt es teils bombig ausgebaute Radwege entlang der Landstraßen, auf denen unsere Pfarrerinnen und Pfarrer mit dem E-Bike unterwegs sind.

Und dann kaufen Sie als Kirche noch ein …

Seit Oktober sind wir als Landeskirche Mitglied bei "Wir kaufen anders". Da gibt es viele Produkte für den kirchlichen Bedarf, aber auch alle anderen. Man kann es sich wie eine Art Amazon für ausschließlich ökofaire Produkte vorstellen. Wir hoffen, dass das Angebot gut angenommen wird.

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Lesermeinungen

Pure Augenwischerei nach dem Motto, wir gehören doch auch zu den Guten. Ganz einfach die Lösung. Im Winter kalt bleiben und im Sommer heiss werden und jede Völkerwanderung vermeiden. Sonst gibt es Ärger.. Als Bitte an Alle. Macht Trump auch mit? Nennt doch endlich das Kind mit Namen. Die Zivilisation ist mit all ihren Wohltaten und bösen Folgen unabwendbar. Und hierfür waren die Kirchen Jahrhunderte ein treibender Faktor. Warum auch nicht! Nur wenn unsere Zahl von 8 auf 1 Milliarden (Jahr 1800) reduziert (menschenverachtend!), der Energie-Verbrauch total auf Sonne und Wind verändert wird und der damalige Lebensstard erreicht ist, bestünde evtl. eine langfristige (1000 Jahre?) Chance zur Trendumkehr. Sicher ist das aber auch nicht. Hierfür will aber niemand der Erste und Beste sein. Der persönliche "Verdrängungswettbewerb" wird immer gewinnen. Dazu die Konsequenzen aus der Wirkung der 10 Kipppunkte v. Dr. Rockström vom PKI, der Gedanken- und Zukunftsschmiede der Grünen. Als Ziel gestern noch 1,5 Grad. Heute sind 2,5 Grad sicher und ca. 3 Grad 2100 wahrscheinlich. Und wir drehen für ein gutes Gewissen die Heizung auf 19 Grad. Eine Lüge macht jede Wahrheit erträglich. Gut so.

"Die Bibel fordert die Menschen dazu auf, den Garten Eden "zu bebauen und zu bewahren."

Mensch ist, mit seinem ersten und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung, aus dem Paradies "vertrieben" worden - Es muss also erstmal, durch ein würdiges Ebenbild, ein Weg zurück gefunden/gestaltet werden. Das geforderte Ebenbild, ist das ganzheitlich-fusionierte Wesen Mensch, in einer/einem dem Ursprung des Geistes entsprechenden Gemeinschaft/Gemeinschaftseigentum "wie im Himmel all so auf Erden", also geistig-heilendes Selbst und Massenbewusstsein, anstatt "Individualbewusstsein" in wettbewerbsbedingter Symptomatik!!!