Feinstaub aus Kaminöfen: Wie sich Emissionen minimieren lassen

"Holz aus Komfortgründen zu verbrennen – das ist kritisch"
Füße wärmen sich an Kaminofen

Anastasiia Krivenok/Getty Images

Holz verbrennen, nur weil man so gern in die Flamme schaut?

Viele Kaminöfen setzen mehr Feinstaub frei, als in den Zulassungspapieren steht, berichtet Ingo Hartmann im Interview. Der Forscher gibt praktische Tipps, wie sich die Emissionen des eigenen Kamins reduzieren lassen.

Wer sich angesichts der hohen Gaspreise im Baumarkt einen Kaminofen kauft und sich die Unterlagen durchliest, denkt: "Super, ich muss keine Bedenken bei den Emissionen haben!" Sehen Sie das auch so?

Ingo Hartmann: Rein rechtlich ist alles in Ordnung mit diesen Öfen, sie halten die gesetzlichen Vorgaben ein. Mitunter ist von "Holzofengate" die Rede, in Anlehnung an das "Dieselgate". Aber diese zwei Dinge muss man voneinander trennen.

Warum?

Beim "Dieselgate" gab es Betrug, Emissionswerte wurden bewusst falsch ausgewiesen. Das ist bei den Holzöfen nicht der Fall. Dennoch gibt es Probleme.

Welche Probleme sind das?

Was auf den Zertifikaten und Produktdatenblättern steht, sagt Ihnen: Die Anlage hält unter bestimmten Bedingungen im Labor die Grenzwerte ein, die in der Ersten Bundes-Immissionsschutzverordnung festgelegt sind. Aber gerade bei günstigen Kaminöfen, die wenig Technik enthalten, haben die Menschen, die sie betreiben, einen großen Einfluss darauf, welche Emissionen wirklich entstehen.

Was meinen Sie konkret?

Die Bedingungen, unter denen die Zertifikate für Kaminöfen erstellt werden, haben Normalverbraucher nicht, denn ihr Ofen steht im Wohnzimmer, nicht im Labor.

Was ist im Labor anders?

Dort verwendet man zum Beispiel naturnahes Scheitholz, das eine bestimmte Form hat. Wer zu Hause Holz verbrennt, das eine andere geometrische Form als das Laborscheitholz hat, beeinflusst damit die Feinstaubwerte. Am schlimmsten wäre es, Abfälle und Abfallholz zu verbrennen. Zu Hause bei den Ofenbesitzern fallen Emissionen an, die um das Zwei- bis Dreifache höher sind als das, was im Zertifikat steht. Als Betreiber eines Holzofens muss man sich klarmachen, dass der Ofen die gesetzlichen Vorgaben nur unter bestimmten Betriebsbedingungen einhält. Und selbst unter Laborbedingungen stößt ein Kaminofen Emissionen aus, die um den Faktor zehn bis 20 höher sind als das, was aus Öl- und Gasheizungen kommt.

"Man sollte das Feuer von oben anzünden"

Und da reden wir über Feinstaub?

Ja, die Feinstaubwerte liegen bei Öl- und Gasheizungen bei einem Milligramm pro Kubikmeter an Abgasen und sogar darunter – bei Holz sind es 20 Milligramm, wenn es gute Anlagen sind. Bei schlechten Anlagen kann es leider auch viel mehr sein. Holz nur aus Komfort- und Luxusgründen zu verbrennen, weil man sich die Flamme so gern anschaut – das ist sehr kritisch zu sehen. Und Zertifikate, die ich beim Kauf erhalte, machen das den Kunden nicht klar.

Wenn ich einen Ofen nutze, was muss ich beachten? Die Holzform spielt eine Rolle, einen zersägten alten Stuhl darf ich nicht verbrennen. Aber welche Regeln gibt es noch?

Das hängt immer auch vom Ofen ab. Generell soll man das Feuer von oben anzünden und nicht, wie es viele machen, von unten. Also: Holzscheite in den Ofen legen, kleines Material oben drauflegen und idealerweise mit einem kleinen Gasbrenner entzünden – und nicht mit Wachs- oder gar Grillanzündern. Diese Anzünder qualmen stark, wenn sie ausgehen.

Warum ist es wichtig, das Feuer von oben zu entzünden?

Das ist sinnvoll, weil das Feuer von oben langsam durchbrennen kann. Wenn man das Feuer von unten entfacht, entzündet sich das komplette Holz auf einmal. Gerade wenn der Ofen kalt ist, entstehen dabei viele Brenngase, die nicht vollständig verbrennen können. Wichtig ist auch die Frage, wie feucht das Holz ist.

Erst Entfachen, dann primäre Luftöffnung weitgehend schließen

Und wie feucht oder trocken darf das Holz sein?

Feuchtes Holz brennt mit höheren Emissionen ab. Zu trocken darf es aber auch nicht sein. Es gibt Messgeräte, die man wie Nägel ins Holz schlagen kann, um den Wert zu bestimmen. Man kann sich merken: Brennholz sollte, nachdem es geschlagen wurde, etwa zwei Jahre trocken lagern, ehe man es verbrennt. Maschinell getrocknete Scheite sind weniger zu empfehlen, weil sie häufig zu trocken sind.

Gibt es Techniken, die Emissionen herausfiltern können, und entsprechende Öfen, die schon auf dem Markt verfügbar sind?

Ingo Hartmann

Prof. Dr. rer. nat. Ingo Hartmann ist Leiter des Forschungsschwerpunktes "Katalytische Emissionsminderung" am DBFZ, dem Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig.
Kristin Lurz/DBFZ

Nils Husmann

Nils Husmann ist Redakteur und interessiert sich besonders für die Themen Umwelt, Klimakrise und Energiewende. Er studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er zu chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017

Ja, die Technik ist auch gar nicht neu. Einige Öfen erfassen die Temperatur und regeln die Luftzufuhr, damit das Feuer möglichst ideal brennt. Der zweite Ansatz ist: Man baut einen Katalysator ein. Der dient aber weniger der Feinstaubreduzierung, sondern er mindert die organischen Komponenten. Das ist das, was man riecht, wenn jemand einen Holzofen falsch betreibt. Ein Katalysator holt auch etwa Kohlenmonoxid aus den Abgasen. Und dann gibt es Elektroabscheider. Feinstaubpartikel werden elektrisch aufgeladen und bleiben – vereinfacht gesagt – an der Abscheiderfläche hängen. Dazu braucht man Strom, aber das ist überschaubar vom Verbrauch her. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, so eine Abscheidung zu nutzen.

Gibt es eine Faustregel, wie viel Luft ein Feuer braucht, wie ich also die Lüftungsöffnungen bediene?

Ja, wenn ich das Feuer entzünde, sollen die Klappen für Primär- und Sekundärluft geöffnet sein. Sobald das Feuer brennt, das System heiß ist und ich auch Glut habe, können die Luftöffnungen für die Primärluft weitgehend geschlossen sein. Zu viel Luft in der Glut würde Asche und Brennstoff aufwirbeln, das führt dann wieder zu mehr Staub.

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Lesermeinungen

Holz ist ebenfalls, wie alle anderen fossilen Energieträger, ein CO2-Träger (platt aber notwendig erwähnenswert) und absolut kein "heiliger" Brennstoff. Pellets sind mit Druck und häufig auch Leim hoch konzentrierte organische Holzrohstoffe, die bei der Umsetzung in Wärme durch ihren geringeren Wassergehalt eine höhere Energieeffizienz ermöglichen. Was meist verschwiegen wird ist, dass Transport -global- und Verarbeitung (Zerkleinerung, Lagerung, Trocknung, Leim) ebenfalls sehr energiebelastet sind. Die Natur-Lobby sollte nicht verschweigen, dass auch mit der Verbrennung von Holz, wie bei allen andere fossilen Energieträgern, der natürliche biologische Umsetzungsprozess in einer anderen Form beschleunigt und die natürliche Zwischenlagerung verkürzt wird und sich in die Atmosphäre verlagert. Was dann auch zu Klimafolgen führt.

Vor kurzer Zeit wurden noch Holzpelletheizungen dringend empfohlen, sogar Schulen umgerüstet und dafür weltweit (Kanada, Sibirien) Wälder abgeholzt. Die Halbwertzeit dieser "hölzernen" Ratschläge ist doch sehr kurz. Heute im Main-Echo (dpa, Bernhard Sprengel) die wissenschaftliche Info vom Thünen-Institut für Fischereiökologie in Bremerhaven, dass Microplastic im Meer die Gesundheit der Fische nicht beeinträchtigt. Demnächst dann die Info, dass ein AKW nicht so gefährlich ist wie erfrieren?. Die Behauptungen und Ratschläge werden jetzt so "kunterbunt", dass man farbenblind werden könnte.