Wie Social Media unsere Schönheitsideale beeinflusst

Was sind noch mal Krakenlippen?
Begegnung - Maya Götz, Werner

Milena Schilling

Begegnung - Maya Götz, Werner

Und müssen wir wirklich alles nachmachen, was im Netz gehyped wird? Die Medienpädagogin und der plastische Chirurg sprechen über Körperarbeit im Zeitalter von Tiktok.

chrismon: Herr Mang, was haben Sie zuletzt operiert?

Werner Mang: Eine Nase, bei der durch einen Hundebiss der Nasenflügel weggerissen wurde.

Ein Unfall.

Mang: Ja. Zwei Drittel unserer Eingriffe sind Rekonstruktionen, etwa Wiederaufbau der Brust nach einer Tumor­operation oder Missbildungen bei Kindern. Ein Drittel ist die sogenannte ästhetische Chirurgie.

Verändert sich daran etwas?

Mang: Seit Mark Zuckerberg diese Social-Media-Monster erschaffen hat, das Internet ohne jegliche Kontrolle ist, ­sehen wir, dass sich nahezu jedes vierte Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren mit seinem Äußeren nicht wohlfühlt. Wenn eine Influencerin wie Romina Palm auf Instagram mit großem Busen, aufgespritzten Lippen und einer Puppen­nase posiert, sitzen 12- bis 14-jährige Mädchen in meiner Sprechstunde, die auch so aussehen wollen.

Maya Götz: Es liegt nicht nur an Social Media. Die Hälfte aller Zeichentrickfiguren, die Mädchen darstellen, sind in der Taille so schmal, dass das anatomisch gar nicht möglich ist. Würden echte Menschen so aussehen, müssten sie mindestens 2,15 Meter groß sein – und sich dazu noch die untere Rippe herausoperieren lassen. Die Kinder wachsen mit einem Schönheitsideal auf, das sie nie erreichen können. Die sozialen Netzwerke geben dem noch mal eine Dynamik.

Werner Mang

Werner Mang, Jahrgang 1949, ist HNO-Arzt, Chefarzt der Lindauer Bodensee­klinik für plastische, ­ästhetische und rekonstruktive Chirurgie und Präsident der Inter­nationalen Gesell­schaft für ­ästhetische ­Medizin. Zuletzt erschienen von ihm die Bücher "Abgründe der Schönheits­chirurgie: Verunglückte Opera­tionen, Scharlatane, Instagram-Wahnsinn" (Gräfe und Unzer, 12,99 Euro) und "Iss dich schön! Pesce­tarier – die neue ­Lebensart" (Molino-­Verlag, 15 Euro). Werner Mang ist ­verheiratet, Vater und Großvater.
Milena SchillingWerner Mang

Maya Götz

Maya Götz, geboren 1967, ist Medien­pädagogin. Sie leitet das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungs­fernsehen IZI in München und ist ­pädagogische ­Leiterin von "so geht ­Medien", der Medienkompetenzplattform von ARD und ZDF. Sie forscht zu Kindern und Jugendlichen im Fernsehen und hat etwa für die Malisa-­Stiftung die Selbst­inszenierung von ­Mädchen auf ­Instagram untersucht. 2021 wurde sie mit dem "Engaged ­Research Award" der Abteilung Kinder, ­Jugendliche und ­Medien der Inter­­national Communi­cation Association ­ausgezeichnet. Maya Götz lebt mit Mann und drei Töchtern in München.
Lena KunzMaya Götz

Was ist denn eigentlich "schön"?

Mang: Von der Antike bis etwa 1945 war das Schönheits­ideal ungefähr gleich. Üppige Formen, der David von ­Michelangelo, die Venus von Milo. Wenn es um zeitlose Schönheit geht, ist Grace Kelly für mich der Goldene Schnitt. Bei den Männern ist es der frühgriechische Typ, so wie ­George Clooney. Ab 1945 hat sich das Schönheits­ideal schnell gewandelt durch die Print- und TV-Medien. In den 1950er Jahren kam Brigitte Bardot, kleine Nase, vollere Lippen, größere Brüste. In den späten 60ern Twiggy, da haben sich viele schlank gehungert. Dann kam Claudia Schiffer. Bis vor zehn, zwölf Jahren ging es um Natürlichkeit

Und heute?

Mang: Ich sehe Mädchen, die den Po von Kim Kardashian haben wollen. Aber man muss nicht zwingend ein Champagnerglas auf dem Po abstellen können! Schönheits­chirurgie ja, Schönheitswahn nein.

Götz: Die jetzige Generation junger Menschen hat die Macht über das eigene Bild. Das hätte ich als Mädchen auch gern gehabt! Heute können sie sich so lange inszenieren, wie sie wollen. 50 Aufnahmen pro Einstellung sind keine Seltenheit. Und dann nutzen sie Filter, retuschieren Pickel, glätten die Haare, machen sich schlanker . . .

"Schönheits- und Modeindustrie verdienen hierzulande sehr viel Geld ­damit, dass sie Mädchen ein schlechtes Gefühl machen"

Welche Folgen sehen sie?

Götz: Bei jungen Frauen, die auf Instagram unterwegs sind, kann man eine Spirale beobachten. Anfangs gibt es noch alberne Bilder mit der Freundin, sie machen Quatsch, posten dumme Sprüche. Je länger sie dabei sind, desto eintöniger werden ihre Fotos. Sie passen ihre Bilder ­immer mehr denen ihrer Vorbilder an, nehmen die ­gleichen Haltungen ein, bearbeiten ihre Körper nach. Dafür be­kommen sie immer mehr positive Kommentare. Ach, du bist so pretty, ach, du bist ein Model. Und Likes ­natürlich. Ein Kick für das Selbstbewusstsein! Das Gemeine: Der Körper sieht ja aus, wie er aussieht. Wenn sie am Tag ­danach in die Schule gehen, merken sie: Oh, meine Beine sind nicht lang genug, hier ist zu viel, da ist zu wenig. Sie fühlen sich defizitär. Das Selbstwertgefühl sinkt.
In Norwegen, Frankreich, Israel sind Filter kennzeichnungspflichtig. Deutschland scheitert an der Einführung einer solchen Kennzeichnungspflicht.

Woran liegt das?

Götz: Hier scheitert man ja schon an der Einführung eines Minimal-BMIs in der Werbung. Ganz dünne ­Models ­werden in Frankreich nicht mehr gezeigt. Schönheits- und Modeindustrie verdienen hierzulande sehr viel Geld ­damit, dass sie Mädchen ein schlechtes Gefühl machen, dass sie aussehen, wie sie aussehen.

Mang: Wenn ein Mädchen von der Oma oder der Tante eine Reiterhose geerbt hat . . .

. . . diese Fettpolster seitlich an den Oberschenkeln . . .

Mang: . . . dann ist das eine saubere Indikation, das Fett abzusaugen, damit sie sich wieder ins Schwimmbad traut. Oder jemand hat ungleiche oder sehr große Brüste. Oder ein Junge mit Hakennase und fliehendem Kinn findet keine Freundin. Es gibt genügend gute Gründe für ästhetische Eingriffe. Ich habe auch Jugendsünden begangen, ich habe eine Frau so operiert, dass sie aussah wie Pamela Anderson, nur schöner. Das würde ich nicht mehr machen. Je älter und weiser ich werde, umso distanzierter stehe ich zu dem Schönheitswahn.

Götz: Was wir aus pädagogisch-psychologischer Sicht bräuchten, ist eine Anerkennung, dass jeder schön ist, wie er ist. Dass ich die Schönheit in der Unterschiedlichkeit ­sehe. Dass auch eine Schönheit in Fettpolstern liegen kann.

Mang: Aber es ist doch bewiesen, dass Männer, die schlank sind, die Haare auf dem Kopf haben und ein ­gepflegtes Aussehen haben, sich beruflich besser entwickeln als ­kleine, dicke, ungepflegte Männer. In der Geschichte wurden hübsche Mädchen und Adonisse immer bevorzugt. Ein hübsches Mädchen hat es in der Schule einfacher als eines, das unansehnlich ist. Ich glaube daran, dass das Skalpell auch Seelenheil verschaffen kann.

"Beim OP-Tourismus sind nicht unbedingt die Ärzte schlecht, aber es wird an der Sicherheit gespart"

Götz: Und ich glaube, dass man die Gesellschaft ver­ändern kann. Wir sind doch die Gesellschaft! Neulich habe ich auf einem Reitturnier ein so tolles Mädchen kennen­gelernt. Ja, sie hatte solche "Reiterhosen". Aber sie hat das Turnier gewonnen. Warum muss man ihr sagen, du hast dicke Oberschenkel, dafür musst du dich ­schämen. Warum können wir ihr nicht zeigen, dass es toll ist, wie es ist. Sie sollte sich doch mit dem Körper, den sie nun mal hat, identifizieren.

Mang: Meine Mama hat mich mal wegen meiner abstehenden Ohren zum Arzt geschleppt. Ich bin davongelaufen, ich hatte gar nicht den Wunsch, mir die Ohren anlegen zu lassen. Wenn einer mit seinem Aussehen zufrieden ist, soll er bleiben, wie er ist. Aber wenn jemand Sorgen und Nöte hat, bin ich da. Ungefähr acht Prozent derjenigen, die zu mir kommen, schicke ich wieder nach Hause. Ihnen sage ich, das ist nicht notwendig.

Wenn Sie jemanden wegschicken, dann geht der oder die doch zu einem anderen Chirurgen, oder?

Mang: Die Hauptwünsche sind Nase, Brüste, Lippen, Fettabsaugung – ja, die Leute gehen dann oft woanders hin. Nach Osteuropa, wo es günstig ist. Aber es gibt die ­Fälle, die wieder bei mir landen zur Rekonstruktion. ­Brüs­te, die entzündet sind, Brustwarzen, die absterben, ich ­sehe Nasen­operationen, wo das ganze Nasenbein kaputt­gegangen ist, da ist der Jammer groß. Beim OP-Tourismus sind nicht unbedingt die Ärzte schlecht, aber es wird an der Sicherheit gespart. An Anästhesie, fachlicher ­Über­wachung, an Materialien. Und dann wird’s richtig teuer. Im Internet finden sich diese Angebote: Brust­implantat für 2500 Euro. Tja. Bei mir gibt’s das nicht unter 6000 Euro. Diese Dumpingpreise, diese ambulanten OPs! Eine ästhetische Operation ist kein Friseurbesuch. Die muss ­stationär stattfinden. Und dann diese Auswüchse. Es kann doch nicht sein, dass die Mädchen Krakenlippen toll finden.

Kraken . . . – was?

Mang: Diese Mode aus Japan, Lippen zickzackförmig ­spritzen, das machen wir hier nicht. Schlauchboote ge­hören auf den Bodensee und nicht ins Gesicht. Oder ­diese Implantate an der Stirn, Hörner. Das kommt von den ­Influencern, dafür kriegt man viele Klicks.

Götz: Wir haben gerade für eine Studie 700 Kinder sich selbst zeichnen lassen. Und zwar sollten sie sich heute, vor zwei Jahren und in zwei Jahren darstellen. Die Jungs zeichnen sich zwei Jahre älter mit ein bisschen mehr Muskeln. Die Mädchen zeichnen sich hochgradig sexualisiert, super geschminkt, schlanker Körper. Wir erziehen Mädchen mit viel Selbstbewusstsein. Sie sind entwicklungs­psychologisch den Jungs eine Weile überlegen, sie erleben in der Kita kompetente, machtvolle Frauen. Aber die Vorstellung, wie ihr Körper sein soll, die haben sie aus den sozialen Medien.

"Ästhetische Chirurgie verhilft Menschen zum ­Wohlbefinden"

Was macht die Influencer*innen so einflussreich?

Götz: Das sind Menschen, die erst mal aus eigenem Antrieb posten. Ab tausend Follower*innen springt ­Google auf, ab drei-, viertausend gibt’s die ersten Werbegeschenke. Sie bilden – vermeintlich – ihren Alltag ab, und wenn sie erfolgreicher werden, fangen sie an, zu reisen. Fantastische Orte, rote Teppiche, auf denen sie mit Promis stehen. So leben sie scheinbar ein ganz normales Leben, das die ­Follower*innen immer mehr idealisieren. Früher guckte man Soaps, um rauszufinden, wie andere Mädchen durchs Leben gehen. Aber bei den Soaps haben wenigs­tens Redaktionen drauf geachtet, dass Grenzen eingehalten werden.

Herr Mang, denken Sie manchmal, die Geister, die ich rief, werd' ich nicht mehr los?

Mang: Ich bin ja der Nestor der deutschen ästhetischen Chirurgie, ich war der Erste, der 1983 die ­Hyaluronspritze nach Deutschland brachte, da war ich auf Seite eins der "Abendzeitung München", "Der Jungbrunnen aus der ­Spritze". Diese Geister muss ich halt jetzt ein bisschen einfangen.

Sie sagen, dass Sie ein gläubiger Mensch sind. In der Bibel steht: "Du bist wunderbar gemacht." Verstoßen Sie nicht jeden Tag dagegen?

Mang: Nein! Ich hatte eine Privataudienz bei Papst Bene­dikt und habe ihm meine Lehrbücher überreicht. Und Weißwürste aus München. Ich bete jeden Abend, dass meine Familie gesund bleibt. Das ist kein Widerspruch. Meine ästhetische Chirurgie verhilft Menschen zum ­Wohlbefinden. Aber diese Ausuferungen, das sind die Geister, die ich rief.

Wie kriegen wir die Geister eingefangen?

Götz: Mit Medienkompetenz. Es braucht eine Grundbildung fürs Internet. Und eben eine Kennzeichnung von Filtern.

Mang: Das muss doch möglich sein! Wir haben zum Beispiel beim Ministerium erreicht, dass Schönheits­chirurgen keine Vorher-nachher-Bilder zeigen dürfen. Diese Fotos ­waren oft bearbeitet. Und dann saßen die Mädchen bei mir und haben geweint, "das hat der mir doch ver­sprochen". Warum kann man dann diese gefälschten Bilder auf Insta­gram nicht verbieten? Manche Neunjährige steht jetzt schon vor dem Spiegel und sagt "Mama, ich bin zu dick" . . .

Götz: Ein Drittel der Neunjährigen findet sich zu dick! Mit dem Unterrichtsmaterial von "so geht Medien" zeigen wir in Schulkassen, wie Influencer*innen sich inszenieren – und dekonstruieren gewissermaßen die Bilder. Das soll die Perspektive verändern. Die Kinder und Jugendlichen lernen, sich gegenseitig zu sagen, was sie schön aneinander finden. Damit man nicht immer auf das Defizit guckt.

Komplimente soll man gar nicht machen, sagen Sie . . .

Götz: Ja, zumindest was das Aussehen angeht. Das ­raten wir den Erzieherinnen in Fortbildungen. Wenn ein ­Mädchen mit einem neuen Kleid in die Kita kommt, lobt immer jemand: "Du hast aber ein schönes Kleid an." ­Niemand bewundert den Jungen für seine schöne Hose. Besser ist, wenn Erzieherinnen nicht das Äußere betonen, sondern etwas wie: Ich finde toll, dass du dem Tim ge­holfen hast.

Mang: Also, ich mache meinen Enkelkindern dauernd Komplimente, dem Mädchen wie dem Jungen. Der Junge muss auch ein Lob kriegen, deine Hose ist toll!

"Wenn ich Kopfweh habe, denke ich sofort: Hirntumor"

Sind Jungs denn auch im Schönheitsstress?

Götz: Unter 30 Prozent nutzen Filter, also ist das Problem nicht ganz so groß wie bei den Mädchen. Wir finden den Typ Macho mit Silberkette und den Typ Schönling. "Schön" heißt bei Jungs meistens: viele Muskeln, breite Schultern, ein Sixpack.

Mang: Bei den Erwachsenen hat die Männerchirurgie zugenommen, von drei Prozent 1990 bis heute über 20 Prozent. Männer fühlen sich heute mit 60 Jahren wie 40, viele haben jüngere Ehefrauen, also kann man sich Tränen­säcke und Schlupflider operieren lassen, wenn man nicht so ein Hypochonder ist wie ich.

Sie sind ein Hypochonder?

Mang: Total. Wie meine Mama. Aber ich tröste mich damit, dass sie auch gefühlt alle Krankheiten hatte, aber nie im Krankenhaus war. Sie ist mit 93 selig beim Frühstücks­kaffee eingeschlafen. Wenn ich Kopfweh habe, denke ich sofort: Hirntumor. Ich bin zwar sehr stabil und selbst­bewusst und man sagt, ich habe eine Aura. Aber ich kann gar nicht mit Krankheiten umgehen. Ich lass mir ­meine Schlupflider nicht operieren, so lange ich keine Seh­störungen habe.

Hat Corona die Schönheitschirurgie befeuert?

Mang: Ja, vor allem die Schönheitschirurgie to go. Mini­lifting, kleine Fettabsaugungen, Faltenunterspritzung – weil man nicht in Urlaub fahren konnte, fuhr man in die Bodenseeklinik. Man konnte nach dem Eingriff weiter im Supermarkt einkaufen mit der Maske. Und in den Videokonferenzen haben sich die Leute ständig selbst gesehen und gedacht, wie seh ich bloß aus. Wir hatten einen Boom wie sonst nur die Baubranche.

Frau Götz, was hat Corona mit den Kindern gemacht?

Götz: Es war so eine schlimme Zeit für Kinder und Jugendliche. Im Extremfall mit häuslicher Gewalt. Der Druck auf diese Generation, die eh schon so unter Druck stand, war enorm. Das werden wir noch lange spüren. Und die ­Nutzung der sozialen Medien ist gestiegen, Studien zeigen, dass schon das Durchscrollen junge Frauen unglücklich macht, weil alle anderen so schön sind. Tiktok hat seine Nutzungszahlen verdoppelt während Corona . . .

Mang:  . . . auf 1,5 Milliarden!

Götz: Das ist doch ein Wahnsinn. Gerade Tiktok ist so schnell, manchmal auch lustig, aber die psychologischen Konsequenzen werden wir erst in ein paar Jahren sehen.

Mang: Ich krieg von Tiktok zurzeit mit, dass man sich die Zähne abfeilt und Zickzackzähne machen lässt. Das ist medizinisch unverantwortlich, dabei gehen die Zähne ­kaputt. Um Gottes willen, das machen wir hier nicht.

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und der digitalen Kommunikation im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen. 2020 wurde sie unter die 10 besten Chefredakteur*innen des Jahres gewählt. 2019 schrieb sie den Bestseller "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume. Vom Loslassen, Ausräumen und Bewahren".
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Mareike Fallet

Mareike Fallet, Jahrgang 1976, ist Textchefin und Mitglied der Chefredaktion. Sie studierte Sozialwissenschaften in München und Göttingen. Redakteurs-Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Ihr Schwerpunkt sind gesellschaftspolitische Themen, sie betreut die Rubriken "Begegnungen", "Fragen an das Leben" und "Andererseits".
Lena Uphoff

Wie wird das, wo stehen wir in zehn Jahren?

Mang: Ich glaube, dass das Haut-Altersgen entschlüsselt wird. Dann sind die Schönheitschirurgen arbeitslos. Unser Alter wird sich extrem verlängern – und wir stehen vor der Frage: Wer bekommt die Therapie und wer nicht? Das ist nicht Frankenstein, das ist sehr real.

Götz: Die technische Entwicklung wird immer schneller, wir bewegen uns bald viel mehr in 3-D-Räumen. In zehn Jahren haben wir in Deutschland weniger junge Menschen. Der Kampf um Ressourcen wird dadurch immer härter.

Mang: Das ist mir zu düster! Das Rad können wir nicht zurück­drehen, das ist Gutenberg mit den Druckbuch­staben auch nicht gelungen. Ich denke, wir müssen ­einen anderen Planeten finden und bewohnen. Und ich will noch was Positives sagen: Unsere Jugend wird frei er­zogen und ohne Repressalien. Wenn wir ein bisschen gegen­steuern, finden sie was anderes als das Internet. Es muss doch möglich sein, andere Vorbilder zu finden als diese Influencer.

Götz: Das sind keine Vorbilder, nur Bilder – und nichts dahinter.

Mang: Bilder und nichts dahinter. Das merk ich mir!

Nebenbei gefragt

Über welches Kompliment freuen Sie sich?

Götz: Toll, was du uns eröffnet hast!

Mang: Toll, was du geleistet hast!

Welches Körperteil mögen Sie besonders an sich?

Götz: Meine Beine.

Mang: Meine Hände.

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Lesermeinungen

Es gibt ein angeborenes Verunstaltungs-Unrecht, Unfälle und Krankheiten. Korrekturen ja und häufig Befreiung. Wer in Freiheit lebt, ist unwiderruflich ab einem Alter für sich selbst verantwortlich. Ein Knopf im Ohr ist wie die Marke für das Vieh. Ein Tattoo zeichnet für immer. Erst demonstrativ das Äussere präsentieren und dann darüber klagen, dass man erkennbar und einschätzbar ist. Wer sich selbst wegen einer Mode körperlich und psychisch beschädigt, trägt den Makel immer. Das ist widersinnig wie rauchen, BIO kaufen und über die Ärtze lamentieren. Viele wollen nicht begreifen, das es Taten (sich ruinieren) gibt, die kein Ende haben..