Militärseelsorge bei der Bundeswehr in Litauen

"Danke, dass ihr da seid"
"Danke, dass ihr da seid"

VALDA KALNINA/epa/dpa

Deutsche Soldaten auf NATO-Mission in Litauen

epa09777022 German soldiers of the NATO enhanced Forward Presence (EFP) Battalion Battle Group in Lithuania attend a ceremony during a visit of German Defence Minister Lambrecht to Rukla Military Base, Lithuania, 22 February 2022. German Defence Minister Lambrecht visited Rukla due to regional tensions concerning a probable Russian invasion into Ukraine, bilateral cooperation on defense, and other pressing issues. Germany is leading a NATO-led battlegroup in Lithuania with more than 1,000 troops, one of four missions NATO sent to the Baltic states and Poland in 2017 in response to Russia's annexation of Ukraine's Crimean peninsula in 2014. Germany, one of Lithuania's key allies in security and defense, has recently sent additional 350 troops to Lithuania in response to the increasing tensions over Russian military activity near the Ukrainian borders and over concerns for the security environment in the Baltics. Photo: picture alliance/EPA/VALDA KALNINA

Die Militärseelsorgerin Alexandra Dierks über die Zuneigung, die deutsche Soldatinnen und Soldaten in Litauen erleben.

Wir stehen vor einem Hotel in Kaunas, mein Begleitsoldat und ich, beide im grünen Flecktarn und mit deutschem Flaggenaufnäher am Oberarm. Während wir warten, lächeln uns Hotelgäste an, sprechen uns Passanten an - auf Englisch. "Thank you for being here", "thank you for your service", ein junger Mann sagt sogar: "I love you guys." Die Menschen in Litauen fragen uns, seit wann wir da sind, wie lange wir bleiben, wo wir wohnen, wie uns ihr Land gefällt. Und immer wieder sagen sie: Danke, dass ihr da seid.

Alexandra Dierks

Alexandra Dierks ist Militärseelsorgerin, stationiert in Litauen

Von solchen Erlebnissen erzählen alle Soldatinnen und Soldaten der multinationalen Nato-Battlegroup, die im Land unterwegs sind. Ihr Auftrag: Russland von einem Angriff auf das Baltikum abzuhalten. Sie kommen aus Deutschland, den Niederlanden, Norwegen, Tschechien, Luxemburg, Belgien. Sie verlassen die Kaserne in der Regel im Feldanzug, mit dem Aufnäher "enhanced Forward Presence" am Arm. Man erkennt sie sofort.

Wie alle Militärpfarrer und -pfarrerinnen bin auch ich im Flecktarn unterwegs, auf der Schulter das Logo der evangelischen Militärseelsorge, "Domini sumus", "Wir sind des Herrn". Für mich ist das keine Uniform – ich bin ja Zivilistin –, sondern Schutzkleidung. Auch mir begegnet große Freundlichkeit. Im Supermarkt schieben mich andere Kunden an der Kasse nach vorn. Sie leihen mir lächelnd ihre Rabattkarte, damit ich in den Genuss von Ermäßigungen komme. Ich bin jedes Mal sehr berührt und bedanke mich, so herzlich ich kann.

In Deutschland wurde die Bundeswehr lange gering geschätzt

Vor allem uns Deutschen tut diese Freundlichkeit gut. Hinter den Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr liegen lange Jahrzehnte der Geringschätzung und persönlicher Angriffe, der Störung von Gelöbnissen, der Diffamierung als "Mörder". Das steckt allen in den Knochen. Es ist schön, dass wir das in Litauen ganz anders erleben dürfen.

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine verändert sich die Einstellung zur Bundeswehr allerdings auch in Deutschland, das ist spürbar. Schön wäre es, wenn es den Soldaten und Soldatinnen zu Hause ähnlich erginge wie in Litauen.

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