Wieviel Geld soll man spenden?

Der ratlose Spender
Andererseits - Der ratlose Spender

Kati Szilagyi

Andererseits - Der ratlose Spender

Stefanie Schardien, Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin, beantwortet für chrismon jeden Monat kniffelige Lebensfragen.

Walter S. aus Düsseldorf fragt:

"Es gibt unendlich viele Möglich­keiten, sein Geld auszugeben. Bücher kaufen, Reisen buchen, Spenden ­überweisen. Gibt es irgendeine Richtschnur, wie viel und für was man spenden sollte und ob man überhaupt noch ­guten Gewissens Geld für etwas aus­geben darf, was weder für einen selbst lebensnotwendig ist noch Bedürftigen hilft?"

Stefanie Schardien antwortet:

Zweifellos würde die Welt anders aussehen, wenn wir den ­Reichtum so umverteilten, dass erst einmal alle Menschen genug zum guten Leben bekämen. Aus Ihrer Frage höre ich aber weniger den Wunsch nach einer Prozentzahl für angemessene Abgaben heraus. Das haben Gemeinschaften seit jeher versucht zu regeln: Etwa mit dem biblischen "Zehnten" oder mit heu­tigen Sozialabgaben, die sich am Einkommen orientieren.

Stefanie Schardien

Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin.
ARD/BR/Markus KonvalinStefanie Schardien

Ich höre vielmehr die Frage, ob wir angesichts der Armut anderer überhaupt moralisch vertretbar den eigenen Wohlstand genießen dürfen. Letztlich müssen alle Wohlhabenden diese Entscheidung – ohne Spendenvorschrift – je für sich verantwortlich treffen. Wenn ich Jesu große Fußspuren zur Orientierung nehme, kann ich sagen: Ja, ohne die Armut zu vergessen, dürfen wir die schönen Seiten des Lebens auch genießen. Das hat Jesus nicht nur selbst getan – durch gemeinsa­mes Feiern und Essen. Er hat zum Beispiel auch seiner Gastgeberin Marta, die vor lauter Aufopferung fast mürrisch wurde, geraten, seinen Besuch zu genießen. In dieser Hinsicht kann die wohl wichtigste Richtschnur für das Spenden dann jene sein: dass die Spende von Herzen kommt. Meis­tens liegt man dann richtig, wenn man auch als Gebender am Ende das Gefühl hat, reicher zu werden: ­an Freude und Glück.

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Lesermeinungen

@Schardien: "Das haben Gemeinschaften seit jeher versucht zu regeln: Etwa mit ..."

Eine Gemeinschaft in globalem Gemeinschaftseigentum "wie im Himmel all so auf Erden" (das ist die Vernunft die des Gottes / die von uns gebeten ist), bedeutet Zusammenleben OHNE Steuern zahlen, OHNE "Sozial"-Abgaben, usw., denn wenn GRUNDSÄTZLICH alles Allen gehören darf und alles PRINZIPIELL gerecht organisiert (NICHT für/durch
unternehmerische Abwägungen regiert!) wird, dann hat "Wer soll das bezahlen?" keine Macht mehr und Jesus ist nicht nur als Sündenbock gestorben.

@Schardien: "Er hat zum Beispiel auch seiner Gastgeberin Marta, die vor lauter Aufopferung fast mürrisch wurde, geraten, seinen Besuch zu genießen. In dieser Hinsicht kann die wohl wichtigste Richtschnur für das Spenden dann jene sein: dass die Spende von Herzen kommt. Meis­tens liegt man dann richtig, wenn man auch als Gebender am Ende das Gefühl hat, reicher zu werden: ­an Freude und Glück."

Das ist ein extrem "hinkender" Vergleich von Jesus und seine Motivation - Ich gebe auch gerne und ohne Murren, aber meine Freude und mein Glück dabei wird getrübt vom Wissen darum, daß es immer nur der "Tropfen auf dem heißen Stein" bleibt, weil diese heuchlerisch-verlogene Welt- und "Werteordnung" nicht ein Jota wirklich-wahrhaftig im Sinne von Jesus wird, wenn Mensch nicht endlich ganzheitlich, nachhaltig-aufrichtig und befriedend-fusionierend aufhört mit seinem wettbewerbsbedingten Treiben.

Hallo,
die Frage „wieviel Geld darf ich eigentlich für mich selbst ausgeben?“ hatte ich vor Jahren, als wir ein Haus bauen wollten. Der Kredit war über viele Tausend Euro. Alles nur für uns? Ist das gerechtfertigt? Gottes Antwort war: „Denke mal darüber nach, wie vielen Menschen du damit Arbeit und Einkommen für ihre Familien gibst?“ Da war ich baff! So weit hatte ich nicht gedacht.

So argumentieren auch Waffenhändler, Rüstungsindustrie und Holzhändler die Regenwälder roden!
Denk mal darüber nach wieviel Arbeit man ohne die heuchlerisch-verlogene Frage "Wer soll das bezahlen?" teilen kann, wenn es keine privatwirtschaftlich-unternehmerische Abwägungen von/zu "Arbeit macht frei" mehr gibt, weil grundsätzlich alles Allen gehören darf, in einem Gemeinschaftseigentum "wie im Himmel all so auf Erden", OHNE wettbewerbsbedingt-destruktive Symptomatik!?

Ich habe aber keine Waffen sondern ein Haus gekauft. Natürlich trägt jeder seinen Teil der Verantwortung. Wie bei einem freien Willen immer erforderlich. Und den Himmel auf Erden haben wir nun mal noch nicht, sondern bei all unserer Arbeit guten Mutes zu sein und dass das Geld alles zu Wege bringen soll, das ist unsere Aufgabe.

Mensch bedeutet ALLE, seit Mensch erstem und bisher einzigen geistigen Evolutionssprung ("Vertreibung aus dem Paradies"). Der/die "Einzelne" / das "Individualbewusstsein" kann sich nicht freikaufen vom Schicksal der Vorsehung, also ist der "Freie Wille" so illusionär, zynisch, ignorant-arrogant und auch heuchlerisch-verlogen wie der Glaube an den "freiheitlichen" Wettbewerb mit seiner "Chancengleichheit" und dem "gesunden" Konkurrenzdenken.

Alles „in einen Topf“, alles angeblich „heuchlerisch“, keinerlei Differenzierung, pauschal, oberflächlich bleibend.

Meine Entscheidungen treffe ich aus meiner persönlichen Freiheit heraus. Konkret, vertrauensvoll und bescheiden. Auch die Freiheit mich hier gegen einen weiteren Diskurs zu entscheiden. Und diese Freiheit genieße ich Gott sei Dank! jeden Tag, ganz differenziert.