Kirchenkritiker Eugen Drewermann - ein "Querdenker"?

Ein Vorbild driftet ab
Eugen Drewermann

Rolf Zoellner/epd-bild

Am Berliner Ostermarsch unter dem Motto "Abruesten statt aufruesten!" nahmen am Samstag (31.03.2018) mehrere hundert Menschen teil (Foto: der katholische Theologe und Publizist Eugen Drewermann sprach bei der Abschusskundgebung). Die Polizei sprach von Teilnehmerzahlen "im mittleren dreistelligen Bereich", die Veranstalter von 1.500 bis 2.000 Menschen. Die Bundesregierung ist bei der Demonstration zu einem Stopp von Ruestungsexporten und zum Abzug der Bundeswehr von Auslandseinsaetzen aufgerufen worden. (Siehe epd-Meldung vom 31.03.2018)

Kirchenkritiker Eugen Drewermann ist ­unter die "Querdenker" gegangen.

Es war einmal ein berühmter Theologe namens Eugen Drewermann, der interpretierte Märchen so schön ­tiefenpsychologisch, dass Millionen Menschen hin­gerissen waren. Der sagte schon vor 30 Jahren, dass die ­katholische Kirche ein Problem mit ihren Klerikern hat und Angst predigt, wo doch Jesus wollte, dass die Menschen ihre Ängste überwinden. Die katholische Kirche entzog ihm dafür die Lehrerlaubnis, was ein großes Unrecht war. Bis heute ist er vielen Menschen ein Vorbild.

Matthias Drobinski

Matthias Drobinski hat den Skandal um Drewermann als Chefreporter bei "Publik-Forum" recherchiert.
Alessandra Schellnegger

Der berühmte Theologe Eugen Drewermann redet heute allerdings sehr merkwürdig – und auch gefährlich. Er behauptet, die Polizei in Hamburg habe Unterlagen verschwinden lassen, die belegten, dass nur ein Prozent der angeblichen Corona-Toten tatsächlich an Corona gestorben seien. Er hat, gemeinsam mit dem "Querdenken"-Gründer Michael Ballweg, eine Erklärung unterschrieben, die das Corona-­Impfen und die Nato als die größten Gefahren für die Menschheit darstellt. Er bezeichnet im Angesicht des russischen Angriffs auf die Ukraine die Nato als "schlimmste Angriffs­armee der Weltgeschichte", als hätte es Hitler nie gegeben. Drewermann ist dort angekommen, wo man Verschwörungserzählungen teilt und Wladimir Putin für einen Ehrenmann hält. Wer ihn kritisiert, verrät die Sache Jesu. Was sonst.

Warum das so tragisch wie traurig ist? Weil Eugen Drewermann immer noch sehr viele Menschen erreicht, von denen einige seinetwegen ihre Gesundheit riskieren. Weil er den Pazifismus mit Füßen tritt, den er vertreten möchte. Weil an seinem Altersfundamentalismus sein Lebenswerk zugrunde zu gehen droht. Nicht alle Geschichten, die mit "es war einmal" beginnen, enden gut.

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Lesermeinungen

Mit sehr hoher Aufmerksamkeit habe ich Ihren Artikel gelesen, Herr Drobinski. Zudem vielen Dank für die ausführliche Recherche samt Quellenangaben.
Ich selbst war von einzelnen Youtubevideos zu Drewermanns Auftritten zunehmend verwirrt aufgrund einzelner Aussagen, die Sie bereits in ihrem Artikel anführen. Ich bin der Meinung: Wenn eine Person mit Vorbildcharakter, die seit Jahren im öffentlichen Leben steht, aufgrund von doch kaum interpretationsbedürftigen Aussagen, beispielsweise zur Impfung, die Gesellschaft mit FakeNews spaltet, ist es absolut legitim, dass Drobinski hier u. a. die Gesellschaft aufrüttelt und die Fakten checkt. Ich bin gespannt, ob sich Drewermann bei Zeiten ausführlich und persönlich zu den Vorwürfen äußert.
Bleiben Sie weiter beharrlich...

Die Vorwürfe Drobinskis gegen Drewermann halten einem Faktencheck nicht stand. Dies ergibt eine detaillierte Untersuchung, die ich als Biograf und Kenner des Werkes Drewermanns hier vorgelegt habe: https://drewermann.wordpress.com/2022/05/11/stellungnahme-von-drewermann...

Es folgt eine kurze Zusammenfassung von Faktenchecks der Vorwürfe, die Drobinski speziell in dem Chrismon Artikel gemacht hat.

- Drewermann halte „Wladimir Putin für einen Ehrenmann“ und trete „den Pazifismus mit Füßen.“ Das stimmt nicht. Z.B. hat Drewermann Putins Krieg schon am 6. März „ein Verbrechen“ genannt, also über einen Monat vor Drobinskis Chrismon Artikel. Am 11. März sagte Drewermann in einem Interview in der Evangelischen Zeitung, er sei „nicht nur enttäuscht, sondern entsetzt, dass … der Einmarsch [von Putin] befohlen wurde.“ Doch betont Drewermann ähnlich wie andere in der Friedensbewegung, so etwa das Nobelpreis-gekrönte Internationale Friedensbüro (https://youtu.be/aMS5a6_AEVM?t=106), dass die NATO-Ostausweitung entscheidend war für die Eskalation, die zu dem Ukraine-Krieg geführt hat. Auch renommierte Politikwissenschaftler, wie John Mearsheimer von der University of Chicago (https://youtu.be/XgiZXgYzI84 und https://youtu.be/oBeN1wdRy4s?t=1676), sehen dies so. Wie sie plädiert auch Drewermann dafür, den Krieg nicht durch mehr NATO-Waffen zu eskalieren, und ruft stattdessen zu ernsthaften Friedensverhandlungen auf.

- Drewermann unterstütze Querdenker. Das stimmt nicht. Weil Drewermann einen Friedensappell unterzeichnet hat, ohne zu wissen, dass auch der Querdenken-Gründer Michael Ballweg und über 5000 Andere ihn unterzeichnet haben, suggeriert Drobinski mit der Formulierung „gemeinsam mit dem ‘Querdenken‘-Gründer Michael Ballweg,“ dass Drewermann Ballweg unterstütze. Drobinski tut dies, obwohl er selbst Drewermann schon zwei Monate vorher wie folgt zitiert hatte: „Einen Herrn Ballweg kenne ich nicht.“ Drobinski wusste also, dass Drewermann mit Ballweg überhaupt nichts am Hut hat. Drobinski argumentiert hier, wie auch in anderen Fällen, mit dem problematischen Prinzip von Kontaktschuld, dass der Journalist Micha Brumlik treffend als „politisch-demagogisches Prinzip“ bezeichnet hat (https://taz.de/Kommentar-Goettinger-Friedenspreis/!5575309/). Drobinski wusste auch schon längst vor dem Chrismon Artikel, dass Drewermann den Friedensappell nur unterschrieben hatte, weil er forderte „Raus aus der NATO!“. Er hat ihn unvorsichtigerweise nur überflogen und nicht genau gelesen. Da sollte er in Zukunft vorsichtiger sein.

- Drewermann sei ein Verschwörungstheoretiker, weil er fälschlich behauptet hat, die Polizei habe Unterlagen beschlagnahmt, die die Zahl von ursächlich an Corona Verstorbenen auf nur ein Prozent einschätzten. Es stimmt, dass Drewermann dies in seiner Neujahrsansprache fälschlich so gesagt hat. Es stimmt aber nicht, dass dahinter eine Verschwörungstheorie steckt. Es war ein einfacher Gedächtnisfehler, in dem Drewermann Berichte über den Mediziner Klaus Püschel aus Hamburg verwechselt hatte mit leicht im Internet zu findenden Berichten in den Medien über Hausdurchsuchungen von ÄrztInnen und medizinischen GutachterInnen im Zusammenhang mit der Pandemie (z.B. in Gerichtsverfahren in Hamburg und Weimar). Der Fehler wurde gleich in der Druckausgabe der Rede korrigiert. Die Erwähnung von solchen Hausdurchsuchungen ist in sich keine Verschwörungstheorie. Drewermann wollte auf die massenpsychologische Polarisierung in einem sozialen Klima erhöhter Angst aufgrund der Pandemie hinweisen, das auch im Rahmen einer Demokratie zu Meinungskonformismus (im Sinne des weit rezipierten Werkes von Michel Foucault) drängen kann.

- Drewermann sei in der Impfdebatte „gefährlich,“ weil er „immer noch sehr viele Menschen erreicht, von denen einige seinetwegen ihre Gesundheit riskieren.“ Das spielt auf den von Drobinski in zwei anderen Beiträgen erhobenen Vorwurf an, Drewermann sei ein Impfgegner. Das stimmt nicht. Drewermann hat niemanden aufgerufen, sich nicht impfen zu lassen. Er selbst ist geimpft. Er hat sogar am 6. März schon vorgeschlagen, dass jene, die, aus welchen Gründen auch immer, der mRNA-Impfung kritisch gegenüberstehen, sich mit der Novavax-Impfung impfen lassen. Richtig ist, dass Drewermann der mRNA-basierten Impfung aufgrund des Eilverfahrens und den aus seiner Sicht noch nicht genügend studierten Nebenwirkungen vorsichtig gegenübersteht. Das macht ihn nicht zum Impfgegner. Er hat im Januar ähnlich wie der Schweizer Bundesrat zwei Monate zuvor aufgrund von seriösen Studien gesagt, dass die Genesenen besser geschützt sind als die Geimpften (https://www.tagblatt.ch/leben/genesen-der-bundesrat-anerkennt-natuerlich...). Deswegen stellt die Schweiz bis heute Genesene Geimpften gleich. Das hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun. Stattdessen wendet Drewermann sich gegen die spalterische Rhetorik, die in einem angstgetriebenen Klima des gruppenpsychologischen Drucks gegenüber Menschen gebraucht wird, die an der Sicherheit der mRNA-Impfung Bedenken haben oder sich aus verschiedensten subjektiv für sie gültigen Gründen gegen eine Impfung und gegen eine Impfpflicht entschieden haben. Wie die kürzliche Scheiterung der Impfpflicht im Deutschen Bundestag und die zunehmenden Stimmen gegen Ausgrenzung von Andersdenkenden in Sachen Corona zeigen, ist Drewermann hier nicht alleine und sollte nicht als gefährlicher verschwörungstheoretischer Impfgegner verunglimpft werden.

- Weil Drewermann die NATO als die "schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte" bezeichnet hat, nivelliere er die Gräueltaten Hitlers. Das stimmt nicht. Die Wortwahl „schlimmste“ ist in der Tat missverständlich. Auf Anfrage erklärte Drewermann, dass er damit freilich nicht die Gräueltaten des Nationalsozialismus relativieren will. Er nennt die NATO so, um zu betonen, dass sie das zahlenmäßig größte aktive Militärbündnis mit den meisten scheußlichen Waffen in der Weltgeschichte ist, dessen Mitgliedsstaaten zudem neokolonial virtuell weltweit tätig sind und sich nicht scheuen, diese Waffen im Ernstfall einzusetzen. Der ehemalige Kollege Drewermanns, der Theologe Peter Eicher, weist darauf hin, dass es genüge, Drewermanns Werk „zu zitieren,“ um zu wissen, dass eine Nivellierung von Hitler nicht mit dieser Charakterisierung der NATO gemeint ist.
Schließlich ist erschreckend, dass Drobinski gegen Drewermann aufgrund seines Alters diskriminiert, indem er ihm einen „Altersfundamentalismus“ vorwirft. Eine solche persönliche Attacke zeugt nicht von seriösem Journalismus. Dass dies nur eine billige ad hominem Attacke ist, zeigt auch die Tatsache, dass Drobinski ihm andererseits das genaue Gegenteil vorgeworfen hat: er habe sich plötzlich „verändert.“ Die Vorgehensweise Drobinskis ähnelt der Art, die DER SPIEGEL letztes Jahr für Russia Today (https://www.spiegel.de/politik/deutschland/rt-deutsch-so-paktiert-putins...) beschrieben hat: Tatsachen werden verdreht, Fakten werden vernachlässigt und Misstrauen wird gesät.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Beier,

in einer Stellungnahme, die Sie „Faktencheck“ nennen, werfen Sie mir „fahrlässigen Journalismus“ vor, was meine Berichterstattung in der Zeitschrift „Publik-Forum“ zu Dr. Eugen Drewermanns Äußerungen und Positionen angeht. Denselben Vorwurf erheben Sie gegenüber einem Interview, das ich dem Kölner „Domradio“ gegeben habe, und einem Kommentar, den ich im evangelischen Magazin Chrismon geschrieben habe.

Ich möchte Ihnen darauf direkt und persönlich antworten. Mein Schreiben veröffentliche ich auch auf der Internetpräsenz von Publik-Forum und stelle es den Medien zur Verfügung, an die Sie Ihr Schreiben geschickt haben.

Dass Sie Eugen Drewermann verteidigen, finde ich ehrenhaft, auch wenn ich nicht genau weiß, in welcher Funktion Sie das tun – da Sie auch den Facebook-Account von Eugen Drewermann verwalten und betreiben, gehe ich von einer Art Pressesprecher-Funktion aus. In dieser Funktion interpretieren Sie Dinge naturgemäß anders als ich, was völlig in Ordnung ist. Ihre Behauptung, meine Berichterstattung halte einem Faktencheck nicht stand, ist jedoch schlicht falsch.

Meine erste Begegnung mit Eugen Drewermann war in den 90er Jahren. Ich habe ihn über die Jahre immer wieder zustimmend zitiert; beide sind wir Träger der Herbert-Haag-Preises für Freiheit in der (katholischen) Kirche. Eugen Drewermann hat große Verdienste, das werde ich nicht müde zu betonen. Nach Eugen Drewermanns Neujahrsansprache vor der Max-Otto-Bruker-Gesellschaft allerdings meldeten sich mehrere Menschen bei mir, die höchst irritiert von Ton und Inhalt dieser Ansprache waren; ebenso darüber, dass Eugen Drewermann zu den Erstunterzeichnern des „Neuen Krefelder Appells“ gehörte, gemeinsam unter anderem mit Michael Ballweg, dem Gründer von „Querdenken 711“. Dort wird unter anderem behauptet, Impfungen gefährdeten das Leben von Milliarden Menschen, und die Mächtigen des Weltwirtschaftsforum verfolgten die Strategie, mit einem „Great Reset“ eine neue Form des Turbokapitalismus zu installieren, der das Ende der bürgerlichen Freiheit bedeute.
Ich habe mir daraufhin ein Wortlaut-Dokument der Neujahransprache angefertigt. Ich habe mir zudem die Neujahrsansprache Drewermanns an gleichem Ort ein Jahr zuvor angeschaut, seine Auftritte beim „Friedenswinter“ 2014 und bei „Stopp AirBase Ramstein“ 2017. Ich habe mir seine Interviews auf dem russischen Propagandasender Russia Today 2019 und bei Oval Media vom 1. April 2021 angehört. Ich habe selbstverständlich Ihre Biografie gelesen. Zudem habe ich mit zahlreichen Menschen Gespräche über die Entwicklung Drewermanns geführt. Ich habe mir bei dem Immunbiologen Thomas Boehm Expertise geholt und bei dem Publizisten und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik.
Ich habe dann am 17. Januar 2022 einen Brief an Eugen Drewermann geschrieben, in dem ich ihn über die Kritik an der Neujahrsansprache und an seiner prominenten Unterstützung für den „Neuen Krefelder Appell“ unterrichtet habe. Ich habe ihn gefragt, wie es zu dieser Unterstützung kam und ob er sich die Thesen des Aufrufs zu eigen mache. Ich habe ihn um ein Gespräch gebeten, ob am Telefon oder per Besuch in Paderborn. Ich haben ihm klar gesagt, dass ich einen Beitrag für Publik-Forum plane.
Drewermanns handschriftliche Antwort traf am 26. Januar bei Publik-Forum ein; sie umfasste vier Sätze. Ich habe daraufhin am 9. Februar noch einmal einen konkreten Fragenkatalog geschickt. Ich habe ihm am Ende geschrieben:
„Am besten aber wäre es, ich könnte einmal selbst mit Ihnen reden, ich weiß von meinen Recherchen, dass Sie viele besorgte Anfragen erreichen. Ich komme gerne und jederzeit nach Paderborn, ich rede gerne am Telefon mit Ihnen.“
Die Antwort war wenige Tage später ein weiterer handgeschriebener Brief, nun zwei Seiten lang, in dem er seine Aussagen und den „Neuen Krefelder Appell“ verteidigte. Aus diesen beiden Dokumenten habe ich dann zitiert. Wenn Sie nun erklären, dass Eugen Drewermann im Telefonat mit Ihnen seine Positionen zumindest teilweise relativiert, dann nehme ich das aufmerksam zur Kenntnis. Ich freue mich, dass meine Berichterstattung zumindest teilweise zu neuem Nachdenken geführt hat. Das ist es, was ich wollte und will. Schade, dass dies nicht in den Antworten an mich geschah.

Die Redaktion von Publik-Forum hat Eugen Drewermann Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Sein Beitrag erschien in der Ausgabe vom 25. März. Sie enthält den Satz „Ich lehne die Nato ab, weil sie die schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte ist“. Da hatte die groß angelegte Invasion Russlands in die Ukraine längst begonnen. Trotzdem verliert Eugen Drewermann in diesem Beitrag kein Wort über diesen verbrecherischen Angriffskrieg, das Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer. Vor allem dies brachte Drewermanns langjährigen Weggefährten Peter Eicher dazu, seinen dann in Publik-Forum 8/22 erschienenen Beitrag zu schreiben. Irritiert von Drewermanns Haltung ist er schon länger, wie er mir im Gespräch erklärte. Die Antwort Drewermanns auf meinen Beitrag ist auch Grundlage meiner Kommentierung bei Chrismon und des Interviews, das ich dem Domradio gegeben habe.

Zu Ihren einzelnen Punkten:

1. Ukraine-Krieg.

In Ihrem Interview vom 6.3.2022 antwortet Eugen Drewermann auf Ihre Frage, wie er zu diesem Krieg stehe:

„Ich bin schwer enttäuscht von Putin. Ich habe wirklich bis zuletzt geglaubt (…), was gesagt wurde: Es kommt nicht zu einem Krieg, es geht um eine Drohkulisse für ein begrenztes Ziel. Die Ukraine darf nicht genutzt werden von der Nato als Aufmarschgebiet für einen Kalten Krieg, der neu begonnen hat. Neutralität militärpolitisch ist die Forderung Russlands (…), ein verständliches Ziel. Aber dass dafür jetzt ein Krieg ausbricht, ist menschlich eine Tragödie. Es ist enttäuschend für alle, die Lawrow und Putin zu glauben versucht haben, und es ist sogar politisch unklug. Ich glaube, dass jetzt jede Chance besteht für die Amerikaner, Russland in einen Partisanenkrieg in der Ukraine zu verwickeln, der lange dauern mag. Und die Frage im Donbas wird auch nicht gelöst. Was dahinter steht, ist allerdings ein Anderes: Krieg beginnt, wenn beide Seiten glauben, irgendwie im Recht zu sein. Und umgekehrt müssten wir uns fragen: Was haben wir denn dazu beigetragen, dass es dahin gekommen ist. Scheinbar sind wir völlig unschuldig daran. Es ist Putin. Das ist die Hetze, die in den Gazetten jeden Tag jetzt konzentriert gegen Russland gefahren wird. Und nicht erst seit heute, sondern eigentlich, seitdem Russland seit 2005 spätestens sich wehrt. Die Siegermentalität der Amerikaner im sogenannten Kalten Krieg, den sie gewonnen haben zu meinen, nicht länger akzeptiert.“
Ich kann darin kein Mitleid mit den Menschen in der Ukraine erkennen, die Opfer eines verbrecherischen Angriffskrieges sind. Erst, nachdem Sie insinuieren und fälschlicherweise behaupten, Eugen Drewermann zeige Empathie für die Kriegsopfer, sagt er im Interview:
„Ich halte diesen Krieg für ein Verbrechen wie jeden Krieg, daran ist kein Zweifel. Aber wir hätten ihn vermeiden können, wenn wir auf die Russen gehört hätten“.

Das halte ich für eine unsägliche Täter-Opfer-Umkehr, verbunden mit einer hoch problematischen politischen Analyse. Hierin ist auch mein Kommentar begründet, dass Eugen Drewermann hier den Pazifismus verrät, den er zu vertreten vorgibt. Auch sein Interview der sächsischen evangelischen Kirchenzeitung Der Sonntag folgt diesem Muster: Ein allgemeines „Kein Krieg ist gerechtfertigt“, dann Kritik an der Nato, die letztlich Schuld daran sei, dass ein in die Enge getriebener Putin einen schrecklichen Fehler mache.
Krieg im Donbass führte Russland schon, als Eugen Drewermann 2019 „Russia Today“ ein Interview gab; die Krim war seit fünf Jahren annektiert. In Syrien unterstützte Putin den Massenmörder Baschar al-Assad (mindestens 350.000 getötete Zivilisten). Alles dies findet sich im Interview mit Russia Today nicht. Der von Ihnen zitierte Satz: „Es wäre auch zu wünschen, dass Russland aufhörte, seine ‚großen‘ Siege militärisch weiter so propagandistisch zu feiern“, klingt da wie Hohn. Den Zusatz „auch da wäre Abrüstung, Pazifismus ein wünschenswertes Ziel“ dürften die Macher von RT gerne in Kauf genommen haben.
In diese Wahrnehmungs- und Argumentationsweise passt die Einordnung der Nato als „schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte“ (Publik-Forum 6/22) – wenige Tage nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Ihr Argument, Drewermann nenne die Nato so, weil sie das „zahlenmäßig größte aktive Militärbündnis mit den meisten scheußlichen Waffen in der Weltgeschichte ist“, ist hanebüchen. Zu einer Angriffsarmee gehört der Angriff, und da lässt sich nicht leugnen, dass die deutsche Wehrmacht ab dem 1. September 1939 den (bislang) schlimmsten Angriffskrieg der Weltgeschichte geführt hat. Ich glaube Ihnen, dass Eugen Drewermann die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nivellieren möchte. Trauriger Fakt ist aber: Er tut es.

Faktencheck zu Ihrem Faktencheck, was Drewermanns Aussagen zum Krieg Russlands gegen die Ukraine angeht: Meine Vorwürfe sind berechtigt.

2. Corona

Nicht nur in der Neujahrsansprache 2022, auch in der ein Jahr zuvor und im Rahmen der Vorlesung „Richtet nicht“ wendet sich Eugen Drewermann polemisch gegen Kontaktbeschränkungen zur Corona-Prävention und -Bekämpfung. Der Einfachheit halber bleibe ich hier bei der Neujahrsansprache 2021/22.

Eugen Drewermann sagt dort unter anderem:
„Es wird uns jetzt gesagt, dass die Impfung den wichtigsten Immunschutz darstellt. Ein Bedenken dagegen sollte zumindest Gehör finden. Sie ist nicht der beste Schutz. Gegen ansteckende Krankheiten, gegen Viren, gegen Bakterien, ist es unser eigenes Immunsystem. (…) Unser Immunsystem reagiert auf jede virale Erkrankung ungemein besser, als jede Impfung es könnte. Das liegt schon daran, dass unser Immunsystem das nicht macht, was unsere Ärzte und Naturwissenschaftler unbedingt tun. Sie denken monokausal von A nach B, das ist das Virus Big Virus. (…) Und dann haben wir ein Mittel, das über die moderne Technik darauf antwortet. Rein monokausal. (…). Unser Immunsystem könnte genauso variabel auf die Varianten der Mutationen antworten. Unsere Impfungen können eben das nicht. (…) Die Genesenen sind eigentlich besser geschützt als die Geimpften. Der Genesene mit seinem gesunden Immunsystem ist besser dran als jeder Geimpfte.“
Dies stützt die These vieler Impfgegner, dass man mit einem guten Immunsystem genauso gut, wenn nicht gar besser vor einer schweren Corona-Erkrankung geschützt ist. Gerade bei älteren Menschen ist diese Auffassung aber gefährlich. Der erschütterndste Leserbrief, den ich zu meiner Berichterstattung erhalten habe, ist der einer Frau, die schreibt:
„Ich glaube, es ist nicht übertrieben, wenn ich behaupte, dass meine Eltern durch Drewermann ins verschwörungstheoretische Milieu abgerutscht sind. Auch sie haben sich nicht impfen lassen, obwohl mein Vater an Brustfellkrebs leidet und mit ziemlicher Sicherheit die Krankheit nicht überleben wird. Das alles ist für die Familie nur schwer zu ertragen.“

Es ist gut, dass Eugen Drewermann mit einem Vektor-Impfstoff geimpft ist, es kommt mir aber doch auf das an, was er sagt – und wie belegbar es ist, was er sagt. Das habe ich von Professor Thomas Boehm überprüfen lassen, dem Direktor des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie und Epigenetik. Ich habe ihn ausgesucht, weil ich ihn als besonnenen Menschen kenne, der bislang nicht durch öffentliche Polemiken gegen Impfgegner aufgefallen ist. Seine Expertise ist verheerend: Er sei entsetzt über Drewermanns Behauptung, Genesene seien besser geschützt als Geimpfte. Sie stimme so nicht. Vor allem aber könne „gerade für ältere Menschen eine Infektion lebensgefährlich werden“. Dass der Schweizer Bundesrat Genesene und Geimpfte gleichbehandelt, was Sie als Beleg für Drewermanns These anführen, hat damit überhaupt nichts zu tun. Auf Facebook hat der Schweizer Peter Eicher das sehr schön formuliert: „Die Verwechslung der Gesundheitspolitik des Schweizerischen Bundesrats Berset mit Herrn Drewermanns Äußerungen zur mRNA-Impfung sind so grotesk, dass ich (…) Ihnen sehr herzlich widersprechen darf.“

Sie betonen, dass es Eugen Drewermann in seiner Ansprache darum gegangen sei, Spaltungen in der Gesellschaft zu überwinden. Das ist ein wichtiges und gutes Anliegen. Der Ton, die Formulierungen, die Argumente bewirken allerdings leider das Gegenteil.
Von daher halte ich die sachlichen Fehler in der Ansprache nicht für Flüchtigkeit, sondern für den Ausdruck eines fundamentalen Misstrauens in die staatlichen Institutionen und ihre Corona-Politik. Da sie aus Drewermanns Sicht schon im Ansatz von Übel ist, braucht es da keine Differenzierung oder gar Überprüfung. Dass er bei der Beschreibung des Tamiflu-Skandals von Ampullen statt von Tabletten spricht – das kann der jedem unterlaufen. Dass er diverse Grippewellen, die Vogelgrippe oder die Schweinepest als Belege hernimmt, dass mRNA-Stoffe wirkungslos seien, fällt schon nicht mehr in die Kategorie – es soll den Verdacht nähren, dass hier die Pharmaindustrie nur Geld machen möchte, unabhängig von der realen Gefahr.
Und ganz sicher ist die Behauptung kein Flüchtigkeitsfehler, die Polizei in Hamburg habe die Unterlagen eines Forschers beiseitegeschafft, der herausgefunden habe, nur ein Prozent der Coronatoten sei tatsächlich an Corona gestorben. Es geht immerhin um eine Straftat von Staats wegen, um eine Behauptung, die, wäre sie nur ansatzweise wahr, ein riesiger Skandal wäre, der mindestens den Rücktritt des Innensenators zur Folge haben müsste. Auch wenn Eugen Drewermann das nicht wahrhaben mag: Dies ist eine Verschwörungserzählung. Ein böser, „tiefer“, geheim agierender Staat unterdrückt missliebige Forschungsergebnisse.
Ich freue mich, dass Eugen Drewermann Ihnen gegenüber zugibt, hier einen Fehler gemacht zu haben. Ich hatte ihn allerdings in beiden Briefen dezidiert nach Belegen für diese These gefragt. Ich hatte ihm die Kritik von Prof. Boehm übermittelt und auch klargestellt, dass ich eine Antwort hier für sehr wichtig halte. Doch diese Antwort bekam ich nicht.

Faktencheck des Faktenchecks: Meine Analyse, dass Eugen Drewermann mit seinem Vortrag bei der Bruker-Gesellschaft den Impfgegnern Argumentation und Auftrieb gibt, ist genauso gut zu belegen wie die Tatsache, dass er dort eine Verschwörungstheorie verbreitet hat. Er arbeitet in seinem Schwarz-Weiß-Denken mit an einer Spaltung der Gesellschaft, die er doch eigentlich verhindern möchte.

3. Die Erstunterzeichnung des „Neuen Krefelder Appells“

Eugen Drewermann ist nicht, wie Sie schreiben, einfach „unter den 5000 Unterzeichnenden des neuen Appells“, ebenso wenig wie Michael Ballweg. Beide gehören zu den Erstunterzeichnern eines Appells, der die Great Reset-Erzählung vertritt, die unter anderem vom bayerischen „Recherche- und Informationszentrum Antisemitismus“ als antisemitisch bezeichnet wird. Ich wollt dies nicht leichthin übernehmen und habe deshalb den mir seit langen bekannten jüdischen Publizisten und Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik gefragt, was er von der Erklärung halte. Brumlik nannte sie eindeutig antisemitisch konnotiert, betonte aber, dass für ihn Eugen Drewermann kein Antisemit sei; umso wichtiger sei eine Distanzierung Drewermanns von diesem unseligen Querfront-Appell. Das habe ich dann auch so zitiert.
Ich habe Eugen Drewermann in beiden Briefen nach diesem Appell gefragt. Ich habe ihm die Antisemitismus-Problematik mitgeteilt. Ich habe ihn gefragt, ob er da vielleicht überrumpelt, vielleicht sogar hereingelegt worden sei. Ich weiß, dass mehrere Institutionen, die seit vielen Jahren sehr gut mit Eugen Drewermann zusammengearbeitet haben, auf die Veröffentlichung dieses Appells hin Eugen Drewermann besorgt angefragt haben, ob dies tatsächlich seine Meinung sei und ob er zu diesem Appell stehe. Entsprechende Dokumente liegen mir vor. Ich war also nicht der erste, der hier konsterniert nachfragte, was da los sei. Spätestens seit meinem Brief vom 17. Januar aber verfügte Eugen Drewermann übe die Information, dass Herr Ballweg Gründer der Stuttgarter „Querdenker“ ist – mit dieser Bezeichnung ist er auch als Erstunterzeichner des Appells veröffentlicht. Seine Antwort auf meine erste Anfrage aber lautete: „Einen Herrn Ballweg kenne ich nicht“. Seine Antwort auf meine zweite Anfrage ging genauso: „Wer Herr Ballweg ist, weiß ich nicht, aber ich frage nicht erst beim BKA (Bundeskriminalamt, d. Verf.) nach, wer politisch korrekt genug denkt, daß man mit ihnen reden dürfte.“

In diesen drei Wochen hatte Eugen Drewermann es also nicht nötig, einmal nachzufragen, wer Herr Ballweg sei. In beiden Briefen und auch in seiner in Publik-Forum gedruckten Antwort gibt es nicht die geringste Distanzierung von diesem Appell. Wenn Sie jetzt sagen, dass Eugen Drewermann den Appell nur überflogen und dann unterschrieben habe, ist dies ein frappierendes Eingeständnis: Es fällt Eugen Drewermann überhaupt nicht auf, was hier behauptet wird. Es interessiert ihn auch nicht. Dort steht: „Raus aus der Nato“ – der Rest ist egal. Sie reden von Ignoranz, da sind wir uns einig. Es ist allerdings eine Ignoranz, die Konsequenz einer Weltanschauung ist. Ihr Satz, dass erst auf meine Veröffentlichung hin Drewermann bekannt wurde, dass er einen verschwörungserzählerischen Appell unterschrieben hatte, ist zudem schlicht falsch.

Faktencheck des Faktenchecks: Eugen Drewermann hätte wissen müssen, was er da unterschreibt: durch schlichtes Lesen des Textes, durch die Frage an die Initiatoren, wer da noch unterschreibt. Ich finde, das ist die Pflicht eines Menschen, der derart in der Öffentlichkeit steht wie Eugen Drewermann, der so vielen Menschen ein Vorbild ist, der diese moralische Autorität beansprucht. Er hätte sich spätestens dann von dem Neuen Krefelder Appell distanzieren müssen, als er von mehreren Seiten die Information über die Verbindung des Appells mit der rechte Querdenkerszene erhielt und jene über die antisemitische Konnotation der „Great-Reset“-Erzählung. Aber auch dies unterblieb.

4. Eugen Drewermanns Sympathie für und Verbindungen zu Verschwörungserzählern

In meinem Beitrag für Publik-Forum geht es nur in einem Absatz um dieses Thema. Ich halte es wie Sie für ein Problem, die Kontakte von Menschen zueinander für die Übernahme von Positionen voneinander zu halten. Bei Eugen Drewermann allerdings beobachte ich eine Verlagerung der Auftritte hin zu einer Szene, die davon ausgeht, dass geheime Mächte die Bundesrepublik Deutschland und überhaupt die westliche Welt steuern, dass Demokratie und Rechtsstaat nicht mehr als Fassade sind.
Eugen Drewermann ist erstmals beim „Friedenswinter“ 2014 mit Ken Jebsen aufgetreten, mit dabei: der rechte Ideologe Jürgen Elsässer. Drewermann war da nicht allein, viele Vertreter der alten Friedensbewegung haben sich von Jebsens Kommunikationstalent einwickeln lassen. Viele haben sich danach aber distanziert von einer Veranstaltung, bei der, nach der Annexion der Krim, Wladimir Putin als Retter und Ehrenmann gefeiert wurde, wie diverse Medien berichteten. Von Eugen Drewermann findet sich bis heute nichts. Es gibt das von Ihnen erwähnte Interview vom März 2016 – da hatte der rbb längst die Zusammenarbeit mit Ken Jebsen beendet im Streit um die Frage, wie viel Holocaust-Relativierung in Jebsens Aussagen steckt. Es gibt den gemeinsamen Auftritt von 2017 bei der Ramstein-Demonstration. Irgendein kritisches Wort zu Ken Jebsens Thesen finde ich vergebens. „Menschen, die für den Frieden sind, stehen mir immer nahe, gleich welcher Couleur“, schreibt Drewermann im zweiten Brief an mich.
Dazu gehört auch Daniele Ganser, den Drewermann lobt, mit dem er gemeinsam aufgetreten ist; Ganser geht unter anderem davon aus, dass die CIA ihre Finger beim Anschlag auf der World Trade Center im Spiel hatte. Erschreckt hat mich, dass Drewermann einen Aufsatz zu dem Band „Der tiefe Staat schlägt zu“ beigesteuert hat, herausgegeben 2019 von Ulrich Mies im Promedia-Verlag, der häufig antiwestliche und prorussische Literatur verlegt. Mies vertritt unter anderem die bei Rechtsextremen verbreitete These vom „Bevölkerungsaustausch“, der angeblich die einheimische, weiße Bevölkerung vernichten soll, eindeutig rassistische Kommentare lassen sich leicht im Netz finden.

Gibt es da niemanden, der Drewermann berät, der mal für ihn ins Internet schaut und sagt: lieber nicht? Sie erwähnen, dass unter anderem auch Katharina Barley mit Russia Today gesprochen habe. Dafür hat sie sich einige Kritik anhören müssen, wie jetzt auch Eugen Drewermann. Hätte sie aber dann auch noch KenFM und Oval Media ein Interview gegeben, Daniele Ganser gelobt und einen Aufsatz in einem Querfront-Buch geschrieben, dessen Herausgeber rassistische Thesen vertritt – ihre Karriere wäre zu Recht zu Ende gewesen.

Faktencheck des Faktenchecks: Es geht bei meinen Vorwürfen nicht um eine „Kontaktschuld“ – es geht um die Beschreibung einer Querfront-Szene, in der Eugen Drewermann seit 2014 immer wieder und zunehmend häufig präsent war. Ich fürchte, dass er damit entwertet, was er an Gutem und Richtigem zu sagen hat.

Warum diese Mühe der Recherche, der Auseinandersetzung? Eugen Drewermann ist nicht irgendwer. Er hat größte Verdienste, viele Menschen verehren ihn und vertrauen ihm. Umso wichtiger ist es, ihn an seine Verantwortung zu erinnern und Kritik zu üben, wenn er sich dieser Verantwortung nicht stellt. Dies habe ich in meiner Berichterstattung und in dieser Dokumentation versucht – aber auch: Nachdenken zu erzeugen. Wenn dies nun gelingt, gerne in der fairen Debatte, hat sich die Mühe gelohnt.

Freundlich grüßt

Matthias Drobinski

Chrismon hat sich mit Abdruck des Schmuddelpamphlets von Matthias Drobinski keinen Gefallen getan. Nach primitivster Manier wird hier ein Mensch desavouiert, dessen Positionen natürlich hier und da zu hinterfragen sind (bei wem wäre das nicht der Fall ?), dessen Lebenswerk allerdings von "Typen wie Dombrowski" nicht in den Dreck gezogen werden sollte. "Gefährlich" sind nicht Drewermanns Positionen, sondern journalistisches Stückwerk dieser Art. Es wäre höchste Zeit, "Menschen wie Drewermann" ein "öffentliches Forum" zu geben, um en detail auf derartige Engführungen, Entgleisungen und Polarisierungen zu reagieren. Vielleicht hätte Chrismon da eine Chance? Drobowski hat sich dümmlich eingereiht in den Kreis der Scharfmacher eines neuen katholischen Integralismus, übrigens hochdosiert giftiger vorgetragen als von der vielbeklagten kirchenamtlichen Seite

Eines habe ich bei Typen wie Drewermann nie verstanden.
Wozu läßt sich so einer zum Priester weihen, wenn er eh damit nichts anfangen kann?

Wen juckte schon Drewermann außerhalb eines elitären, linksliberalen Clubs?

Viel Gedöns um Nichts.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Mit dem oben erwähnten Artikel über Eugen Drewermann haben Sie für mich eine rote Linie überschritten. Statt diesem Vorkämpfer gegen Aufrüstung und Krieg eine Plattform zu geben, wird er richtig niedergemacht. Nach bewährter Manier wird er wie alle, die sich dem sogenannten Mainstream entgegenstellen, als Verschwörungstheoretiker abqualifiziert. Dieser Mann passt natürlich nicht zum Friedensnobelpreisträger Obama, der nach seiner friedvollen Tätigkeit als US-Präsident vom deutschen Kirchentag mit Applaus empfangen wurde. Ich möchte anfügen, dass mir auch die latent russlandfeindliche Haltung Ihrer Redaktion missfällt. Sie entspricht nicht dem, was ich mir unter einer friedensfördernden und völkerverbindenden Zeitschrift vorstelle.
Mit freundlichen Grüssen
Hans und Hedi Jordi-Hartmann
Braunau

Hallo,
ich bin durch den Artikel etwas schockiert, da mir die Theologie und die Haltung Eugen Drewermanns bisher viel bedeutet und geholfen hat.
Von einem "Skandal um Drewermann" habe ich bisher nichts mitbekommen.
Würden Sie mir bitte die Quellen mitteilen, auf die sich Matthias Drobinski bezieht?
Denn der Artikel stößt mich an, mir ein eigenes Bild zu machen.
Herzlichen Dank im Voraus und weiterhin ein gutes Händchen für Ihr in vielen Teilen interessantes und weiterführendes Magazin.
Schöne Grüße,
Thomas Hagen
Kalkar

Es fällt in der aktuellen Zeit offenbar zunehmend schwer, differenziert zu bleiben. Herr Drewermann ist selbst ein Beispiel dafür, da er tatsächlich dazu neigt, den von den USA dominierten Westen an so gut wie allen weltpolitischen Entwicklungen eine (Mit)Schuld zu geben. Bestimmt liegt er damit aber auch nicht in jedem Fall falsch. Der Artikel hier leistet aber in keiner Weise eine hilfreiche Aufklärung oder Einordnung. Er tut so, als sei jede Kritik, die Drewermann übt, eine unzurechnungsfähige, verzerrende und gefährliche Einflussnahme auf seine Zuhörer. Es beginnt bei schlicht falschen Unterstellungen. So hat Drewermann nie gesagt oder auch nur angedeutet, Putin sei ein Ehrenmann. Wie kommt man als Autor dazu, so etwas (rufschädigendes) ohne jedes Tatsachenfundament in den Raum zu stellen? Drewermann hat sich von Anfang an eindeutig gegen den völkerrechtswidrigen Krieg Russlands positioniert. Bei all den wichtigen Beiträgen, die Drewermann in seinem Leben auch zur Kritik am Militarismus und der zerstörerischen Wirkung von jeglichen Kriegs- und Rüstungsprojekten geleistet hat, sind seine Gedanken nun plötzlich alle vergiftet und illegitim? Im Artikel scheint sich doch eher die Sehnsucht nach einer einfachen aber leider in der Realität nicht zu rechtfertigenden Einteilung der Welt und der Menschen in Gut und Schlecht zu äußern. Da reicht ein querdenkender Mitunterzeichner im Rahmen einer Petition, um einer Person jegliche Kredibilität abzusprechen. Das ist nicht nur ein schwaches Niveau, sondern gerade in Konfliktzeiten wie diesen - auf mehreren Ebenen - eine bequeme, nicht zielführende und nebenbei auch unchristliche Herangehensweise. Vor allem aber wird die Welt nicht unterkomplex durch unterkomplexe Behauptungen, auch wenn man sich das so sehr wünscht.

Sehr geehrter Herr Gehrmann,

herzlichen Dank für Ihre kritische Stellungnahme! Meine gesamte Recherche zu Eugen Drewermann lesen Sie in der Zeitschrift Publik-Forum: https://www.publik-forum.de/Religion-Kirchen/ein-prophet-auf-irrwegen.

Schade, dass das Interview Eugen Drewermanns mit dem russischen Propagandasender Russia Today nicht mehr verfügbar ist, das hätte ich Ihnen zum Anhören empfohlen. Bis heute lese ich kein kritisches Wort zu Wladimir Putin bei Eugen Drewermann. Nicht in seinem 2021 herausgegebenen Büchlein „Wege zum Frieden“, wo er sagt, Aufrüstung und kalter Krieg seien nicht das Programm Wladimir Putins (Seite 29), und sich, leicht ironisch, einen „Putinfreund“ nennt (Seite 46). Nicht im Interview mit der evangelischen Kirchenzeitung Der Sonntag (Sachsen), wo er sich nach dem Kriegsbeginn dagegen wendet Putin als das „klar zu verortende Böse“ zu sehen (ich kenne keine kirchliche Stimme und keine politische von Bedeutung, die das getan hätte). Auf meinen oben erwähnten Artikel schreibt Eugen Drewermann in seiner Antwort (die wir selbstverständlich abgedruckt haben) nach dem Angriff der, er halte die Nato für die „schlimmste Angriffsarmee der Weltgeschichte“. (https://www.publik-forum.de/Publik-Forum-06-2022/ein-mensch-ist-mehr-als...). Bemerkenswert auch sein Auftritt auf den „Friedenswinter“-Demos mit Ken Jebsen: (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-12/friedenswinter-protest-k...). Da kann ich schon mal kommentieren: Drewermann sein in einer Umgebung angekommen, wo man Putin für einen Ehrenmann hält.

Auch hat den „Neuen Krefelder Appell“ nicht ein einzelner „Querdenker“ unterschrieben, wie Sie meinen – der Appell ist die Erklärung eines Bündnisses unterschiedlicher sehr linker und sehr rechter Personen und Gruppen, die behaupten, die Impfkampagnen gefährdeten das Leben von Milliarden Menschen. Die Unterzeichner und die Argumentationslinie können Sie hier einsehen: https://peaceappeal21.de/

Selbstverständlich sind nicht alle Gedanken von Eugen Drewermann „vergiftet und illegitim“, wie Sie schreiben – im Gegenteil fürchte ich, dass er in seiner Verhärtung entwertet, was er an Gutem und Richtigem gedacht und geschrieben hat. Und das fände ich sehr schade.

Freundlich grüßt

Matthias Drobinski

Herzlichen Dank an Herrn Drobinski für die deutlichen Worte und an Chrismon für das Forum dazu.
Drewermann gibt sich selber als angeblicher „Psychotherapeut“ aus, deswegen hat sich der Ethikverein für Ethik in der Psychotherapie https://ethikverein.de/ der Sache angenommen und eine reichlich entsetzte Stellungnahme formuliert. Weil Drewermann aber in keiner Psychotherapeutenkammer eingetragen ist, gibt es kaum einen Zugriff bzgl der hier vorliegenden Gefährdung psychisch labiler Menschen.
Wer sich dafür interessiert bzw Ideen dazu hat, meldet sich gerne hier in der Kommentarspalte.

Psychologie hat auch was mit Religion zu tun. Drewermann hat lange genug mit Ansehen erfolgreich "zugegriffen". Das Alter verzeiht viel, bei manchen alles. Das Problem ist nicht Drewermann, dass Problem sind die, die bei ihm den Tribut an das Alter nicht wahrhaben wollen. Bevor man jemand in seine "Medien" einlädt, sollte man eigentlich prüfen, ob die Person noch medienfähig ist. Wie die unseligen Querdenker, die behaupten, dass Frau Merkel die Tochter von Putin ist und dass dann auch noch glauben. Da wird der Sensationslust, Effekthascherei und dem größten Unsinn Raum gegeben. Danach beschweren sich diese "Räumungsverkäufer" auch noch, dass die ewig Unbelehrbaren in ihrer Sucht nach Widerspruch dass auch noch glauben. Nur weil jemand in grauen Vorzeiten eine anerkannte Bedeutung hatte, ihm diese bis zum Le-bensende auch für seine aktuellen Meinungen zu gewähren, ist bösartig. Wer diese menschlichen bzw. Altersschwächen für seine eigenen Ziele (Sensation bedeutet auch Quote) ausnutzt, ist nicht besser. Wie es die Verführung Minderjähriger gibt, gibt es die auch für die Opfer im Alter.

Der Kommentar ist für mich ein Spiegelbild der heutigen Zeit.
Hauptsache woke,gendern, und bei der guten Mehrheitsmeinung im warmen sein. Wer verstehen will ist ein Schwurbler Schwurbler und Putinversteher.
Will man mit diesem Kommentar Beifall von der guten Seite erhaschen?

https://news.upday.com/de/kurs-wechsel-bei-der-nato-buendnis-will-ukrain...

Es läuft weiter dumm und intrigant wie gewohnt und im Fall Nato hat Drewermann zumindest recht - Es sollte sich niemand wundern, wenn Russland nun auch einen Gang (vielleicht den letzten) höher schaltet.
Mensch kann alles OHNE wettbewerbsbedingte Symptomatik teilen, doch ein paar Verrückte wollen lieber ihr gewohntes Spiel im Kreislauf des imperialistisch-faschistischen Erbensystems spielen, selbst wenn alle mit dem letzten Sündenbock in die selbe Grube fallen.

Auch einer dieser "Z" und Putinversteher? Der jede Grausamkeit aus der Mottenkiste seines linksfaschistischen blutroten Weltverständnisses begreift? Der uns mit dem altersschwachen Drewermann Putin erklären will?