Thelma Buabeng und Melodie Michelberger über Body Politics

"Ich bin doch ­völlig in Ordnung!"
Begegnung - Body Shaming

Joanna Legid

Begegnung - Body Shaming

Dicksein ist für viele etwas, das geändert werden muss. Die Schauspielerin Thelma Buabeng und die Aktivistin Melodie Michelberger wehren sich gegen Bodyshaming.

chrismon: Was ist eigentlich Bodyshaming?

Melodie Michelberger: Wenn man sich über die Körper oder das Aussehen anderer abwertend oder diskrimi­nierend äußert. Das geht von spitzen Bemerkungen über Beleidigungen bis hin zum Mobbing.

Thelma Buabeng: Wenn man auf seinen Körper reduziert wird. Wenn man aufgrund von Äußerlichkeiten beschämt wird.

Michelberger: Und das betrifft eben nicht nur Dicke, sondern alle, die sich außerhalb des normschönen Ideals befinden.

Und was ist das Gegenteil? Ein Kompliment wie ­"Du siehst fabelhaft aus"?

Michelberger: Oh, das ist ein ganz schmaler Grat. Ich würde nicht sagen, dass Komplimente das Gegenteil von Bodyshaming sind.

Buabeng: Manchmal sagen Leute: "Das steht dir, das macht dich schlank!" Oder: "Wow, du hast ja abge­nommen!" Das ist zwar als Kompliment gemeint, aber da meint jemand auch: Vielleicht bist du jetzt nicht mehr so dick. Wenn ich das höre, denke ich: Wieso, ich habe gar nicht abgenommen, will ich auch gar nicht, ich bin doch völlig in Ordnung!

Frau Michelberger, Sie haben mal gesagt, Sie möchten dick sein können, ohne dass Leute daraus auf Ihren ­Charakter schließen.

Michelberger: Ja, aber so einfach ist es nicht. "Dick" ist in unserem Sprachgebrauch leider kein neutrales Wort, um Körper zu beschreiben. Es ist ein Zustand, der un­erwünscht ist. Deswegen regt es die Leute so auf, wenn ich selber sage, dass ich dick bin. Viele denken dann: "Oh, die macht sich runter." Mache ich doch gar nicht! Aber da schwingen direkt die Vorurteile mit. Man ist faul, undiszipliniert, hat sich nicht im Griff. Manche sagen auch: "Du bist doch gar nicht dick!"

Thelma Buabeng

Thelma Buabeng, ­geboren 1981 in Ghana, aufgewachsen in Mecken­heim, ist Schauspielerin, ­Comedienne und ­Aktivistin. Ihr Fernsehdebüt gab sie 2003, sie ist immer wieder auch im Theater zu ­sehen. Auf Youtube läuft ihr Comedy-­Format "Tell Me ­Nothing From The ­Horse". Beim SWR ist sie Co-Moderatorin der Talkshow "Five Souls", immer ­donnerstags in der ARD-Mediathek und auf Youtube. ­Thelma Buabeng lebt in Berlin.
Joanna Legid

Melodie Michelberger

Melodie Michelberger, geboren 1976, ist Autorin und Body-­Image-Aktivistin. Sie hat als Mode­redakteurin und PR-Managerin ­gearbeitet. Jahrelang war Melodie Michel­berger auf Diät, nun kämpft sie für die ­Rechte von "dick_fetten". Ihr Buch "Body Politics" (­Rowohlt, 18 Euro, 216 Seiten) erschien 2021. Sie lebt mit ihrem Sohn in ­Hamburg.
Joanna LegidMelodie Michelberger

Auch nicht gut.

Michelberger: Nein! Damit spricht man mir quasi meinen Körper ab.

Buabeng: Tatsächlich ist es so: Schlank ist das Ideal, Dicksein muss geändert werden.

Woher kommt diese Norm?

Buabeng: Plakate, Werbung, Fernsehen, Magazine. Medien! Wenn es Dicke im Film gibt, dann geht es meistens auch ums Dicksein. Oder die Dicken sind besonders ­lustig. Dicke Figuren im Hollywoodfilm müssen immer noch ­eine besondere Eigenschaft haben, ein Talent – die ­dürfen nicht einfach nur eine normale Rolle spielen. Mir fällt spontan gar kein richtiger Hollywoodfilm ein, indem die begehrte Frau eine füllige Person wäre. Gibts nicht.

Michelberger: Wir leben in einer Diätkultur, hinter der natürlich wirtschaftliche Interessen stehen. Die Diät­industrie setzt in Europa jedes Jahr Milliarden um. Frauen­zeitschriften machen regelmäßig Diättitel, nach dem Motto: Weniger ist mehr. Ich höre bei jedem Interview, bei jedem Gespräch: Dick, das ist doch nicht gesund. Es ist aber nicht nur die Diätkultur, es sind nicht nur die bösen Medien – die Wertvorstellungen sind in uns ­allen, sie träufeln überall hinein. Es ist einfach, darüber zu schimpfen, Instagram mache die Mädchen magersüchtig. Die Wahrheit ist: Die halten das am Laufen. Wir alle sind fettfeindlich sozialisiert, wir alle wachsen mit Wertvorstellungen auf, wie ein "schöner" Körper aussieht. Es ist wichtig, das zu erkennen, um in dieser Diskussion endlich weiterzukommen.

"Aufgewachsen bin ich mit der Über­zeugung, dass ich an meinem Körper etwas ändern muss" - Buabeng

Buabeng: In dem Wort Diätkultur schwingt ja auch mit, dass es eine Kultur ist. Als seien Diäten etwas, das dazu gehört, das man mal gemacht haben sollte. Um besser zu sein, um schöner zu sein.

Michelberger: Ja, abnehmen als Lebensaufgabe. Und das betrifft nicht nur die Dicken. In der Diätkultur ist es superwichtig, dass wir nie fertig damit sind, uns "verbessern" zu wollen. Da wundert es mich nicht, dass die meisten Bauchweghosen und formende Unterwäsche, die Körper in Richtung Ideal quetschen sollen, in den Größen 36 und 38 verkauft werden. Egal wie schmal ein Körper bereits ist: Weniger geht immer.

Seit Corona stecken wir häufiger in Videokonferenzen – ändert das unser Selbstbild? Wir sehen uns dabei ja ­dauernd selbst . . .

Michelberger: Ich guck’ mich gern an!

Buabeng: Vor Corona wusste ich nicht mal, dass es so ­etwas wie Videocalls für jeden gibt. Ich glaube aber, es geht eher um das Smartphone, das die jungen Leute ­immer in der Hand haben. Sie machen dauernd Selfies, die sie einander schicken. Man betrachtet sich viel häufiger. Und will sich dann optimieren.

Die Suche nach der perfekten Figur, kennen Sie das aus Ihrem Leben auch, Frau Buabeng?

Buabeng: Genau so! Ich habe schon als Teenie darüber nachgedacht, dass ich irgendwann meine Brüste operieren lassen muss. Ich war immer ein bisschen kräftiger und ständig mit der Frage beschäftigt, wie und ob ich ab­nehme. Ich habe tagelang nur Säfte getrunken – und danach mehr gegessen als vorher. Bis ich Mitte, Ende zwanzig war, da ­habe ich mich entschieden, meinen Körper so zu lieben, wie er ist. Aber ich musste mir das noch mal richtig bewusstmachen. Aufgewachsen bin ich mit der Über­zeugung, dass ich an meinem Körper etwas ändern muss.

Manche, auch Kinder, wünschen sich eine Krankheit, um dünner zu werden. Schon mal erlebt?

Buabeng: Nein. Nicht wirklich. Doch! Als Teenie habe ich schon mal überlegt, wie reizvoll das wäre, wenn ich ­Magen-Darm hätte für ein paar Tage. Danach hätte ich ein paar Kilo weniger gewogen.

"Models oder Schauspielerinnen mit Kleidergröße 60 gibt es nicht" - Michelberger

Michelberger: Dass Dünnsein attraktiv ist, lernen wir schon in Kinderbüchern. Auch die Stigmatisierung der Dicken findet sich da. Bei "TKKG" oder den "Drei ???" zum Beispiel. Der Dicke wird gehänselt oder damit aufgezogen und das Gewicht wird in beinahe jeder Folge thematisiert.

Buabeng: Ja, wie in all den Zeichentrickfilmen, den Mangas, die früher liefen. Mal davon abgesehen, dass die ­Figuren darin sowieso nicht so ausgesehen haben wie ich, sie waren immer nach diesem westlichen Ideal geformt . . .

Ist es inzwischen einfacher geworden, dick sein? Es gibt mehr mollige Models, füllige Schaufensterpuppen – tut sich da was?

Buabeng: Klar, innerhalb meiner "Bubble" denke ich, dass sich ganz viel verändert. Ich sehe neue Bilder, neue Wahrheiten, Zeitschriften wie "Curvy Magazine", dicke em­powernde und erfolgreiche Influencer*innen. Aber wenn ich rausgehe aus den Foren über Body Positivity, dann ist da, glaube ich, noch nicht viel passiert. Das ist wie beim Rassismus, wo man mir auch immer entgegenhält, jetzt sei doch mal gut und man habe alles verstanden. Aber: nein! Da draußen ist noch nicht viel verstanden.

Michelberger: Beim Shoppen geht die Tendenz sogar eher dahin, dass man große Größen nicht mehr im Geschäft, sondern nur noch im Internet bestellen kann. Ja, man sieht in den Medien mittlerweile öfter Figuren wie ­Thelmas und meine, aber wir sind eben am unteren Rand des ­Spektrums, über das wir hier reden. Models oder Schauspielerinnen mit Kleidergröße 60 gibt es nicht.

"Je größer der Körper, desto doller der Hass, der einen trifft" - Michelberger

53 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer ­gelten als übergewichtig, Tendenz steigend. Die gebräuchlichste Formel zur Berechnung des Gewichts ist der Body-Mass-Index, BMI, das Verhältnis von Körpergröße und Körpergewicht. Haben sich über die Jahrzehnte die Ansprüche an gesundes Gewicht verändert?

Michelberger: Es ist schon erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit der Body-Mass-Index herangezogen wird, um vermeintliches Über- und Untergewicht festzustellen – seit den 1970er Jahren. Dabei vernachlässigt der BMI Faktoren wie Geschlecht, genetische Veranlagung, Alter, Muskel- und Fettanteil, die unerlässlich sind, um den Gesundheitszustand beurteilen zu können.

Frau Buabeng, Sie haben das Netzwerk Black Women Matter gegründet, da spielt Selbstfürsorge eine große Rolle. Was meinen Sie damit, wie geht das?

Buabeng: Ich als Schwarze Frau habe immer gedacht, ich hätte alles gecheckt, aber ich habe darüber Frauen mit so vielen Traumata kennengelernt, mit so unterschiedlichen Rassismuserfahrungen! In der Gruppe können wir sagen: Wir kennen den Schmerz, wir können ihn teilen, wir ­stärken uns gegenseitig. Empowerment heißt das Stichwort. Diskriminiert werden hat ja ganz viel damit zu tun, dass man das Gefühl hat, man ist nicht richtig, man gehört nicht dazu. Der erste Schritt ist Selbstliebe. Wenn eine aus unserer Gruppe etwas Tolles geschafft hat, ein Buch geschrieben, eine Sendung gemacht, ein Label gegründet, dann kommt von allen Seiten so viel Liebe, Leute feiern einen, posten "cool!". Unbezahlbar. Das ist Selbstfürsorge.

Aber auch Fürsorge für andere.

Buabeng: Ja, da hilft man sich gegenseitig. Neulich ging es einer von uns sehr schlecht, da haben wir Geld gesammelt, eine hat auf ihr Kind aufgepasst, andere gingen für sie einkaufen. Ich kriege Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Michelberger: Natürlich muss man die Freundschaft zu sich selbst pflegen, sich selbst lieben, aber im Grunde hilft einem das nicht, wenn man rausgeht, und man wird diskriminiert und gebodyshamed. So viele krass gemeine und hasserfüllte Kommentare, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Und je größer der Körper, desto doller der Hass, der einen trifft. Dann ist Unterstützung aus der Community wichtig. Und jeder kann auch darüber nachdenken, wie man generell für mehr Körperakzeptanz in der Gesellschaft sorgen kann.

Fürsorge ist ja auch eine Mutteraufgabe. Wie haben Sie Ihre Mütter erlebt, als Sie klein waren?

Michelberger: Als ich mir mit sieben einen tollen Blumen­rock mit Volants gewünscht habe, hat meine Mutter gesagt: "Den kannst du nicht tragen, der betont deinen dicken Hintern noch mehr." Oft hörte ich: "Iss nicht so viel, sonst wirst du dick." Oder dass ich meinen Bauch einziehen soll. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe, dass mein Körper etwas ist, das ich kontrollieren und einschränken muss. Meine Eltern haben es vielleicht gut gemeint, aber es schlich sich eine große Unsicherheit meinem Körper gegenüber ein und bereitete den Boden für meine Essstörungen und die Magersucht.

"Kurven sind sexy in Ghana" - Buabeng

Buabeng: Hey, du musst mal nach Ghana. Ich war neulich wieder dort. Da habe ich nicht ein einziges Mal daran gedacht, dass mein Kleid zu kurz oder zu eng sein könnte. Die haben eine ganz andere Körperkultur. Kurven sind sexy in Ghana.

Michelberger: Das ist ja auch ein Schönheitsideal. Nur ein anderes . . .

Buabeng: Ja! Manchmal habe ich Frauen gesehen mit den kürzesten Röcken, den krassesten Hintern und Bäuchen – da habe sogar ich gedacht: "Wow, mutig!" Nächstes Mal, Melodie, nehme ich dich mit nach Ghana, das wird so gut!

Und Ihre Mutter, Frau Buabeng?

Buabeng: Wir haben dauernd über Figur und Diät geredet. Offen, aber scherzhaft. In der einen Minute sagte sie, sie müsse abnehmen, in der anderen Minute sah ich sie etwas essen. Ich kann mich erinnern, dass sie schon auch mal zu mir meinte: "Du hast aber zugenommen!" Weil sie aber selber dick ist, habe ich dann immer gedacht: "Ach, komm. Look who’s talking!"

Und dann gibt es noch den Aspekt der Gesundheit. Adipositas jedenfalls ist gefährlich. Das Risiko für Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. In den Krankenhäusern liegen auf den Corona-Stationen vor allem Leute mit Übergewicht.

Michelberger: Das bestreite ich auch nicht. Aber ich halte diesen Fokus auf die Gesundheit für gefährlich, weil darin unweigerlich mitschwingt, dass nur ein gesunder Körper ein wertvoller Körper ist. Die anhaltende Erfahrung von Diskriminierung löst Stress aus, der zu vielen Problemen führen kann, etwa zu hohem Blutdruck oder einem erhöhten Cortisolspiegel. Die werden dann dem Gewicht zugeschrieben, auch wenn sie von der Stigmatisierung ausgelöst werden.

Buabeng: Neulich hatte ich auch eine "Five Souls"-­Sendung zu diesem Thema, und die Frauen haben mir erzählt, wenn sie zum Frauenarzt gehen, würden sie ­immer auf ihr Gewicht angesprochen. Da fehlt wohl oft der neutrale Blick auf die Patientin. Aber was hat eine Zyste mit dem Gewicht zu tun?

"Als ich magersüchtig war, hat sich niemand Sorgen um meine Gesundheit gemacht" - Michelberger

Michelberger: Menschen mit starkem Übergewicht ­werden in der Medizin oft nicht richtig angeguckt. Dazu gibt es etliche Studien. Wie viel besser wäre es, wenn man einfach alle so unterstützt, dass sie sich in ihren Körpern wohlfühlen können? Wenn alle die medizinische Behandlung bekämen, die sie brauchen? Dicke sollten genauso behandelt werden wie Schlanke. Es sollte Stühle geben, auf denen sie sitzen können.

Das ist ein anderes Thema.

Michelberger: Ja, aber Ungleichbehandlung wird oft damit begründet, dass Dicksein ja sowieso ungesund sei. Trotzdem brauchen Dicke im Flugzeug, im Zug, im ­Wartezimmer passende, bequeme Sitzplätze.

Buabeng: Es gibt natürlich auch Kettenraucher, die ein Gesundheitsrisiko haben.

Michelberger: Mit dem Rauchen kann man aufhören. Aber nicht in jedem dicken Menschen steckt ein dünner. Übrigens, als ich magersüchtig war, was eine lebensgefährliche Erkrankung ist, hat sich niemand Sorgen um meine Gesundheit gemacht. Stattdessen: "Du bist ja richtig schön schlank geworden, sieht gut aus!" Als wäre es etwas Er­strebenswertes, sich so runterzuhungern und zu leiden.

Am Ende ihres Buches schreibt Melodie Michelberger, eigentlich müsste man doch über wichtigere Dinge sprechen als über Figuren und Essen. Welche wären das denn?

Buabeng: Zum Beispiel über meine Arbeit, meine Ambitionen, meine Wünsche. Wenn ich als Schauspielerin von Journalisten befragt werde, geht es oft weniger um das Projekt oder den Film, sondern mehr um Rassismus und ob ich eine Flüchtlingsfrau oder ein Dienstmädchen gespielt habe, ob ich deutsch sprechen durfte. Aber ich bin doch nicht nur Schwarz!

Michelberger: Man könnte über alles reden, was uns ausmacht, nicht nur über das Äußere. Über unsere ­Träume, Ideen, Gefühle, Hoffnungen. Die Figur nimmt, gerade bei Frauen, sehr viel Raum ein. Aber das Leben ist doch wirklich mehr als konstantes Kalorienzählen oder ­Kleidergrößen.

Leseempfehlung

Diäten machen weder gesund noch schlank - eher dick und krank. Besser intuitiv essen!
Menschen aus der Diakonie helfen weiter. Diesmal: der Arzt für extrem übergewichtige Jugendliche

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

... für diesen wertvollen Artikel! Zwei tolle Frauen mit einem soooo wichtigen Anliegen! Diese Themen müssen auf den Tisch! Herzlichen Dank an die Redaktion und viele Grüße!

Aus dem Artikel geht hervor, dass der respektvolle Umgang mit übergewichtigen Menschen noch Nachholbedarf hat. Jedoch haben dicke Menschen selbst den Pfad zum respektvollen Umgang mit sich und ihrer Umgebung verlernt. Wenn man sich die Bilder aus den 70er und 80er Jahren anguckt, dann fällt eins auf. Es gab genug zu Essen, aber Übergewicht war kaum zu sehen. Wenn ich mich jetzt umschaue, dann bekomme ich Gänsehaut. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, wo wir uns Übergewicht erlauben, statt zu verstehen, dass der Weg des Auslebens von Überfluss falsch ist. Dick sein ist keine Modeerscheinung. Ja und mager sein auch nicht! Im Einklang mit seiner Umgebung leben ist das was zählt. Dick sein eignet sich für mich auch nicht als Vorbildfunktion. Der mangelnde Respekt gegenüber sich und seiner Umgebung sorgt nur dafür, dass ein anderer Teil der Gesellschaft das wieder ausgleichen muss.
Im Übrigen findet sich der Ursprung unserer Vostellungen auch in den Totsünden wie der Völlerei wieder. Schon früher hatte man den maßvollen Umgang mit den Ressourcen angemahnt, denn man wusste nur zu gut, wie schnell sich das Blatt wenden kann.
Jeder Mensch verdient natürlich einen respektvollen Umgang, aber allgemein betrachtet, ist Übergewicht weder gesund oder schön, noch normal...

Hier würde ich gerne applaudieren, und nur noch hinzufügen, dass
wichtiger als alles andere die Selbstannahme ist.
Wer andere verspottet, aus welchen Gründen auch immer, hat selbst ein Problem, und wird dies früher oder später selbst erkennen müssen.
Ich wünsche uns allen mehr Selbsliebe, aber auch genügend rationalen Verstand, der uns erkennen lässt, wo unsere Fehler und Selsbttäuschungen liegen, um auch zu lernen, zwischen Trends, Modeerscheinungen und Hypes und einer gesunden und nachhaltigen Lebensweise zu unterscheiden.

"Adipositas und Übergewicht sind eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Knapp 60 Prozent der Deutschen gelten als übergewichtig, 25 Prozent von ihnen sind adipös. Übergewicht ist dabei häufig der Auslöser für schwere Folgeerkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose oder Herzinfarkte."
https://idw-online.de/de/news790152

Guten Tag! Seit langem schon Lese ich die Chrismon mit Aufmerksamkeit und oft auch mit Vergnügen. Hierzu habe ich Anmerkungen:
Ist es wirklich ein so dringendes Anliegen einer Evangelischen Zeitung mit dem man sich dort beschäftigt oder eght man einer Modewelle ( z.B natürlich auch das unsägliche Gendern ) nach ?
Muss man bei diesem Bemühen sich auch der Anglizismen bedienen wie dem Begriff " Bodyshaming" ? Im Wörterbuch finde ich diesen Begriff nämlich nicht oder haben wir Deutschen ihn erfunden? In der Jugendarbeit stört ich mich sehr, wenn man ständig den Bgriff Teamer benutzt, den es in der englischen Sprache eindeutig nicht gibt!! Mabn verfahre bitte wie Luther und " schaue dem Volk aus Maul " damit man in der deutschen Umgangsssprache bleibt und nicht vermeintlich gelehrt daherkommt!
Freundliche Grüsse
Hermann Ahrens
Weyhe

Mir ist bewußt: jedes Medium hat eine Vorstellung seiner Klientel, seiner Leser*innen. Und mir ist bewußt: eine Autorin, ein Autor ist (nur) ein Teil der Meinungsäußerung des Mediums. Zustimmung oder Ablehnung in der Leserschaft entstehen auf Grund der Meinungsmischung, die ein Medium bietet.
Ich lese „chrismon“ gern und relativ regelmäßig.
Meine Gedanken zum Beitrag „Ich bin doch völlig in Ordnung!“ (in 03.2022) verstehe ich deshalb auch als zustimmende Anregung:
Das Foto der beiden Gesprächspartnerinnen (S. 24 / 25) ist eine guter „Aufmacher“ – es vermittelt eine selbstverständliche Körperlichkeit. Die Fragen sind nicht bedrängend, aber sie sind (natürlich?) auch nicht so locker wie an einem Tisch mit Freund*innen auf einer Sommerwiese.
Ich habe den Text mit innerer und gelassener Zustimmung gelesen.
Mit einem kleinen zeitlichen Abstand fiel mir auf, dass alle Fragen davon ausgehen, wie man in und mit seinem Körper aussieht. Das Visuelle wird dabei zum eigentlichen Kriterium.
Das verstehe ich – ich sehe, denke und frage häufig aus genau der gleichen Perspektive heraus.
Aber ich habe (altersmäßig relativ spät) auch festgestellt, dass ich die Perspektive wechseln kann. Wenn ich eine Partnerin nicht sehe, sondern taktil wahrnehme - nur mit Fingern oder anderen Körperpartien. Wenn ich den Körper nicht sehe, bilde ich ein anderes Bild in mir, kein (optisches) Ab-Bild.
In der „Dunkelheit“ (im Nicht-Ansehen) umarme ich einen Körper, ich fühle ihn und erlebe ihn völlig anders, als mit den Augen.
Wenn man über die Wirkung von Körperlichkeit sprechen will, wäre dieser Aspekt für Leser*innen das Öffnen einer neuen, aufregenden Perspektive. Fragen Sie Liebende nach den Körpern ihrer Partner*innen.
Es wäre sehr anregend, Lesern und Leserinnen diesen Perspektivwechsel nahe zu bringen.
Machen Sie dazu vielleicht ein Gespräch mit blinden Paaren. – Ich habe diese Erfahrung auch noch nicht gemacht, aber wer Liebesnächte ohne Licht verbracht hat, müßte sich das vorstellen können und danach seine distanzierte „Tagesempfindung“ dann weniger wichtig nehmen.
Wer sich mit „seiner Liebe“ auseinander setzt, müßte rasch merken, dass eine etwaige körperliche Unvollkommenheit bei Licht (= ein akzeptiertes Vorurteil) für das Gefühl von Liebe unwesentlich ist.
Mit freundlichem Gruß
Heinz Thiel

Zwei kurze Gedanken hierzu:
Das Problem, große Größen kaum noch im Laden kaufen zu können, sondern nur noch in Internet, gibt es auch am anderen Ende des Spektrums: Versuchen Sie mal, eine Jogginghose für lange Menschen (ab 1,90, Weite egal) zu finden. Weite oder lange - Größen - im Laden hängt nur, was über den Durchschnitt den Umsatz auf der Fläche bringt.
Die letzte Frage, ob es nicht wichtigere Dinge zu berichten gebe, habe ich mir beim Lesen die ganze Zeit gestellt. Es wäre wünschenswert, das Interview noch einmal zu wiederholen und darin alles andere von den beiden Protagonistinnen zu erfragen und zu schreiben, nur dass dann die Themen "Dicksein" und gerne auch Hautfarbe, Rassismus nicht mehr wichtig sind.
Christoph Riegel, Bonn

Sehr geehrte Damen,
sehr geehrte Herren,
als "Katholische" freue ich mich immer auf die CHRISMON-Beilage in der SZ.
Diesmal habe ich beim Lesen ein Problem. Ich bin Jahrgang 1939 und bemühe mich seit der Pandemie um ein wenig Optimismus und Lebensfreude für meine noch verbleibende Lebenszeit.
Wir Kriegskinder haben viel erlebt, die Bedrohung durch eine Pandemie - die besonders auf Senioren zielt - hätten wir uns nicht vorstellen können. Neben den Kindern trifft die Isolation besonders uns Senioren. Der nahende Frühling verhieß den ersten Hoffnungsschimmer.
Doch was die letzten Tage - Krieg und Bombardierung in Europa - in unserer Generation auslöst/hochschwemmt, kann sich die junge Generation nicht vorstellen. Seit Tagen sehen wir im Fernsehen von früh bis spät die Kriegsbilder, die Printmedien haben ebenfalls nur diese Bilder und Berichte. Ich weiß, dass darüber berichtet werden muss, doch für mich als "Kriegskind" ist es kaum auszuhalten.
Und nun zu Chrismon: Ich kann z. Zt. einen Artikel wie "Nur eine darf mitkommen" nicht lesen. Der einzige Lichtblick waren die zwei lachenden Frauen ohne Idealfigur.
Eine Bitte an die Redaktion: Bitte in jeder Ausgabe 1 Geschichte zum Lächeln, zum Entspannen, zum Freuen. Nur eine!
Mit freundlichen Grüßen
Christa Krucker

Frau Michelberger sagt zu dem Thema Dicksein und Gesundheit…“ich halte diesen Fokus auf die Gesundheit für gefährlich, weil darin unweigerlich mitschwingt, dass nur ein gesunder Körper ein wertvoller Körper ist.“
Diese Aussage macht mich ratlos. Wie kann man unterstellen, dass es GEFÄHRLICH ist, massives Übergewicht nicht unter einem gesundheitlich Aspekt zu betrachten? Wo steht, dass nur ein gesunder Körper ein wertvoller ist?!! Wo soll das mitschwingen? Ich erkenne das nicht.
Die allermeisten Menschen sind lieber gesund als krank, das ist nicht wertvoll oder wertlos, das ist einfach so. Und den Zusammenhang zwischen massivem Übergewicht und einer Gesundheitsgefährdung wird auch von niemandem bestritten. Warum darf man das dann nicht erwähnen? Ist es besser, die Augen zu verschließen und den Kopf in den Sand zu stecken?
Beste Grüße
Charlotte Schnitzler

Vielleicht sollten Sie sich den Text nochmal genauer durchlesen. Es geht um eine Haltung, eine Denkweise: Schlank ist automatisch immer gesund, dick ist automatisch immer krank. Wenn Ärzte*innen den Patienten nur darauf reduzieren, dann ist das ein Problem. Ein gewaltiges.
Zudem was die "üblichen" Krankheiten betrifft: Es gibt keine Krankheit von Dick_Fetten, die nicht auch Schlanke haben. Ob das jetzt Arthritis oder Diabetes 2 ist. Und was noch problematischer ist: Ernährungsstudien weisen zwar Korrelationen auf, das heißt nicht, dass A wirklich B verursacht. Bei Diabetes übrigens kommt eine genetische Komponenten ins Spiel, manchmal hat man auch einfach nur Pech. Gerade die Haltung, dass Dicke selbst schuld an ihrem Schicksal sind aber ist ja gerade das, was im Artikel kritisiert wird. Vielleicht nochmal genauer lesen ...

Sehr geehrte Redaktion,
diese Ausgabe eines evangelischen Magazins ist aus meiner Sicht eine Frauenzeitschrift geworden. Männer kommen, auch fotografisch, nicht vor. Vielleicht verkenne ich Ihre Vorgaben verstärkt über Frauenprobleme zu berichten, dann sollten Sie den Titel auch in evangelisches Frauenmagazin ändern.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Ascher