Sterbebegleitung

Friedlich sterben
Andererseits - Friedlich sterben

Kati Szilagyi

Welchen Eindruck macht die Mutter? Ist sie ganz ruhig?

Andererseits - Friedlich sterben

Stefanie Schardien, Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin, beantwortet für chrismon jeden Monat kniffelige Lebensfragen.

Annette D. aus Kassel fragt:

Meine Mutter wollte nie hilflos sein. So ist es aber leider gekommen. Sie ist schwer dement und pflege­bedürftig, erkennt niemanden mehr. Sie kann kaum noch sprechen und nicht mehr aufstehen. Ich tue mich schwer, den Gedanken auch nur zu denken, aber: Darf ich ihr wünschen, endlich friedlich zu sterben?


Stefanie Schardien antwortet:

Gibt es einen Wunsch, den ausnahmslos jeder einzelne Mensch auf Erden hat? Wohl den: friedlich sterben zu wollen. Darum ist es doch nur verständlich, dass Sie das auch Ihrer Mutter wünschen. Wahrscheinlich zweifeln Sie aber, ob Sie nicht damit umgekehrt Ihrer Mutter den Tod wünschen und lieber um so viel Lebenszeit wie irgend möglich bitten müssten. Das wäre natürlich ziemlich naiv. Denn gerade weil Sie Ihre Mutter lieben, legen Sie nun auch das schmerzhaft wahrgenommene Leiden in die Waagschale, das für Sie den ­früher geäußerten Wünschen ­Ihrer Mutter widerspricht.

Stefanie Schardien

Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin.
ARD/BR/Markus KonvalinStefanie Schardien

Was können Sie tun? Wichtig ist zuerst ein Gegencheck: Welchen Eindruck vermittelt Ihre Mutter selbst im Moment? Ist sie, auch gegen alle Erwartungen an die Lebensqualität, vielleicht ganz ruhig? Wir wissen letztlich nicht genau, was eine Demenzkranke erlebt. Das kann auch Sie vielleicht etwas beruhigter diese letzte Phase begleiten lassen. Erscheint sie dagegen angespannt oder belastet, dann sprechen Sie mit Ärzten, ob etwaige Schmerzen gelindert werden könnten. Was sonst? Zeigen Sie Ihrer Mutter Ihre Liebe, zum Beispiel durch Berührungen. Er­zählen Sie ihr und, wenn Sie ­mögen, auch Gott von Ihrer Bitte um ein friedliches Sterben und von Ihrer Bereitschaft, sie in ­Frieden gehen zu lassen.

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