Trauer: Die Mutter ist tot

Als Erwachsene zur Waise geworden
Anfänge - Waise als Erwachsene

Anna-Kristina Bauer

Patricia H., 40: "In der Gesellschaft ist das Trauern um die Eltern nicht vorgesehen"

Anfänge - Waise als Erwachsene

Der Tod der Mutter zog ihr den Boden unter den Füßen weg.

Patricia H. (40):

Meine Mutter ist nun seit gut einem Jahr tot. Sie wurde 66 Jahre alt. Ich vermisse sie sehr. Am liebsten hätte ich sie bis zu meinem letzten Atemzug bei mir behalten. Mein Papa ist 2018 verstorben. Ich bin jetzt eine erwachsene Frau ohne Eltern. Nach Mamas Tod fühlte ich mich sehr allein. Wie ein Kind.

Das Jahr vor ihrem Tod hatte ich mich um sie ­gekümmert wie eine Mutter. Das war anstrengend. Ich habe ja auch meine eigene Familie und eine Arbeit. Bis kurz vor ihrem Tod war unklar, welche Krankheit sie ­hatte.

Alles fing damit an, dass sie Aussetzer hatte: Sie ließ plötzlich das Telefon fallen, oder sie stürzte zu Boden. Parkinson, Alzheimer, kein Verdacht bestätigte sich. Ich war mit den Nerven am Ende. Erst eine Woche vor ihrem Tod erhielten wir eine Diagnose: Leberzirrhose. Als ich Leberzirrhose googelte, passten alle Symptome ­zueinander. Das schlimme Hautjucken zum Beispiel, das kein Arzt ernst genommen hat. Ursache könnte ein Hepatitisvirus gewesen sein, sie hat ja nie Alkohol getrunken.

An ihrem letzten Tag hatte sie einen epileptischen Anfall. Ich fuhr sofort in die Klinik. Sie schlief. Dann wurde sie zu einer Untersuchung gebracht, deshalb musste ich gehen. Als ich wieder zu ihr durfte, waren Mund und Nase ­verklebt von Blut. Ich bat eine Pflegerin, sie zu säubern. Dafür sollte ich aus dem Zimmer gehen. In der Zwischenzeit müssen schlimme innere Blutungen angefangen ­haben, es war eine ziemliche Hektik. Anderthalb Stunden saß ich vor dem Zimmer auf dem Boden. Eine Ärztin kam zu mir und sagte: "Irgendwann geht es nicht mehr."

Einmal drückte sie noch meine Hand

Ich habe dann die Hand meiner Mutter gehalten. Sie quälte sich. In meinem Kopf sagte ich: "Mama, du musst jetzt bitte einschlafen." Laut sagte ich zu ihr: "Patti ist da." So hat sie mich immer genannt. Einmal drückte sie noch meine Hand. Dann sah ich auf dem Monitor, wie die ­Sauerstoffsättigung im Blut immer weniger wurde.

Nach ihrem Tod war ich wie gelähmt. Ich brauchte viel Ruhe, konnte keine lauten Geräusche ertragen, mir tat ­alles weh. Mein Mann nahm zwei Wochen lang Rücksicht, dann war er wieder in seinem normalen Alltag. Mein neunjähriger Sohn sagte oft: "Mama, bei mir kannst du ruhig weinen." Er hat mich in den Arm genommen.

Kaum jemand fragte mich, wie es mir geht. Statt­dessen sagte ein Bekannter, ich solle mal wieder lächeln. Eine andere meinte: "Das Leben geht weiter." Ich habe den Eindruck, in der Gesellschaft ist das Trauern um die Eltern nicht vorgesehen. Gern hätte ich eine Selbsthilfegruppe besucht, aber wegen Corona waren solche Treffen abgesagt.

Drei Monate konnte ich nicht arbeiten

Drei Monate konnte ich vor Erschöpfung nicht ­arbeiten. Die Hausärztin verschrieb Antidepressiva und eine ­Psychotherapie. Ich wollte eine Trauertherapie machen, auch um die schlimmen Erlebnisse aus dem Krankenhaus zu verarbeiten. Aber die Gespräche bei der Therapeutin drehten sich nur um meine Kindheit, das half mir nicht weiter. Ich bin dann nicht mehr hin.

Geholfen haben mir kleine Zeichen. Zum Beispiel ­hatten meine Mutter und ich die gleiche Kette. Als sie eingeschlafen war, nahm ich meine Kette ab und legte sie ihr an. Und ich nahm ihre. Mamas Wohnung aufzulösen, war schlimm, aber vor der Übergabe machten meine ­Freundin, unsere beiden Söhne und ich eine Übernachtungsparty dort. Wir frittierten Pommes, saßen auf dem Boden, spielten Kniffel.

Gut taten mir Rituale: Ich richtete mir zu ­Hause ein Gedenkregal ein, wo ich jeden Tag eine Kerze für meine Eltern anzünde. Mehr als die Psycho­therapie half mir eine Trauergruppe bei Facebook. Nachdem ich mich dort vorgestellt hatte, las ich hauptsächlich die Posts der anderen und kommentierte. Ab da hatte ich das ­Gefühl, nicht mehr so allein zu sein.

Jetzt, nach einem Jahr, geht es mir viel besser. Ich bin zwar immer noch traurig, aber ich kriege meinen Alltag wieder hin, ich habe Lust aufs Leben. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir die Bemerkung einer Nachbarin. Sie ­arbeitet im Krankenhaus und ist oft mit dem Tod konfrontiert. Sie sprach mich darauf an, dass ich so dünn ­geworden sei. Als ich ihr erzählte, dass meine Mutter gestorben ist, sagte sie: "Das ist schön. Dann muss sie nicht mehr leiden." Sie sagte das so warmherzig, dass ich mittlerweile denke: Sie hat recht.

Protokoll: Karina Scholz

Nichts mehr verpassen. Erhalten Sie regelmäßig alle Reportagen, Interviews und Kommentare im Monatsabo. Jetzt testen im Probeabo von chrismon plus. Gedruckt und digital – hier bestellen

Leseempfehlung

Plötzlich ist einer tot. Vier früh Verwitwete erzählen, was passiert ist und wie es weiterging
Die scheue Nachbarin trauert um ihre Mutter. Wie reagiert man da?
Viele ihrer Liebsten sind schon gestorben. Die Schriftstellerin ­Monika Helfer hat sich mit dem Tod angefreundet - so gut es eben geht
Die Mutter von Benni und der Vater von Tobias sagen offen, dass ihre Söhne sich das Leben nahmen. Sie wissen, was Trauernden hilft

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Liebe Betroffene, leider habe ich gleiche Erfahrungen machen müssen. Meine Mama ist am 01.04.22 unerwartet im Krankenhaus verstorben. Ende 2020 war sie eine leicht demente aber ansonsten gesunde Frau - bis auf chronische Blasenentzündung. Wegen der Demenz habe ich sie 2021 zu mir geholt, was ihr gar nicht so passte aber das ständige Alleinsein, nach dem Tod meines Vaters 2015, tat ihr überhaupt nicht gut und auch um die täglichen Aufgaben hat sie sich nicht mehr gekümmert . Bevor sie zu uns kam hab ich sie noch zu einer Krebsvorsorge mit Blasenspiegelung zum Urologen geschleppt, weil mir das mit der Blase nicht geheuer war. Aber… alles ok, kein Verdacht auf Tumor, nur zu wenig Flüssigkeit, mit 75 aber normal. Gut… hab viel mit ihr unternommen, mich viel gekümmert (vielleicht zuviel?) und auch öfters gemeckert, weil sie so gar nix von selbst gemacht hat. Trotzdem haben wir oft gelacht und ganz besonders schön war Silvester 21/22. Normalerweise arbeite ich seit Jahren an diesem Tag im Spätdienst, diesmal aber nicht- als hätte das Schicksal geahnt, dass das unser letztes Neujahr sein wird. Während des Januars habe ich bemerkt, dass sie kaum noch aß und immer weniger wurde. Auch mit der Blase hatte sie aufeinmal heftige Probleme. Also Arzt und dann kam der Hammer, bösartiges, invasives Harnblasenkarzinom, die Blase muss raus. Arzt war zuversichtlich, sagte, dass man damit prima leben könnte und OP sollte am 24.03. sein. Bereits eine Woche vor OP ging es ihr schlecht, nach einigem hin und her hab ich sie dann in KH gebracht. Sie hätte eine Infektion, sie wissen nicht woher und man kann nicht operieren. Sehen durfte ich sie nicht, da die Klinik absolutes Besuchsverbot hatte. Aber man hat mir postoperatives Besuchsrecht eingeräumt. Gut… nach 2-3 Tagen ging es ihr besser aber Werte waren immer noch schlecht. Eine Woche verging. Dann sollte am 31.03. operiert werden. Am Telefon hat sie mir und meinem Bruder erzählt, wie mies die Pfleger und Pflegerinnen wären und dass sie sich so sehr schämt (sie hatte ins Bett gemacht und die Schwester hat mit ihr gemeckert) und nie wieder in diese Klinik möchte. Aber, sie war zuversichtlich und ich habe ihr versprochen, dass wir nach der OP und Reha nach Kiel fahren, diese Stadt liebte sie so sehr , und da hat sie sich gefreut. Das war am 30.03.22. Dann gab es Probleme mit den Nieren, in der Nacht vom 31.03.22 rief man nachts an, kam gerade vom Spätdienst, ich solle eine Patientenverfügung vorbei bringen, meine Mutter hätte Infarkt gehabt?! Ich wollte sie sehen, das lehnte man ab, sie wäre ja wieder stabil aber man müsste halt über besondere Vorfälle unterrichten und ich solle dann am darauf folgenden Morgen den behandelnden Arzt sprechen. Das tat ich und man sagte mir, es wäre kein Infarkt gewesen, alles sei wieder gut aber man muss jetzt dringend operieren und ich dürfte sie am Montag (illegalerweise) sehen - so lange ich wollle. Glücklich habe ich das KH verlassen, sie angerufen aber niemand ging dran. Um 15:00 nochmal angerufen, keiner ging dran. Um 15:40 bekam ich Anruf mit folgendem Wortlaut: „Wenn Sie Ihre Mutter nochmal lebend sehen wollen, dann kommen Sie sofort“! Ich hingerast, musste warten und Test machen sowie Formulare ausfüllen, da kam ein Arzt und sagte, ich solle alles stehen und liegen lassen und mitkommen. Ich rannte in das Zimmer, rief „Mama“, da hat sie sich nochmal aufgesetzt, etwas gegurgelt und das war es. Einer, der mir fremden Ärzte meinte nur: „Sie merkt nichts mehr“. Angeblich hätte sie einen „älteren“Vorderwand Infarkt gehabt und sie hätte „alles richtig“ gemacht, denn die OP wollten die Ärzte aufgrund ihres Zustandes nicht mehr machen und es wäre ihr somit viel Leid erspart geblieben. Kein Beileid, keine tröstenden Worte, das war’s. Ich bin dann mit ihrem Köfferchen und zwei blauen Plastiktüten, nachdem ich bei meiner „toten“ Mutter bleiben konnte - solange ich wollte, aus dem KH geschlichen, es hat niemanden interessiert ob und wie ich nach diesem Schock nach Hause komme. Eine Woche hab ich nur geweint und mich verkrochen. Bin dann aber wieder arbeiten, um das Kopfkino mal abzustellen. Dann kam die Bestattung, ich habe mein Versprechen gehalten und bin mit ihr nach Kiel, wo sie seebestattet wurde. Die meisten Freunde und Nachbarn waren sehr lieb. Viel geredet und ich durfte auch weinen. Jetzt werde ich aber auch gebeten wieder zu lächeln und ich soll mich doch meines Lebens freuen und damit abschliessen, denn das wäre doch der Lauf der Dinge. Ja, das stimmt, aber es tut trotzdem so unglaublich weh. Sie fehlt mir jeden Tag, jede Stunde und immer denke ich, sie kommt gerade zur Tür rein. Ich fühle ihre Hand, ihren kleinen, dünnen Körper bei der Umarmung und ihre Wohnung, die ich noch vor einem Jahr mit meinem Mann umgebaut und liebevoll eingerichtet habe, kann ich nicht betreten. Es ist fast noch alles so darin, wie an ihrem letzten Tag. Mein Mann verdreht die Augen, wenn ich mal „wieder“ von jetzt auf gleich weine oder sie während eines Gespräches erwähne. Sie war 54 Jahre an meiner Seite. Und auf ihrem schwersten Weg durfte ich nicht bei ihr sein. Das ist das schlimmste und lässt mich einfach nicht zur Ruhe kommen. Das Krankenhaus war unmöglich und ihr behandelnder Arzt hat sich nie mehr gemeldet. Meine Mutter wurde 76 Jahre alt aber trotzdem, für mich zu früh. Es ist aber gut zu wissen, dass man nicht alleine ist. Und jeder trauert anders und so lange, wie es für ihn richtig ist. Schade, dass man in der heutigen Zeit meint, es gibt für alles ein Zeitfenster oder Normen und Schablonen - selbst für den Umgang mit dem Tod.

Was für ein schöner, trauriger, ehrlicher Text. In vielem erkenne ich mich auch wieder als ich meine Mutter und kurz zuvor meinen Vater verloren habe - vorallem das Gefühl allein zu sein, ohne sie und mit der Trauer. Meine Mama starb mit 55 Jahre und sie fehlt mir sehr. Ich werde sie nie mit weißen Haaren als rundliche Oma mit Walking Stöcken erleben. Es macht mich so traurig, dass sie schon so früh gehen musste. Sie hat das Leben geliebt und war mein Sonnenschein. Ich wünschte wir Erwachsene Waisen würden uns mehr zusammentun, nicht nur virtuell. Gerade das Alleinsein ist doch zu viel im Angesicht von so viel Schmerz. Jede Trauer braucht es ausgedrückt, gehört und gesehen zu werden. Nicht alle (und ich glaube auch: nicht viele) sind in einer Familie oder in einem Freundeskreis aufgehoben. Es bräuchte sicher erfahrene Trauerbegleiter_innen für eine solche Gruppe von verwaisten Erwachsenen, zumindest am Anfang. Schön finde ich auch die Vorstellung, von einer gemeinsamen Aufgabe, wie einem Schreibkurs zur Trauerbewältigung - vielleicht eine Idee für die Autorin dieses Textes... Ich wäre dabei! Alles Liebe für alle Waisen
PS: Was mir manchmal geholfen hat: Reisen ans Meer, meine Eltern haben das auch geliebt (als ehemalige DDR-Bürger), Musik machen mit meinem Mann, Waldspaziergänge mit meinem Hund Shila.

Liebes Team,
das erste Mal lese ich über das Thema "Als Erwachsene zur Waise geworden". Danke dafür.
Mit diesem Thema ist mein ganzes Leben beladen und wird es immer sein.

Ich bin 42 Jahre alt, meine liebe Mutter starb 2012 in elendiger Weise, ich kann Eure Protagonistin verstehen, wenn ich sie von "schlimmen Erlebnissen aus dem Krankenhaus" schreiben lese. Mein lieber Vater, stark betroffen vom qualvollen Tod meiner Mutter, erkrankte dann 3 Jahre später an der gleichen grausamen Krankheit - und musste genauso elend, übertherapiert und würdelos und vom Krankenhauspersonal gequält sterben - der gleiche elende Tod für meine beiden Eltern.
(Ich war 32 und 36 Jahre alt, andere Frauen bekommen in diesem Alter ihre Kinder.)

Jedesmal wenn ich lese, dass mein Alter eines sei, in dem die Eltern älter werden und Hilfe benötigen würden denke ich mir: jeder, der überhaupt noch Eltern hat, kann froh sein. Wie glücklich sind all diese Leute und wissen es nicht.

Auch mein Partner, wie bei Patricia H., kann mit meinem Schmerz wenig anfangen, wenige Zeit später sagte er: "wieso fängst Du immer wieder davon an zu reden, wenn Du es immer wiederholst wird es doch nicht besser".

Ich bin abgestumpft dem Leben gegenüber. Ich lernte auch, dass Menschen höchst egoistisch sind (auf der Beerdigung musste ich mir von 60jährigen Teilnehmern Berichte anhören, wie es war, als ihre Mutter starb, als der Ehemann starb,....) Nicht einmal am Tag der Beerdigung können Menschen sich zurücknehmen, können den Schmerz anderer in den Mittelpunkt stellen.

Naja, ich will nicht zu sehr ausschweifen, danke auf jeden Fall, dass Ihr Euch dieses Themas angenommen habt, danke für den Artikel, das war meine Intention, Euch zu schreiben.
Ich wünsche Patricia alles Gute, und Eurem Magazin natürlich auch,
liebe Grüße
Doris

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Frau Scholz,
„Als Erwachsene zur Waise geworden“, ein bemerkenswertes Protokoll. Als Sterbe und Trauerbegleiter sind mir die im Protokoll geschilderten Erlebnisse zur Trauerbewältigung nicht fremd.
Nur mit einer einfühlsamen Art ist es möglich, Trauernde zu helfen, nicht alleine zu lassen. Und Sätze wie, „das wird schon wieder“ oder „stell Dich nicht so an, die Welt geht weiter“ sind höchst „kontraproduktiv“. Sie sind eher verletzlich für den Trauernden.
Die Trauer bleibt ewig. Sie in eine ( schöne) Erinnerung zu begleiten, wird durch die ehrenamtliche Arbeit der hierfür ausgebildeten Hospizbegleiter vorbildlich gehandhabt. Sie geben dem Trauernden Zeit und Raum für den individuellen Trauerprozess. Sie lassen den Trauernden nicht alleine.
Mit herzlichen Grüßen
Hans Pütz
Ingolstadt

Ich kann den Bericht und die Kommentare sehr gut nachvollziehen. Ich habe selbst mit 26 Jahren meinen Vater verloren (Folgen seines Alkoholmissbrauchs) und mit 33 meine Mutter durch einen Autounfall (Verursacher ist am Steuer eingeschlafen). Bei meinem Vater habe ich mir eingeredet er ist selbst Schuld, sogar die Ärzte hatten keine lange Prognose für ihn und trotzdem fühlte ich mich betrogen. Er hat sich aus meinem Leben geschlichen, ist feige verschwunden - sogar Absicht hatte ich ihm unterstellt in meinen gedanklichen Zwiegesprächen mit ihm... Meiner Umwelt habe ich wenig mitgeteilt, ich habe s bei mir "vergraben". Als meine Mutter starb war ich am Boden zerstört, haderte mit Gott, schrie und beschimpft ihn sogar, aber alles alleine für mich in meinem Seelenkämmerlein. Ich kann mich nicht an die Beerdigung erinnern, es ist immer noch ein traumatischer grauer Fleck in meinem Gedächtnis. Ich bin abgestumpft, habe mich in Arbeit gestürzt, teilweise Streit kultiviert mit meinen Schwestern. Heute sehe ich das als eine schräge Trauerbewältigung. Man kommt nicht darüber hinweg. Man nimmt das Päckchen mit, indes verliert langsam sein Gewicht. Mein Glaube und meine Arbeit in der Gemeinde hat mir geholfen damit irgendwie klarzukommen. Und trotzdem kommen mir die Tränen beim erzählen meiner Geschichte. Ich wünsche allen viel Kraft und Gottes Segen dass euch ein Stück Frieden geschenkt wird. Herzlichst Bea