Die EU-Kommission stuft Atomstrom als grüne Energie ein

Investoren und Investorinnen, aufgepasst!
Die EU-Kommission stuft Atomenergie und Erdgas als nachhaltig ein. Aber was grün ist, entscheiden die Bürger.

Nein, Atomkraft ist weder grün noch umweltfreundlich noch nachhaltig: Es gibt weltweit noch kein einziges Endlager, in dem sich Atommüll - er bleibt für Tausende Jahre gefährlich - sicher lagern ließe. Unfälle in Atomkraftwerken können ganze Landstriche verstrahlen. Und eine klare Abgrenzung zwischen ziviler und militärischer Nutzung ist nicht möglich; Frankreichs Präsident Macron räumt sogar ein, auch deshalb an der Atomenergie festhalten zu wollen, weil es der Atommacht Frankreich militärisch nütze. 

Nils Husmann

Nils Husmann studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er über ein Praktikum zu chrismon. Seit dem Umzug der Redaktion nach Frankfurt/Main ist er chrismon-Redakteur. Nils Husmann interessiert sich für die Themen Umwelt, Gesellschaft, Sport und - Menschen. Nils Husmann ist Herausgeber des Buches "You'll never walk alone" in der edition chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017

Trotzdem erklärt die EU-Kommission in ihrer Taxonomie, die definiert, was für den "Green Deal" als nachhaltig gilt: Die Atomkraft sei grün. Die Entscheidung spiegelt wider, dass zahlreiche EU-Mitglieder - allen voran Frankreich - auf Atomkraft setzen. Es ist ein politischer Kompromiss, der Deutschland zubilligt, neue Gaskraftwerke zu bauen - allen Bekenntnissen zum Trotz, in Zukunft nicht mehr auf fossile Energien zu setzen.

Im Kern ist die Taxonomie ein Aktionsplan der EU-Kommission, der Kapitalflüsse in ökologisch nachhaltige Aktivitäten lenken soll. Wer wirklich nachhaltig investieren möchte, muss in Zukunft noch genauer hinsehen, was mit seinem Geld unterstützt wird. Und die institutionellen Anleger mit Fragen löchern, große Versicherer etwa, die Finanzprodukte verkaufen wollen. Wer nicht aufpasst, kann nicht mit Sicherheit ausschließen, dass er in eine Technologie von gestern investiert.

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