Über die eigene Spende reden - muss nicht schlecht sein

Darf man mit einer Spende prahlen?
Darf man mit einer Spende prahlen?

Lisa Rienermann

Darf man mit einer Spende prahlen?

Tue Gutes und rede drüber, sagen Profiwohltäter. Lass bei Almosen die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, mahnte Jesus.

Vorgelesen: Religion für Einsteiger "Darf man mit einer Spende prahlen?"

Herr Städel hatte weder Frau noch Kind, besaß dafür aber 500 Gemälde, 3000 Kunstdrucke, 1,3 Millionen Gulden und ein Haus am Roßmarkt in Frankfurt am Main. Als er 1816 starb, ­ vermachte er sein Vermögen seiner Stiftung, dem Städelschen Kunst­institut. Es existiert noch heute, auch dank der Freigiebigkeit vieler Frankfurterinnen und Frankfurter. 15 ­Mil- lionen Euro spendeten sie 2019 für die Museen der Stiftung, mehr als durch Ticketverkauf (13 Millionen) und öffentliche Zuwendungen (neun Millionen) in die Kassen kam. Viele Menschen trugen vor einigen Jahren auch großzügig zu einem Erweiterungs­bau des Städel Museums bei. Ihre ­Namen stehen dort auf einer Wand.

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist als chrismon-Redakteur verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Johann Friedrich Städels Vorbild macht Schule. Ehepaare verewigen sich in den Namen eigener Stiftungen – wie das Ehepaar Gensicke-­Hille, das mit Brot für die Welt in Lateinamerika Kinder aus indigenen Familien unterstützt. Kirchengemeinden versprechen: Ab 25 Euro für den Kindergartenbau werden die Namen der Spendenden auf Ziegelsteine eingraviert. Mitten im Wald verraten Plaketten auf Holzbänken, wem die Rast mit Tal­blick zu verdanken ist. Der Name erhält die Erinnerung an die, die sie gestiftet haben. Motto: "Tu Gutes und rede darüber". Ist das schon Prahlerei?

Schweigen über eigenen Großmut

Die allermeisten, die ihr Portemonnaie für einen guten Zweck weit öffnen, bleiben lieber unerkannt. Für sie ist es selbstverständlich zu helfen, wo Not ist. Sie geben stillschweigend das Gute zurück, das sie selbst er­fahren haben. Oder schweigen über eigenen Großmut, weil Jesus gebot: "Wenn du Almosen gibst, so lass ­deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut" (Matthäus 6,3).

Doch nicht immer ist die ­anonyme Spende die bessere. Ab 10 000 ­Euro müssen politische Parteien ihre Herkunft aufdecken. "Sie sollten es schon ab 2000 Euro tun", fordern kritische Stimmen. Großspender können auch Probleme bereiten. Die größte Einzel­- spenderin für die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill-und-­Melinda-Gates-Stiftung, erwirtschaftet ihr Vermögen unter anderem, indem sie sich an Konzernen wie Coca-­Cola beteiligt. Engagiert sich die WHO gegen übermäßigen Zuckerkonsum, unter­gräbt sie das Geschäftsmodell ihrer größten Geldgeberin.

Spende von Herzen

Wer sein Geld einer Umwelt- oder Hilfs­organisation anvertraut, will daher sicher sein, dass sie frei von fremden politischen oder wirtschaftlichen Interessen arbeitet. Greenpeace nimmt aus dem Grund keine staat­liche Zuwendung an, prüft Eingänge über 1000 Euro und lehnt jegliche Unternehmensspende ab. Brot für die Welt und Ärzte ohne Grenzen kooperieren nicht mit Unternehmen, die Waffen produzieren, fossile Energie fördern, an Tabak, Alkohol, Sex und Glückspiel verdienen. Auch Unter­stützung aus der Pharmaindustrie lehnen sie ab. Wer Brot für die Welt sponsern will, soll auch Menschen- und Arbeitnehmerrechte achten.

Der Theologe und Fundraising­experte Thomas Kreuzer erklärt sich den Ausspruch Jesu ("Lass die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut") so, "dass es darum geht, nicht eitel vor Gott dazustehen. Die Spende soll nicht kalkuliert und rational kommen, sondern von Herzen." Jesus selbst hat auch eine Spenderin öffentlich gelobt: die arme Witwe mit ihrem einen Heller. Das bisschen Geld war alles, was sie hatte (Markus 12,41–44). Und auch zu biblischen Zeiten taugte nicht jede Gabe für jeden Zweck. Als der reu­mütige Judas den Hohe­priestern am Jerusalemer Tempel die Silberlinge für den Verrat an seinem Meister zurückbrachte, nahmen sie das Geld nicht für den Tempelschatz an: "Denn es ist Blutgeld" (Matthäus 27,6). 

Geld gegen Einfluss

Verwerflich ist nicht die öffent­liche Spende, sondern die Gabe mit Kalkül und aus unlauteren Motiven: eigenes Fehlverhalten reinwaschen, statt es abzustellen; Einfluss auf mögliche Kritiker nehmen, sie finanziell abhängig machen; die Spende mit einem Deal verbinden – Geld gegen Einfluss.
Es ist nobel, über die eigene ­Spende zu schweigen. Es gibt auch Gründe, ­offen über sie zu reden. Das muss nicht gleich Prahlerei sein. Und oft ist es gut zu wissen, von wem das Geld kommt.

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Lesermeinungen

Sehr geehrte Damen und Herren,
Herr Burkhard Weitz schreibt in seinem Artikel über Spenden: eine Gabe mit dem Kalkül um eigenes Fehlverhalten rein zu waschen sei verwerflich. Sind dann Gaben, welche zum Kompensieren von CO2 gegeben werden, auch verwerflich? Danke für eine Antwort.
Viele Grüße von
Benno Wagner

PS: Danke für ihr interessantes Magazin