Lieferdienstwerbung verspricht Instant Gratification

Alles, und zwar sofort!
"Auberginen um 22.30 Uhr!" - so erzieht man ewig quengelnde Kinder.

Zum Auszug schenkte ich meinen Söhnen einen Putzschwamm mit dem Aufdruck "Gibt’s dafür keine App?". Daran denke ich, wenn ich morgens an den Werbeplakaten der Lieferdienste vorbeiradle: "Es ist 22.30 Uhr und du denkst daran, Auberginen zu bestellen" oder "Gruß an alle, die morgens um 8 h Biogurken aus der Region bestellen". Nix gegen Biogurken, ich kaufe sie oft um sieben Uhr im Supermarkt ein, weil es da schön leer ist. Bloß: Warum bitte ist direkt neben Rewe (geöffnet 7 bis 24 Uhr) dieses Gorillas-Lager, wo früher ein netter Postkartenladen war? Und zwei Häuser weiter das Flink-Lager, wo früher eine Bankfiliale war?

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen.
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Weil die Geschäftsidee offenbar auf zweierlei fußt: mies bezahlte Hilfsradler, um die sich neulich schon Hubertus Heil kümmern musste. Und "instant gratification". Eine Generation, die sich mit jedem Insta-Herzen das Adrenalin durchs Hirn jagt, braucht sofortige Bedürfnisbefriedigung. Also: Aubergine um 22.30 Uhr! Quengel, fußstampf, will haben! Sofort! Herbringen!

Das wird ja lustig im September. Vielleicht hänge ich einen Zettel ans Kinderzimmer. Ja, du musst selbst wählen. Nein, Corona ist nicht sofort vorbei. Und wir warten noch auf die App gegen den Klimawandel. 

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