Woher kommt das Manna in der Wüste?

Das Lebensbrot
Manna, das Lebensbrot

Umzeichnung: O. Keel, M. Küchler, Ch. Uehlinger / Stiftung Bibel + Orient

Mannatropfen am Eisack der Schildlausart Trabutina mannipara

Manna, das Lebensbrot

Gott versorgte das hebräische Volk auf dem Weg durch die Wüste mit Manna, steht in der Bibel. Gibt es die Speise wirklich?

Auf dem Weg durch die Wüste versorgte Gott das hebräische Volk mit Manna (2. Mose 16). Womit? Einige sahen darin eine Engels­speise (etwa Psalm 78,25), die über Nacht herabfiel wie Tau. Der antike jüdische Historiker Josephus Flavius erklärt den Namen mit dem aramäischen Fragewort "man": "Was (oder wer) ist das?", denn das Volk habe nicht gewusst, was es war.

Thomas Staubli

Thomas Staubli, 58, erforscht ­biblische ­Bild­symbolik an der ­Universität ­Fribourg.
Sophie StiegerThomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität Fribourg

Aber schon im alten Israel gab man sich mit solchen Er­klärungen nicht zufrieden. Eine Anmerkung im 4. Buch Mose 11,7–9 erklärt fast wissenschaftlich: ­Manna sei rund wie Koriander­samen und gelblich, bräunlich wie das Bedolachharz aus Südarabien (Jemen), das der Balsambaum ausschwitze. Es schmecke wie Ölkuchen. ­Heute vermuten Forscher, ­Manna sei die Zuckerüber­produktion der ­Larven zweier Schildlausarten, die sich vom Saft der Tamariske ernähren. Die Hitze des Tages bringt die ­Kügelchen zum Schmelzen, weshalb sie früh ge­sammelt und verzehrt werden müssen.

Der Evangelist Johannes (6,30–33) sagt von Jesus: Er sei das Brot des ­Himmels; aber anders als Manna stille er den Hunger ein für alle Mal.

Leseempfehlung

Sieben kurze Geschichten
Eine Archäologin behauptet, sie habe in Ostjerusalem Überreste von König Davids Palast gefunden. Dort entsteht ein Freiluftmuseum, mitten im palästinensischen Viertel Silwan. Um die Ausgrabungen ist der Streit entbrannt: Wer war zuerst da im Heiligen Land?
Woher kommt diese Vorstellung? Aus einer Umwelt, in der Wasser generell knapp ist und zentral fürs Überleben
Was dachten die Menschen im Alten Orient über die Gnade? Über die Ursprünge eines theologischen Gedankens
Bibelexperte Thomas Staubli erklärt, wo der Sündenbock herkommt. Und was er mit dem Gott Asasel zu tun hat

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.