Religion für Einsteiger: Taufpate werden - was tun?

Wofür sind die ­Paten gut?
Wofür sind die ­Paten gut?

Lisa Rienermann

Wofür sind die ­Paten gut?

Sie können wichtige Vorbilder für ein Kind sein. Sind da, wenn die Eltern nerven, und geben Orientierung − auch in Glaubensfragen.

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Es ist das erste Highlight eines jungen Lebens: das große Familienfest mit Taufe. Täufling, Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel und Tanten, gute Freunde, die Kirchengemeinde: Sie alle feiern den Taufgottesdienst mit − sofern nicht eine Pandemie die Taufe im kleinen Kreis erfordert. Am Taufstein, wo die Pfarrerin oder der Pfarrer Wasser über den Kopf des Täuflings rinnen lässt, stehen vor allem Paten und Eltern. Sie sollen die größte Verantwortung für diesen Menschen übernehmen.

Eduard Kopp

Eduard Kopp ist Diplom-Theologe und chrismon Autor. Bis 2019 arbeitete er in der chrismon-Redaktion als leitender Redakteur Theologie. Er studierte Politik und Theologie, durchlief die Journalistenausbildung des ifp, München, und kam über die freie Mitarbeit beim Südwestrundfunk zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" nach Hamburg. Seine besondere Interessengebiete sind: Fragen der Religionsfreiheit, Alltagsethik, Islam, Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, Krieg und Frieden.
Lena UphoffPortrait Eduard Kopp

Wer gefragt wird, ob er Pate, ob sie Patin werden möchte, fühlt sich geehrt. Die Eltern zeigen damit, dass sie den Auserwählten ein besonderes Vertrauen entgegenbringen. Paten übernehmen Mitverantwortung für die Entwicklung des Kindes, für sein Gedeihen. Vermutlich hat es auch hier und dort eine Rolle gespielt, dass sie in Notfällen finanziell helfen könnten. Oder ganz einfach, dass sie für Stimmung bei Familienfesten sorgen.

Pate ist man nach evangelischem Verständnis von der Taufe bis zur Konfirmation. Die katholische Kirche kennt zusätzlich zu den Tauf- auch die Firmpaten. Nicht selten sehen sich evangelische Paten auch über die Konfirmation hinaus in dieser Rolle. Ein Pate, eine Patin ist, wenn es gut läuft, ­ Ansprechpartner, Ideengeberin, See­lentröster, Unterschlupf in Pubertätskrisen, Geschenkgeber, Mentorin. Sie können Vorbilder sein − durch ihren Fleiß, ihre soziale Kompetenz, ihren beruflichen Erfolg, ihre Beliebtheit. Sie können auch Geheimnisse mit ihren Patenkindern besprechen, wenn ­deren Eltern einmal "nur peinlich", also keine geeigneten Dialogpartner sind.

Gesprächspartner sein

Kirchliche Paten sind aber idealer­weise noch mehr als das: Sie sollen die jungen Menschen nicht nur beim Erwachsenwerden an die Hand nehmen können, sondern Gesprächspartner bei Glaubensfragen sein und Anregungen für die ethische Bewusstseinsbildung geben: Wie findet man zu einer eigenen Meinung jenseits von politischem Opportunismus? Wie steht man Menschen bei, die ausgegrenzt werden? Ganz persönlich: Kann ich ein Leben auf Kosten an­derer und der Umwelt vermeiden − und wenn ja, wie geht das? Wie wichtig ist mir der versöhnliche Umgang mit anderen Menschen, der behutsame Umgang mit eigener und fremder Schuld? Wo ist − evangelisch gesprochen − mein Gespür dafür, dass ich mich nicht selbst immer neu erfinden, beweisen, rechtfertigen muss, sondern "von guten Mächten wunderbar geborgen" bin − so eine Liedzeile des Theologen Dietrich Bonhoeffer?

Kinder und Jugendliche eignen sich Neues vor allem durch Beobachtung und Nachahmung an, nicht dadurch, dass Eltern, Lehrerinnen, Paten sie zu bestimmten Verhaltensweisen drängen. So blickt ein ge­eigneter Pate, eine Patin immer auch auf sich selbst. Was verkörpere ich, wofür stehe ich? Selbstreflexion hilft auch, wenn man verstehen will, was die jüngere ­Generation beschäftigt.

Sympathie zeigen, Hilfe anbieten

Patin oder Pate in der evangelischen Kirche darf sein, wer getauft und konfirmiert ist. Es reicht, evangelisch zu sein, egal ob in der Landeskirche oder freikirchlich, ebenso katholisch oder orthodox. Entscheidend ist, dass man einer der Kirchen angehört, die sich in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zusammengeschlossen haben. Vielerorts muss mindestens ­einer der Paten evangelisch sein.

Auch das gibt es: Wenn die Eltern nicht der evangelischen Kirche angehören, muss in jedem Fall mindestens ein Pate der evangelischen Kirche angehören. Können die Eltern keine Paten finden, weil die eigentlich gewünschten Personen keine Kirchenmitglieder sind, können sie die Gemeinde bitten, einen Paten zu benennen.

Das klingt alles nach einem Kraft­akt, nach einer weitreichenden Verpflichtung. Doch das soll es nicht sein. Viele Patenschaften brennen auch auf "kleiner Flamme" und funktionieren dennoch sehr gut. Wenn Paten Kontakt zu ihrem Patenkind halten, ihm Sympathie zeigen und bei Bedarf ­ Hilfe anbieten, überhaupt präsent sind bei besonderen Anlässen und Anteil am Leben des Kindes und Jugendlichen nehmen, dann ist das schon viel.

Mehr Infos unter evangelisch.de/­taufbegleiter oder in der kostenlosen Taufbegleiter-App (für Android und iOS).

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