Mail aus London: Brexit und Corona

Die Frisur der Römer
Posteingang London - Römer, Brexit und Corona

Jeff J Mitchell / Getty Images

Auch schottische Fischer sind vom Brexit betroffen

Posteingang London - Römer, Brexit und Corona

Die britischen Schlagzeilen sind voll mit Brexit und Corona. Pfarrerin Carla Maurer dürstet es nach Abwechslung.

Das Leben in Großbritannien ist sehr monothematisch geworden. Wie überall dominiert die Corona-Pandemie das Tagesgespräch. Wäre ich Verschwörungstheo­retikerin, würde ich ja glauben, dass die britische Regierung das Virus absichtlich in die Welt gesetzt hat, um den kontroversen Brexit klammheimlich über die Bühne zu bringen. Hin und wieder gibt es dann doch Brexit-Schlagzeilen: Die schottischen Fischer können ihre Meeres­früchte nicht mehr nach Europa expor­tieren, weil für die frische Ware die Wartezeit an der Grenze zu lange ist. ­Musikerinnen sehen bürokratischen ­Hürden für ihre Touren entgegen. Die Regierungen streiten sich weiter um die Grenze auf der irischen Insel.

Carla Maurer

Die Schweizerin Carla Maurer ist Pfarrerin an der Swiss Church in London. Über das, was sie in der britischen Hauptstadt erlebt und beobachtet, bloggt sie unter swissvicarlondon.blogspot.de.
Foto: Peter Philipp

Brexit ist für mich als Aus­länderin auch ein Thema: Bis zum 30. Juni müssen sich alle hier lebenden EU-Bürger:innen und Schweizer:innen um den sogenannten Settled Status bewerben, damit sie unbegrenzt bleiben können. Für Menschen, die wie ich schon mehrere Jahre legal in Großbritannien leben, ist das nur eine Formsache. Dennoch sehe ich die Gefahr, dass manche von ihnen trotzdem ihr Aufenthaltsrecht verlieren. Denn der Antrag geht nur auf digitalem Wege, man braucht ein Smartphone und die entsprechende App. Das ist für Betagte oder auch Obdachlose ohnehin schwer. Und nun sind Corona-bedingt auch noch viele Einrichtungen geschlossen, die ihnen dabei helfen könnten.

Wochenendnews

Pandemie und Brexit im Doppelpack: Das ist eigentlich zu viel fürs ­Gemüt. Am Wochenende kaufe ich mir gern eine Zeitung, um – zumindest ab Seite vier – mal was anderes zu lesen. So erfahre ich von archäologischen Ausgrabungen, die nahe­legen, dass britische Römer ihre Haare gern Vokuhila getragen haben: Vorne kurz, hinten lang, so wie es bei uns in den Achtzigern modern war. Na, das sind doch mal prickelnde Neuig­keiten!

Leseempfehlung

Bei Rückführungen geraten viele geflüchtete Menschen in verzweifelte Panik. Oft passiert das im Urlaubsflieger
Überraschender Trend: Friedhöfe sind in London zurzeit total in
Carla Maurer mit einer E-Mail aus Goßbritannien
Der Weltkriegsopfer können Katholiken und Protestanten in Nordirland gemeinsam gedenken. Die Opfer der Troubles zählen sie einander immer noch vor
Abgezockt auf der Landstraße
Bewaffnete Männer stoppen ihn bei einer Autofahrt - unser Autor bleibt nur äußerlich cool.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.