Corona: Diese Menschen machen Hoffnung und Mut

Zuversicht in Zeiten von CoronaJewgeni Roppel
"Durchhalten und stark bleiben – gemeinsam!"
Zuversicht in Zeiten von Corona

Jewgeni Roppel

Lockdown, Einsamkeit, Krankheit: Wie bleiben wir zuversichtlich in der düsteren Corona-Zeit? Das haben wir Menschen in Hamburg gefragt.

 Aiko Fujii-Hagen, 39, Betreiberin des Cafés DokuwaJewgeni Roppel

Es war natürlich ziemlich verrückt, unser Café im April zu eröffnen. Aber mein Mann und ich hatten ein Jahr lang auf diesen Moment gewartet. Den Schlüssel zur Immobilie haben wir schon vergangenes Jahr bekommen und dann ein Jahr lang renoviert. Wir wollten unbedingt im April eröffnen. Zum Glück sind wir im Hamburger Karoviertel von einer sehr netten Nachbarschaft umgeben, die uns – "die verrückten Japaner, die ein Café eröffnen wollen" – schon kannte. Gerade in der Anfangszeit haben uns vor allem Nachbarn unterstützt und Kaffee gekauft. Wir haben diesen Ort von Anfang an als To-go-Café gedacht und bieten Kaffee und Bento-Boxen zum Mitnehmen an. Bento in Japan ist nichts, was man vor Ort isst, sondern etwas, das man in die Schule, ins Büro oder zum Picknick mitnimmt. Wir hatten große Angst, aber genau dieses Konzept hat uns sehr geholfen. Deshalb konnten wir die Corona-Zeit bisher ganz gut überstehen.

"Mein Hirn ist permanent damit beschäftigt, zu überlegen, wie ich Dinge verbessern kann. Dadurch habe ich gar keine Zeit, mir Sorgen zu machen." - Aiko Fujii-Hagen

Aktuell überlege ich, welche Art japanischer Suppe wir in der Winterzeit verkaufen könnten. Ich möchte keine Misosuppe anbieten, die kennt schon jeder. Außerdem möchte ich warmen Sake anbieten. Ich überlege auch ständig, wie ich den Inhalt der Bento-Boxen verbessern kann oder welche neuen Signature-Getränke wir anbieten können. Gerade bin ich dabei, einen Chai-Sirup herzustellen, noch ist er allerdings nicht perfekt genug. Er soll wirklich gut werden. Mein Hirn ist permanent damit beschäftigt, zu überlegen, wie ich Dinge verbessern kann. Dadurch habe ich gar keine Zeit, mir Sorgen zu machen.

 Andrea de Luna, 54, Erzieherin, seit fünf Jahren ehrenamtlich tätigJewgeni Roppel

Im März habe ich die Initiative "Deintopf" ins Leben gerufen. Wir versorgen bedürftige Menschen mit Kindern und ohne mit einer warmen Mahlzeit und Lebensmitteln. Mir war es wichtig, sofort etwas zu tun und nicht erst vier Wochen darüber zu diskutieren, was man denn tun könnte. Ich habe mein Netzwerk mobilisiert und allen erzählt, was ich vorhabe. Daraufhin habe ich jede Menge Unterstützung erhalten – Kontakte, Lebensmittel und Geldspenden. Da ich schon seit vielen Jahren in verschiedenen gemeinnützigen Vereinen tätig bin, kenne ich viele Menschen, die anderen einfach gern helfen.

Als wir unsere erste Essenausgabe gemacht haben, haben die Menschen geweint und uns erzählt, dass dies ihre erste warme Mahlzeit seit einer Woche sei. Daran sieht man, wie groß die Not wirklich ist. Die Armut wird aufgrund der Krise größer und größer, immer mehr Menschen leben in prekären Verhältnissen. Zur Essensausgabe kommen durchschnittlich zwischen 100 und 200 Menschen zu uns. Abgesehen von Lebensmitteln und warmen Mahlzeiten fehlt diesen Menschen auch das soziale Miteinander ungemein - einfach mal gemütlich zusammenzusitzen. Orte der Begegnung wie Tagesaufenthaltsstätten fallen für Bedürftige aktuell komplett weg.

"Was mir in Krisenzeiten Zuversicht gibt, ist die große Welle an Solidarität. Zum Glück gibt es viele Menschen, die ihre Augen für die Schicksale anderer Menschen öffnen." - Andrea de Luna

Was mir in Krisenzeiten wie diesen Zuversicht gibt, ist die große Welle an Solidarität. Zum Glück gibt es viele Menschen, die ihre Augen für die Schicksale anderer Menschen öffnen und etwas für sie tun wollen. Auch unsere Gäste geben mir Zuversicht, weil sie mir widerspiegeln, wie dankbar sie für die Unterstützung sind. Zu sehen, dass es ihnen durch die kontinuierliche Versorgung ein Stück weit besser geht, macht mich sehr glücklich.

Informationen zu "Deintopf": Die Essenausgabe findet freitags, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr in der Turnerstraße 7 in 20357 Hamburg in der "Kids Welcome"-Küche statt. Sachspenden in Form von Lebensmitteln zum Mitgeben, auch Geldspenden oder Weihnachtsgeschenke (nützliche Sachen wie warme Socken, ein Stück Seife) sind willkommen.

 Gudrun Graichen, 56, Business- und Personal-CoachJewgeni Roppel

In der Zeit des ersten Lockdowns haben sämtliche Klienten ihre Aufträge abgesagt, so dass ich ein paar Monate lang gar nicht gearbeitet habe. Ein paar Workshops habe ich online gegeben, aber das ist einfach nicht zu vergleichen mit dem persönlichen Kontakt. In meinen Workshops merke ich jetzt, dass die Menschen danach dürsten, wieder in einen direkten, tiefen und weniger oberflächlichen Austausch zu gehen. Auf das Jahr hochgerechnet habe ich bestimmt 50 bis 60 Prozent Umsatzeinbußen und beruflich deutlich weniger zu tun. Aber das hat auch seine Vorteile. Dadurch konnte ich ein paar Online-Ausbildungen nachholen und abschließen.

"Für mich ist mein Hund Jurij eine große Quelle der Freude. Weil ich durch ihn täglich mit anderen Hundehaltern im direkten Kontakt bin. Ich glaube, das macht viel aus." - Gudrun Graichen

Für mich ist mein Hund Jurij eine große Quelle der Freude. Mit ihm bin ich auch regelmäßig an der frischen Luft und treffe draußen andere Hundehalter, mit denen es immer – mit dem gebührenden Abstand – einen kleinen Schnack gibt. Durch diesen direkten und regelmäßigen Kontakt fühle ich mich nicht isoliert. Ich glaube, das macht viel aus.

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurde ja schon häufig vor einer gefährlichen Pandemie gewarnt. Jetzt haben wir die Gelegenheit zu trainieren, was wir an medizinischer und seelischer Ausrüstung brauchen. Vielleicht sind wir dann wesentlich besser vorbereitet, wenn es einmal zu einer noch schlimmeren Pandemie kommen sollte.

 Nikos Patso, 29, PostboteJewgeni Roppel

Die vergangenen Monate waren sehr hart für mich und meine Kollegen, weil so viele Menschen zu Hause geblieben sind und extrem viel online bestellt haben. Wir mussten doppelt so viele Pakete ausliefern wie sonst. Natürlich hatte ich zwischendurch auch Sorgen und Ängste, die habe ich manchmal auch nach Hause mitgenommen. Aber ich versuche, jeden Tag so positiv wie möglich zu sein. Denn wenn ich morgens schon mit einer negativen Einstellung zur Arbeit komme, ist der ganze Tag hinüber. In dem Viertel, in dem ich arbeite, gibt es zum Glück viele Menschen, die mich kennen und mich und meinen Job respektieren.

Aber es gibt natürlich auch Menschen, die sich überhaupt nicht für mich interessieren. Für die bin ich einfach nur der Paketbote, der ihnen ihre Bestellungen bringt. Wenn ich Menschen vertraue und sie mir, dann komme ich ihnen ein bisschen näher und sie mir. Ich stamme aus Griechenland. Wenn wir jemanden respektieren, geben wir uns dort die Hand. Deshalb ist das Kontaktverbot gerade ziemlich schwierig für mich. In meinem Postdepot arbeiten fünfzig Menschen. Jeder von uns geht täglich in hundert Häuser. Bisher hatten wir zum Glück noch keinen Fall von Corona. Obwohl wir jeden Tag unterwegs sind und Pakete berühren, die durch so viele Hände gewandert sind.

"Meine Quelle der Zuversicht ist meine Frau, sie unterstützt mich bedingungslos. Und ich glaube immer an das Gute. Alles passiert aus einem bestimmten Grund." - Nikos Patso

Im Sommer war es zum Glück für kurze Zeit wieder etwas ruhiger und normaler. Jetzt, in der Phase des zweiten Lockdowns, hat vieles wieder geschlossen. Weihnachten steht vor der Tür, die Onlinebestellungen nehmen massiv zu. Die kommenden Wochen werden auf jeden Fall verrückt.

Meine Quelle der Zuversicht ist meine Frau, sie unterstützt mich bedingungslos. Und ich glaube immer an das Gute. Alles passiert aus einem bestimmten Grund. Vielleicht ist diese ganze Corona-Situation da, um mir zu zeigen, dass ich selbst die anstrengendsten Phasen meistern kann. Ich glaube, dass diese Zeit mich für die Zukunft stärken wird.

 Hans-Joachim Kerres, 53, Kunsttherapeut und freischaffender KünstlerJewgeni Roppel

Ich habe die Corona-Zeit als Prozess erlebt. Zuerst war die Schockphase, und dann gab es bei mir früh eine Besinnungsphase. Ein Musikerfreund hat mir erzählt, dass der Begriff "Coronata" in der Musik so viel bedeutet wie "Pause" oder "allgemeines Stillschweigen". Das passt wunderbar zu dem, was ja dann viele Menschen auch erlebt haben. Für viele war diese Phase aber keine Zeit der Besinnung, sondern eine, in der Ängste Raum greifen konnten. In der Geschichte der Menschheit hat es bis dato noch nie ein derart kollektives Angstempfinden gegeben. Zwar hatte ich zwischenzeitlich auch Ängste und Sorgen, aber ausschließlich finanzieller Natur.

Ich hatte über 50 Prozent finanzielle Einbußen, zum Glück habe ich Corona-Soforthilfe erhalten. Mental und gesundheitlich habe ich mich während der ganzen Zeit stabil gefühlt. Ich bin immer schon jemand gewesen, der primär ideelle Werte lebt. Wenn man stark im Ideellen steht, dann ist man viel mehr geschützt gegen Katastrophen. Ich lebe sehr bescheiden und habe es immer geliebt, mit wenig auszukommen. Das bringt eine gewisse Unabhängigkeit mit sich. Wenn ich monatlich keine dicken Abbuchungen habe, dann fühle ich mich automatisch viel freier.

"Zuversicht ist für mich eine lebensbejahende und sinnsuchende Grundhaltung, aus der heraus ich versuche, Menschen aufzurichten." - Hans-Joachim Kerres

Die Digitalisierung führt dazu, dass wir mit einer Zersplitterung von Meinungen konfrontiert sind – uns da zu positionieren und dieses Spannungsfeld auszuhalten, darin bin ich als Therapeut geübt. Denn ich versuche, mit Abstand auf das Ganze zu schauen, mich sozusagen zu neutralisieren und aus zu starken Emotionen rauszuhalten. Als Therapeut stelle ich mir die Frage: Wenn die Angst da ist, wie gehe ich mit ihr um? Zuversicht ist für mich eine lebensbejahende und sinnsuchende Grundhaltung, aus der heraus ich versuche, Menschen aufzurichten und ihren Blick zu öffnen für die Potenziale, die im Leid, in der Verzweiflung und im Abschiednehmen liegen.
 

 Julia Crüsemann, 41, Yogalehrerin, Shiatsu-Therapeutin und HeilpraktikerinJewgeni Roppel

In der Zeit des ersten Lockdowns habe ich meine Yogakurse online gegeben und in meiner Praxis weiter behandelt. Mich hat die Krise noch stärker in dem bekräftigt, was ich tue – nämlich Yoga zu unterrichten und das eben nicht nur als Fitness oder Bauch-Beine-Po-Training mit Räucherstäbchen, sondern auch als Bewusstseinsarbeit und als Weg zur Bewältigung von stressigen Situationen. Genau das wollte ich in dieser Zeit auch gerne an andere weitergeben. Mir hat es Vertrauen gegeben, dass meine Arbeit trotz widriger äußerer Umstände noch möglich ist.

Im privaten Umfeld habe ich zum Glück keine großen Krisen erlebt. Aber ich erlebe, dass sich einige meiner Yogaschülerinnen, Patienten und Klientinnen, durchaus auch recht junge Menschen, aufgrund der Kontaktbeschränkungen einsam fühlen und sich bei ihnen viel angestaut hat. Wir erleben gerade ein kollektives Trauma, da bedarf es noch viel an Aufarbeitung. Ich glaube, vieles von dem, was vorher schon da war, verstärkt sich aktuell. Wenn Ängste oder Traumata bereits vorhanden sind, dann ist diese Krise ein Multiplikator.

"Es schenkt mir Zuversicht, dass wir immer an uns arbeiten können,
auch wenn wir im Außen gerade nicht so viel verändern können." - Julia Crüsemann

Es schenkt mir Zuversicht, dass wir immer an uns arbeiten können, auch wenn wir im Außen gerade nicht so viel verändern können. Wir können uns unsere Ängste, Traumata und Muster angucken und daraus kann eine innere Stärke erwachsen und die Überzeugung, dass ich in mir, egal, was im Außen passiert, eine Sicherheit und Stabilität finden kann. Und der Glaube, dass ich die Kraft habe, durch Krisen hindurchzugehen, statt in eine Panikreaktion zu verfallen. Aktuell werden wir von Nachrichten und den Ängsten anderer Menschen bombardiert.

Es gibt momentan wahnsinnig viele Einflüsse, die uns aus unserer Mitte reißen können. Ich versuche, jeden Tag Yoga zu praktizieren, mich bewusst zu erden und über diese Yogapraxis ein Stück weit zurückzutreten von dem, was sich im Außen abspielt. Denn dann bin ich nicht nur auf die Ängste fokussiert oder auf die neuesten Nachrichtenmeldungen, sondern fühle mich als Teil eines großen Ganzen. Und in diesem großen Ganzen habe ich meine Aufgabe, und die mache ich, so gut ich kann. Das gibt mir einfach Halt. Genau dieses Gefühl der Sicherheit und Erdung möchte ich den Menschen, die zu mir kommen, weitergeben.

 Oleg Dubin (aka Bliz Nochi), 37, MusikproduzentJewgeni Roppel

Mir ging es in der Zeit des Lockdowns ziemlich gut. In den vergangenen Jahren war ich viel unterwegs. Das war schön und aufregend, aber in der Zeit habe ich den Kontakt zu mir selbst ein wenig verloren. Als alles geschlossen war und nichts mehr ging, hatte ich plötzlich viel Zeit. Diese Zwangspause war für mich sehr inspirierend. In den letzten acht Monaten habe ich so viel Musik produziert wie schon lange nicht mehr - über 20 Tracks. Jeden Monat erscheint nun auf unterschiedlichen Labels neue Musik von mir. Wie viele Selbstständige und Künstler habe ich zum Glück Soforthilfe erhalten, dafür bin ich sehr dankbar. Diese Unterstützung hilft sehr.

"Lasst uns gucken, was wir aus der Situation lernen, wie wir unsere Lebensweise verändern und in dieser neuen Welt gut fühlen können." - Oleg Dubin

Die Zeit vor dem Virus haben wir Menschen uns sehr stark mit dem Außen befasst. Das Virus hat uns dazu gezwungen, uns auf uns selbst, unser Zuhause und auf unseren engsten Freundeskreis zu beschränken. Wir haben also viel Zeit, Dinge neu zu arrangieren. Und wahrscheinlich ist genau das auch dringend notwendig. Ich finde es unendlich schade, dass Events nicht stattfinden können und Clubs geschlossen sind, weil ich Teil dieser Kultur bin. Aber wir befinden uns in einer neuen Realität, an die wir uns anpassen müssen. Also lasst uns gucken, was wir aus der Situation lernen, wie wir unsere Lebensweise verändern und in dieser neuen Welt gut fühlen können. Ich betrachte das als große Chance. Ich beobachte, dass sich die Menschen wirklich umeinander kümmern. Der Großteil zumindest. Das ist ein Geschenk. Ich glaube, es wird immer wichtiger werden, Ideen zu teilen, sich auszutauschen und mit anderen zu vernetzen.

 Sandra Sauter, 34, TantramasseurinJewgeni Roppel

Nach dem ersten Lockdown im März habe ich gemerkt, dass die Menschen eine starke Sehnsucht nach Nähe und Berührung haben. Dieser Mangel an Berührung nach der langen Phase, in der es keine Kontakte gab, war sehr präsent und stark spürbar. Eine Tantramassage ist ein Ganzkörperritual, in dem der Mensch von Kopf bis Fuß, mit allem, was er ist, verehrt wird. Das heißt, es wird alles berührt, inklusive der Genitalien. Die Tantramassage ist ein "in Liebe baden" und hat kein Ziel, auch wenn Lust natürlich willkommen ist. Sie kann tief nährend und entspannend sein und auch Dinge ein Stück weit ins Lot bringen, die eventuell aus dem Gleichgewicht geraten sind.

Ich hätte gedacht, dass die Menschen nach der langen Zeit der Distanz Angst vor Nähe haben, aber ganz im Gegenteil: Im Sommer habe ich einen richtigen Boom erlebt und hatte so viele Anfragen wie noch nie. Zum 15. Oktober habe ich mich dann komplett selbstständig gemacht – zwei Wochen später kam der zweite Lockdown. Das war natürlich hart. Sollte der Lockdown viel länger andauern, wird es finanziell sehr schwierig. Zudem vermisse ich meine Arbeit.

"Ich glaube, dass Berührung ein menschliches Grundbedürfnis ist und uns einfach unheimlich guttut." - Sandra Sauter

Es gibt ja dieses Grundgesetz: Je mehr Liebe du gibst, desto mehr Liebe kommt zu dir zurück. Das kann ich zu hundert Prozent bestätigen. Ich gebe ganz viel Liebe und bekomme wahnsinnig viel zurück. Das ist unfassbar herzerwärmend.

 Michael Rohde, 47, Militärdekan und KrankenhauseelsorgerJewgeni Roppel

Für mich waren die vergangenen Monate spannend und herausfordernd zugleich. In der ersten Lockdown-Phase waren meine Jungs immer zu Hause. Obwohl sie die Situation hervorragend gemeistert haben, war das für mich eine enorme Umstellung. Bei der Arbeit habe ich viel gelernt und erlebt, wie es ist, in einer solchen Pandemie mit allen Ängsten, Befürchtungen und Herausforderungen in einem Krankenhaus umzugehen.
Natürlich habe ich mich auch immer wieder gefragt, ob alle Schutzmaßnahmen wirken, da ich ja regelmäßig mit dem Covid-19-Erreger konfrontiert bin. Zum Glück haben diese Maßnahmen hervorragend funktioniert.

Zum einen war es total faszinierend, wie wir im Bundeswehrkrankenhaus zusammen mit allen Ärztinnen, Pflegern und den Verwaltungsangestellten als Team gearbeitet haben und arbeiten. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass wir die immensen Herausforderungen bewältigen konnten. Aber natürlich habe ich auch sehr viel Einsamkeit wahrgenommen und Angehörige, die gerne ihre Verwandten begleiten wollten und dies nur sehr eingeschränkt konnten. Das sind dann Grenzsituationen, die wir aber sehr gut gelöst haben.

"Meine Familie hat mir sehr viel Zuversicht geschenkt – und die Erfahrung, dass Gott mir Kraft schenkt, diese Herausforderungen durchzustehen und nicht an ihnen zu scheitern." - Michael Rohde

Viele Menschen sind in der Pandemie enger zusammengerückt – im Sinne von einem gemeinsamen Denken und Arbeiten an Projekten. Das hat mich immer wieder motiviert, weiterzumachen und selbst auch kreativ zu werden. Plötzlich habe ich mich in Bereiche begeben, die für mich bis dahin keine Rolle gespielt haben. Zum Beispiel Social Media. Auf einmal war ich da mittendrin, weil es notwendig war, auf eine neue Art zu kommunizieren. Meine Familie hat mir sehr viel Zuversicht geschenkt – und die Erfahrung, dass Gott mir Kraft schenkt, diese Herausforderungen durchzustehen und nicht an ihnen zu scheitern.

 Mieke Neidhardt, 12, Schülerin der 7. KlasseJewgeni Roppel

Ich fand es sehr entspannt, dass ich in der Lockdown-Zeit zu Hause bleiben, ausschlafen und selber entscheiden konnte, wann ich welche Schulaufgaben mache. Zum Glück konnte ich meine Freundin Greta während der ganzen Zeit weiterhin treffen, da wir die Ferien kurz vor dem Lockdown zusammen verbracht hatten. Mit meinen anderen Freunden habe ich in der Zeit ganz viel gefacetimet und geschrieben. So gut wie alle Freunde und Bekannte von mir fänden es schön, wenn die Schulen jetzt im zweiten Lockdown wieder schließen würden. Vor allem die gemütliche Zeit vor Weihnachten würden wir viel lieber zu Hause verbringen. Denn wir müssen nicht nur im Unterricht, sondern inzwischen selbst beim Sport immer die Maske tragen. Und immer stehen die Fenster auf, es ist kalt und durch die Maske bekommt man kaum Luft. Das ist schon sehr unangenehm und nervt auf Dauer.

"Manchmal mache ich mir schon Sorgen. Was mir dann sehr hilft, sind die Gespräche mit meinen Freunden, ich tausche mich ganz viel mit ihnen aus." - Mieke Neidhardt

Manchmal mache ich mir schon Sorgen und frage mich, wie lange die Corona-Situation anhalten wird. Was mir dann sehr hilft, sind die Gespräche mit meinen Freunden, ich tausche mich ganz viel mit ihnen aus.

 Nikolas Konstantin, 33, Gründer von "The Art of Meditation"Jewgeni Roppel

Ich meditiere, seit ich vor zehn Jahren in meiner Studienzeit in Japan einen Professor und Mentor gefunden habe. Später habe ich drei Jahre als Berater im EU-Parlament gearbeitet und während dieser Zeit gemerkt, dass viele Menschen in Führungspositionen komplett überfordert sind. Also habe ich gekündigt, um an einer Lösung zu basteln, Menschen und Organisationen zu helfen, achtsamer zu werden. Ich bin noch mal tief in die Materie eingetaucht, habe viel Zeit in Schweige-Retreats verbracht, mich in die Wissenschaft der Meditation eingelesen, habe für ein Lehrerprogramm ein Curriculum geschrieben und erfahrenen Lehrern assistiert.

Anfang 2020 habe ich mich dann dazu entschlossen, meine Erfahrungen und mein Wissen weiterzugeben. Das Onlineprogramm "The Art of Meditation" verstehe ich als ganzheitliches Lehrprogramm, das neugierige Menschen, die achtsam leben wollen, unterstützt. Das Ganze ist verknüpft mit modernen Inhalten aus der Wissenschaft, dem Leadership-Coaching und der positiven Psychologie.

"Mir gibt es Zuversicht, dass immer mehr Menschen sich bewusst werden, wie unbewusst wir häufig durchs Leben gehen und dass wir in schwierigen Zeiten erkennen, was wirklich zählt." - Nikolas Konstantin

Mir gibt es Zuversicht, dass immer mehr Menschen sich bewusst werden, wie unbewusst wir häufig durchs Leben gehen, und dass wir in schwierigen Zeiten erkennen, was wirklich zählt. Es ist wichtig, die passenden Instrumente zu haben, um mit schwierigen Momenten umgehen zu können. Achtsamkeit, Gemeinschaften und tiefe Beziehungen sind enorm hilfreich. Regelmäßiges Meditationstraining und Kommunikationstools wie gewaltfreie Kommunikation fördern bessere Beziehungen und können helfen, aus dem Autopilotenmodus herauszukommen und sein Leben aktiv zu gestalten. Genau diese Philosophie möchte ich in die Welt tragen.

 Natalie Martin, Stadtteilpolizistin, 46, Hamburg St. GeorgJewgeni Roppel

Eine Herzensangelegenheit sind mir die vielen Obdachlosen, die auf der Straße leben. Durch meine Gespräche weiß ich, dass ihr Leben noch härter geworden ist als vorher. Auch weil die Hilfs- und Tageseinrichtungen ebenfalls die Corona-Regeln beachten und ihre Angebote verändern mussten. Und denken Sie mal an die Essensausgaben. Weil nicht mehr alle in den Einrichtungen gemeinsam versorgt werden konnten, mussten viele Obdachlose teils bei Wind und Wetter draußen essen. Und viele von ihnen leben ja auch vom Leergutsammeln und von kleinen Geldspenden.

Jewgeni Roppel

Fotograf
Privat

Lesley Sevriens

Lesley Sevriens arbeitet seit 2010 als freie Texterin und Stylistin in Hamburg – unter anderem für Magazine und Kunden wie Spiegel.de, Neon, Nido, Werde Magazin und Emotion Slow, sowie für die Hamburger Werbeagenturen The Hirschen Group und Philipp und Keuntje. Im Oktober 2020 hat sie das Umweltkinderbuch »MAIDI – Müll im Waldidyll« im Selbstverlag herausgegeben.       
Privat

Wenn sich wie beim ersten Lockdown aber kaum noch jemand draußen bewegt, gibt es auch niemanden, der Leergut zurücklässt. Durch Corona hat die Polizei auch eine neue Aufgabe dazu bekommen, wir kontrollieren nun mit den Gesundheitsämtern die Einhaltung der Corona-Regeln. Plötzlich muss ich die Leute ermahnen, ausreichend Abstand zueinander einzuhalten oder den Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

"Positiv stimmt mich, dass der Großteil der Menschen die Einschränkungen nach meiner Wahrnehmung mitträgt und verantwortungsvoll damit umgeht." - Natalie Martin

Positiv stimmt mich, dass der Großteil der Menschen die Einschränkungen nach meiner Wahrnehmung mitträgt und verantwortungsvoll damit umgeht. Natürlich höre ich täglich, dass einzelne Beschränkungen sehr kritisch gesehen und hinterfragt werden. Auch ich kann und will mich da doch gar nicht ausnehmen. Aber wichtig ist doch: Trotz aller Kritik ist ein respekt- und verantwortungsvoller Umgang unerlässlich. Für ein gesundes Miteinander. Die Impfstoffe kommen hoffentlich bald, das Licht am Ende des Tunnels scheint immer heller zu werden – gerade jetzt sollten wir als Gesellschaft gemeinsam stark bleiben und durchhalten.

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