Mail aus Atlanta: Ende der Trump-Präsidentschaft

"Es fühlte sich an wie nach dem Mauerfall"
Posteingang - Atlanta

Megan Varner / Getty Images

Gäste in "Manuel's Tavern" in Atlanta hören am 7. November den Siegesreden des designierten Präsidenten Joe Biden und der designierten Vizepräsidentin Kamala Harris zu

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Bidens Wahlsieg erleichtert Auslandspfarrerin Dorothea Lotze-Kola.

In Gedanken tanze ich mit den Menschen, die in den Straßen feierten. Joe Biden hat die Wahl gewonnen! Es fühlte sich an wie nach dem Mauerfall 1989. Eine Diktatur wurde abgewendet. Die Mehrheit der US-Bevölkerung hat ein waches Bewusstsein gezeigt, sie hat die Demokratie gewählt und beschützt. 

Dorothea Lotze-Kola

Dorothea Lotze-Kola bildet Klinikseelsorger aus und ist Pastorin der deutschen Gemeinde in Atlanta.
Privat

Nach Jahren hat sich die ängstliche, dunkle Wolke, die auf meinem Gemüt lag, endlich gehoben. Ich atme tiefer durch. Mir fiel gestern Morgen auf: Der Radiowecker sendet endlich wieder aktuelle internationale Nachrichten. Jahrelang hörte ich nach dem Aufwachen nur nationale "Trump-News".  

Natürlich geht es den USA nicht gut. Wir haben in der Corona-Pandemie über 250000 Menschen verloren. Die Bevölkerung ist tief gespalten und gezeichnet von vier Jahren paranoider Hetzerei. Und doch keimt in mir die Hoffnung: Unsere Demokratie kann genesen. Bestärkt werde ich darin von vielen Stimmen, vor allem von jungen Menschen, die sich bewusster politisch engagieren wollen als je zuvor.

Jetzt bleiben wir hier!

Unsere geheimen Krisenpläne sind nicht länger nötig. Meine Familie und ich werden 2021 nicht nach Deutschland gehen, in meine Heimat, sondern wir  bleiben in Atlanta. Das Experiment Amerika geht weiter!

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