Heinrich Bedford-Strohm tritt nicht mehr als EKD-Ratsvorsitzender an

Schade!
Heinrich Bedford-Strohm steuert die Kirche mit klarer Haltung durch die Krisen. Schade, dass er geht.

Schade! Heinrich Bedford-Strohm tritt im Herbst 2021 nicht erneut als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an. "Es ist gut, wenn da jemand Neues rankommt, neue Akzente setzt, neue Impulse gibt", sagte er in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Grundsätzlich hat er ja recht: Frischer Wind tut Organisationen, Unternehmen und auch den Kirchen immer gut. Doch die evangelische Kirche steckt mitten in einem Reformprozess, der tief greifen soll und muss, und wenn so viel in Bewegung ist, ist Kontinuität an der Spitze auch eine Stärke.

Claudia Keller

Claudia Keller ist chrismon-Redakteurin und zusammen mit Burkhard Weitz verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln und in den USA studiert und war viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin. Sie interessiert sich für religiöse und ethische Fragen und schreibt gern über Auf- und Umbrüche des Lebens. Einmal ist sie bei Recherchen sogar zufällig auf ein Geheimnis in der eigenen Familie gestoßen und hat einen Bruder gefunden, von dem sie nichts wusste.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

Zumal Bedford-Strohm seinen Job gut macht. Er hat die Kirche mit klarem Kompass durch die Pandemiemonate gesteuert und auf die strikte Einhaltung der staatlichen Regelungen gepocht. So sind evangelische Gemeinden eben bislang keine Corona-Hotspots geworden wie manche evangelikale Freikirche oder orthodoxe Gemeinschaft.

Auch gesellschaftspolitisch vertritt er eine klare Haltung, die der evangelischen Kirche gut zu Gesicht steht: Menschenfeindliche Politik ist nicht mit christlichen Werten und dem Glauben an Jesus Christus vereinbar. Vor allem seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die evangelische Kirche ein eigenes Schiff ins Mittelmeer schickt, um Menschen zu retten. Ob es die Aufgabe einer Kirche ist, Reeder zu sein, kann man mit guten Gründen diskutieren. Vor allem bei jungen Menschen hat er dafür viel Zustimmung bekommen. Dass Bedford-Strohm für seine klare Haltung mit Häme und Hass überzogen wird, ist beschämend und sagt viel über die Abgründe unserer Gesellschaft. Dass er trotzdem gut gelaunt und energiegeladen bleibt, ist ein Glücksfall.

Für die Kirchen wird es immer schwerer, für ihre Positionen in der säkularen, algorithmusgetriebenen Gesellschaft Gehör zu finden. Das hat zuletzt das Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Sterbehilfe gezeigt. Umso wichtiger ist es, dass die Kirchen gemeinsam ihre Stimme erheben und an der Spitze Frauen und Männer stehen, die sich ausdrücken können und sich nicht wegducken, sondern sich freuen, wenn eine Einladung in eine Talkshow kommt - was eh immer seltener der Fall ist. Auch in dieser Hinsicht können die Protestanten mit Heinrich Bedford-Strohm gut zufrieden sein. Schade, dass er geht!  

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Lesermeinungen

Frau Keller schreibt, nachdem sie dankenswerter und ehrlicherweise die Verantwortung von Bedford-Strohm für den Kauf des Schleuser-Schiffs noch einmal betont hat: "Vor allem bei jungen Menschen hat er dafür viel Zustimmung bekommen. Dass Bedford-Strohm für seine klare Haltung mit Häme und Hass überzogen wird, ist beschämend und sagt viel über die Abgründe unserer Gesellschaft. Dass er trotzdem gut gelaunt und energiegeladen bleibt, ist ein Glücksfall." Das ist Hass gegen andere Einstellungen zu dem Schiffs-Kauf mit Geld der notorisch geldknappen Ev. Kirche - nur weil ich völlig anderer Meinung bin als die Fraktion in der EKD innerhalb der ev. Kirchengemeinschaft, ist das doch kein Zeichen für Hass und Häme? Wer das tut, der sät Zwietracht.Drauf kann Frau Keller nicht stolz sein.
Und zum Thema "gut gelaunt und energiegeladen" - seine öffentlichen Auftritte in TV kamen immer selbstgerecht, schnöselig, arrogant und völlig verschlossen zu Gegenargumenten - am meisten hat er mich dabei immer an ehemaligen Chef von Verdi, Herrn Bsirske erinnert - auch einer der gut gelaunt nur seine Interessen unter einem Deckmantel, bei ihm dem der Solidarität, ideologisch vertrat.

... aber schon jetzt. ich bin u.a. wegen Herrn Bedford-Strohm im Alter von 65 Jahren ausgetreten. Er steht für eine fortwährende Politisierung der Evangelischen Kirche, in die ich über meine Familie hineingeboren wurde, Mutter eine der ersten weiblichen Kirchenvorstände, Vater Lektor, ich habe Kindergottesdient gegeben. Das Ende war dann gekommen, als unter seiner Leitung die aus meiner Sicht Verlängerung der Schlepperkette nach Italien durch u.a. auch meiner Kirchensteuer finanziert wurde. Es tut mir leid um die vielen, die vor Ort in den Gemeinden so viel Gutes tun und die jeden € brauchen - aber eine Führung einer solchen Amtskirche bin ich nicht mehr bereit zu finanzieren. Der Herrgott findet mich auch so und ich ihn auch.

Dem kann man nur beipflichten ! Ergänzend vielleicht noch die FAZ von heute zu Herrn Bedford-Strohm : "...Insbesondere in der Migrationspolitik bezog er legitime Gegenargumente nie richtig mit ein.In der EKD-Meinungsblase stieß er damit kaum auf Widerspruch,unter den Mitgliedern schon eher.Der Frage, welchen Anteil der politische Kurs an den Austrittszahlen hat,ist die Kirche bisher nicht nachgegangen."
Solange - wie in diesem Artikel - "legitime Gegenargumente" als "menschfeindlich" perhorresziert werden,braucht man sich über die Anzahl der Austritte nicht wundern...

Wo finden sich im Online-Artikel von Frau Claudia Keller die Formulierungen "legitime Gegenargumente" und "menschfeindlich" oder andere Perhorreszenzen, wie Sie behaupten? Liegt wieder mal die Kunst des Querzitierens vor?

Fritz Kurz

Oh wie schön,
Hoffe es gibt einen Nachfolger,der sich ausnahmsweise mal für die Christen interessiert.mich hat er leider auf dem gewissen.kirchenaustritt!