Woher kommt das Amen in der Kirche?

Das Amen in der Kirche
Das Amen in der Kirche

Bibel + Orient

Stempelsiegelamulett vom Tell el-Adschul bei Gaza (um 1750 v. Chr.). Es zeigt einen Dschedpfeiler, flankiert von Anchzeichen. Dsched bedeutet "Dauer, Beständigkeit", Anch bedeutet "Leben". Die Formel war sehr beliebt auf Amuletten im östlichen Mittelmeerraum. Sie hat eine ähnliche Bedeutung wie das Wort "Amen".

Das Amen in der Kirche

Am Anfang stand eine Vorstellung: Die Welt ruht auf Säulen, und Gott garantiert seine Ordnung und Wahrheit.

Amen ist ein Bekräftigungswort. Christen, Juden und Muslime sprechen es nach ­ihren Gebeten. Es bedeutet: "So sei es!" Das Wort geht zurück auf einen hebräischen Wortstamm, der "fest, beständig, dauerhaft sein" bedeutet. Mit dem ursprünglichen Wort hat man zum Beispiel Handwerker, Richter, Zeugen oder Priester als zuverlässig gepriesen.

Thomas Staubli

Thomas Staubli erforscht biblische Bildsymbolik an der Universität Fribourg.
Sophie StiegerThomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität Fribourg

Damit verwandt ist das Wort "emet", ein Schlüsselwort der Bibel. Es bedeutet "Wahrhaftigkeit, Zuverlässigkeit". Die älteste Bibelübersetzung, eine griechische, gibt es mit "Wahrheit" (alêtheia) wieder. Oft charakterisierte man damit Gott. Man stellte sich vor, Gott habe mit Hilfe seiner Weisheit diese Wahrheit dem ganzen Kosmos zugrunde gelegt. Das hebräische Wort für Säule, "amud", klingt ähnlich wie "emet". Und tatsächlich stellte man sich auch vor, die Welt ruhe auf Säulen. Die Wahrheit sei das Fundament der Welt, so wie die Säulen es auch seien. Für die Christen war Jesus diese Weisheit, die allem zugrunde liegt. In der Offenbarung des Johannes (3,14) trägt er daher den Ehrennamen "Amen".

Bibelzitat

"Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist..." (Offenbarung 3,14f) 

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