Mail aus Caracas: Corona

Krise in der Krise
Posteingang - Caracas

Roman Camacho/SOPA Images/ddp/Sipa

Ein Markt in Caracas: Alle Geschäfte mussten schließen

Posteingang - Caracas

Ende März in Venezuela: Der Virus trifft auf ein marodes Land. Arno Erdmann von der deutschen Auslandsgemeinde berichtet.

Seit Mitte März sind wir in Quarantäne. Venezuela war eines der ersten lateinamerikanischen Länder, die eine Ausgangssperre für ihre Bürger verordneten. Anders als in den meisten Ländern ist die Covid-19-Epidemie hier aber nicht das Hauptproblem. In Venezuela leidet die Bevölkerung vor allem unter der prekären ­Versorgungslage.

Arno Erdmann

Arno Erdmann, ordinierter Pfarrer, arbeitet in Caracas/Venezuela als Kaufmann und gehört zur dortigen Auslandsgemeinde.
PrivatArno Erdmann

Es fehlen Medikamente und Lebensmittel. Wenn es Waren im Supermarkt gibt, können sich diese die wenigsten leisten. ­Eine regel­mäßige Wasser-, Strom oer Gasversorgung gibt es nicht mehr. Seit ­einer Woche gibt es auch kein Benzin mehr, außer für Ärzte und Berufs­gruppen mit besonderer Erlaubnis – und für regierungstreue Anhänger, wie ich gehört habe – und das in einem Land, das extrem reich an Erdöl ist. Venezuela ist seit Jahren in einer dramatischen Wirtschaftskrise, Millionen Menschen flohen vor Hunger und Elend ins Ausland. Immer wieder wurde gegen das Regime demonstriert. Jetzt, mit der Ausgangssperre, ist auch jegliche politische Aktivität im Keim erstickt.

Positive Entwicklung gestoppt

Dabei hatte sich die wirtschaftliche Lage für viele Venezolaner gerade ein bisschen gebessert. Die ausgewanderten Familienangehörigen versorgten sie mit Devisen, seit ­Mitte letzten Jahres ist auch der Dollar ­offiziell zugelassen. Die Wirtschaft fing gerade an, handlungsfähig zu werden. Die Menschen konnten ein bisschen mehr kaufen. Das kommt nun wieder zum Stillstand.

Für uns als Kirche ist es wichtig, die sozialen Projekte wie Kinderheime, ambulante Krankenstationen, Altersheime und Hilfsvereine sicher zu versorgen und weiter zu unter­stützen. Nicht auszudenken, wenn die Epidemie in diesen Einrichtungen ausbricht.

Leseempfehlung

Venezuela ist zum Auswanderungsland geworden. Arno Erdmann von der deutschsprachigen Gemeinde beobachtet das mit Sorge
Lars Pferdehirt und sein Team in Caracas verzichten derzeit auf Gemeindeveranstaltungen, weil sie niemanden in Gefahr bringen wollen
i-300_cp1701_74-email_03_web.jpg
Lebensmittel und Medikamente horten? Alltag im bankrotten Venezuela. Es wird dramatisch
Afrika muss "Ärzte ohne Grenzen" zufolge eigene Wege finden, die Corona-Pandemie zu bekämpfen. In Afrika haben inzwischen beinahe alle Staaten Corona-Infektionen gemeldet. Am stärksten betroffen ist Südafrika.
Container- und Kreuzfahrtschiffe fahren nicht mehr, und weltweit sitzen die Seeleute fest. Sie dürfen nicht an Land - auch in Deutschland nicht

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.