Ausstellung in Herne: Der schwarze Tod und andere Pandemien

Pest und Corona
Pest und Corona

LWL / P. Jülich

Blick auf die zentrale Leuchtwand mit einer künstlerischen Darstellung des Totentanzes von Claudia Pomowski

LWL Museum für Archäologie, Herne, Sonderausstellung Pest

Wie reagierten die Menschen im Mittelalter auf die Pest? Seit September 2019 zeigt das Museum für Archäologie des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Herne eine Sonderausstellung über die Geschichte der Pest – vor allem im Mittelalter. Vor Ostern musste die Ausstellung wegen der Corona-Pandemie geschlossen werden.

chrismon: Ihr Museum erzählt von der Pest. Jetzt ist die Pandemie da. Wie reagieren Sie?

Stefan Leenen: Seitdem das Museum ­schließen musste, stellen wir täglich ein Expo­nat im Internet per Video vor. Wochenends ermöglichen wir virtuelle Rundgänge.

Dr. Stefan Leenen

Stefan Leenen ist Kurator der Ausstellung.
Dr. Stefan Leenen

Igal Avidan

Igal Avidan, geboren 1962 in Tel Aviv, studierte Englische Literatur und Informatik in Ramat Gan sowie Politikwissenschaft in Berlin. Igal Avidan lebt in Berlin und arbeitet seit vielen Jahren als freier Journalist und Deutschland-Korrespondent für verschiedene israelische Zeitungen (wie z. B. der Tageszeitung Maariv, Tel Aviv), Hörfunksender und Nachrichtenagenturen sowie als freier Autor und Kolumnist zum Thema Nahost u. a. für die Süddeutsche Zeitung, die NZZ, Cicero, Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Die Welt, Handelsblatt. Für verschiedene deutsche Organisationen wie die Bundeszentrale für Politische Bildung, die Deutsch-Israelische- und Christlich-Jüdische-Gesellschaft sowie für mehrere Stiftungen hält er Vorträge über Israel und den Friedensprozess im Nahen Osten.
Intertopics/Horst Galuschka

Die Feuerwehr stellt Seuchenausrüstung für die Ausstellung. Muss die jetzt zurück?

Die Infektionstrage, die infizierte Patienten abschirmt, wurde noch nicht angefordert. Auch nicht das große Infektionsgerät, mit dem man Transportwagen und Behandlungsräume desinfiziert. Wir haben das alles sicherheitshalber schon aus den Vitrinen geholt.

Ist das Interesse für Ihre Ausstellung mit der Corona-Epidemie gewachsen?

Enorm, weil da Parallelen zu anderen verheerenden Epidemien gezogen werden, etwa zum "Schwarzen Tod". Er forderte Mitte des 14. Jahrhunderts 25 Millionen Tote binnen sieben Jahren, ein Drittel von Europas Bevölkerung.

Welches Ihrer über 300 Exponate beeindruckt Sie am meisten?

Die Kopie eines Grenzsteins aus dem englischen Dorf Eyam, das sich selbst isolierte. Sie haben sich geopfert. In diesem Dorf starben viele, in der Umgebung nicht. Am Grenzstein hinterlegten Leute aus Nachbardörfern Lebensmittel, und in Vertiefungen deponierten die Bewohner von Eyam Münzen. Die Ver­tiefungen waren zur Desinfektion mit Essig gefüllt. Freiwillige Isolation ist sehr selten.

Was haben Sie aus der Vorbereitung der Ausstellung persönlich gelernt?

Mich hat sie für Nöte während der Pandemie sensibilisiert. In vielem blieben die Reak­tionen über Jahrhunderte gleich: Panik, Zuwendung zur Religion, auch Selbstlosigkeit gab es immer.

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