Was jetzt nervt: Besserwisserei

Nicht meckern. Machen!
Wer jetzt in der Krise gute Ideen hat, braucht Ermutigung. Keine blöden Sprüche!

Pathetische Zeitgenossen sagen, Deutschland werde nach Corona nie wieder das Land sein, "as we knew it". Denen sei versichert: Ein paar deutsche Eigenschaften werden das Virus auf jeden Fall überleben, selbst falls wir bald über 30 Grad im Schatten haben. Besserwisserei, Spielverderberei und Meckern. Gibt’s umgehend, wenn eine pfiffige Gastronomin oder ein findiger Internet-Freak eine coole Idee haben.

Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und Chefredakteurin von evangelisch.de. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen.
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Da schreibt Jennifer auf nebenan.de, sie wolle eine Website basteln mit allen Kneipen, Tortenbäckerinnen und Weinläden, die in unserem Viertel einen Lieferdienst anbieten. Da sie keinen Gewinn machen wolle, falle nur der Selbstkostenpreis für die Fotos an. "Du bist nicht authentisch", schreibt gleich drauf Peter, "sonst würdest du es komplett kostenlos machen." Ah so.

Florian hat mit seinem 3-D-Drucker ein Werkzeug erfunden, mit dem man die Türklinken nicht mehr anfassen muss. Sieht aus wie eine Kreuzung aus Krücke und Spielzeugpistole. Prompt der deutsche Grantler: "Funktioniert eh nicht."

Ich kann weder fotografieren noch basteln, aber freue mich über jede Idee. Über jede Schneiderin, die jetzt nicht nur Masken näht, sondern auch noch meinen Kindern erklärt, wie das geht. Jede Pfarrerin, die Predigten an Wäscheklammern aufhängt. Jeden Spitzenkoch, der für die Sanitäter kocht. Machen, Leute, nicht meckern.

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