Pfarrerin Stefanie Schardien über Gastfreundschaft

Den AfD-Politiker ausladen?
Andererseits - Den AfD-Politiker ausladen?

Studio Käfig

Andererseits - Den AfD-Politiker ausladen?

Stefanie Schardien, Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin, beantwortet für chrismon jeden Monat kniffelige Lebensfragen.

Manfred P., aus Frankfurt fragt:

"Neulich, noch vor der Coronakrise, hat sich bei mir ein früherer Mitschüler gemeldet, Daniel. Er sei auf der Durchreise, ob er übernachten dürfe? Sicher! Daniel kommt allein vorbei. Meine Frau Irene setzt sich dazu, schnell geht es um schwierige Themen, Islam, Integration, angebliche Sprechverbote. Irgendwann will Daniel etwas aus dem Auto ­holen, Irene begleitet ihn. Im Wagen liegen AfD-Plakate. Schließlich gehen alle zu Bett, meine Frau und ich können kaum schlafen.  Wir recherchieren im Internet und finden menschenverachtende Facebook-Einträge von Daniel. Am liebsten würden wir ihn bitten, noch vor dem Frühstück zu gehen."

 

Stefanie Schardien antwortet:

Natürlich ist es allein meine ­Entscheidung, wer mit mir unter meinem Dach frühstückt. Aber mittlerweile schwingt da noch eine andere Frage mit: Wie kann man klug umgehen mit Menschen, die rechte Sprüche klopfen? Pfadfinder unserer Gemeinde hatten vor kurzem ein ähnliches Problem, als ein langjähriges Mitglied mit AfD-­Aufkleber auf dem Auto vorfuhr. Nach einem ernsten Gespräch der Leiter über den Wider­spruch dieser politischen Gesinnung zu Toleranz, Nächstenliebe und Gemeinschaftssinn der Pfadfinderschaft war zumindest der Auf­kleber verschwunden. Doch klar blieb die Unsicherheit groß. Schnell befeuert man ja den Opfer­mythos. Sie könnten trotzdem versuchen, dem AfD-­Politiker ein Vorbild zu sein. I­ndem Sie etwa zeigen, was ­Gastfreundschaft gegenüber "Fremden" bedeutet. Oder indem Sie ohne Polemik mit Fakten ­argumentieren. Denn es ist in diesen Zeiten gut nachvollziehbar, dass Sie klar Position be­ziehen und eine Konfrontation nicht scheuen wollen.

Stefanie Schardien

Stefanie Schardien, geboren 1976, ist Pfarrerin in Fürth und "Wort zum Sonntag"-Sprecherin.
ARD/BR/Markus KonvalinStefanie Schardien


Aber ­Ihnen geht es nicht gut mit diesem Gast, das ist nicht zu unterschätzen! Und welchen Nutzen hat es, die ­Diskussion beim Frühstück fortzuführen? Leider zeigt die Erfahrung, dass AfD-Vertreter kaum an ernsthaften Diskussionen über ihr Weltbild inter­essiert sind. Also gilt für den konkreten Fall: Ich muss nicht, aber ich darf jemandem mein gutes Frühstück ver­weigern, der umgekehrt ja vieles von dem zurückweist, das mir wichtig ist.

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