Corona in Deutschland: Kölner Pfarrer baut Helfer-Netzwerk auf

"Bleibt zu Hause, wir regeln das für euch!"
Zusammenhalten - HIlfe beim Einkaufen

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Zusammenhalten - HIlfe beim Einkaufen

Christoph Rollbühler ist Pfarrer an der Christuskirche in Köln. Gemeinsam mit engagierten Gemeindegliedern baut er ein Netzwerk auf, das ältere Menschen in der Corona-Krise unterstüzt.

Sie bieten Hilfe beim Einkaufen an. Wie kam es dazu?

Christoph Rollbühler: Die Idee kam von Eltern aus unserer evangelischen Kindertagesstätte. Die saßen dort am Donnerstag der vorigen Wochen zusammen und wussten, dass die Kita bald schließen, dass sich bald vieles ändern würde. Da stand die Frage im Raum: Wie können wir als Gemeinde helfen? Zwei Stunden später hatten wir unseren Flyer mithilfe einer Grafikerin und der Pressestelle fertig.

Die Idee hatten Eltern? Die haben ja oft jetzt ganz andere Sorgen ...

Das hat mich auch beeindruckt, dass sie in der Krise nicht gleich an sich selbst, die Betreuungssituation und ihre Kinder denken - sondern auch an andere. Sie gaben den Anstoß. Seitdem tickern die Helfenden hier reihenweise rein. Es gibt noch nicht so viele Menschen, die Hilfe brauchen, aber das ändert sich gerade. Unsere Hauptarbeit bestand erst mal darin, die Helferinnen und Helfer zu koordinieren und Strukturen zu schaffen. Wir haben auch mit anderen Organisationen gesprochen und uns abgestimmt. Es macht ja keinen Sinn, wenn alle "im Veedel" dasselbe anbieten. Gerade warte ich auf die Menschen, die Flyer in die Haushalte verteilen. Wir haben 6300 Gemeindeglieder, 1000 gehören vom Alter her zur Risikogruppe. Die sind auch nicht unbedingt auf Twitter oder Facebook, sondern darauf angewiesen, unser Hilfsangebot gedruckt im Briefkasten zu haben.

Christoph Rollbühler

Christoph Rollbühler ist Pfarrer an der Kölner Christuskirche
Privat

Sie sagten: Gerade ändere sich Ihre Arbeit ...

Ja, die Organisation ist bald abgeschlossen, und es kommen die ersten Anfragen von Menschen rein, die Hilfe beim Einkaufen möchten. Wir haben es so formuliert: "Alle Menschen, die zu Hause sind und dort auch bleiben wollen, müssen gut versorgt sein. Wer braucht Unterstützung? Kennt ihr Menschen, die Hilfe bei Einkäufen oder sonstigen Erledigungen brauchen?" - Wer das ist, wie dieser Mensch aussieht, ob er in der Kirche ist oder nicht, ist uns egal. Wer Hilfe braucht, soll sie bekommen.

Wie geht es Ihnen, wenn Sie dieser Tage noch alte Menschen beim Einkaufen sehen?

Ich spüre Unruhe, weil ich - wie alle anderen auch - nicht weiß, was wird. Also ist mein Rat: Bleibt zu Hause, wir regeln das für euch!

Wie schützen Sie sich und diejenigen, die einkaufen?

Wir gehen körperlich auf Abstand, geben uns nicht die Hand und halten die Hygieneregeln ein. Es klingt ja immer unfreiwillig komisch, aber wir setzen auch korrektes Hust- und Niesverhalten voraus. Wenn wir krank ausfallen, haben wir ein Problem. Die Einkäufe und das Wechselgeld hängen wir an die Tür. Und auch das Einkaufsgeld kann man nach Absprache ja so entgegennehmen, dass kein persönlicher Kontakt nötig ist. Das ist alles kein Hexenwerk.

Es gibt viele Fotos von vollen Cafés und Menschen, die in Gruppen den Frühling genießen. Was denken Sie dann?

Ich verstehe, dass es schwierig ist, soziales Leben nicht zu leben. Aber wir müssen uns alle unserer Verantwortung bewusst sein und uns zurückziehen. Ich denke dabei auch an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Supermärkten. Die sind den Horden an Hamsterkäufern ausgesetzt - kein Schutz, kein Abstand, nichts. Auch hier setzt unser Angebot an. Niemand muss hamstern, wir sind da.

Denken Sie schon an die Zeit nach dem Virus?

Ja. Ich hoffe, dass wir dann zurückdenken und merken, was wesentlich ist. Und das ist Zusammenhalt. Über alle konfessionellen und sonstigen Grenzen hinweg. Trotz all der Sorgen, trotz der Unruhe, die auch mich befällt - zu sehen, wie viele Menschen uns als Gemeinde ihre Hilfe anbieten, ist eine ganz tolle Erfahrung! An die müssen wir anknüpfen.

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