Vorwahlen der Demokraten in den USA

Der schwache Kandidat
Kann Joe Biden Donald Trump besiegen? Zweifel sind angebracht.

Joe Biden wird aller Voraussicht nach die Demokraten in den Wahlkampf gegen US-Präsident Trump führen. Der frühere Vizepräsident unter Barack Obama schwächelte bei den Vorwahlen, räumte aber beim "Super Tuesday" und den gestrigen Vorwahlen ab.

Nils Husmann

Nils Husmann studierte Politikwissenschaft und Journalistik an der Uni Leipzig und in Växjö, Schweden. Nach dem Volontariat 2003 bis 2005 bei der "Leipziger Volkszeitung" kam er über ein Praktikum zu chrismon. Seit dem Umzug der Redaktion nach Frankfurt/Main ist er chrismon-Redakteur. Nils Husmann interessiert sich für die Themen Umwelt, Gesellschaft, Sport und - Menschen. Nils Husmann ist Herausgeber des Buches "You'll never walk alone" in der edition chrismon.
Lena Uphoffchrismon Redakteur Nils Husmann, September 2017

Kann er Trump schlagen? Zweifel sind angebracht. Trump wird ihn als Vertreter des Washingtoner Establishments diskreditieren, zumal sich Biden des Vorwurfs erwehren muss, in seiner Amtszeit als Vizepräsident seinem Sohn Hunter Biden einen hoch dotierten Posten in der ukrainischen Burisma-Holding verschafft zu haben. Es mag damals alles legal zugegangen sein, dumm war es trotzdem. Und trotz des gescheiterten Impeachment-Verfahrens, das an der Mehrheit und Feigheit der republikanischen Senatoren scheiterte: Kaum jemand zweifelt daran, dass Donald Trump im vergangenen Sommer sein Amt missbrauchte, indem er Biden hinterherspionierte und Druck auf die Ukraine ausübte. Aber ironischerweise erlaubt gerade der Kandidat Biden Trump nun eine perfide Schuldumkehr: "Drain the swamp!", Trocknet den Sumpf! - das rief Trump schon 2016 mit Erfolg, nun kann er es wieder tun, indem er Biden als korrupten Vertreter des Establishments darstellt, der den eigenen Sohn begünstigt.

Sanders wäre der Jäger gewesen, Biden wird der Gejagte sein

Bernie Sanders hätte Trump vor sich her treiben können, besonders mit Fragen und Vorschlägen zur Krankenversicherung und der gesellschaftlichen Spaltung in Arm und Reich. Stattdessen droht nun Biden eher Gejagter als Jäger zu werden. Und: Immer wieder lässt Biden, 77 Jahre alt, mentale Aussetzer erkennen. Kürzlich etwa fiel ihm auf offener Bühne der Name von Barack Obama nicht ein. Auch das wird Trump ansprechen.

Vielleicht aber wird Donald Trump die Wahl auch gegen einen schwachen Kontrahenten verlieren, wie Biden einer ist. Der Präsident spielte die Gefahr durch das Coronavirus herunter. Nun müssen auch seine ärgsten Jünger erkennen: Das Virus macht keinen Bogen um die USA und lässt Menschen in einem Land krank werden, in dem Gesundheit eine Geldfrage ist. Und: Trump hat steigende Aktienkurse und den Wirtschaftsboom immer als seinen Verdienst dargestellt. Im Umkehrschluss kann das ja nur bedeuten: Wenn die Wirtschaft an Kraft verliert, dann ist das wohl auch seine Rezession.

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