Terroranschlag in Hanau – Opfer werden instrumentalisiert

Lasst die Toten Menschen sein!
Gedenken an die Opfer in Hanau

Cigdem Ucuncu / NarPhotos/laif/Cigdem Ucuncu/NarPhotos/laif

Hunderte folgen am 4. März der Gedenkfeier an großen Bildschirmen in der Hanauer Innenstadt. Zwei Wochen zuvor waren zehn Bürger der Stadt einem rassistischen Terroranschlag zum Opfer gefallen

Die Ermordeten von Hanau wurden als Türken und als Muslime vereinnahmt. Dabei waren sie Menschen wie wir alle: mit vielschichtigen Identitäten.

Am 19. Februar mussten neun junge Hanauer sterben, weil der Täter sie als Fremde erachtete. Das ist ungeheuerlich. Wütend macht mich aber nicht nur die "zutiefst rassistische Gesinnung" von Tobias R., wie es der Generalbundesanwalt nannte. Wütend macht mich auch, wie die Opfer als Tote von Migrantenorganisationen, der türkischen Regierung und Islamverbänden für ihre politischen und ideologischen Zwecke instrumentalisiert wurden.

Canan Topçu

Canan Topçu ist Journalistin und widmet sich seit vielen Jahren den Themen Migration, Integration und Islam. Sie lebt in Hanau und arbeitet für unterschiedliche Medien.

Die einen vereinnahmen die Opfer, indem sie die Tat als gezielt auf Muslime verübten Anschlag deuteten, andere für ihre nationalistische Identitätspolitik. Besonders perfide war die türkische Regierung: Sie mobilisierte über den Islamverband Ditib und türkisch-nationalistische Verbände Tausende von Menschen für eine Machtdemonstration auf Hanaus Straßen. Warum kann man die Ermordeten nicht einfach Menschen sein lassen? Mit Identitäten, die sich wie bei allen Menschen aus vielen unterschiedlichen Quellen und Erfahrungen zusammensetzen? Sie auf ein einziges Merkmal zu reduzieren, verhöhnt sie und ihre Angehörigen.

Deutlich wurde nach den rassistisch motivierten Morden aber noch etwas anderes: dass sich Politiker und Parteien in diesem Land mehr als bisher für eine plurale Gesellschaft engagieren müssen und auch dafür einstehen.    

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