Mail aus Schanghai: Coronavirus

Angst vor der Ansteckung
Posteingang - Schanghai

Barlow/dpa-picture-alliance

Niemals ohne Mundschutz. Radfahrerin in Schanghai

Posteingang - Schanghai

Auch in Shanghai starben schon Menschen am Coronavirus. Auslandspfarrerin Annette Mehlhorn über Angst und Ungewissheit.

Schanghai ist zu einer großen Quarantänestation geworden. Parks, Museen, Kinos, Theater sind geschlossen – auch Starbucks und Ikea haben ihre Läden wegen des Coronavirus zugemacht. Immer mehr Gebäude und Wohngebiete werden abgeriegelt, an einigen gibt es verschärfte 
Einlasskontrollen mit Temperatur­messungen.

Lange Schlangen vor den Apotheken zeigen an, dass dort Atemmasken eingetroffen sind. Auch ich trage im Freien fast immer eine solche Maske und Handschuhe, wasche mir die Hände laufend und gründlich. Ansonsten versuche ich, mich möglichst "normal" in der Stadt zu bewegen.

Annette Mehlhorn

Annette Mehlhorn ist Pfarrerin an der deutschsprachigen christlichen 
Gemeinde in Schanghai.
Privat

Wenigstens regt sich nach dem chinesischen Neujahrsurlaub wieder etwas Leben auf den Straßen. Aber die Leute kehren erst nach und nach zurück. Meine Haushaltshilfe sitzt in ihrer inzwischen abgeriegelten Heimatregion fest. Manchen Urlaubern wurde der Rückflug gecancelt. Andere bleiben länger fort, weil Firmen und In
stitutionen erst eine Woche später den Dienst aufnehmen. Auch die Deutsche Schule bleibt bis 2. März geschlossen. 
Pech für die Schüler, die sich auf mehr Freizeit freuten: Sie sollen online unter­richtet werden. Auch der Konfi­unterricht findet über einen Chat statt.

Reisen in jede Richtung sind schwer: Ein Gemeinderat darf nicht an einer ­Tagung in Deutschland teil­nehmen. Immer mehr Länder schließen die Grenzen für Reisende aus China. Und ein geplanter Besuch aus Japan wird wohl aus­fallen – zu ungewiss, ob der Besucher danach ohne lange Quarantänezeit in sein Land wieder einreisen darf. 
Unser Leben in Schanghai, der Stadt, in der viele unter Stress und Zeitnot leiden, wird ausgebremst. Wir rücken in dieser Zeit näher zusammen, etwa bei ökumenischen Gottes­diensten im deutschen General­konsulat.

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Am späten Montagabend wurde der erste Fall einer Coronavirus-Infektion in Deutschland bestätigt. Gesundheitsminister Spahn mahnt Gelassenheit an. Dennoch erlässt er Meldepflichten, unter anderem für Fluggesellschaften.

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