Synodaler Weg: Mitbestimmung in der katholischen Kirche

Gebt Macht ab!
Die katholische Kirche macht sich auf einen "synodalen Weg". Sind Bischöfe und Pfarrer bereit, Macht abzugeben? Das ist entscheidend - auch in der evangelischen Kirche.

Martin Luther schärfte den Christen ein: Niemand ist besser oder heiliger als andere, auch die Pfarrer und Bischöfe sind es nicht. Deshalb gibt es in der evangelischen Kirche zwar verschiedene Ämter und Funktionen, aber in den Gemeinden und Kirchenparlamenten entscheiden alle gemeinsam über den Weg der Kirche, ringen um ethische und theologische Positionen und darum, was mit welchem Geld finanziert wird.

Viele Katholiken in Deutschland beneiden die evangelischen Geschwister um die Mitspracherechte und haben nun auch in der katholischen Kirche einen "synodalen Weg" angestoßen: Zwei Jahre lang wollen 230 Bischöfe und Laien Antworten finden auf die drängenden Fragen, wie es weitergehen soll mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, mit der Sexualmoral, mit der zölibatären Lebensform der Priester und welche Rolle die Frauen künftig in der Kirche einnehmen. Dass sich alle Bischöfe auf den Weg gemacht haben, ist ein wichtiger Schritt. Denn am Ende wird entscheidend sein, ob die Kleriker bereit sind, Macht an die Laien abzugeben.

Doch ob auch alle Bischöfe den zweijährigen Weg mitmachen werden, ist nach der Auftaktversammlung Ende Januar fraglich. Denn schon in den ersten beiden Tagen zeigte sich, wie schwer es manchen Klerikern fällt, von ihrem herausgehobenen Status abzusehen. Während es viele Laien gerade gut fanden, dass beim Gottesdienst alle Delegierten gemeinsam in den Frankfurter Dom einzogen und bei den Debatten die Bischöfe das gleiche Rederecht hatten wie alle anderen auch, ging das dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki schon viel zu weit. Das habe nichts mit der hierarchischen Verfasstheit der katholischen Kirche zu tun, grimmte er ins Mikro des Kölner Dom-Radios. In Frankfurt sei eingetreten, was er befürchtet habe: "dass eine Art protestantisches Kirchenparlament implentiert wird".

Claudia Keller

Claudia Keller ist chrismon-Redakteurin und zusammen mit Burkhard Weitz verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaft in Köln und in den USA studiert und war viele Jahre Redakteurin beim "Tagesspiegel" in Berlin. Sie interessiert sich für religiöse und ethische Fragen und schreibt gern über Auf- und Umbrüche des Lebens. Einmal ist sie bei Recherchen sogar zufällig auf ein Geheimnis in der eigenen Familie gestoßen und hat einen Bruder gefunden, von dem sie nichts wusste.
Lena UphoffPortrait Claudia Keller

Die evangelische Kirche hat zwar ihre Parlamente, doch auch hier hängt viel davon ab, ob Bischöfe, Kirchenämter, Pfarrerinnen und Pfarrer wirklich bereit sind, die Macht mit den ehrenamtlichen Kirchenvorständen und Synodalen zu teilen. Nicht wenige Kirchenvorstände werfen frustriert das Handtuch, weil Kirchengesetze, Bestimmungen aus dem Kirchenamt und Bauvorschriften ihnen keine Entscheidungsfreiheit und schon gar keinen Raum für Kreativität lassen. Oder sie merken, dass das Wort des Bischofs, Pastors oder Theologieprofessors eben doch mehr wiegt als das des "einfachen" Christen.

Viele Gläubige machen sich aber auch erst gar nicht die Mühe, mitzudiskutieren und selbst in die Bibel zu schauen, wie es Luther gefordert hat, sondern lassen sich aus Bequemlichkeit und Desinteresse einlullen von dem, was ihnen die Berufstheologen vorsetzen. Alle Seiten müssen sich verändern, wenn mehr Menschen mitbestimmen sollen. Und Kirchengesetze sind nicht für die Ewigkeit in Stein gemeißelt. Wo vielleicht öfter mal gestritten und auf gute Argumente eingegangen wird, da sind die Gemeinden lebendig und wagen auch mal was. Gremien zum Abnicken können sich die Kirchen - die evangelische wie die katholische - , die so dringend wie noch nie auf die Mitarbeit der Ehrenamtlichen angewiesen sind, auch gar nicht mehr leisten. 

Leseempfehlung

Was ist eigentlich eine "Synode" und wofür ist sie zuständig? Das Kirchenparlament kurz und knapp erklärt
Ursprünglich sollte der Frankfurter Dom Tagungsort für den katholischen Reformprozess sein. Wegen Restaurierungsarbeiten sei ein Seitenschiff derzeit jedoch nicht nutzbar und der Dom damit zu klein für alle Teilnehmer, teilte die Bischofskonferenz mit.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.