Die Bessermacher - Folge 2: Das Auto stehen lassen

Mit dem Rad zur Arbeit!
Bessermacher - Willi Weitzel

Sebastian Arlt, Studio Käfig

Willi Weitzel besucht Klimaschützer. Vielleicht auch Sie? Schreiben Sie uns: >bessermacher@chrismon.de

Die Autos werden ja nicht weniger, sondern mehr. Und die Staus auch. Gabi Keil fährt dran vorbei.

Willi Weitzel: Schade, dass du dein Fahrrad nicht dabei hast! Wie sieht es denn aus?

Gabi Keil: Es ist ein E-Bike, ein stabiles Trekkingfahrrad mit recht breiten Reifen und Schutzblechen. Es hat auch einen Gepäck­träger für meine Satteltasche und den Laptop.

Willi: Wie viele Kilometer fährst du?

Gabi: Ich wohne im Hintertaunus und muss nach Eschborn, das sind knapp 30 Kilometer eine Strecke und noch 600 Höhenmeter. Sonst bräuchte ich kein E-Bike. Aber abends bin ich froh, wenn ich das Knöpfchen drücken kann, um den Berg hochzukommen.

Willi: Wie lange brauchst du?

Gabi: 65 Minuten hin, 75 Minuten zurück.

 Das E-Bike von Gabi Keilprivat

Willi: Das sind zwei Stunden und 20 Minuten am Tag! Warum nicht Bus und Bahn ­nehmen, da könntest du zum Beispiel ­lesen!

Gabi: Von Tür zu Tür würde ich ein­­dreiviertel Stunden brauchen. ­Natür­lich ­habe ich auch einen inneren Schweine­hund, der mir sagt: "Komm, fahr doch mit dem Auto!" Aber zum Schluss ärgere ich mich dann, weil ich allein für die letzten beiden ­Kilometer in Eschborn 15 ­Minuten brauche.

Willi: Ist dir langweilig auf dem Rad?

Gabi: Nein! Ich meditiere. Zum Teil fahre ich durch den Wald, das macht das Herz total weit, ein Traum. Sich abends noch mal auszutoben, ist die beste Burn-out-Prophylaxe. Da hab ich gleich meinen Sport gemacht.

Willi: Und fällst nicht platt aufs Sofa?

Gabi: Wenn ich mit dem Auto fahre, bin ich müder. Nach dem Radfahren habe ich noch Energie, zu kochen.

Willi: Was hat dich zur Radpendlerin gemacht?

Gabi: Als Erstes stand nicht der Gedanke: Oh, ich bin ökologisch super unterwegs! Eher war ich genervt vom Stau. Ich will freier sein und nicht in dieser Konservenbüchse sitzen – mit schlechtem Gewissen, dass ich allein drin­hocke. Mit Tausenden anderen vor, neben und hinter mir.

Willi: Warum steigen nicht mehr Leute um aufs Rad?

Gabi: Es ist bequemer. Heute hat es genieselt, es war grau und kühl. Wenn ich das Auto nehme, muss ich nicht überlegen, was ich anziehe, weil es warm und kuschelig ist.

Willi Weitzel

Willi Weitzel, Jahrgang 1972, ist Moderator, Reporter und Autor. Er wurde bekannt als Gesicht der TV-Sendung "Willi wills wissen", in der er von 2001bis 2009 einer ganzen Generation an Kindern die Welt erklärte. Viele Folgen sind heute noch auf "YouTube" zu sehen. Samstags ist er im BR Fernsehen mit der Sendung "Gut zu wissen" zu sehen. In der edition chrismon ist sein Buch "Der Islam. Fragen und Antworten für alle, die’s wissen wollen" erschienen (mit Mouhanad Khorchide).    
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Willi: Ironischerweise sorgt der Klima­wandel ja dafür, dass du auf dem Rad kaum noch nass wirst.

Gabi: In den Sommermonaten auf jeden Fall. Aber Regen ist nicht so mein Thema. Ich fahre ungern im Dunklen. Also radele ich noch im Hellen heim, wenn es passt, und mache den Rest des Tages Homeoffice. Und bei Glätte oder Gewitter­warnung fahre ich gar nicht.

Willi: Du lebst auf dem Land und lässt nicht die Entschuldigung gelten, dass es nun mal nicht ohne Auto geht – toll!

Gabi: Wir fahren noch ­Auto. Mein innerer Schweine­hund ist nicht immer gut dressiert. 
Wir überlegen, Photovoltaik aufs Dach zu ­machen, um ein kleines E-Auto aufzuladen.

Willi: Was mich abhalten würde: Eine Stunde Radfahren und dann in die Arbeit – ich wäre komplett verschwitzt.

Gabi: Wir haben Duschen!

Willi: Ist CO₂ sparen keine Qual?

Gabi: Nein, mein Hashtag ist: #KlimaschutzmachtSpaß. Die Diskussion, dass es um Verzicht geht, ist falsch. Ist es wirklich wichtig, dreimal im Jahr wegzufliegen?

Willi: Wie motivierst du Nachahmer?

Gabi: Probiert es einfach mal aus! Guckt den Wetterbericht, sucht einen schönen Tag raus. Und dann: Reifendruck und Bremsen überprüfen, Helm auf und los. So habe ich auch angefangen. Nach und nach kann man dann investieren, wenn es einem gefällt – in Regensachen zum Beispiel. Das ist, verglichen zum Auto, immer noch die kleinere Anschaffung. Und man kommt weiter, als man denkt.

 Gabi Keil und Willi Weitzel im Foyer der chrismon-Redaktion in Frankfurtprivat

Infobox

Willi Weitzel, TV-Moderator, Reporter und Autor, besucht für chrismon ein Jahr Menschen, die vorangehen beim Klimaschutz: die Bessermacher.

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