Symbole der Bibel: Das Gräuel der Verwüstung

Chanukka 
und das Schweine-Tabu
Symbole der Bibel - Chanukka 
und das Schweine-Tabu

Stiftung Bibel + Orient

Schlachtung eines Ferkels auf einem Altar. Rundbild auf einem Becher aus der griechischen Stadt Epidauros, etwa 500 vor Christus. Im Louvre

Chanukka 
und das Schweine-Tabu

Der Prophet Daniel schimpft über ein Schweineopfer: "Gräuel der Verwüstung" nennt er es. Seither ist Schweinefleisch Tabu

"Und seine Heere kommen und 
entweihen Heiligtum und Burg und schaffen das täg­liche ­Opfer ab und stellen das Gräuel­bild der Verwüstung auf." (Daniel 11,31) Chanukka, das jüdische Parallel­fest zu Weihnachten, erinnert an ein Wunder: Der Tempel wird geschändet und muss wieder eingeweiht werden. Trotz Ölknappheit leuchtet das Tempellicht acht Tage lang. Zu Chanukka entzünden Juden in Er­innerung daran acht Kerzen.

Thomas Staubli

Thomas Staubli erforscht ­biblische ­Bild­symbolik an 
der ­Universität ­Fribourg.
Sophie StiegerThomas Staubli, Mitbegründung, Aufbau und Leitung des BIBEL+ORIENT Museums der Universität Fribourg

Wie es zur Tempelschändung kam? Die Nachfolger Alexanders des Großen beherrschten damals den Orient. Sie hellenisierten örtliche Kulte, auch den jüdischen: König Antiochus IV.
Epiphanes errichtete einen Altar im Jerusalemer Tempel und brachte Opfer dar, Schweine. Für die Judäer waren Änderungen im Kult ein Sakrileg: Schweineopfer gingen gar nicht. Der Prophet Daniel wollte nicht mal das Wort "Schwein" gebrauchen und nannte das Opfer des Antiochus ein "Gräuelbild der Verwüs­tung". – Vor Antiochus’ Opfer war es für Juden nicht üblich, Schweinefleisch zu ­essen. Seither ist es für sie ein Tabu.

Infobox

[Bildlegende]

Schlachtung eines Ferkels auf einem Altar. Rundbild auf einem rotfigurigen Becher des Epidauros-Malers im Louvre, ca 500 v. Chr. (Louvre G112© gemeinfrei)

Bibelzitat

"Und seine Heere werden kommen und Heiligtum und Burg entweihen und das tägliche Opfer abschaffen und das Gräuelbild der Verwüstung aufstellen."

Daniel 11,31

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