Mail aus Papua Neuguinea: Überfälle

Abgezockt auf der Landstraße
Abgezockt auf der Landstraße

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Madang mit der Vulkan-Insel Karkar

Abgezockt auf der Landstraße

Bewaffnete Männer stoppen ihn bei einer Autofahrt - unser Autor bleibt nur äußerlich cool.

Eine Fahrt von der Küstenstadt ins Hochland, von Madang nach Goroka. Es geht über einsturzgefährdete Brücken und Pässe mit riesigen Tropenbäumen. Wir sind zu dritt im Geländewagen, die Menschen winken uns zu. Plötzlich muss ich bremsen. Mitten im Nichts stauen sich vor mir Lkws, Busse, Privatautos. 
An einer Stelle ist der Asphalt großflächig weggebrochen. Mächtige ­Regenschauer, die manchmal tagelang andauern, haben die Straße unterspült, bis sie den Abhang hinunterrutschte. Die Wagen wühlen sich im Schneckentempo durch den Morast.

Ich frage, wie ich weiterhelfen kann

Etwa hundert Meter vor der ­kaputten Stelle stehen fünf, sechs Männer auf der Straße und verstellen uns die Durchfahrt. Sie sind bewaffnet mit Buschmessern und Speeren. Wir schweigen angespannt, als ich die Scheibe herunterkurbele. Ein Mann mit Speer, barfüßig und mit einem um den Kopf gewickelten T-Shirt erklärt: Er und seine Jungs würden helfen, 
den Verkehr zu regeln und die Straße 
wieder in Schuss zu bringen. Ich bleibe freundlich und frage, wie ich ihm weiterhelfen könnte. Er meint, ob wir nicht zehn oder auch 20 Kina hätten, um sie für diese Dienstleistung zu bezahlen. Ein Kina sind etwa 25 Cent.

Matthias Klingenberg

Matthias Klingenberg leitet das "Brot für 
die Welt"-Regionalbüro in Madang/Papua-
Neuguinea.
PrivatMatthias Klingenberg

Eigentlich sträubt sich in mir alles. Es sind Wegelagerer, die die Straße blockieren. Aber was soll man tun? Ich 
gebe also zehn Kina. Der Speerträger bedankt sich, wir können fahren. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Noch mal gut gegangen.
Etwa ein Kilometer nach der 
Erdrutschstelle stehen erneut bewaffnete Männer auf der Straße. Ein alter Mann mit überlangem Buschmesser ­erklärt, dass seine Jungs sich um die Straße kümmern würden . . . Als ich ihm sage, dass ich unseren Obolus ­da
für schon entrichtet hätte, bittet er mich zu warten und berät sich flüsternd mit seinen Jungs. Dann kommt er zurück und sagt, das sei "Alright" und wünscht uns eine gute Weiterfahrt.

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